Wynonna Earp – Staffel 1 (2016)

Wynonna war lang nicht mehr zuhause. Purgatory, egal ob man es mit Vorhölle oder Fegefeuer übersetzen will, trägt schon in seinem Namen wenig Beglückendes; für die junge Frau, die sich nur für eine Beerdigung aus Griechenland zurück hat holen lassen, ist das Kaff irgendwo mitten im Nirgendwo vor allem mit schlechten Erinnerungen verbunden. Denn Wynonna Earp ist eine direkte Nachfahrin von Wyatt Earp, Revolverheld, zeitweise auch Gesetzeshüter und generell Legende des Wilden Westens. Earp hat allerdings, und das ist das zentrale Element von Wynonna Earps Vorgeschichte, seinen Nachfahren ein beharrliches Problem hinterlassen: Einige der Verbrecher, die er erschoss, sind nicht wirklich gestorben, sondern kehren immer wieder als „Revenants“, als Dämonen von den Toten zurück, bis ein direkter Nachkomme von Earp sie mit dessen Peacemaker-Revolver umbringt.

Wynonna (Melanie Scrofano), die immer noch mit dem Trauma kämpft, dass sie nicht nur den Tod ihres Vaters erlebt, sondern auch den Tod ihrer großen Schwester Willa verursacht hat, will sich in diese alte Geschichte eigentlich nicht mehr hineinziehen lassen – aber schon bald stellt sich heraus, dass sie gar nicht darum herumkommt. Gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester Waverly (Dominique Provost-Chalkley) nimmt sie den Kampf gegen die Dämonen in und um Purgatory auf und wird zum gleichen Zweck auch von Xavier Dolls (Shamier Anderson) für seine „Black Badge Division“ rekrutiert, eine Sondereinheit der amerikanischen Bundespolizei, die sich mit übernatürlichen Phänomenen beschäftigt.

Die Fernsehserie Wynonna Earp geht relativ frei mit der Vorlage um, einer seit 1996 entstandenen Comicserie von Beau Smith – aus Vampiren werden Dämonen, reichlich neue Figuren kommen hinzu. Für eine Serie, deren dritte Staffel in den USA inzwischen bereits ausgestrahlt wurde, ist das aber wenig überraschend. Wynonna Earp lässt sich in der ersten Staffel viel Zeit mit den sieben Dämonen, die Wynonnas und Waverleys Vater umgebracht haben – diese endgültig ins Jenseits zu bringen, ist der beiden Frauen erstes Ziel. Aber schon dabei deutet sich an, dass das Universum des Übernatürlichen größer ist als nur das „Ghost River Triangle“, in dem die Earp’schen Revenants gefangen sind: Eine mysteriöse Hexe spielt eine Rolle, von Vampiren ist die Rede, und nichts an Xavier Dolls ist so geradeheraus, wie es zuerst den Anschein hat.

Und dann ist da natürlich auch noch Doc Holliday (Tim Rozon), vor einigen Generationen Wyatt Earps Partner und bester Freund – und nun erstaunlich jugendlich immer noch lebendig. Wynonna Earp mischt diese Figuren zu einem wilden Gemisch, hält alles in gelegentlich eher flapsigem Tonfall: Mit Wynonna als Bad Girl, das sich in Purgatory sehr unbeliebt gemacht hatte, bevor sie irgendwann nach Europa abgehauen ist. Ihre Schwester Waverley wird zunächst als braves Mädchen gezeigt, jedenfalls intelligenter als der Typ, mit dem sie rumhängt – und ist außerdem die, die seit Jahren gründlichste Recherchen zu den Dämonen gemacht hat, zur Geschichte von Wyatt Earp und den Bedingungen des Fluchs. Hinter der Dämonengeschichte entwickelt Wynonna Earp so noch die Geschichte, wie sich die Hauptfiguren, und schließlich sogar weitere Teile der Bevölkerung des doch sehr provinziellen Purgatory, langsam aber sicher weiterentwickeln.

Dass damit das Fernsehen nicht neu erfunden wird – geschenkt. Dass die Serie nie die auch ästhetischen Höhen von True Blood erreicht – geschenkt. Und dass es hier nie allzu sehr ums große Ganze geht – pffft. Wynonna Earp ist eher leichtere Unterhaltung statt Südstaaten-Schwermut, eher hell beleuchteter Western auf staubigen Hauptstraßen als sumpfige Düsternis. Aber auch das muss es geben – und vor diesem Hintergrund erzählt die Serie ohne jeden Furor von weiblicher Selbstermächtigung, männlicher Arroganz und der schweren Last eines familiären Erbes. Und sieht dabei immer noch gut aus.

Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.
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Bad Spies (2018)

Audrey ist so eine Frau, bei dem eigentlich immer alles schiefgeht, vor allem mit den Männern will es nicht so richtig klappen. Drew wäre eigentlich genau der richtige Typ gewesen – gutaussehend, smart, nett… aber dann macht er per SMS einfach Schluss. Noch während ihre beste Freundin Morgan sich darum bemüht, ihre Laune aufzubessern, stellt sich auf einmal heraus: Drew wollte Audrey nur schützen, er ist eigentlich ein Superspion, und ob sie vielleicht diese alberne Statuette nach Wien bringen und dort einer geheimnisvollen Kontaktperson übergeben könnte? Das Schicksal der Welt hänge nämlich davon ab… Unter den Agentenkomödien der letzten Jahre ist der Plot von Bad Spies (The Spy Who Dumped Me) bei weitem nicht der flachste, Susanna Fogels Film trumpft allerdings mit hervorragend inszenierten und choreographierten Kampfszenen auf, die zwar nicht so viszeral und dramatisch ausufern wie z.B. in Atomic Blonde – aber wer behauptet, Frauen ließen sich in Actionthrillern nicht als Hauptrollen besetzen, sollte 2018 endgültig eines besseren belehrt sein. Mila Kunis als zunächst etwas hilflose Audrey und Kate McKinnon als ordinäres Plappermaul, die ihren Eltern alles, wirklich alles erzählt, funktionieren als Duo ausgesprochen gut und bekommen mit Ivanna Sakhno auch noch ein mörderisch-weibliches Gegenüber.

Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.
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Red Sparrow (2018)

Dominika Egorova war bis zu einem Unfall auf der Bühne Primaballerina, dann rekrutiert sie ihr Onkel für die „Sparrows“, eine Einheit russischer Agentinnen und Agenten, deren Job es ist, die menschlichen – nicht zuletzt sexuellen – Schwächen anderer zu finden und auszunutzen. Das Training ist brutal, und Dominika (gespielt von Jennifer Lawrence) macht das alles andere als freiwillig. Sie wird auf einen amerikanischen Agenten angesetzt und soll von ihm den Namen eines Maulwurfs im russischen Geheimdienst herausfinden. Wie es sich für Spionage gehört, geht aber einiges schief, jede verrät jeden, und blutig wird es außerdem. Sehr blutig, stellenweise. Regisseur Francis Lawrence (mit der Hauptdarstellerin nicht verwandt) tunkt das Russland der Gegenwart in bedrückende Braun- und unterkühlte Blautöne, und führt in langen, viel zu langen Bewegungen durch die im Roman von Jason Matthews angelegten Verschwörungen. Das wirkt stellenweise übermäßig kompliziert und langatmig, hat aber vor allem weder die stilistische noch die intellektuelle Klarheit von einem Kammerspiel wie Dame König As Spion, und natürlich nicht die Energie von Atomic Blonde. Das kann auch der hochkarätige Cast – neben Lawrence sind Charlotte Rampling, Joel Edgerton und Jeremy Irons dabei – leider nicht retten.

Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.

Orphan Black – Staffel 5

Versucht es gar nicht erst, in der fünften Staffel in Orphan Black einzusteigen; es ist hoffnungslos. Zur Hölle, es ist eigentlich hoffnungslos, mit dieser Staffel loszulegen, ohne die vierte Staffel noch frisch im Gedächtnis zu haben, denn die erste Folge beginnt damit, dass die verschiedenen Klone in sehr unterschiedlich dramatischen Situationen sind: Sarah liegt allein im Wald, blutig und verletzt, Cosima wacht in einem seltsamen Lager in einer Jurte auf, Alison campt mit ihrem Mann und Helena irgendwo in der Pampa – und Dyad-Schergen sind allen gleichermaßen auf der Spur. Und das sind nur die klar umrissenen Umstände der ersten Folge. Mit seiner letzten Staffel geht das SciFi-Drama von BBC America noch einmal rückwärts durch seine ganze Geschichte – alte Bekannte tauchen auf, bekannte Häuser werden bezogen, Allianzen verschieben sich. Und alles kreist zunächst um PT Westmorland, den angeblich 170 Jahre alten Gründer von „Neolution“, der auf einer abgelegenen Insel für eine neue Zukunft der Menschheit und vor allem für Lebensveränderung forscht und intrigiert. Es ist, wie stets, eine Freude – eine komplexe Science-Fiction-Geschichte ohne Superkräfte und absurde Handlungssprünge; Tatiana Maslany glänzt wieder als Sarah, Cosima, Alison usw., und das Ensemble strahlt nicht minder. Das einzige Problem der Serie ist an diesem Punkt womöglich, dass zu viele Handlungsstränge zusammenkommen, verwoben sind und aufgelöst werden müssen. Was Orphan Black in seinen ersten beiden Staffeln so großartig machte – die Interaktionen und dramatischen Momente zwischen den Figuren, vor allem den Klonen –, ist am Anfang dieser Staffel zuweilen auf Dialoge beschränkt, die allein der Exposition und Handlungsentwicklung dienen. Das wird zum Ende hin wieder besser – in Vorbereitung eines möglichst befriedigenden Finales. Und vielleicht Sprungbretts: Maslany jedenfalls dreht jetzt mit Karyn Kusama und Nicole Kidman einen Thriller [Destroyer kommt hoffentlich auch bald ins Kino.]. Ich kann‘s kaum erwarten.

Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.

iZombie – Staffel 3

Lässt man die Zombies einmal raus in die Welt, sind sie kaum noch einzufangen. Das ist das Grundprinzip aller Zombiefilme, bei denen die Apokalypse entweder gerade beginnt (und sich meist explosionsartig ausbreitet) oder schon vorüber ist – so oder so sind die Untoten letztlich qua Überzahl die Herrscher der Welt, immer auf der Suche nach noch warmen menschlichen Körpern oder Gehirnen. iZombie hat von der ersten Folge an dieses Ausbreitungsszenario bis zum Stillstand retardiert, um erst einmal größtmögliche humoristische und kriminalistische Funken aus dem Status Quo zu schlagen: Als freches, „snarky“ im eigentlichen Sinne, Genre-Crossover zwischen Horror, Komödie und Polizeiserie.

Aber im Hintergrund schwelte immer mehr der Konflikt: Was untot ist, will Welt beherrschen. Dabei ist es weniger der Hunger nach BRRRAAAIINNNSS, der sie antreibt, nein, für manche geht es ganz banal um Gewinn, ums Geld – sie beschaffen Gehirne für die hungrigen Zombies, und wenn es nicht genug Nachfrage gibt, dann erschafft man sich halt neue… In dieser dritten Staffel deutet zunächst alles daraufhin, dass es so eine Weile friedlich weitergehen könnte, aber die Zombie-Söldner des Unternehmens Fillmore-Graves werden gezielt unter der Prämisse trainiert, dass irgendwann der Tag kommen müsse, an dem Zombies von der Öffentlichkeit entdeckt – und als Bedrohung wahrgenommen werden.

Derweil löst die Ärztin Liv (Rose McIver) mit ihrem Kollegen Ravi (Rahul Kohli) und dem Polizisten Clive Babineaux (Malcolm Goodwin) weiterhin Kriminalfälle – und muss von mehreren Seiten die Frage angehen, wie sich die Apokalypse möglicherweise doch noch verhindern lässt. Das kommt zwar in der Staffelmitte mit einigen Längen daher, nimmt dann aber zum Ende und zum ziemlich heftigen Finale Furioso dann doch wieder sehr, sehr deutlich an Fahrt auf. Die Fortsetzung läuft schon, in den USA und hierzulande hie und da im Stream.

Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.

Die Bestimmung – Allegiant (The Divergent Series: Allegiant, 2016)

Was gäbe es für Möglichkeiten, wenn sich auf einmal eine neue Welt auftut! Aber die neue Herrin über Chicago, die nach dem Kampf der Fraktionen untereinander in den ersten beiden Filmen der Bestimmung-Dystopie nun wieder Ordnung und Ruhe herzustellen versucht, lässt erst einmal das Tor schließen, das sich im Zaun um die Stadt herum aufgetan hatte. Einen ruhelosen Geist kann das freilich nicht stoppen. Und so macht sich alsbald „Tris“ Prior (Woodley) mit ihrem Bruder und ihren treuen Freunden auf den Weg um herauszufinden, was da draußen liegt.

Man kann schon mal sagen: Erst einmal eine Enttäuschung, und dann noch eine größere Enttäuschung. Zuerst ist da eine nicht nur öde, sondern auch noch giftige Wüste. Und irgendwo dahinter wartet Jeff Daniels als Leiter eines Forschungs-Außenpostens, von dem wir aus irgendwelchen Gründen glauben sollen, dass er wichtig genug für extrem schicke architektonische Sperenzchen sei.

Die Geschichte nimmt dann recht gemächlich ihren sehr vorhersehbaren Lauf: Hinter der Fassade dieser Einrichtung ist auch nicht alles so gut und richtig, wie alle tun; aber obwohl die Handlung des dritten Buchs von Autorin Veronica Roth auf zwei Filme gestreckt wurde, schafft Robert Schwentke es nicht, die zwei Stunden mit mehr als Oberflächlichkeiten zu füllen. Kein Wunder also, dass Film vier zwar wohl produziert, aber nicht mehr ins Kino gebracht, sondern gleich für kleinere Bildschirme geplant wird.

Vielleicht findet er so sein Publikum sogar effektiver.

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The Divergent Series: Allegiant Official Teaser Trailer – “Beyond The Wall”

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Orphan Black – Staffel 4 (2016)

Tatiana Maslany ist ein Wunder. Mit jedem Jahr, in dem sie die Klone aus Orphan Black spielt, wird ihre Darstellung differenzierter. Mit jeder Entwicklung von Sarah, Cosima, Alison, Rachel, Krystal und MK präzisiert sie die Unterschiede. Und in welchem Maße die Schauspielerin da engagiert ist, zeigt sich auch daran, dass sie inzwischen mit als Produzentin der Serie erscheint.

Die Handlung schreitet voran: Nachdem das Dyad Institute anscheinend ausgeschaltet ist, tauchen nun neue Akteure rund um die Neolution-Bewegung auf: Körperveränderungen, Implantate… bis hin zu avancierter Biotechnologie mit eingebautem Verteidigungsmechanismus. Ein Exemplar der letztgenannten Technologie findet Sarah unerwartet in ihrer Mundschleimhaut – und das setzt für sie, ihre Familie samt Adoptivmutter Siobhan und Stiefbruder Felix sowie ihre Klon-Schwestern eine neue Suche in Gang.

Die Stärke von Orphan Black war schon seit der ersten Staffel, dass hier Gedanken zu Biotechnologie, Gesellschaft und Identität (und natürlich Verschwörungstheorien!) in einem Genremix von Thriller, Science Fiction und (ein bisschen) Soap dicht miteinander verwoben werden. Getragen wird es dennoch von den persönlichen Interessen, Zweifeln und Dramen, die sich bei den LEDA-Klonen und ihren Familien und Helfern abspielen – und hier wird der Serie zum Vorteil, wie stark selbst die kleinen Nebenrollen besetzt sind. Nebenbei ist die Serie mit ihren starken Frauenfiguren ein feministisches Statement par excellence und bleibt außerdem eng am Puls nerdiger Subkulturen.

Staffel Vier ist allerdings, das sollte man hinzufügen, nicht der geeignete Platz, um mit Orphan Black zu beginnen. Zwar beginnt die Serie mit einem Flashback zu der Zeit vor der ersten Staffel und springt dann viele Folgen lang in der Timeline hin und her – verstehen kann man das aber nur, wenn man den ersten drei Staffeln einigermaßen aufmerksam gefolgt ist. Das ist der Preis, den man dafür bezahlt, eine der besten SciFi- Serien der Gegenwart zu genießen.

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Official Orphan Black Season 4 Trailer – Thursday, April 14th 10/9c on BBC America

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iZombie – Staffel 2 (2016)

Wenn uns der Schwung an interessanten Horrorserien der letzten Jahre etwas gelehrt hat, dann das: Das Zombiegenre lässt sich eigentlich mit allen anderen zu interessanten Formen mixen, vom medienkritischen Drama (Dead Set) bis hin sogar zur komödiantischen Familiensoap (Santa Clarita Diet). iZombie nimmt das Komödiantische und mischt es mit dem Polizeidrama – wobei sich in der nun zweiten Staffel (und die dritte folgt sogleich, ab 4. April 2017 in den USA) vor allem zu Ende hin die Zeichen und Handlungsstränge schon arg verdüstern. Eine logische Entwicklung, sind doch die humoristischen Funken aus der Grundkonstellation schon weitgehend herausgeschlagen.

Livs Exfreund Major wird nun angeheuert, Zombies zu jagen – statt sie umzubringen, friert er zumindest diejenigen lieber ein, die aus ihrem Zustand kein bösartiges Kapital schlagen. Mit ihrem Kollegen Ravi sucht Liv derweil weiter nach einem Heilmittel und löst mit dem Polizisten Clive Kriminalfälle. Am Ende der Staffel steht dann plötzlich eine
ziemliche Umwälzung bevor.

iZombie hat einen geradezu humanistischen Blick auf die Untoten. Zombies bleiben, solange ihr Hunger gestillt wird, bei klarem Verstand, neigen nur zu Stimmungsschwankungen – sie übernehmen Stimmungen und Verhaltensweisen aus dem zuletzt verzehrten Gehirn. Liv scheint aus jedem Gehirn etwas für ihr Leben zu lernen. Das muss nicht immer positiv sein: Einmal verspeist sie das Gehirn eines Misanthropen, den sein ganzes Viertel nicht leiden konnte – und schimpft dann fortwährend herum, bis hin zu rassistischen Sprüchen.

Dass ihre Persönlichkeit sich immer wieder verschiebt, funktioniert zuallererst natürlich als Reibungsfläche für komische Momente, eröffnet aber zugleich die Frage, was uns als Personen eigentlich ausmacht. Das Gehirn? Unsere dort eingeschriebenen Haltungen und Gewohnheiten? Die Serie fragt das nur implizit, ohne alle Schwere – und kann doch mehr als nur reine Unterhaltung sein.

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iZombie Season 2 Trailer (HD) Rose McIver

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Penny Dreadful – Staffel 2 (2015)

Penny Dreadful ist viele Dinge, aber jedenfalls kein fröhlicher Tanz bekannter Monstren. Nicht die x-te postmoderne Variation auf alte Monstren vor blaugrauer Kulisse und mit reichlich Steampunk-Action. Penny Dreadful ist, vor allem in seiner zweiten Staffel, die Verdichtung des „Gothic“, des Schauerromans zu wortreichem Drama, eine geradezu Dichte Beschreibung des Wesentlichen, was seit Mary Shelleys Frankenstein den Kern der Geschichten ausmachte: Schuld, Sühne, Verbrechen, Glauben, Einsamkeit, Versuchung.

In dieser Serie kommen sie alle zusammen: Ein Werwolf, Doktor Jekyll, Dorian Gray (der ewig jung Bleibende), Frankenstein – hier wirklich ein „moderner Prometheus“, leidend und ringend mit der Welt – und seine Monstren. Und alles gruppiert sich um Vanessa Ives, die Schuld auf sich geladen hat – mehr, als man ahnt. Eva Green scheint wie geboren für diese Rolle, mit ihrer weißen Haut, dem ernsten Gesicht, den schwarzen Haaren, der aufrechten, schmalen Gestalt. Immer fast durchscheinend, verletzlich, bis sich ihr Gesicht verhärtet, die ganze Figur vor Entschlossenheit gewissermaßen unsichtbar vibriert. Das Zentrum von allem.

In mehr als einem Sinne. In der zweiten Staffel sind es nicht mehr Vampire, die im London des späten 19. Jahrhunderts aufgetaucht sind, sondern Hexen, mit denen Vanessa durchaus eine gemeinsame Vergangenheit teilt. Währenddessen sucht sich Frankensteins ursprüngliches Monster, verliebt, in Weltschmerz gefangen und Gedichte lesend, Arbeit: So etwas wie ein reales Leben führen für Lily, die Frau, die Frankenstein ihm zur Seite erschaffen hat. Aber auch Lily entwickelt ein Eigenleben, und alles entwickelt sich anders.

Penny Dreadful ist nicht im Geringsten wie die „Penny Dreadfuls“ aus dem Titel, die Pulp-Romane, Schundheftchen. Hier wird ganze Folgen lang nur geredet und gebrütet, aber so immer mehr verdichtet, hin zu plötzlichen, schonungslosen Explosionen von Blut und Hoffnungslosigkeit.

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Penny Dreadful Season 2 | Official Trailer | Eva Green & Josh Hartnett SHOWTIME Series

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Orphan Black – Staffel 3

Man kann es ja schier nicht oft genug sagen und betonen, wie großartig Orphan Black ist. Die dritte Staffel der Serie von BBC America beweist das aufs Neue, mit weiteren Drehs und noch höherer Komplexität als die beiden Jahre zuvor. Für Neulinge: In der Serie geht es um Sarah (Tatiana Maslany) und ihre diversen Klone, die versuchen herauszufinden, woher sie kommen, warum das mysteriöse Dyad Institute sie beobachtet und jagt, und schließlich warum eine von ihnen eine plötzlich und heftig krank wird.

Am Anfang der dritten Staffel mischt auch noch eine Bruderschaft männlicher Klone (Ari Millen) mit, alle mit militärischer Ausbildung – aber es ist beileibe nicht alles, wie es scheint. Orphan Black zeichnete sich von Anfang an dadurch aus, dass es sich die Sache in Handlung und Charakteren nie einfach gemacht hat. Motive aus Science Fiction, Drama und gelegentlich Komödie mischen sich elegant, Bündnisse und Machtverhältnisse sind kontinuierlich in Bewegung. Und ebenso entwickeln sich die Figuren: Die brave Hausfrau Alison startet einen florierenden Drogenhandel, Helena ist immer noch wahnsinnig, während Cosima sich eine neue Freundin sucht und Rachel Mühe hat, wieder zusammenhängende Sätze zu sprechen, nachdem Sarah ihr einen Bleistift durchs Auge bis ins Gehirn gerammt hatte.

Das Glück von Orphan Black ist, dass alle diese Handlungsstränge stets verständlich bleiben, und das liegt nicht nur am Drehbuch und der sauberen Inszenierung, sondern vor allem und wieder an Tatiana Maslanys großartigem Können. Sie gibt jeder ihrer Figuren – und es kommt noch der eine oder andere Klon dazu – eine ganz eigene Persönlichkeit, eigene Körpersprache und Redeweisen. Ari Millen bringt ähnliches mit seinen „Castor“-Brüdern zustande; aber auch die anderen Darsteller haben nicht einen Moment der Schwäche. Orphan Black ist eine Serie, die aus einem SciFi-Thema eine enorm dichte Erzählung macht; ein irrwitziger Versuch, grandios gelungen.

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