High-Rise (2016)

Mitte der 1970er Jahre, da glaubt man noch an den Fortschritt, an technokratische Utopien. An Beton. Also: ein Hochhaus. Robert Laing (Tom Hiddleston) ist Arzt und sucht die Einsamkeit in Komfort, perfekt erscheint da also dieser neue Komplex, der erste von mehreren, die ein Architekt (Jeremy Irons) in die Landschaft stellen will – ein Haus, das man eigentlich nicht mehr verlassen muss, mit Fitnessräumen, Supermarkt, Schwimmbad. Irgendwann geht Laing weniger zur Arbeit, und da ist er nicht allein, während das Zusammenleben immer mehr aus den Fugen gerät; zunächst versagen nur kleine Dienste, der Strom bricht ab, die Aufzüge fahren nicht mehr. Und dann geraten die zahlreichen Feiern zu gewalttätigen Orgien, die feine Gemeinschaft besinnt sich auf ihre basaleren Instinkte…

High-Rise, nach einem Roman von J.G. Ballard, ist eine seltsame, nichtnarrative Dystopie, deren einzelne Zerstörungsstufen sich hier mehr assoziativ einstellen als wirklich erklärt würden; dass im Hintergrund immer wieder Margaret Thatcher ihre politischen Positionen dient eher dazu, dem Film einen politischen Anstrich zu geben, der sich dann nicht wirklich ein- oder wenigstens in der Erzählung auflöst. High-Rise taugt weniger als gesellschaftlicher Erklärungsversuch, sondern ist vor allem bildgewaltiger Horror mit Koteletten und viel reminiszentem Interieur. Nicht umsonst sind Setting und Zeit mit Cronenbergs Parasiten-Mörder nahezu identisch – nur dass dort der scheinbar externe Schrecken sich menschlicher Körper bemächtigte, während es in Ben Wheatleys Film aller Untergang vom Menschen selbst kommt. Dafür gibt es dann mehr oder minder sichtbare Anspielungen z. B. an Uhrwork Orange – Wheatley weiß, in welchem Feld er sich bewegt, und vertraut darauf, dass seine Zuschauer auch ohne große Erläuterungen dem Fluss der Ereignisse zu folgen wissen. Und sich dafür verlieren dürfen im blendend aussehenden Chaos von Lust, Leibern und Gewalt.

Werbelink: High-Rise bei amazon.de

High-Rise Official Trailer #1 (2016) – Tom Hiddleston, Sienna Miller Movie HD

Dieses Video ansehen auf YouTube.

Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.

Der Fluch der Hexe – Queen of Spades (2015)

Düsternis, Besessenheit, Verderben – so kann man schon auf ganz einfachen Wegen Grusel erzeugen. Svyatoslav Podgayevskiy wirft für seinen zweiten Horrorfilm nach Block 18 (2014) viele Themen zusammen, die im zeitgenössischen Kino der Schrecken gut ankommen – und setzt seine beschränkten Mittel mit gutem Erfolg ein. Es beginnt eher mit einem Spiel: Anna (Alina Babak) und ein paar Freunde spielen ein Ritual nach, von dem sie gelesen haben – sie zeichnen Symbole auf einen Spiegel und rufen die Pik-Dame an (die „Queen of Spades“), sie solle sich zeigen. Und prompt – zunächst sieht man es nur einen Moment lang in einem Video, das einer der Freunde dreht – tritt die unerfreuliche Kreatur in ihre Welt. Fortan wird jede glänzende, reflektierende Oberfläche zu einer möglichen Tür – dieser Film macht Angst vor Spiegeln, glitzernden Türknaufen und mehr.

Die Hexe des Titels strebt nach einer Person, die sie bewohnen kann; und sehr schnell finden sich vor allem die Eltern (Igor Khripunov und Evgeniya Loza) im Kampf gegen Zeit und fremde Mächte wieder. Von der Geistergeschichte changiert Der Fluch der Hexe so rasch zu einem Exorzismusdrama, das sich vorrangig in engen Räumen, schmutzig-gekachelten Kellern und einsamen Hütten im Wald abspielt. Fast bekommt man dabei das Gefühl, Podgayevskiy wolle hier die Anforderungen ans Horrorkino übererfüllen und unbedingt alle Szenarien noch mit unterbringen – das wirkt schon etwas gestopft. Zugleich macht er das grundsätzlich mit großer Kunstfertigkeit: Er versteht sein Handwerk, die Schreckensmomente sind ebenso gut im Timing wie die Kameraeinstellungen sitzen. Was dem Film etwas fehlt, sind die wirklich lebendigen Figuren, um die man sich mehr Sorgen macht als nur des Sterbens und Knirschens wegen. In der russischen Literatur gibt es die Pik-Dame übrigens tatsächlich, wenn auch in ganz anderer Form – in der klassisch-phantastischen Kurzgeschichte des großen Alexander Puschkin geht es tatsächlich um ein Kartenspiel.

Werbelink: Der Fluch der Hexe – Queen of Spades bei amazon.de

DER FLUCH DER HEXE Trailer German Deutsch (2015)

Dieses Video ansehen auf YouTube.

Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.

Into the Forest (2015)

Die Apokalypse kündigt sich, das ist vertraut, in leisen Tönen an: Eine Nachricht, eine Meldung im Fernsehen. Stromausfälle, man weiß nichts Genaues. Und dann geht eben das Licht aus, die Bildschirme erlöschen – wir befinden uns in einer Zeit leicht in der Zukunft, alles ist vertraut, nur noch einen Hauch moderner. Alles wahrscheinlich nur ein Problem auf Zeit – und die beiden jungen Frauen, Nell und Eva mit ihrem Vater (Ellen Page, Evan Rachel Wood und Callum Keith Rennie) nehmen das zunächst nicht allzu ernst. Bis sie aus ihrem einsamen Haus mitten in nordamerikanischen Wäldern mal wieder in den Ort fahren: Dort ist das Benzin schon knapp, der Supermarkt fast leer, und der Kassierer ist bewaffnet.

Der Weltuntergang kommt hier nicht mit Trompeten und Fanfaren, sondern leise und mit Trippelschritten – und er braucht nur einen Hebel: Elektrizität. Die oft beschworene dünne Schicht von Zivilisation geht anscheinend recht schnell dahin; draußen im Wald kommt das allerdings nur sehr langsam an – es gibt ja keine Nachrichten, nur vereinzelte Gerüchte. Nells und Evas Vater stirbt bei einem Unfall, und von nun an sind die beiden Schwestern auf sich allein gestellt.

Into the Forest ist weniger Endzeitszenario als postapokalyptische Meditation: Was macht es mit uns, wenn wir auf uns selbst zurückgeworfen sind, wenn der Kontakt zur Außenwelt, den wir so gewohnt sind, abbricht? Wenn außerdem die ganzen Annehmlichkeiten der Zivilisation wegfallen? Das ist wesentlich mehr als Malen nach Zahlen im Apokalypse-Kino. Das fragt danach, was für jene bleibt, die ihre Menschlichkeit nicht abgeben, nicht verlieren wollen. Hier bleibt die menschliche Zivilisation in ihrem Kern, der Familie, bestehen – aber einfach ist das nicht. Während die beiden Schwestern immer mehr zueinanderfinden, zerfällt das Haus um sie herum – letztlich unkontrolliert den Naturgewalten ausgesetzt, unbeheizt und ohne Reparaturen. Patricia Rozema hat aus dem Roman von Jean Hegland einen Film gemacht, der sich vor allem auf seine beiden Hauptfiguren verlässt. Die Schwestern schlagen sich, vertragen sich, stützen einander, verlassen sich und kehren zueinander zurück. Zwei Geschwister, die ohne ihre Eltern sich trotz aller Unterschiede zusammenraufen müssen und plötzlich sehr, sehr erwachsen werden. Page (die auch als Produzentin mitwirkte) und Wood tragen den Film leicht auf ihren Schultern, auch durch die seltenen härteren, gewalttätigen Szenen.

Der Filmtitel suggeriert eine fast schon mythische, positive Auflösung: Into the Forest, auf in den Wald – der Untergang als Aufbruch. Das löst der Film aber letztlich nur in sehr ambivalenter Weise ein. Denn der Weg in den Wald hinein ist letztlich ein Lernprozess, ein Abstandnehmen von dem vertrauten, gesicherten Leben – in dem Moment, in dem es schon längst unmöglich geworden ist. Da ist also kein großes Glück am Schluss, und nur vage Hoffnung. Alles andere wäre für eine nachdenkliche Dystopie dieses Formats allerdings auch Verrat an der eigenen Geschichte.

Werbelink: Into The Forest bei amazon.de

INTO THE FOREST | DVD-Trailer deutsch german [HD]

Dieses Video ansehen auf YouTube.

Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.

Term Life – Mörderischer Wettlauf (2016)

Nick hat es zu seinem Beruf gemacht, profitable Raubüberfälle auszukundschaften. Andere kommen mit Ideen und Tipps, er arbeitet alles aus: Zeiten, Fluchtwege, Probleme, Ausrüstung – und verkauft den fertigen Plan dann an jemanden, der ihn auch wirklich ausführt. Nur diesmal geht etwas schief, weil seine Käufer kurz danach tot sind – und ihr Anführer war der Sohn eines Kartellbosses. Also packt Nick seine Tochter Cate ins Auto und haut ab aufs Land, um rauszufinden, wer ihn da aufs Kreuz gelegt hat – korrupte Polizisten und große Gangster immer auf seinen Fersen. Term Life ist nach der gleichnamigen Graphic Novel von A.J. Lieberman und Nick Thornborrow entstanden und ergibt einen durchaus spaßigen Thriller – aber zeitweise verfranst er sich dann auch in allzu vielen Seitenlinien. Zumal die Geschichte um den Gentlemangangster und seine von ihm entfremdete Tochter, die einander näherkommen, trotz aller Bemühungen von Vince Vaughn und Hailee Steinfeld nie wirklich zündet: Die beiden bleiben eigentlich Pappkameraden mit eingeschränktem Charme. Keine rechte Komödie, kein wirklicher Actionfilm: Das hätte von Peter Billingsley, der mit Vaughn schon einmal bei All Inclusive zusammengearbeitet hatte, noch ein wenig cleverer verpackt, etwas flotter inszeniert werden können.

Werbelink: Term Life – Mörderischer Wettlauf bei amazon.de

Term Life Official Trailer #1 (2016) – Vince Vaughn, Hailee Steinfeld Drama HD

Dieses Video ansehen auf YouTube.

Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.

Das kalte Herz (2016)

Man muss auf jeden Fall und wenigstens dies sagen: Es ist ein Wagnis, einen solchen Film zu versuchen. Märchenverfilmungen aus Deutschland haben, mit hart erarbeiteter Basis in bedauerlichen Fakten, nicht unbedingt einen guten Ruf. Daraus werden meist Fernsehfilme für den Sonntagvormittag, also harmlos und kindertauglicher, als es für viele Kinder sein müsste; mit einem Wort: eher langweilig. Das kalte Herz will das alles nicht sein, sondern düster und ernsthaft, und wenigstens ein bisschen brutal, etwas blutig. Das gelingt, sagen wir es geradeheraus: nicht immer so richtig gut.

Die Darsteller mühen sich nach Kräften, vor allem Frederick Lau als Hauptfigur Peter Munk und David Schütter als Bastian, der mit ihm um Lisbeth (Henriette Confurius) konkurriert. Auch Milan Peschel als wild geschminktes Glasmännchen kommt noch ganz gut an, aber Moritz Bleibtreus Holländer-Michel, der eigentliche Bösewicht im ganzen Ensemble, wirkt dann doch etwas übertrieben. Er darf aber auch nicht allzu viele Nuancen entwickeln – das kommt bei allen anderen Rollen doch noch etwas stärker heraus.

Regisseur Johannes Naber hatte vorher mit Zeit der Kannibalen einen ganz anderen Film gedreht, ein Groteske vom Puls der Gegenwart, fast ein Kammerspiel… für Das kalte Herz will er nun das Märchen von Wilhelm Hauff für’s Publikum ein wenig in Richtung Fantasy und zugleich aber die sozialen Grundlagen der Erzählung herausarbeiten. Das funktioniert auf einer schlichten Ebene zunächst ganz gut, aber je emotional komplexer die Handlung werden könnte, desto deutlicher wird, dass es für die fast zwei Stunden Laufzeit dann doch nicht genug zu erzählen gibt. Dafür ist der Film dann auch visuell zu platt: Moralische Verhärtung und Läuterung lassen sich sofort an Kleidung und Frisur ablesen, die Konflikte zwischen richtig und falsch sind dann doch etwas zu schlicht, Grauzonen und Komplexitäten lagern sich eher auf die Nebenfiguren aus. Das Happy End, immerhin, steht so oder etwas anders auch schon im Märchen.

Werbelink: Das kalte Herz bei amazon.de

DAS KALTE HERZ Trailer German Deutsch (2016)

Dieses Video ansehen auf YouTube.

Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.

Ran (1985)

Es sollte eigentlich müßig sein, Akira Kurosawas Meisterwerk Ran hier vorzustellen – geschweige denn, dass eine Kritik diesem Film in der Kürze dieser Rubrik auch nur ansatzweise gerecht werden könnte. Ein Herrschaftsdrama mit starken Bezügen zu Shakespeares King Lear, ein großes Schlachtengemälde und ein Schaubild menschlicher Grausamkeit. Der Herrscher Hidetora Ichimonji (Tatsuya Nakadai) hat beschlossen, seine Macht an seinen ältesten Sohn Taro abzugeben. Sein Jüngster, Saburo, warnt ihn: Seine Herrschaft sei stets auf Grausamkeit und Rücksichtslosigkeit aufgebaut gewesen, warum sollten seine Söhne nun irgendwie besser sein? Der alte Herrscher verstößt den frechen Sohn, dessen Prophezeiung sich jedoch alsbald als richtig erweist, auch wenn das Blutbad noch eine Weile auf sich warten lässt. Das alles zu den Klängen des Avant-garde Komponisten Tôru Takemitsu.

Von Ran gab es bisher nur recht minderwertige Fassungen fürs Heimkino; nun wurde der Film digital in 4K-Auflösung restauriert, und diese neue Fassung, die 2015 in Cannes Premiere hatte, für die neue Blu-ray-Fassung verwendet. Grundlage der Bild für Bild überarbeiteten 4K-Fassung ist ein Scan von einem Originalnegativ, insbesondere die Farbgebung der Bilder wurde von Shôji Ueda begleitet, einem der Kameramänner des Films (dieses und noch mehr erfährt man im Bonusmaterial der Blu-ray). Man darf sich von der neuen Fassung also einiges erwarten, nämlich eine der Neuerscheinungen des Jahres. Das Bild ist klarer und schärfer als in allen vorherigen Fassungen, die Farben leuchten – und das ist für einen Film, in dem Farbe (nicht nur das Rot des Blutes, sondern nicht zuletzt die Farbe der Kleidung, für jeden von Hidetora Ichimonjis Söhnen eine eigene) eine solche zentrale Rolle spielt. Wie nah das letztlich an den Bildern ist, die man Mitte der 1980er im Kino sehen konnte, sei dahingestellt: Schöner aber kann man Ran derzeit nirgends sehen.

Werbelink: Ran (Special Edition, 4K Remastered) bei amazon.de

Eine gekürzte Fassung dieses Textes ist in der Deadline erschienen.

Das Echelon-Desaster (2015)

Es ist wieder soweit: Computer übernehmen die Macht! Diesmal nennt sich das System nicht Matrix oder Skynet, sondern eben Echelon – eine Künstliche Intelligenz, entwickelt vom amerikanischen Militär, die alle Computersysteme steuern, künstliche Menschen übernehmen und schließlich sogar das Wetter kontrollieren kann: mit metergenau platzierten Wirbelstürmen. Aber was sollte ein solches Computersystem dringender vorhaben, als die Menschheit bzw. vor allem und erst einmal die USA auszulöschen? Prompt rast ein gewaltiger Sturm aufs Festland zu. Helfen kann nur die Tochter des Mannes, die das System einst entwickelt hat…

Das Echelon-Desaster ist ein billig produziertes Action-Spektäkelchen, als Stormageddon direkt fürs Fernsehen produziert und ganz um den WWE-Wrestler John Morrison bzw. John Hennigan herum gedreht. So richtig Spaß macht das nur, wenn man keine hohen Ansprüche hat. Die Spezialeffekte sind unterste Kanone, die Dramaturgie hinkt schlimmer als Quasimodo, und die Dialoge leuchten von flirrender Komplexität: „Wir kontrollieren alles!“ – „Ihr kontrolliert mich nicht.“ Wenigstens bemühen sich einige der Schauspieler sogar, gegen die Hirnlosigkeit ihrer Texte anzuspielen, allein, gelingen will es nicht. 90 Minuten Lebenszeit, die man dringend mit anderen Dingen ausfüllen sollte.

Werbelink: Das Echelon-Desaster bei amazon.de

Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.

Orphan Black – Staffel 3

Man kann es ja schier nicht oft genug sagen und betonen, wie großartig Orphan Black ist. Die dritte Staffel der Serie von BBC America beweist das aufs Neue, mit weiteren Drehs und noch höherer Komplexität als die beiden Jahre zuvor. Für Neulinge: In der Serie geht es um Sarah (Tatiana Maslany) und ihre diversen Klone, die versuchen herauszufinden, woher sie kommen, warum das mysteriöse Dyad Institute sie beobachtet und jagt, und schließlich warum eine von ihnen eine plötzlich und heftig krank wird.

Am Anfang der dritten Staffel mischt auch noch eine Bruderschaft männlicher Klone (Ari Millen) mit, alle mit militärischer Ausbildung – aber es ist beileibe nicht alles, wie es scheint. Orphan Black zeichnete sich von Anfang an dadurch aus, dass es sich die Sache in Handlung und Charakteren nie einfach gemacht hat. Motive aus Science Fiction, Drama und gelegentlich Komödie mischen sich elegant, Bündnisse und Machtverhältnisse sind kontinuierlich in Bewegung. Und ebenso entwickeln sich die Figuren: Die brave Hausfrau Alison startet einen florierenden Drogenhandel, Helena ist immer noch wahnsinnig, während Cosima sich eine neue Freundin sucht und Rachel Mühe hat, wieder zusammenhängende Sätze zu sprechen, nachdem Sarah ihr einen Bleistift durchs Auge bis ins Gehirn gerammt hatte.

Das Glück von Orphan Black ist, dass alle diese Handlungsstränge stets verständlich bleiben, und das liegt nicht nur am Drehbuch und der sauberen Inszenierung, sondern vor allem und wieder an Tatiana Maslanys großartigem Können. Sie gibt jeder ihrer Figuren – und es kommt noch der eine oder andere Klon dazu – eine ganz eigene Persönlichkeit, eigene Körpersprache und Redeweisen. Ari Millen bringt ähnliches mit seinen „Castor“-Brüdern zustande; aber auch die anderen Darsteller haben nicht einen Moment der Schwäche. Orphan Black ist eine Serie, die aus einem SciFi-Thema eine enorm dichte Erzählung macht; ein irrwitziger Versuch, grandios gelungen.

Werbelink: Orphan Black (Staffel 3) bei amazon.de

Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.

Nazi Dawn – Die böse Macht (2014)

Dieser Film ist eigentlich nicht einmal den Verbrauch an Druckerschwärze wert, den es benötigt, um diese sehr kurze Besprechung auf Papier zu bannen. Ihn zu preisen wäre ein Akt der Verachtung für alle unfähigen Filmemacher, die sich wenigstens einmal während ihres Films ernsthaft Mühe gegeben haben. Schon der dünne, dämliche Plot ist voller generischer Standardbausätze: Eine Gruppe Sorority-Girls macht sich auf den Weg zu einem Haus, in dem früher, den Gerüchten nach, ein perverser Nazi-Massenmörder gelebt haben soll. Sie wollen dort kräftig Party machen, woraufhin dann aber irgendwann ein verrückter Mörder auftaucht, der dem toten Nazi seltsam ähnlich zu sein scheint… Aber nein, hier geht es nicht um Nazi-Zombies, hier geht es eigentlich um überhaupt nichts. Regisseur Dennis Devine möchte gerne viele halbnackte Frauen und gelegentlich nackte Brüste zeigen, aber das bleibt stets so unerotisch, dass es fast schon traurig ist. Der Film ist durchmischt mit Filmaufnahmen von der Stange, die Sets sind offenbar irgendjemandes Haus, und unterlegt ist das Ganze abwechselnd mit belangloser Fahrstuhlmusik oder einem Klavierthema, das wohl an John Carpenters Halloween-Musik erinnern soll. Und erwähnte ich schon die grässlichen Dialoge und das grauenhafte Soundmixing?

Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.

VANish (2015)

Man kennt das Setup: Ein paar Amateure planen eine Entführung, aber das Opfer ist so einige Nummern zu groß für sie – und das rächt sich früher oder später ganz gewaltig. Oder eben nicht. VANish steigt, nach einem kurzen Prolog, dessen Bedeutung erst später klar wird, genau damit ein: Zwei Männer entführen eine junge Frau, ein neugieriger Nachbar kommt dazu. Schüsse fallen. Als der dritte Freund hinzukommt und das Entführungsopfer ihre Gesichter sieht, ist schon eine ganze Menge schief gelaufen, und es wird anschließend nicht besser. Vor allem aber will ihr Entführungsopfer sich so gar nicht passiv und friedlich verhalten; nachdem sich der erste Staub gelegt hat, fragt sie ziemlich direkt, warum die Jungs nicht das doppelte verlangt hätten? Allerdings geht es natürlich gar nicht wirklich ums Geld…

Man sieht dem Film seine etwas hemdsärmelige Entstehung, sein nicht eben riesiges Budget schon an; aber Regisseur, Autor und Produzent (und auch noch Darsteller) Bryan Bockbrader macht in seinem Debütfilm mit dem, was er aufbieten kann, eine eigentlich recht ordentliche Figur – so richtig merkt man erst in den etwas splattrigen Gewaltszenen des Finales, dass da noch der letzte Schliff fehlt. Bis dahin aber geht die Handlung recht ordentlich voran, auch wenn der letzte, besondere Glanz fehlt; aber der Film ist solide genug, dass sich Bockbrader – der vorher nur zum Kurzfilm Maniac Cop das Drehbuch schrieb – zur Ergänzung seines weitgehend noch unbekannten Casts auch Gastauftritte zweier Genre-Veteranen sichern konnte. Danny Trejo ist kurz (und wortkarg wie immer) im Finale zu sehen, während Tony Todd einen schönen Auftritt als passiv-aggressiver Provinzpolizist hat.

Beschränkung ist in jeder Hinsicht die Stärke des Films: In hageren 80 Minuten legt die Entführergruppe nach und nach ihre Freundschaftsbande ab, und auch wenn der zentrale Twist nicht so richtig überraschend kommt: Es macht Freude, diesem kleinen Film zuzusehen, wie er sich erfolgreich an Genrekonventionen abarbeitet. Gebt dem Mann mehr Geld und ein ordentliches Team, dann wird das richtig, richtig spannend.

Werbelink: VANish bei amazon.de

Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.