Puppet Master: Das tödlichste Reich (2018)

Die Puppet Master-Filmreihe umspannt seit David Schmoellers erstem Streifen von 1989 bereits zwölf Filme über den Puppenmacher André Toulon, dessen Kreaturen mittels eines Elixiers zum Leben erweckt werden konnten; weil er diese Kräfte nicht den Nazis in die Hände fallen lassen will, bringt er sich lieber selbst um. Aber natürlich erwecken seine Erfindungen gleichwohl böse Interessen und Gelüste, und so laufen schließlich mordende Puppen durch die Gegend. Das war eine Konstellation, die sich in immer leicht variierten Geschichten immer wieder neu erzählen ließ; wenn auch vielleicht nicht immer mit gleichermaßen interessanter Strahlkraft.

Für die zwölfte Fortsetzung Puppet Master: Das tödlichste Reich haben die schwedischen Regisseure Sonny Laguna und Tommy Wiklund (die zuletzt We Are Monsters gemeinsam gedreht haben) die Hintergrundgeschichte grundsätzlich neu geordnet. Sie erleichtern den Einstieg mit zwei Ikonen des Horrorkinos: zum einen Udo Kier, der mit viel Latex im Gesicht und Menschenverachtung in der Stimme eine neue Inkarnation von Toulon spielt. Dessen Puppen ermorden in einem kurzen Rückblick auf die späten 1980er Jahre ein lesbisches Liebespaar, er selbst selbst wird kurz darauf von der Polizei in seinem Haus erschossen.

Denn Toulon war in dieser Variation der Geschichte, so erzählt es zum anderen dann Barbara Crampton als Polizistin im Ruhestand ihrem Publikum anläßlich des dreißigsten Mord-Jubiläums, ein überzeugter Nazi, der wahrscheinlich auch seine Frau noch auf dem Schiff während der Überfahrt in die USA umgebracht hat. Seine Puppen sind inzwischen makabre Sammlerstücke, die nun auf einer Aktion verkauft werden sollen. Im Brass Buckle Hotel treffen sich die Sammler, aber dann erwachen die Puppen, wohl durch die Nähe zu Toulons Mausoleum, zu neuem, naja, Leben – und fangen gleich einmal an, ihre vermeintlichen Besitzer zu ermorden.

Puppet Master: Das tödlichste Reich splattert dann sehr exploitativ dahin, mit weitgehend nackten Frauen- wie Männerkörpern, mit abgetrennten Körperteilen oder weit aufgerissenen Wunden aus Latex und so viel Blut, so dass eine ganze Zeit lang die Freigabe durch die SPIO mit „Keine schwere Jugendgefährdung“ in der Schwebe hing. Empfindsam sollte man jedenfalls nicht sein, es geht schon recht brutal zu und auch ohne Rücksicht auf sonst übliche Grenzen. Die Effekte sind wohl vor allem Tate Steinsiek zu verdanken, wären aber auch eines Tom Savini würdig. Die technische Eloquenz wird noch ergänzt durch die Musik von Fabio Frizzi, der viel mit Lucio Fulci zusammengearbeitet hat, und Richard Band, der an der Puppet Master-Reihe schon länger mitgearbeitet hat.

Was Lagunas und Wiklunds Beitrag zur Reihe aber besonders heraushebt, sind die Darsteller, die Story und das fürs exploitative Splatter-Horrorkino außergewöhnliche Drehbuch von S. Craig Zahler (Brawl in Cell Block 99, Bone Tomahawk). Denn in diesem Film wird keine wahllos zusammengestellte Reihe von Hotelgästen ermordet, die Puppen metzeln sich vor allem durch Gruppen jener Menschen, die auch der Nazi Toulon gehasst hätte. Als erstes wird ein jüdisches Paar verbrannt, das eben noch darüber sprach, dass man mit dem Sammeln der Puppen den Nazis gewissermaßen den Stinkefinger hinhalte: Seht her, wir leben noch, aber eure Symbole sind jetzt unsere Sammlerstücke. Und dann sterben vor allem Schwarze, Homosexuelle… die Puppen haben es vor allem auf Außenseiter der Gesellschaft abgesehen, und das darf man durchaus als politischen Kommentar von Autor und Regisseuren verstehen.

Vor allem aber gelingt es dem Drehbuch, interessante Hauptfiguren zu entwickeln: Den leicht gescheiterten Comicautor Eddie Easton (Thomas Lennon), gerade geschieden und nun frisch verliebt in Ashley (Jenny Pellicer), die zusammen mit seinem Chef Markowitz (Nelson Franklin) mitten in dem Gemetzel stranden. Die Beziehungen dieser drei untereinander, ihre Dialoge und Dynamiken sind auch ohne das Morden sehenswert; um sie wird es uns wirklich Angst und Bange.

Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.
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Super 8 (2011)

Es ist der Sommer des Jahres 1979: Star Wars und Spielbergs Close Encounters of the Third Kind sind erst zwei Jahre her, und gerade hat George A. Romero sich mit Dawn of the Dead richtig tief ins amerikanische Unterbewusstsein eingefressen. In einem Kaff im ländlichen Ohio macht sich darob eine Gruppe von Freunden daran, in den Sommerferien einen „Monsterfilm“ zu drehen, wie Joes Vater (Kyle Chandler), der Deputy der Kleinstadt, das nennt – Erwachsene haben eben keine Ahnung. Charles (Riley Griffiths) möchte sich mit seinem Zombiestreifen um Aufnahme bei einem kleinen Filmfestival bewerben – ausgerüstet nur mit einer Handvoll Ideen, einem selbstgeschriebenen Drehbuch und dem Enthusiasmus einiger Freunde.

Sie sind, wenn man so will, die letzte Generation von Nerds, die ohne Heimcomputer aufwächst, und Super 8, der das Medium ihrer Wahl im Titel vor sich her trägt, setzt ihnen ein Denkmal, die mit Schminke, Latexelementen und selbstgebastelten Feuerwerkskörpern einfach das machen, wonach sie sich sehnen. Das ist eine gänzlich aktuelle Szenerie – schließlich sind selbstgedrehte Filme heute mehr denn je en vogue – und zugleich eine ganz und gar nostalgische, in der sich alles vereint, was die Mythologie von Kindheit und Jugend im provinziellen Amerika der 1970er, 1980er Jahre hergibt.

Mehr noch als ein Monsterfilm, zu dem Super 8 nach und nach wird, ist er also ein Coming-of-Age-Drama als Abenteuerfilm, in Ernsthaftigkeit und Gestus irgendwo zwischen Die Goonies und Stand By Me, denen es sich auch stilistisch und in seinen Figuren anschmiegt. Das alles fügt sich auch zusammen in den Hauptpersonen hinter der Kamera: Produzent Steven Spielberg, dem Altmeister des Science-Fiction- und Abenteuerkinos (sein E.T. – Der Außerirdische ist hier auch stets präsent), und Regisseur und Drehbuchautor J.J. Abrams, der nicht zuletzt dafür bekannt geworden ist, dass er alte Themen für ein neues Publikum aufzubereiten weiß, von Cloverfield bis zum Star Trek-Remake.

Joe (Joel Courtney), Charles und ihre Freunde wollen also den Zombiefilm drehen, und der sehr umtriebige Charles denkt sich für den Film noch eine kleine Liebesgeschichte aus, um ihn interessanter zu machen – es gelingt ihm sogar, die eher stille Alice (Elle Fanning) dafür zu gewinnen, die alle beteiligten Jungs mehr oder minder heimlich verehren. Mit Alice betritt die spannendste Figur, mit Fanning die bemerkenswerteste Schauspielerin des jungen Ensembles die Leinwand – und wenn man an dessen Konstellation etwas zu bemängeln hat, dann die Abwesenheit Alices während eines guten Drittels des Films.

Es gibt eine großartige Szene gleich zu Beginn des Films, als Charles auf einem verlassenen Eisenbahnhaltepunkt eine nächtliche Abschiedsszene mit Alice und ihrem Film-im-Film-Ehemann Martin (Gabriel Basso) drehen will – Alice spielt ihre Rolle als verzweifelte Ehefrau so überzeugend, dass die anderen Kinder mit den Tränen kämpfen, und Fanning wechselt so übergangslos von ihrer Film-im-Film-Figur zu Alice zurück, dass auch den Zuschauern im Kino den Atem raubt. Und kurz darauf wird dieser Moment voller Emotionen und präzisem Schauspiel von einem Effektgewitter überladen: Bei einem offenbar absichtlich herbeigeführten Unfall entgleist direkt neben den Kindern ein Zug der Air Force – und nach und nach stellt sich heraus (den kinoerfahrenen Zuschauern ist es schon frühzeitig klar), dass in einem der Wagons ein Wesen transportiert wurde, dass nicht in diese Welt gehört. (die Szene ist online verfügbar)

Es folgen dann die weitgehend unvermeidlichen Szenen, die zum gemeinsamen Motiv dieser Filme gehören: der Einmarsch des Militärs in die ahnungslose Kleinstadt, die Täuschung der Bevölkerung, und natürlich haben nur die Kinder, auf die niemand hören will, eine vage Ahnung davon, was wirklich geschieht. Man findet also viele Szenerien des Monsterfilms, die man auch anderswo schon gesehen hat, und das auch noch bis in die Geschlechterordnung hinein oft allzu traditionell ausgerichtet. Gleichwohl wird Super 8 nie langweilig und bleibt – Abrams macht da seinen Job hervorragend – durchweg unterhaltsam und spannend; den Zauber der allerersten Minuten, als sich alles nur um die Beziehungen der Kinder untereinander dreht, findet er allerdings nicht mehr wieder.

Sein Publikum wird der Film als gut gemachter Monsterfilm mit deutlich komplexeren Figuren als im Genre sonst üblich aber dennoch finden; zumal er nicht nur als zeithistorisch fast schon beängstigend präzise nostalgische Rückbesinnung auf die Hochzeit des Genres funktioniert, sondern mit seiner (nicht minder genretypischen) Kritik an Technokratie und Technikgläubigkeit (der Unfall im Atomkraftwerk von Three Mile Island taucht explizit auf) auch gut in der Gegenwart funktioniert.

Und natürlich haben sich mit Spielberg und Abrams zwei Kenner der Filmgeschichte ausgetobt: der implizit antisowjetische Unterton vieler Alieninvasionsfilme der 1950er und 1960er Jahre wird hier umgedreht, wenn die seltsamen Geschehnisse der Stadt – vom Monster und vom eigenen Militär verursacht – von den verschreckten Einwohnern einer geheimen Sowjetinvasion zugeschrieben werden.

Der Artikel erschien zuerst im Juli 2011 auf horrorblog.org (inzwischen offline).
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(Fotos: Paramount)

Holiday – Sonne, Schmerz und Sinnlichkeit (2018)

Die Männer sind schon da, in der Villa im türkischen Bodrum, das Meer ist nur einen Steinwurf weit entfernt, im Hafen unten lagern die Yachten und Segelboote. Sascha (Victoria Carmen Sonne) ist nachgereist, ganz allein läuft sie durch die Gänge des Flughafens, als sei sie allein aus einem Privatjet ausgestiegen; dann aber reist sie mit einem gewöhnlichen Bus weiter, trifft schließlich ihren Freund (Lai Yde), für den sie offenbar Geld durch den Zoll gebracht hat – sie hat etwas abgezweigt, das wird zwar unter den Teppich gekehrt, aber nicht ohne Drohung: Noch einmal darf das nicht passieren.

Saschas Vergehen bleibt dann in Isabella Eklöfs Debütlangfilm wie ein Fremdkörper am Anfang stehen, es wird nicht mehr erwähnt und bleibt in der Tat folgenlos; das entspricht dem mäandernden Verlauf von Holiday, dessen deutsche Verleihergänzung Sonne, Schmerz und Sinnlichkeit nicht weiter von der Wahrheit sein könnte: Von Sinnlichkeit jedenfalls keine Spur. Und eigentlich auch nicht von einer Handlung, sie ist reduziert auf das Allerwenigste: Michael macht krumme Geschäfte (anscheinend mit Drogen, im Hintergrund sollen jedenfalls irgendwelche Treffen stattfinden, aber bitte nicht in seiner Villa), Sascha verbringt die Tage mit Einkaufen, Sonnenbaden, manchmal gehen alle zusammen essen. Aus ihrer Perspektive, der der Film konsequent folgt, bleibt weitgehend unklar, was die Kumpel von Michael, alles spürbar keine Profiverbrecher, eigentlich treiben.

Sascha spricht in einem Eiscafé den Niederländer Thomas (Thijs Romer) an, der auf seinem Segelboot wohnt, und trifft sich ab und an aus Langeweile mit ihm. Es ist eigentlich nichts Ernstes, aber sie ist jung, blond, sehr dünn und schön, vielleicht passiert ja doch mehr, als sie ihm dann zum gemeinsamen Ecstasy einlädt. Michael wird, ganz der maskuline Möchtegern-Drogenboss, natürlich eifersüchtig, aber es endet dann doch ganz anders, als man denkt.

Eklöf erzählt, oder genauer: zeigt hier Saschas Leben. Eingefangen mit ruhigen, nahezu statischen Kameraeinstellungen, die einerseits die leuchtend schönen, glitzernden, aber auch leblosen Hintergründe ausstellen: Läden, Restaurants, den Yachthafen. Davor agieren die Figuren, häufig im Zentrum der Einstellung, in einer, allen Sonnenstrahlen zum Trotz, kühlen Welt, in der sie alle voneinander getrennt wirken. Musik gibt es kaum, außer jener, zu der Sascha ab und an tanzt; auch da: nichts Gemeinames, kein Glück.

In all die Kühle brechen dann die gelegentlichen Ausbrüche von Gewalt einerseits überraschend, andererseits als zwingende Folge ein; besonders bestürzend ist dabei eine sehr explizite Vergewaltigungsszene in der Mitte des Films, ebenso distanziert gefilmt wie all der Rest und dadurch um so erschreckender. Für die Regisseurin war es „absolut notwendig“, diese Szene zu zeigen, wie sie in einem Interview sagte, „denn ich habe das noch nie aus der weiblichen Perspektive gezeigt bekommen“.

Die weibliche Perspektive bedeutet dann aber eben hier: Dass Sascha, wenn man das konsequent zu Ende denkt, ihr ganzes Leben aus einer so distanzierten Perspektive betrachtet, dass sie sich von ihrem eigenen Leben abgelöst hat. Und genau dies bekommt man auch zu sehen: Eine Existenz, die sich alle unmittelbaren, echten Gefühle erspart, um das Leben in diesen Rahmenbedingungen, in einem gewissen Luxus, in einer bestimmten Gruppe leben zu können.

Eklöf gelingt es, dies in unerbittliche, streng kadrierte Bilder einzufangen, ein absolut mitleidloser Blick auf ein Leben, dass sich alle Gefühle abtrainiert hat – bis diese dann doch, in einem kurzen, hoffnungslosen Moment, hervorbrechen. Damit es dann weitergehen kann wie bisher. Ich habe jetzt schon Angst vor Isabella Eklöf nächstem Film: Wenn sie schon vor solchem Szenario so genau Lebenslügen sezieren kann, was nimmt sie sich als nächstes vor?

Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.
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Hell Fest (2018)

„Enter if you dare!“ Komm rein, wenn du dich traust! Hell Fest geht zumindest mit einem gesunden Selbstbewusstsein in seine ersten Minuten, die quasi als Flashback bereits das Grundthema etablieren: In einer Art Geisterbahn treibt ein fieser Mörder sein Unwesen, das Opfer wird Teil der Attraktionen – zumindest, wie wir später erfahren, bis es beginnt streng zu riechen.

Regisseur Gregory Plotkin hat sich nach dem eher faden Paranormal Activity 3: Ghost Dimension nun vorgenommen, seinen nächsten Genrefilm nun auf jeden Fall eins nicht werden zu lassen: langweilig. Zwischendurch hat er bei Get Out und Happy Deathday den Schnitt bewerkstelligt und offenbar einiges gelernt, auch wenn sein Eintrag in den zeitgenössischen Slasher das komödiantische allenfalls in der Übersteigerung sucht.

Dabei lässt es sich zunächst sehr typisch an: Drei sehr amerikanische Pärchen im frischen Collegealter verbringen den Halloween-Abend (ausgerechnet!) gemeinsam. Und wo könnte man sich schöner und kontinuierlicher Gruseln als auf dem „Hell Fest“, gewissermaßen ein Pop-Up-Vergnügungspark des Schreckens. Vermutlich schlecht bezahlte Monsterdarsteller schreien die Besucher in jedem zweiten Moment an, da wird aufgefahren, was die Populärkultur so hergibt: von Clowns und Zwergen über bärtige Damen bis hin zum Predator und selbst die Jeff Goldblum‘sche „Brundlefly“ ist dabei und spuckt nichtsahnenden Besucherinnen grünen Glibber aufs Leibchen. Es ist eine Freude.

Und es ist natürlich auch ein filmischer Trick: Die Jumpscares sind gewissermaßen schon Teil der diegetischen Erzählung, gehören automatisch zu dem, was in der Handlung ständig allen widerfährt. Das wertet ihr Schreckpotential auf Dauer zwar einerseits ab, da aber in eleganten Abständen immer wieder etwas Blutiges passiert (sprich: sich die Zahl der sechs Hauptfiguren langsam, aber kontinuierlich reduziert), halten die dauernden Schrecken andererseits zugleich die Spannung hoch. Anstregend ist das auf Dauer gleichwohl, zumal fast der gesamte Film im Halb- bis Ganzdunkel von Geisterbahnen, „Haunted Houses“ und ähnlichen Situationen spielt.

Dass Plotkin sich für seine Spezialeffekte weitgehend auf gute alte Handarbeit, auf Latex und Kunstblut verlässt (und überhaupt hier nicht zu sehr ins splattrige Detail geht) passt ebenfalls gut zum Hintergrund des Halloween-Themenparks – und sieht in der Tat einfach besser aus.

Die vagen Hintergrundstories zu den Personen sind nicht wirklich von Bedeutung – Studentin Natalie (Amy Forsyth) ist mal wieder zurück in der Stadt, und ihre ehemalige Mitbewohnerin Brooke (Reign Edwards) will sie mit dem hübschen Gavin (Roby Attal) verkuppeln. Natalie ist nicht einmal abgeneigt, hat aber eigentlich keine Lust auf Halloween und noch weniger auf die neue Mitbewohnerin Taylor, die sie von früher wohl kennt. Bex Taylor-Klaus, die sich vor allem mit der neuen Scream-Serie im Slasher-Genre eingeführt hat, bringt noch am meisten Leben in ihre Rolle als rotzfreche und vor allem sehr nervige Taylor; alle anderen Figuren sind nicht einmal Stereotypen, zu oberflächlich bleibt ihre Charakterisierung.

Es geht hier wirklich hauptsächlich um das Wie und das Wann des Slasher-Abzählreims, mit haufenweise falschen Fährten und kleinen, biestigen Wendungen. Beleuchtung, Musik, Basstöne, die permanente Überladung mit Gruseleffekten… das macht schon eine ganze Weile lang wirklich Spass. Hinzu kommt, dass „Candyman“ Tony Todd höchstselbst den Durchsagen auf dem „Hell Fest“ seine Stimme verleiht, auch selbst als Conférencier einer Scheinhinrichtung auftritt.

Mit seiner Person wird dann doch ein wenig sichtbarer, wie clever, aber wohldosiert Hell Fest die eine oder andere metafilmische Referenz unterbringt; ironische Distanz will und soll der Film daraus aber nicht ziehen, dafür ist er zu direkt, und klar. Und kann es sich dann auch erlauben, ein gänzlich ungewöhnliches Ende zu nehmen, das zugleich abgründiger und furchtbarer ist als jedes blutige es sein könnte.

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Die Vollstreckerin (1986)

Martine ist Polizistin in Paris, kompromisslos den Kriminellen gegenüber, aber lange nicht so schnell an der Schusswaffe wie viele ihrer männlichen Kollegen. Sie ist einer Organisation auf der Spur, die junge Mädchen entführt und in Pornografie und Prostitution verkauft – wird aber sogar von ihrem eigenen Chef torpediert. Die Vollstreckerin stammt aus dem Jahr 1985 und war bisher in Deutschland nur in geschnittener VHS-Fassung erhältlich; die neue DVD zeigt den Film vollständig und ergänzt die fehlenden Sequenzen im französischen Original mit Untertiteln. Was warum geschnitten wurde, ist allerdings etwas rätselhaft, denn der alten Fassung fehlen keineswegs die zahlreichen Nacktszenen – die Darsteller, allen voran Brigitte Lahaie in der Titelrolle, hatten vorher durchaus schon Karriere im Pornogeschäft gemacht. Die Vollstreckerin ist aber kein Erotikfilm, sondern will durchaus ein trashig-exploitativer Kriminalfilm mit weichen Sexszenen sein; leider sind aber sowohl die Handlung als auch das Filmhandwerk so fahrig und teilweise zusammenhangslos, dass sich richtige Begeisterung oder auch nur Immersion nicht einstellen will. Eine düstere, graue Version einer Großstadt in den 80ern, aber richtig schmutzige Exploitation sähe doch entschlossener aus.

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Draculas Rückkehr (1968)

Draculas Rückkehr braucht, schließlich ist der Graf eigentlich von uns gegangen, eine etwas bemühte Exposition: Monsignore Müller kommt in das kleine Dorf in den Karpaten, das von dem Vampirgrafen heimgesucht und anschließend befreit worden war; obwohl der Dorfpriester (wie sich zeigt, aus gutem Grund) skeptisch und ängstlich ist, gehen beide zu Draculas Schloss, wo alsbald das Versprechen des Filmtitels erfüllt wird. Bald jagt dann Christopher Lee (zum dritten Mal für die Hammer-Studios in dieser Rolle) die schöne Nichte des Monsignore (Veronica Carlson), während ihr Möchtegern-Bräutigam Paul vom Monsignore in die Kunst der Vampirabwehr eingeweiht wird. Allerdings erweist sich sein Atheismus als Hindernis auf dem Weg zur ordentlichen Vampir-Entsorgung… Freddie Francis hat vor allem in den 1960ern bei so einigen Horrorfilmen Regie geführt, bevor er sich wieder auf reine Kameraarbeit konzentrierte und dann mit David Lynch Der Elefantenmensch und Der Wüstenplanet drehte, mit Martin Scorsese auch Kap der Angst. Sein Talent für die gekonnte Inszenierung blitzt hier immer wieder auf, auch wenn die Handlung zuweilen etwas ziellos mäandert. Dafür sind die Studiokulissen so prächtig, dass die Außenaufnahmen in Feld, Wiese und vor allem Wald fast wie irreale Fremdkörper wirken.

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Dracula (1958)

Neben F.W. Murnaus Nosferatu und der klassischen Universal-Verfilmung von 1931 mit Bela Lugosi ist Terence Fishers Dracula die womöglich maßgebliche Verfilmung des gleichnamigen Romans von Bram Stoker. Mit Frankensteins Fluch hatte Fisher 1957 die Erfolgsgeschichte der klassischen Horrorfiguren für die Produktionsfirma Hammer eingeleitet, ein Jahr später blieb seine Vampir-Verfilmung recht nah an der literarischen Vorlage – bei den sechs weiteren Dracula-Filmen, ebenso mit Christopher Lee in der Titelrolle, nahm man sich dann größere Freiheiten. Anders als im Buch ist Jonathan Harker von Anfang auf Reisen, um den Grafen unschädlich zu machen; er kann aber nicht verhindern, dass Blut und Verderben seine Heimatstadt heimsuchen, die von London an einen unbestimmten Ort auf dem europäischen Festland verlegt wurde. In diesem Dracula wird die immer schon implizite Verbindung zwischen Vampirismus und Sexualität überdeutlich inszeniert, ohne dass es je ins explizit Erotische wechselt; aber das braucht es auch nicht. Fishers Inszenierung, die reichlich ausgestatteten Studiosets und die Ernsthaftigkeit der Schauspieler (mit Peter Cushing als großartigem Van Helsing) lassen den Film auch ohne große Effekte wirken, das sehr rote Blut brennt sich in die Netzhaut: Was für ein filmischer Hochgenuss!

Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.
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Why Don’t You Just Die! (2019)

Der erste Besuch beim Vater der neuen Freundin ist für junge Männer ja — patriarchale Erwartungen schwingen da viele mit — immer mit vielen Erwartungen und Sorgen überfrachtet. Da darf man schon mal nervös sein. Matvej allerdings ist vor allem deshalb nervös, weil er den Mann umbringen will – Olja hat ihn schließlich dringend darum gebeten.

Why Don’t You Just Die! von Kirill Sokolov beginnt mit diesem Warten vor der Wohnungstür, irgendwo in einem typischen, etwas runtergekommenen russischen Mietshaus mit knarzendem Aufzug und neugierigen Nachbar_innen. Matvej steht da mit dem Hammer hinterm Rücken, nervös, aber entschlossen. Es ist gerade genug Gangster in ihm, wird es später von ihm heißen, und da ist was dran: Der Junge wirkt eigentlich eher still und schmächtig, weiß aber trotzdem, wie man eine Handschelle mit einer Haarnadel öffnet.

Meine ausführliche Besprechung des so schwarz-lustigen wie blutigen Debüts von Sokolov ist auf kino-zeit.de erschienen.

Autobahn (2019)

Fallen wir gleich mal mit der Autotür ins Haus: Dieser Film ist nichts für Menschen, die von Autolärm eh schon traumatisiert sind. Denn im Bad Oeynhausen der Jahre 2011 bis 2018, wie es hier präsentiert wird, gibt es vor allem interessante Menschen und Autoverkehr. Viel Autoverkehr.

Mitten durch die Stadt, die im 19. Jahrhundert als Kurbad gegründet wurde, führt die Bundesstraße 61; sie verbindet die Autobahnen A30 und A2; erstere endet bis 2018 westlich der Stadt, letztere führt südöstlich an ihr vorbei. Als Verbindung der beiden Autobahnen, die ihrerseits Teil der Route Amsterdam – Berlin – Warschau sind, eine alte und immer noch moderne Handelsroute, plante man irgendwann in den 1960er, 1970er Jahren eben diese Bundesstraße, die dann vierspurig ausgebaut wurde. Was das bedeutet, zeigt Daniel Abmas Dokumentarfilm Autobahn ganz ohne jede dramaturgische Überhöhung, indem er einfach Häuser, Ladengeschäfte an der Straße filmt, in ruhigen Einstellungen, frontal, aber von der anderen Straßenseite. Autos ziehen vorüber, Lastwagen in großen Mengen, der Lärm ist eigentlich unerträglich.

Meine ausführliche Kritik zu Autobahn (ab 30. Januar in einzelnen Kinos) ist jetzt auf kino-zeit.de erschienen.

Supervized (2019)

Es wird im Alter halt nicht leichter: Die Prostata, der Schließmuskel, die Gelenke. Für die Bewohner_innen dieses speziellen Altenheims in Irland ist es vermutlich noch ein wenig schlimmer, denn in ihrer Jugend waren sie allesamt Superheld_innen – enorm stark oder schnell, telekinetisch begabt oder teleportierend. Und nun? Nur noch ein Schatten ihrer selbst, eingesunken auf dem Sofa, und es bleibt unklar, ob die Enkelkinder endlich mal zu Besuch kommen.

Für kino-zeit.de habe ich mir den durchaus knarzigen Supervized von Steve Barron angesehen.