FFF 2009: Blood: The Last Vampire (2009)

Dieser Text setzt eine Reihe zu Filmen fort, die auf dem Fantasy Filmfest 2009 zu sehen sein werden und hier in Frankreich dankenswerterweise schon zu sehen bzw. zu haben waren. Alle Beiträge zum FFF 2009 unter dem Tag FFF2009

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Die Position, die Schwerter und andere Waffen schwingende Heroinnen im asiatischen Kino innehaben, historisch verortet und anderweitig präzisiert, ist mir leider noch nicht vollständig klar. (Lese- und Sehhinweise werden in den Kommentaren und per Mail wirklich sehr gerne entgegengenommen.) Aber schon nur oberflächliche Betrachtung zeigt: Da gibt es offenbar eine Vorgeschichte, die der Westen in dieser Art nicht kennt, und sie wäre wahrscheinlich ein eigenes Buch wert. Aber das nur am Rande.

Ein Beispiel für diesen, scheint’s, unaufgeregt selbstverständlichen Heldinnentypus ist nun Saya, die in Blood: The Last Vampire (2009) im Japan der frühen 1970er Jahre auf Vampir- bzw. Dämonenjagd geht. (Die auch begriffliche Durchlässigkeit zwischen den Konzepten „Dämon“ und „Vampir“ bzw. „Blutsauger“ ist in diesem Film für meine westlichen Augen und Ohren eigenartig.) Der Film beruht auf dem gleichnamigen Anime-Film aus dem Jahr 2000, der dann wiederum Mangas, Romane und eine Fernsehserie nach sich zog. (Nähere Infos zu den diversen Abschweifungen in der in dieser Hinsicht wie stets ausführlichen englischsprachigen Wikipedia.)

Saya, die offenbar selbst halb menschlich, halb Vampir ist, jagt die Dämonen für eine geheimnisvolle Organisation, die sie im Ausgleich vor allem mit Blut versorgt. Ihre Suche nach einer besonders mächtigen Dämonin führt sie auf eine US-Airforce-Basis in Japan, wo sie zur (allerdings ziemlich stümperhaften) Tarnung auf die amerikanische Schule geschickt wird. Nach den ersten blutigen Schwertkämpfen vor Ort findet sie sich ohne große Begeisterung in einer Schicksalsgemeinschaft mit der Tochter des kommandierenden Generals wieder, bevor es schließlich zur großen Konfrontation mit den Blutsaugern kommt.

Die Handlung, man ahnt es schon, spielt hier eher eine Nebenrolle, die großzügigen Lücken, Logiklöcher und Drehbuchrevisionseffekte wurden nicht weniger großzügig übersehen oder durch viel Wums übertüncht. Immerhin spektakelt es hinreichend vor sich hin, daß die einigermaßen knackigen 90 Minuten tatsächlich nicht sonderlich langweilen. Da stört es, so man willig ist, unterhalten zu werden, eben nur bedingt, daß die Spezialeffekte weniger an großes Kino als an ein Computerspiel gemahnen und daß der finale Plottwist natürlich keiner ist, sofern man vorher nicht komplett geschlafen hat.

Saya (ohne allzu großes Gefühlsrepertoire gegeben von Gianna Jun) ist, hat man den Blick fest aufs amerikanische Mainstreamkino gerichtet, vielleicht noch am ehesten eine Wiedergängerin von Blade, ein „Halbblut“, das sich gegen seine schlechtere Hälfte brachial zur Wehr setzt. Man sähe auch an Saya allerdings lieber robustes Leder anstelle der doch recht knappen Schulmädchenuniform, die ihr die Handlung mühsam herbeierfindet.

Während aber Wesley Snipes‘ sehr amerikanischer Vampir permanent mit seiner eigenen Gefährlichkeit hadert, leidet Saya unter stärker nach innen gerichteten Zweifeln (darf man sagen: an „weiblicheren“ Zweifeln?) nach ihrer eigenen Verfaßtheit, ihrer inneren Konstitution, die sich aus ihrer Doppelnatur ergibt. Habe ich eine Seele? ist Sayas Frage auf der Suche nach sich selbst; für einen wie Blade stellt sich diese Frage nicht. Und so erledigt er den Kampf mit seiner Mutter auch letztlich ohne großes Federlesen; bei Saya ist dieser Konflikt existenzieller, auch wenn ihr Film sich zu echter Komplexität letztlich nicht aufraffen mag.

Foto: Fantasy Filmfest

FFF 2009: Sexykiller (2008)

Mit diesem Text beginne ich eine Reihe von kurzen Kritiken zu Filmen, die auf dem Fantasy Filmfest 2009 zu sehen sein werden und hier in Frankreich dankenswerterweise schon zu sehen bzw. zu haben waren. Alle Beiträge zum FFF 2009 unter dem Tag FFF2009

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Mag sein, daß, wie Bárbara sich echauffiert, das Serienkiller-Genre noch viel zu sehr Heimstatt patriarchaler Arbeitsteilung ist: Mordende Männer, kreischende (sterbende) Frauen. (Ja doch, es gibt Ausnahmen. Aber das ist ein anderes Thema.) Mit Verve und großer Ernsthaftigkeit macht sich die junge Frau jedenfalls daran, der Filmstatistik ein paar durch Frauenhand tote Männer (aber nicht nur die, soviel Gleichberechtigung muß sein) hinzuzufügen.

Sexykiller, morirás por ella (2008) ist dabei alles andere als eine ernste Angelegenheit. Ohne je zu einem echten Metafilm werden zu wollen, wird hier in Anspielungen (es fängt gleich mit Scream an) und Kritik das Slasher/Serienkiller-Subgenre geplündert und gelegentlich erweitert; und da der Großteil des Films von seiner Protagonistin (in Gestalt der sehr amüsanten Macarena Gómez) im Rückblick erzählt wird, macht man sich auch um die Mörderin wenig Sorgen. Daß es zwischendrin ein paar unmotivierte Sprünge in der Perspektive gibt, daß generell die Erzählung etwas wirre Hüpfer macht: Geschenkt.

Denn einerseits ist Sexykiller vor allem Spaßkino für die Horrorfreunde, andererseits liegt solche Sprunghaftigkeit auch in der Erzählerin, die äußerst impulsiv handelt und gerne auch glaubt, eine Kamera vor sich zu haben, in die sie dann mitten in einer Vorlesung hineinspricht. Andererseits hat sie aber nicht unrecht, oder?

Bárbaras größtes Ziel ist es, reich zu werden und einen Schönheitschirurgen zu heiraten. Aber gut im Bett sollte er schon auch sein, und was und wer dem nicht entspricht bzw. ihr im Wege steht, darf sich auf ein gut sortiertes, fein geschliffenes Waffenarsenal gefaßt machen. Wären nicht die Klingen und die à la Taxi Driver versteckten Pistolen, die hübsch hergerichtete junge Frau wäre dann doch das perfekte „Barbie Girl“, wie es Aqua einst besangen – nicht nur im Trailer ist das Lied zu hören.

In der zweiten Filmhälfte wird Sexykiller dann etwas unversehens zur vollständigen Groteske, als ein anderes Horrorsubgenre mächtig in den Film einzieht und den Rest der Handlung in Bewegung versetzt. Da wird dann auch noch Peter Jackson Reverenz erwiesen, und ich saß so kopfschüttelnd da, daß ich mich allemal gut amüsierte.

Foto: Fantasy Filmfest

Wanted

Dieser Text ist vor einiger Zeit an anderer Stelle bereits erschienen, soll aber hier zumindest angerissen sein.

Wanted - Szenenbild - Quelle: Universal

Was mich an Timur Bekmambetovs Wanted am meisten irritiert hat und mir im Gedächtnis geblieben ist, ist die ungebremst misanthrope Haltung, die der Film ausstrahlt und die wohl das Erbe ausmacht, das der Film aus seiner Vorlage noch mitgenommen hat.

Denn anders als der Film dreht sich die Wanted-Comicreihe von Mark Millar und J.G. Jones (Infos; wohlfeil in einem Band zu erwerben) keineswegs um eine Bruderschaft von Auftragskillern (Auftraggeber: der Webstuhl des Schicksals, the loom of fate, I kid you not); stattdessen wird der Loser Wesley von der schönen Fox nicht unbedingt freundlich darüber informiert, daß sein Vater Mitglied einer Gruppe richtig widerlicher Bastarde war – und er jetzt an seine Stelle rücken kann. Als solcher erwirbt er nicht nur eine Lizenz, sondern einen Freibrief zum Töten, und nutzt seine neu gewonnenen Möglichkeiten sofort, um alte Feinde aus Schulzeiten ebenso umzubringen wie Mädchen, bei denen er mal abgeblitzt ist. Was er „wirklich will“, so Fox, das solle er lernen, und manchmal sei das eben, jemanden umzubringen.

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(Foto: Universal)