Die Bestimmung – Insurgent (2015)

Es ist der zweite Film in der Divergent-Trilogie, auf der Oberfläche einem weiteren Vertreter der „Young Adult“-Welle, die sich vornehmlich an junge Frauen richtet. Veronica Roths Romane surfen natürlich auf der Gischt, die mit Twilight und vor allem den Hunger Games über die Welt schwappte und schwappt. Die Rahmenhandlung ist eine klare Dystopie: In einer anscheinend zerstörten Welt überleben die Menschen nur in einer einzigen Stadt (die sehr an ein zerstörtes Chicago erinnert) und sind dort in fünf „Fraktionen“ aufgeteilt. Dieses Kastensystem, das die Menschen nach ihren hervorstechendsten Charaktermerkmalen einteilt, soll die Stabilität der Gesellschaft wahren. Genauso wie das aber mit den arbeitsteilenden Distrikten in Hunger Games ist, so haben auch die Grenzen zwischen den „Fraktionen“ heftige Risse.

Verkörperung dieser Risse ist Tris (Shailene Woodley), die zu den „Ferox“, den mutigen Kämpfern der Stadt zugeteilt wurde, bald aber erfahren muss, dass sie, wie (welch ein Zufall!) auch ihr Schwarm Four (Theo James), eigentlich „Divergent“ ist: Abweichend von der Norm, weil sie eben nicht nur mutig ist, sondern auch klug, mitfühlend etc. Der erste Film, Die Bestimmung – Divergent, setzte vor allem die Rahmenhandlung in Bewegung. In Die Bestimmung – Insurgent müssen sich nun die Abweichler gegen die zum Polizeistaat mutierte Herrschaft von Tris’ Antagonistin (Kate Winslet als sehr, sehr kalte Diktatorin) zur Wehr setzen, die alle „Divergent“ einsperren lassen will.

Insurgent kann nicht wirklich überzeugen; die Actionsequenzen sind teils solide, teils aber übertrieben fantastisch (und spielen sich auch zeitweise nur in der Fantasie von Tris ab), vor allem aber ist das ein klassischer Mittelteil, der sich auch wie ein unausgegorenes Füllsel anfühlt. Immerhin rückt das Finale die Künstlichkeit der ganzen Handlungskonstruktion in ein anderes Licht und ergibt sogar ein wenig Sinn. Den Film rettet das allerdings nicht mehr.

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Diese Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.

Rabbit Fall – Finstere Geheimnisse (2007)

Ein neuer Cop in der kleinen Stadt: So beginnen unzählige Krimis und Thriller, aber Rabbit Fall – Finstere Geheimnisse unterlegt die Ankunft von Tara (Andrea Menard) in dem kanadischen Kaff Rabbit Fall schon von Anfang an mit einem unheimlichen Ton. Sie macht ein Foto von sich am Ortseingang, erkennt auf ihrem Display jemanden, der am Waldrand steht, und macht sich auf die Suche. Als sie zurückkommt, hat jemand ihr Auto geklaut…

Da sind noch nicht einmal zehn Minuten um, aber die Themen von Auftauchen, Verschwinden und seltsamen Erscheinungen setzen sich durch die ganze Staffel der kanadischen Mystery-Serie fort. Taras Vorgänger im Amt des Constable hat sich anscheinend umgebracht, und das Verhalten ihrer Kollegen ist bestenfalls fragwürdig – schwankend zwischen polizeilichem Corpsgeist und undurchsichtigen eigenen Interessen. Im Dorf kennt jeder jeden, und dass zahllose Menschen vor allem unter den Native Americans verschwunden sind, scheint niemanden so richtig zu stören. Und dann beginnt Tara, Geister zu sehen.

Rabbit Fall versteht es sehr gut, die Schraube der Geheimnisse immer weiter anzudrehen. Am Anfang scheint vieles noch nach einer etwas unheimlich inszenierten Krimiserie auszusehen, samt Albträumen und Visionen, aber das Übernatürliche – Taras eigene Vergangenheit eingeschlossen – nimmt immer größeren Raum ein, hin zum zur zweiten Staffel weit offenen Ende. Entsprechend wirken auch nur die ersten Folgen so, als folge die Serie dem üblichen Format von einem Kriminalfall pro Sendung; stattdessen entwickelt sich bald ein Spannungsbogen, der über die ganze Staffel reicht.

Damit ist Rabbit Fall auch eher etwas für geruhsame Gemüter, denn die Serie lässt sich, kanadisch entspannt, viel Zeit für ihre Entwicklung. Ungeduldige Geister wird das gelegentlich enervieren, zumal die etwas lieblose DVD-Ausgabe selbst die immergleichen Zwischensequenzen beibehalten hat, die zur TV-Ausstrahlung vor und nach den Werbeblöcken kamen und mit einem recht nervtötenden Jingle unterlegt sind.

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Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.

Taxi Brooklyn – Staffel 1 (2014)

Die Serie (ob im Fernsehen oder als Stream) gilt inzwischen immer mehr als Königsdisziplin des filmischen Erzählens – ein Ruf, den sich die Serie natürlich durch einige herausragende Beispiele erarbeitet hat. Nicht in allen Fällen funktioniert das gleichermaßen, und schon gar nicht, wenn mehr oder minder erfolgreiche Filme in Serienform gegossen werden. In manchen Fällen wirkt das gar wie verzweifelte Restemisshandlung am Ende einer langen Verwertungskette. Mit TAXI hatte Luc Besson als Produzent 1989 einen kleineren Hit – eine clevere kleine Actionkomödie um einen ungeschickten Cop und einen autoverliebten Taxifahrer in Marseille. Besson molk das Thema noch für diverse Fortsetzungen und setzte schließlich mit NEW YORK TAXI 2004 noch eine Variante drauf: Cop und Taxifahrerin im Big Apple auf der Jagd nach einer Truppe supermodel-förmiger Bankräuber (u.a. Gisele Bündchen in einer ihrer glücklicherweise seltenen Filmrollen).

Und jetzt ist aus dem Stoff also die Serie Taxi Brooklyn geworden, diesmal mit der Polizistin Cat Sullivan (Chyler Leigh), die nicht mehr selbst fahren darf, und einem semi-legal aus Frankreich eingewanderten schwarzen Taxifahrer Leo (Jacky Ido), die gemeinsam Fälle lösen und nach dem Mörder von Cats Vater suchen. Die Polizistin mit dem toten Elternteil: Das stammt natürlich tief aus der Stereotypenkiste, und leider ist es auch ziemlich genau so interessant. Die Folgen sind so spannend wie eine kräftige Dosis Schlaftabletten, daran ändern auch die Geschwindigkeit suggerierenden Schnitte oder die Andeutungen von Intrigen in Cats Revier und andere Nebenhandlungen nichts, zumal die eingestreuten Scherze schlichtweg überhaupt nicht zünden. Vor allem wirkt Leigh völlig blass und freudlos – während Ido neben ihr deutlich sichtbar reichlich Spaß mit seiner Rolle hat. So gern ich eine neue Serie mit einer starken Frauenrolle im Lead sähe, Taxi Brooklyn liefert das nicht, sondern nur die schwächelnden Überreste einer bis aufs letzte ausgesaugten Story in neuem Gewand.

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Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.

Profiling Paris – Staffel 1 (2009)

Die Psychologin Chloé Saint-Laurent ist die neue im Team, und den Polizisten passt sie gar nicht in den Kram, allein schon deshalb, weil sie ihnen einfach vor die Nase gesetzt wurde. Chloé (Odile Vuillemin) ist aber selbst für eine Profilerin etwas extravagant. Anstatt kühl zu kalkulieren und zu recherchieren steigert sie sich geradezu in den Kopf der Opfer und Täter hinein. Sie trägt bunte Klamotten, riecht an Beweisstücken und fasst alle an, redet abwechselnd fast nichts oder allen zu viel. Kommissar Matthieu Pérac (Jean-Michel Martial) ist anfangs wirklich sehr genervt von dieser Kollegin, die aus einer völlig anderen Welt stammt, aber natürlich kommt man sich im Lauf der Zeit dann doch endlich näher.

Man muss sich ja eigentlich schon recht anstrengen, um eine Krimiserie so richtig langweilig zu machen, aber offenbar wurde für Profiling Paris so einiges an Aufwand betrieben. Die Serie kann sich nie so richtig entscheiden, ob sie nun die Polizeiarbeit zeigen will oder eher psychologische Profile schnüren – vor allem letzteres scheitert aber schon daran völlig, dass die Waschküchenpsychologie, die Chloé in den Mund gelegt wird, eigentlich nicht einmal Leute vom Schlage Péracs überzeugen können sollte.

Noch dazu sind die Fälle, mit denen sich das Team konfrontiert sind, nicht besonders gut konstruiert – um von spannend mal zu schweigen. Und auch die schönen Bilder von Paris, die man zwischendurch zu sehen bekommt, und die einen frankophilen Menschen wie mich eigentlich besänftigen sollten, können die Schwächen dieser Serie nicht übertünchen. Gleichwohl gibt es sechs Staffeln von Profiling Paris, die jüngste und wohl letzte wurde im vergangenen Jahr abgedreht. Die erste Staffel wurde seit Februar auch bei Sat.1 ausgestrahlt; aber vielleicht muss man diese Qual ja nicht unbedingt bis zum Ende durchziehen?

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Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.

The Transporter Refueled (2015)

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Eine kurze Notiz nur zu The Transporter Refueled, der ja heute in die Kinos kommt. Der Film verlässt sich natürlich primär auf seine Kombination auf Testosteron, Männerschweiß und Benzingeruch, und actionweise funktioniert das auch ganz gut, wenngleich ohne große Besonderheiten, die man jetzt ernst nehmen müsste. Und der Charme von Jason Statham fehlt.

Die Frauen sollen hier natürlich angeblich diejenigen sein, die die Initiative übernehmen, die ihren (oft nur wenig bekleideten) Körper als Waffe einsetzen, die bestimmen, wie es läuft. Der Film reduziert sie leider auf nur vermeintliche Femmes fatales, welche Männer, die ihnen helfen, gerne mit Sex belohnen. Und die Männer schalten dann natürlich sofort ihr Hirn ab und die Hoden ein (oder so).

Es geht dauernd um Sex, vom Phallus Auto bis hin zu dieser Szene, in der im Trailer (siehe unten) der Moment weggelassen ist, als die weibliche Hauptfigur, nachdem der „Transporter“ dem ersten Hydranten einen Wasserstrahl entlockt hat, ein verzücktes „Oh!“ ausruft. Vier Frauen, ein Mann, aber bei ihm ejakuliert es trotzdem aus vier Richtungen.

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Und mögen die Frauen, allesamt Zwangsprostituierte, sich auch im Lauf des Films noch so kompetent zeigen – im Umgang mit Schußwaffen wie komplexen Computersystem und Bankrechnern -, so verlässt sie doch ihre Selbstsicherheit und Planungsstärke im letzten Viertel auf einmal völlig, sobald es ein wenig ernster zur Sache geht. Die Männer hingegen (auch noch Vater und Sohn, die sich die Frauen teilen, oh my) kommen natürlich ohne große Kratzer aus der Sache heraus.

(Foto: Universum)

Violet & Daisy (2011)

Noch haben sie einen gewissen Schockwert, mordende Mädchen, junge Frauen mit der Knarre in der Hand. Aber VIOLET & DAISY legt es gar nicht auf den Schockwert an. Es gibt einen furiosen Einstieg, ein choreographiertes Gemetzel, in dem die Kugeln nur so fliegen und das Blut spritzt, und danach wird es fast bedächtig, nachdenklich; dann löst sich der Film auch vom dröge Chronologischen und fängt an zu forschen, in den Gedanken und Träumen der beiden Titelheldinnen (wunderschön: Alexis Bledel und Saoirse Ronan). Die sind noch nicht so richtig erwachsen, das Dasein als Auftragskillerinnen scheint eher zufällig, sie sind fast erschreckend harmonisch und genügsam miteinander, aber gelegentlich stammen die Sätze, die sie sagen, aus den Ratgeberspalten ihrer Illustrierten: „Everything’s a test when you’re a career woman.“ Die machen einen Job eigentlich nur, weil sie ihrem Popstar-Idol nacheifern, zum Konzert wollen, ihre Kleider kaufen. Und dann geht alles schief – sie schlafen in der Wohnung der Zielperson auf dem Sofa ein, und als der nach Hause kommt (James Gandolfini in einer seiner letzten Rollen), deckt er sie warm zu und macht ihnen dann was zu essen.

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Im Grunde schickt der Mann, längst todgeweiht und zum Tod bereit, sie auf eine Reise zu sich selbst; da wird es dann gelegentlich surreal und blutig, eine andere Killerin, ganz oben in der Hierarchie der Unterwelt, wird zum Schutzengel, und am Ende des Tages gibt es viele Tote, Geschenke und das vage Gefühl von etwas mehr Reife. Das ist zu bedächtig und verworren, um richtig spannend zu sein; aber Geoffrey Fletcher (er hat vorher das Drehbuch zu PRECIOUS geschrieben) gelingt in seinem Erstling eine verträumte Atmosphäre mit rabiaten Brüchen, von der man sich gerne aufsaugen lässt. Und clever ist es zudem, anspielungsreich und schön anzusehen, nicht nur der beiden Protagonistinnen wegen.

(Zuerst erschienen im September 2013 in der deadline #41.)

Zenabel – Gräfin der Lust (1969)

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Man sollte es kaum für möglich halten, dass es selbst von Ruggero Deodato, der spätestens seit Cannibal Holocaust aka Nackt und Zerfleischt fest im Kanon des abseitigen Films verankert ist, noch Filme gibt, die kaum bekannt sind. Zenabel – Gräfin der Lust, auch mal als Die Jungfrau mit der scharfen Klinge im Verleih, gehört wohl dazu; der Streifen ist elf Jahre vor Holocaust entstanden, eine ziemlich alberne Erotik-Klamotte um zwei rivalisierende Räuberbanden – die eine Männer, die andere Frauen –, die sich dann zu einer Thronfolgerschlacht gegen den spanischen Fürst Don Alfonso ausweitet. Angeführt wird die Rebellion von Zenabel (Lucretia Love, sehr unspanisch blond), die gerade erst erfahren hat, dass eigentlich ihr Alfonsos Thron qua Geburt zusteht. Der Film erscheint in deutlich gekürzter Fassung zu den ursprünglich 99 Minuten, die deutsche Synchronisation macht das Geschehen vermutlich noch etwas alberner, als es eh’ schon war, und so ist das ein nur vage vergnüglicher, aber sehr konsequenter Erotikschmarrn mit viel nackten Frauenbrüsten und männlicher Verzagtheit; zum Ausgleich für das Martyrium gibt es einen schönen Vagina-Dentata-Moment am Ende einer traumartigen (und womöglich nur geträumten) surrealen Folterkellerszene. Bonuspunkte gibt es aber auch für die Musik – von Bruno Nicolai und Ennio Morricone.

(Zuerst erschienen im September 2013 in der deadline #41.)

Cold Blooded (2012)

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Eine ganz normale, langweilige Nacht in einem Copleben soll das werden; Constable Frances Jane (Zoie Palmer) soll – das Haus ist überfüllt – in einem ansonsten stillgelegten Teil eines Krankenhauses auf den Juwelendieb Cordero (Ryan Robbins) aufpassen, bis er in ein Gefängnis verlegt werden kann. Cordero wurde auf der Flucht verletzt und hat vorher angeblich seinen Komplizen erschossen hat; seiner Bewacherin gegenüber aber streitet er das ab und setzt seinen ganzen Charme ein, um wenigstens interessante Gespräche zu führen und im Idealfall das Weite suchen zu können. Jane geht auf seine Avancen nicht ein, aber die Lage ändert sich schlagartig, als mit Louis Holland (William MacDonald) plötzlich einer von Corderos Komplizen auftaucht, der nicht nur seinen toten Kumpel rächen will, sondern auch gerne wissen würde, wo denn eigentlich die geklauten Diamanten stecken. Jason Lapeyre, Regisseur und Drehbuchautor, ist mit diesem Film und I DECLARE WAR gleich mit seinen ersten beiden fiktionalen Langfilmen auf dem Fantasy Filmfest vertreten. Er macht aus diesem Set-Up ein stark reduziertes Kammerspiel mit wenig Personal und engen Räumen – man darf vermuten, dass hier auch Budgetgrenzen den Rahmen begrenzten, aber das tut dem kleinen Film sehr gut, der zu den ersten gehört, die unter dem neuen Filmlabel der OFDb erscheinen.

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Cold Blooded konzentriert sich auf seine Figuren und gibt jeder einzelnen einen Hauch von Leben (nur der Oberbösewicht wirkt schlicht unfreundlich) – den Rest erledigt eine immer wieder Haken schlagende Jagd, bei der Jäger, Gejagte und Allianzen gerne hin- und herwechseln, während reichlich Blut fließt. Das ist nicht immer alles großartig; gelegentlich wirken die Finten und Wendungen auch mal konstruiert, aber für all das wird man entlohnt, wenn man wieder einmal direkt und unverstellt (oder hinter Strömen von Blut) in Zoie Palmers Gesicht blicken kann, vor allem diese AUGEN! Die machen vieles wett, was ansonsten stören würde. Und Holland schließlich findet ein würdiges, hingezogenes Ende; wie, das soll nicht verraten werden.

(Zuerst erschienen im September 2013 in der deadline #41.)

(Foto: OFDb Filmworks/Ascot Elite)

De l’autre côté du périph (2012)

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Omar Sy war ja schon vor Ziemlich beste Freunde in Frankreich kein ganz Kleiner, aber natürlich hat ihm der Überraschungshit einen richtigen Karriereschub verpasst; aber weil auch französische Produzenten manchmal nicht einfallsreicher sind als anderswo, hat man ihn für Ein MordsTeam in eine ganz ähnliche Konstellation gepackt: Hier Ousmane (Sy), der schnodderige Schwarze aus der Pariser Banlieue, dort François (Laurent Lafitte), der überkorrekte Weiße aus der Hauptstadt. Nur sind diesmal beide Polizisten, so dass das Ergebnis sich doch sehr den Stereotypen der amerikanisch geprägten Buddy-Cop-Komödie annähert. Dabei funktioniert das über weite Teile nicht schlecht: Ousmane mischt die schicken Kreise auf, mit denen sich der Karrierist François gut stellen will, während François in Bobigny zwar völlig verloren ist, aber auch feststellt, dass Ousmane ein ziemlicher Aufschneider ist, der Harold Faltermeyers „Axel F“ als Klingelton hat. Der eigentliche Fall ist dabei natürlich ziemlich egal, und so wird er auch behandelt; leider hebt sich dann aber auch die Beziehung der beiden Cops nie so richtig über die Genrestandards hinaus. David Charhon inszeniert solide und flott – und am Ende hat sich, natürlich, ein Paar gefunden.

(Zuerst erschienen im November 2013 in der deadline #42.)

Hansel & Gretel: Witch Hunters (2013)

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Es gibt, wenn man ehrlich ist, nur wenige Möglichkeiten, das Märchen „Hänsel & Gretel“ wirklich einigermaßen authentisch zu verfilmen. Denn um ein weichgespültes Märchen, das sich problemlos in disneyfiziertes Wohlbefinden übertragen ließe, handelt es sich dabei eigentlich nicht. Dem Geist der Quelle getreu können eigentlich nur zwei Varianten sein: als düsterer Horrorfilm oder als einigermaßen entfesselter Splatterfilm – wahlweise den Schrecken betonend oder den Sieg über die Hexe.

Für die erstere Variante gibt es inzwischen einige Versuche, die zweite wird – in konsequenter Fortsetzung des in den ersten zehn Minuten stark reduziert und leicht abgewandelt erzählten Märchens – in Hansel & Gretel: Witch Hunters bis zur Kenntlichkeit entstellt. Denn der Film, inszeniert von Død snø-Regisseur Tommy Wirkola, ist ein B-Movie mit A-Budget, das keine Gefangenen nimmt und sich für guten Geschmack nur so lange interessiert, wie er cool aussieht.

Gemma Arterton und Jeremy Renner spielen das erwachsen gewordene Geschwisterpaar, das aus ihrem Zufallserfolg in Kindertagen eine Karriere gemacht haben, self-made Witch Hunters gewissermaßen, und so natürlich durch pittoreske „deutsche“ Lande ziehen – die Handlung verschlägt sie nach Augsburg, wo die Kinder gleich en gros verschwunden sind und weder Bürgermeister noch Polizeichef so recht wissen, wie man dem Hexenfluch begegnen soll.

Dann spritzen Flüche, Blut, Eingeweide und Maden („The curse of hunger for crawling things… I fucking hate that one.“) en gros und en detail – die Extended Version für’s Heimkino wirft noch einige Szenen obendrauf –, die Hexenjäger_innen schwingen allerlei Waffen, die (klarer Pluspunkt für den Film) ihre Herkunft aus dem Steampunk nicht verleugnen können – das ist alles historisch inakkurat, dramaturgisch eher vage aneinandergefügt, aber sehr unterhaltsam.

Die Hexerei als weibliche Angelegenheit wird hier ohne großes Federlesens und ohne große Kümmerei um Gender-Sensibilitäten einfach behauptet und durchgezogen, und wo mich das meistens nerven würde, scheint es hier recht: zum einen, weil dem ganzen Unterfangen soviel Camp und Albernheit innewohnt, dass man nichts ernst nehmen muss, und zum anderen, weil daraus eben kein Geschlechterkampf wird, allenfalls so herum: Sieht man von Hänsel ab, haben die Männer hier allesamt überhaupt keinen Schimmer, und nur die wenigsten meinen es wenigstens gut.

Es ist dann nur leider inkonsequent, dass Artertons Gretel nicht etwas mehr im Fokus ist – aber das hier ist eh kein Charakterdrama. Aber auch kein Exploitation: Es bleibt, das ist vielleicht der einzige Kritikpunkt, den man aufbringen könnte, alles schön brav im Rahmen des heute akzeptablen Schmodders; dies ist kein Film, der Lanzen brechen oder Grenzen aufweichen will, sondern knallige Unterhaltung mit viel Blut und viel Drive.