DVD-Kritik: V – Die Besucher (Staffel 2)

Ursprünglich erschienen in Deadline #32, März 2012.

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Es geht erst einmal so weiter, wie es in der ersten Staffel endete: Die Außerirdischen um Kommandeurin Anna (Morena Baccarin) planen die Invasion der Erde, geben sich aber wohltätig und friedfertig. FBI-Agentin Erica Evans (Elizabeth Mitchell), eigentlich als Leiterin einer Sondereinheit zu Annas Schutz abgestellt, will weiterhin mit ihrer kleinen Gruppe von Widerständlern genau diese Invasion verhindern.

Die Neuverfilmung der Serie V – Die Besucher (hier meine Anmerkungen zur ersten Staffel), die nach der nun auf Blu-ray vorliegenden zweiten Staffel eingestellt wurde, gab sich schon von Anfang an nicht mit reiner Oberfläche zufrieden. Darunter schwelten Fragen nach Begrifflichkeiten – wer ist ein Terrorist, wer ein Freiheitskämpfer? –, die mitten ins Herz amerikanischer Selbstwahrnehmung trafen. Und war es schon vorher allein dadurch kompliziert, dass Ericas Sohn Tyler (Logan Huffman) sich in Annas Tochter Lisa (Laura Vandervoort) verliebte, so gehen in der zweiten Staffel die Verwicklungen noch etwas tiefer in Fragen von körperlicher Identität hinein.

Auch wird gut und böse hier fröhlich durcheinander gemischt, wird der Krieg schmutziger. Es geht immer noch um Information und Desinformation, aber mehr noch darum, wie weit man bereit ist, für seinen Kampf zu gehen – was tue ich meiner Seele an, was kann und will ich zu welchem Preis noch mittragen? Und ab wann verrate ich die Menschen, die Echsen an meiner Seite? Aber so fundamental sich V – Die Besucher dann auch immer wieder gibt, die Verwicklungen nehmen doch zuweilen fast schon Soap-Charakter an. Und auch wenn die Serie sich jedesmal einigermaßen glimpflich in die nächste Folge rettet, so merkt man die Mühen des Drehbuchschreibens dem Endprodukt doch ebenso an wie man auf der Blu-ray die Schwächen der CGI deutlich zu Gesicht bekommt. Ein echter Lichtblick ist das regelmäßige Auftauchen von Jane Badler, die in der alten V-Miniserie aus den 1980ern die Alienkönigin gab und nun als Annas Mutter in fast jeder Folge bösartige Kommentare über das Walten ihrer Tochter abgeben kann.

Kurzer Clip aus der „Wonder Woman“-Pilotfolge

Das Trauerspiel um die Wonder Woman-Fernsehserie, die NBC in Auftrag gegeben hatte, nur um sie dann nach Abdrehen des Pilotfilms von David E. Kelley sehr schnell wieder zu begraben, hatte ich hier und auf Twitter schon gelegentlich begleitet und kommentiert. Absurd viel wurde vor allem über das Kostüm der Hauptfigur diskutiert, das Adrianne Palicki tragen sollte; in weiteren Rollen waren mit Elizabeth Hurley und Cary Elwes zumindest leidlich bekannte B-Stars gecastet.

Natürlich darf man hoffen, daß die abgelehnte Folge irgendwann im Internet auftaucht (mit einer regulären Fernsehausstrahlung ist wohl eher nicht zu rechnen), so daß wir uns selbst ein Bild davon machen können, ob NBC zu Recht kalte Füße bekommen hat. Eine erste Ahnung davon gibt nun dieser 30-Sekunden-Clip, der seinen Weg ins Internet gefunden hat (vorher gab es schon gute, wortwörtliche zwei Sekunden Footage, die nur vage einen Eindruck davon vermitteln konnten, ob Palicki zu physischer Bewegung in der Lage sei), und leider, leider sieht es so aus, als habe NBC gut daran getan, sich nicht weiter mit der Serie zu belasten.

Natürlich ist der Clip (gefunden bei Allociné) vermutlich nicht repräsentativ für das Endprodukt, welches man eventuell im Fernsehen gesehen hätte; aber trotzdem stimmt hier fast gar nichts: Schnitte, Rhythmus, Timing, sogar die herumschwingenden Arme von Palickis Wonder Woman wirken unkontrolliert. Aber vielleicht sehr Ihr das anders?

Falling Skies (TV, 2011, 1×01-02)

„Being the leader of a postapocalyptic gang of outlaws has been exhausting!“

TM & © 2011 TNT. A Time Warner Company. All Rights reserved.

Die US-Serie Falling Skies, die an diesem Wochenende in den USA startet und dann ab 24. Juni auch in Deutschland auf TNT Serie läuft, hat ihren Ausgangspunkt am Ende einer Alieninvasion auf der Erde: Die bestehenden staatlichen, wirtschaftlichen und sozialen Strukturen sind offenbar weitgehend aufgelöst, die Überlebenden suchen nach Nahrungsmitteln in leerstehenden Supermärkten und Lagerhallen, Kontakt zur anderen Menschengruppen scheint es nicht zu geben.

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Das ist ein Szenario, wie es in Folge von Filmen wie Invasion: Battle Los Angeles oder Skyline denkbar wäre: Die Menschen sind nur noch „die Überlebenden“ (wie treffend natürlich auch die Pilotfolge heißt); an Sieg ist noch lange nicht zu denken. (Das ist natürlich auch eine hervorragende Prämisse für eine lang laufende Serie.) Und zugleich ist es natürlich ein Szenario, das unter minimal veränderten Vorzeichen alle Topoi des postapokalyptischen Films wieder aufnimmt, nicht zuletzt des Zombiefilms, und damit auch in direkter Konkurrenz zur Serie The Walking Dead zu sehen ist, deren zweite Staffel allerdings erst im Oktober anläuft – genug Raum also für Falling Skies.

TM & © 2011 TNT. A Time Warner Company. All Rights reserved.

Die Pilotfolge führt die Situation und das Setting sehr schön ein – über Kinderzeichnungen von der Invasion und den Beschreibungen der Kinder dazu – was sie erlebt haben, wie es ihnen dabei geht. Das setzt nicht nur den Ton (Mut trotz Verzweiflung, aber auch die permanente Erwartung des Todes), sondern führt auch bereits die Haltung dieser „Überlebenden“ ein: Im Angesicht des Untergangs gibt es noch Kinder, für die man Zeit hat, gibt es noch Schule gar.

Die Gruppe hat sich sehr amerikanisch, klassisch-postapokalyptisch organisiert: Eine große Gruppe Zivilist_innen (von denen zunächst nur sehr wenige herausgehobene Bedeutung erhalten), beschützt von einer mehr oder minder selbstherrlichen Miliz, zum Teil ehemalige Soldaten. Wer da auf den langen Märschen in akquirierten Häusern und Betten schlafen darf, daran zeigen sich schon erste Brüche in der Sozialstruktur.

TM & © 2011 TNT. A Time Warner Company. All Rights reserved.

Die Hauptfiguren sind Tom Mason (Noah Wyle), ein Geschichtsprofessor mit Spezialgebiet Militärhistorie, seine Söhne Matt, Ben und Hal, sowie die Ärztin Anne Glass (Moon Bloodgood). Tom schlägt sich mit seinem Vorgesetzten herum, will auf die Suche nach seinem von den Aliens gekidnappten Sohn Ben gehen und ist zugleich Ansprechpartner (und potentielles romantic interest) für Anne, die sich als Sprachrohr der Zivilist_innen versteht.

Das Hauptproblem der ersten beiden Folgen von Falling Skies, die ich vorab habe sehen können, scheint zu sein, daß diese Menschengruppe – bei allen kleinen Hakeleien, die sich andeuten, bislang noch zu sehr zu einfach verschiedene Variationen und Interpretationen des Guten und Richtigen repräsentiert, während alles Dunkle nach Außen projiziert wird – auf die Aliens, auf eine Gang von Outlaws, die raubend, vergewaltigend, an die Ressourcen der Miliz heranwill. Da ist freilich noch viel Potential für Konfliktentwicklung da, man wird sehen, was Robert Rodat aus dem Stoff machen will.

Schön ist dafür, daß der innere Konflikt zwischen dem Kampf fürs allgemeine und das persönliche Wohl hier offen ausgetragen (wenn auch zuweilen etwas rasch bereinigt) wird; wie die Wissenschaften Geschichte und Biologie kleine Würdigungen erfahren, wenn auch allein als Mittel im Kampf gegen die Invasoren, und wie schließlich und vor allem die Differenz von Momenten des Kampfes und der Auseinandersetzung kontrastiert wird mit ein, zwei starken Szenen, in denen plötzlich die Ruhe und Unschuld der Welt von früher durchdringt.

Fotos: TNT

ABC-Remake von ‚Charlie’s Angels‘

Die erschreckendste Nachricht dieses Trailers: Drew Barrymore ist als Ausführende Produzentin mit im Boot. Von ihr hätte man sich eigentlich mehr erwartet, aber womöglich ist die Neuauflage der 70er-Jahre-Serie (an deren Verfilmung in den 2000ern Barrymore vor und hinter der Kamera beteiligt war) mit Annie Ilonzeh, Minka Kelly und Rachael Taylor vor allem eine gute Methode, um etwas Geld zu fabrizieren. Jedenfalls passen die Engel mit Nikita und anderen Agentinnen gut in die aktuelle Fernsehlandschaft.

Die neue Serie wird ab Herbst 2011 in den USA ausgestrahlt.

(via)

Habemus Wonder Woman: Adrianne Palicki

Wie heute bekannt wurde, hat NBC nun die Hauptrolle der neuen Wonder Woman-Fernsehserie mit der Schauspielerin Adrianne Palicki besetzt. Palicki ist in den USA bislang vor allem durch ihre Rolle in der Fernsehserie Friday Night Lights bekannt geworden; international war sie in der weiblichen Hauptrolle des eher mittelmäßigen Legion zu sehen.

Drehbuch und Konzept der neuen Serie stammen von David E. Kelley, der zum Beispiel auch Ally McBeal mitverantwortete; insofern darf man *hüstel* auf seine Perspektive und Umsetzung gespannt sein; tvovermind schreibt zu den Plänen des Senders:

Wonder Woman will apparently be a straight-faced, non-camp take on the famous superheroine, and will follow NBC’s previous attempts at a successful superhero series

Das wird auf jeden Fall anders aussehen als der mal angedachte Spielfilm aus der Feder von Joss Whedon; aber geben wir dem Projekt halt mal eine Chance. Und so lange kann man sich ja nochmal die Website des geplanten Wonder Woman-Dokumentarfilms (hier mehr dazu) ansehen oder das Projekt bei Kickstarter finanziell unterstützen – da fehlen noch fast 7500 US$, die in den kommenden vier Wochen zusammenkommen müssen!

V (2009/2010) – Staffel 1

Meist gerät man ja durch biographische Zufälle schon früh mit irgendwelchen Dingen in Berührung, die sich dann tief ins Gedächtnis eingraben und immer wieder hervorkommen. So ging mir das mit dem Reptiliengesicht, das da auf einmal unter Menschenhaut zum Vorschein kam, den Meerschweinchen als Snack, ganz und lebend verzehrt, versteht sich.

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Ich war 1983, gerade einmal zehn Jahre alt, für einige Monate bei Verwandtschaft in den USA, und weil ich dort mehr Fernsehen geschaut habe, als meine Tante eigentlich wollte, habe ich auch V gesehen, die Miniserie, die NBC damals ausstrahlte (und die dann als V – Die außerirdischen Besucher kommen 1988 auch in Deutschland gezeigt wurde).

Ich habe mir die Serie jetzt noch einmal angesehen; Anlaß dafür war natürlich das Serienremake, das seit November in den USA zu sehen war und dessen zweite Staffel ab heute von ABC ausgestrahlt wird.

Woran ich mich nicht erinnern konnte (vielleicht auch, weil es mir damals nicht aufgefallen war) sind die starken Bezüge zur Judenverfolgung und zum Nationalsozialismus, die in der Originalserie aufgemacht werden. Immer wieder spricht eine jüdische Figur, offenbar Überlebender des Holocaust, davon, dies nicht wieder geschehen lassen zu wollen; er und seine Familie sind die ersten, die sich auf die Seite der von den Vs verfolgten Wissenschaftler_innen schlagen.

Angedeutet werden noch eine ganze Reihe von Themen, die wohl zum Teil in den dann folgenden Spin-Offs, die ich allerdings nicht kenne, weiterverarbeitet wurden.

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Die neue Serie (IMDb) greift, neben der grundlegenden Plotkonstruktion, viele einzelne Elemente des Originals in veränderter Form wieder auf (etwa den Fernsehjournalisten), vor allem aber ist es ein in Ton und Richtung gänzlich anderes Stück Fernsehen. Daß es nicht allen gefällt, ist da selbstverständlich.

Und natürlich ist dieses neue V keine Fernsehserie, die die Möglichkeiten des Mediums, wie sie Serien in den letzten Jahren ausgelotet haben, wirklich vollständig nutzt; aber es verfügt über eine gar nicht dumm aufgebaute Spannungsdramaturgie, die von Folge zu Folge die Handlungsschrauben anzieht, immer wieder neue Handlungsstränge und Wendungen fabriziert und zugleich zumindest die Nebenfiguren auch wirklich weiterentwickelt. Zudem verfügt die Show über ein ausreichendes Budget, um nicht nur Stars der alten Serie für Gastauftritte zu verpflichten, sondern auch die für ein Science-Fiction-Abenteuer dieses Schlages unabdingbaren Spezialeffekte einigermaßen würdevoll hinzubekommen – auch wenn sich die Personen in der CGI-Welt der V-Raumschiffe immer ein bißchen so bewegen, als schwebten sie knapp über dem Fußboden.

Die „Besucher“ bekommen hier schon rasch in Gestalt des „Schläfers“ Ryan Nichols (Morris Chestnut) ein menschliches Gesicht (Kulturwissenschaftler_innen: Das es sich bei ihm um den einzigen schwarzen Protagonisten handelt, sollte doch interessante Forschungszugänge eröffnen!), auch wenn sich die Serie sonst sehr daran abarbeitet, die Außerirdischen als „anders“ zu kennzeichnen – da ist es ein fast schon subtiles Stilmittel, daß die „V“s (die sich irritierenderweise auch selbst so nennen) zum Essen das gleiche Besteck verwenden wie zum Foltern. Die Menschen werden mit einigem Interesse, aber stets von außen betrachtet. („There is no greater incentive for a human male“, doziert die Alienkönigin einmal, „than a damsel in distress.“ – Da ist sie schon, die Ethnologie der Menschheit aus der Perspektive einer Außerirdischen.)

Die Verweise auf den Nationalsozialismus sind hier nur noch sehr subtil verhandelt – die Besucher zeichnen sich durch Gefühllosigkeit und absolute Loyalität aus, ihre Königin schenkt ihnen dafür „bliss“, Momente der Glückseligkeit. Das ist zunächst einmal nicht so sehr militaristischer Faschismus, der da zum Vorschein kommt (obwohl die Serie in ihrem Verlauf brutaler und expliziter wird) – die Menschen werden regelrecht umworben und gehätschelt. Eine ganze Zeit lang ist V viel eher eine Serie über PR und politische Öffentlichkeitsarbeit, über spin doctoring, Wirkung und Effekt – und schließlich auch über Information und Desinformation.

Das bekam im vergangenen Jahr einen ganz eigenen Beigeschmack, als sich die Verschwörungstheoretiker_innen und Aliengläubigen über die globalen Kampagnen zur Impfung gegen die „Schweinegrippe“ beugten und bekundeten: Alles nur Beschiss. Denn gleichzeitig war in V zu sehen, wie die bösen Fernsehaliens genau solch eine Impfaktion anregen, die angeblich vor allen möglichen Krankheiten bewahren solle, tatsächlich aber nur Teil ihres großen Plans zur Eroberung der Welt und Unterjochung der Menschheit darstellt…

Der Witz ist nun, und das hat mich sehr für die Serie eingenommen, daß die Macher_innen damit wiederum Verschwörungstheorien von Leuten wie David Icke aufgenommen haben, die man gar nicht so genau kennen will, wenn man sich seinen Wikipedia-Eintrag ansieht:

At the heart of his theories lies the idea that a secret group of reptilian humanoids called the Babylonian Brotherhood controls humanity, and that many prominent figures are reptilian, including George W. Bush, Queen Elizabeth II, Kris Kristofferson, and Boxcar Willie.

Für Icke sind diese Reptilien selbstverständlich auch direkt in die „Propaganda“ für die Impfprogramme involviert, wie sich z.B. hier und hier nachlesen läßt. Die Folge 1×04 von V nimmt diese Geschichte nun eben ziemlich nah am Wortlaut wieder auf und wendet sie gewissermaßen wörtlich in Fernsehfiktion um. Was für ein brillanter Plan der Reptilien, damit wir jetzt wirklich glauben, das sei nur erfunden! (Doch, doch, die Verbindungen sind vielfältig!)

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(Etwas problematisch ist dabei, daß von der „Universal Health Care“, die die Außerirdischen anbieten, gerade im vergangenen Jahr die Assoziation zu Barack Obamas Gesundheitsreform nicht besonders weit entfernt ist – sich die Serie also womöglich in ein politisches Gebiet begab, in dem sie eigentlich gar nicht unbedingt wildern wollte.)

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Die eigentlichen Hauptfiguren der Serie sind, und da wird’s dann wirklich spannend, die FBI-Agentin Erica Evans (Elizabeth Mitchell) und die Alienrepräsentatin Anna (Morena Baccarin). Es ist, im Lauf der Serie wird das immer stärker, ein Kampf der Mütter, der sich in den Kindern fortsetzt – Anna setzt ihre Tochter Lisa (Laura Vandervoort) gezielt ein, sie soll sich einen menschlichen Partner suchen. Daß Lisas und Annas Wahl ausgerechnet Ericas Sohn Tyler (Logan Huffman) wird, ist eher zufällig.

Erica gerät eher zufällig an eine Widerstandsgruppe gegen die Vs, die sie zunächst als terroristische Schläfer bekämpfen soll – schon bald wird ihr aber klar, womit sie es hier wirklich zu tun hat, und sie wird zur treibenden Kraft einer neuen Widerstandszelle. (Daß sie die einzige Frau in dieser Gruppe bleibt, ist auch bezeichnend, hebt es doch ihren besonderen Status hervor.) Zugleich wird sie im FBI einer Gruppe zugeordnet, die sich mit Anti-Alien-Bestrebungen auseinandersetzen soll, und kommt auf diese Weise auch direkt in Kontakt mit Anna.

Die erste Staffel der Serie lebt so von der unterschwelligen Ambivalenz der Beziehungen zwischen Menschen und Aliens, zwischen womöglich echten Bindungen und harten Machtkämpfen. Das „real face“, das man zeigen soll, wird freilich darin problematisch, daß es Überläufer in beide Richtungen gibt und für die Menschen die wahren Motive der Aliens, die sich in Frieden und mit Wohltaten (Gesundheit, saubere Energiequellen) nähern, nicht ersichtlich sind. (Die Zuschauer_innen erfahren sie letztlich übrigens auch nicht. Man weiß nur, daß sie wohl nichts Gutes im Schilde führen.)

Anna weiß, wohlgemerkt, in dieser Zeit nichts davon, welche Rolle Erica in der Widerstandsbewegung „Fifth Column“ spielt; für die FBI-Agentin ist der Konflikt allerdings zugleich immer ein Kampf um die Rettung ihres Sohnes, dessen Ausprägungen auch sprachlich gelegentlich an Ripley aus Aliens denken lassen: „If I have to cross a line to blow that bitch out of the sky, I will.“

Die Männer spielen hier in allen für die Serie relevanten Strukturen immer nur die zweite Geige; überdeutlich wird das in der Folge 1×06, die erstmals die Sexualität der Vs thematisiert, die auf irritierende Weise sehr menschliche Vorstellungen von erotischer Sexualität und vager weiblicher Dominanz mit insektenhafter Animalität verbindet – da wird auch deutlich, warum sich die Vs, Insektenstaaten gleich, um eine „Königin“ herum organisieren.

(Daß in Ericas Leben kein Mann vorkommt, auch Tylers Vater nicht, sie somit zur – gutartig – alleinherrschenden Mutter wird, verstärkt die Gegenüberstellung der beiden Frauenfiguren natürlich noch.)

Die erste Staffel endet mit der Geburt eines Mensch-Alien-Mischlings, den Anna zunächst als „a mongrel, a threat to our survival“ einstuft, dann aber doch um alles in der Welt besitzen will. Die Themen von Reproduktion (und ihrer impliziten Monstrosität), von Reinheit und Mischung, Weiblichkeit und Macht – sie sind alle angerissen und aufgeladen. Ab heute kann man sehen, wie das weitergehen soll.

Falling Skies: Preview

So ganz überzeugt mich dieses Preview auf die Fernsehserie Falling Skies, die ab kommenden Sommer im amerikanischen Sender TNT ausgestrahlt werden wird, noch nicht. Zu sehr erinnert mich die Grundkonstruktion an ein auf Eindeutigkeiten reduziertes V (mehr dazu), zu sehr erinnert mich das im Spot unten erwähnte Licht wiederum an den rundum mißratenen Skyline. Aber man soll das nicht vorab schlechtreden; die Besetzung ist bemerkenswert und Steven Spielberg als Ausführender Produzent an Bord.

Vorab gibt es als eine Art „Prequel“ einen Webcomic zu lesen; zur Serie selbst ist auf der Homepage des Senders zu lesen:

FALLING SKIES opens in the chaotic aftermath of an alien attack that has left most of the world completely incapacitated. In the six months since the initial invasion, the few survivors have banded together outside major cities to begin the difficult task of fighting back. Each day is a test of survival as citizen soldiers work to protect the people in their care while also engaging in an insurgency campaign against the occupying alien force.

At the center of the series is Tom Mason (Noah Wyle), a Boston history professor whose family has been torn apart. His wife was killed in the initial attack, and one of his three sons has been captured. Determined to get his son back and to ensure the safety of his other two sons, Tom must put his extensive knowledge of military history to the test as one of the leaders of the resistance movement known as the 2nd Mass, because of their location in Boston, Mass. They are constantly trying to gain intelligence about the aliens in order to one day outsmart and overtake them and hopefully rebuild their lives.

Moon Bloodgood (Terminator Salvation) co-stars as Anne Glass, a pediatrician who works with the surviving children to help them cope with the traumatic upheaval in their lives. Will Patton (Armageddon, TNT’s Into the West) plays a fierce leader of the resistance, Weaver. The series also stars Drew Roy (Secretariat) as Hal, Tom’s oldest son and a growing fighter in the resistance movement; Maxim Knight (Brothers & Sisters) as Matt, Tom’s youngest son; Connor Jessup (The Saddle Club) as Ben, Tom’s son who was captured by aliens; and Seychelle Gabriel (Weeds) as Lourdes, an orphaned teenager who helps Anne in the group’s makeshift medical clinic. Colin Cunningham (Living in Your Car) is John Pope, the leader of an outlaw motorcycle gang and Sarah Carter (Shark) is Margaret, a wary survivor of Pope’s gang.

(via)

V: Preview auf „Red Rain“ (2×01)

Ich habe mich bisher hier noch nicht näher zur amerikanischen Fernsehserie V, dem Remake der gleichnamigen Serie(n) aus den 1980er Jahren. Die Serie ist sicherlich kein Meilenstein der Fernsehkunst, aber doch aus verschiedenen Gründen, auf die ich demnächst hoffentlich endlich einmal zu sprechen komme, recht interessant.

Vorerst aber gibt es, anläßlich des Starts der zweiten Staffel am 4. Januar 2011 mit der Folge „Red Rain“, deren erste 14 Minuten schon einmal vorab von ABC zu sehen:

(via)

Nikita 1×01 (TV, 2010)

In den USA ist gerade die neue Serie Nikita angelaufen – natürlich ein Remake oder Reboot einer Reihe von Film- und Fernsehprodukten, die 1990 mit La Femme Nikita von Luc Besson begannen, mit Anne Parillaud in der Titelrolle als drogenabhängige Mörderin, die von einer geheimen staatlichen Organisation eine neue Identität verpaßt bekommt und zur Auftragsmörderin ausgebildet wird. Seitdem hat es Remakes aus Hong Kong (Hei mao aka Black Cat, 1991) und den USA gegeben (Point of No Return, 1993, mit Bridget Fonda als „Nina“) sowie eine kanadische Fernsehserie, die von 1997 bis 2001 wieder unter dem französischen Titel La Femme Nikita firmierte (und die ich leider nicht kenne).

Der jetzt im CW Network gezeigte Pilotfilm führt natürlich vor allem die Protagonistin Nikita (Maggie Q) ein; allerdings basiert Nikita auf einer etwas anderen Handlungsprämisse als die Vorgänger. Hier geht es nun darum, daß Nikita nach dem Tod ihres Partners (bzw. vermutlich nach seiner Ermordung) die Organisation „The Division“ verlassen hat und jetzt wieder auftaucht, um deren Aktivitäten offenzulegen und den Verein zu zerschlagen. Eine Frau also gegen den Rest der (Geheimdienst)Welt.

Parallel dazu wird mit Alex (Lyndsy Fonseca) eine Figur eingeführt, die zunächst die gleiche Handlungsposition zu füllen scheint, die in den bisherigen Filmen von Nikita selbst besetzt wurde: die Neue in der „Division“, die jetzt erst ihrem Training unterzogen wird.

Natürlich – hier geht es um Spionage, Gegenspionage, Attentate und Geheimdienste – ist hier vieles nicht das, was es anfangs erscheint; allerdings legt schon der Pilotfilm sehr viel offen (und vieles ist zudem recht vorhersehbar), so daß ich gespannt bin, ob die kommenden Folgen die Komplexität der Handlungskonstruktion steigern oder eher mit konventionellen Handlungsmustern weitergeführt werden.

Eine längere Szene im Piloten setzt Maggie Q, die Nikita leider (noch?) nicht viel charakterliche Tiefe zu geben vermag, extensiv in wenig Kleidung in Szene; ich hoffe, daß die Serie nicht nur dazu dienen soll, die Protagonistinnen einmal pro Folge in knappen Bikinis herumlaufen zu lassen. Häufig wechselnde Outfits à la Alias wird es aber wohl sicher geben. Und dann wird es Zeit, sich noch einmal die Filme aus den 1990ern und den Wandel des Frauenbildes genauer anzusehen.

Foto: The CW Network

Ricky Gervais präsentiert die Golden Globes 2010

Ich habe die Golden Globes gestern abend nicht gesehen, aber nach diesem Video, das nahezu zehn Minuten lang Ricky Gervais, der sie präsentierte, solo zeigt, muß ich wahrscheinlich nicht mehr viel sehen, oder? (Die Gewinner hat z.B. Peter.)

Tipps für Szenen, die ich noch ansehen sollte, gerne in die Kommentare. Links are welcome. ;-)

Update: Schade, das Video wurde entfernt, und einen adäquaten Ersatz habe ich noch nicht gefunden. Hier gibt’s wenigstens ein paar der Scherze, ansonsten muß man suchen.