Oscarwoche: Iron Man 2

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Nach dem durchaus schwerst unterhaltsamen ersten Iron Man (meine Kritik) war fast schon zu erwarten, daß die Fortsetzung nicht ganz mithalten können würde; und in der Tat bekam man in Iron Man 2 ein lautes, überladenes Spektakel zu sehen, das sich mit dem ironischen Gusto des Vorgängers nicht messen lassen konnte. Der Film wirkt letztlich wie eine zweite Eröffnung, eine Vorbereitung auf die ganzen vage angekündigten Avengers-Filme, in der so viele Figuren schon mal eingeführt und positioniert werden, daß vom eigentlichen Film selbst nicht viel übrigbleibt außer einem immer noch leidlich unterhaltsamen Stück Krawummskino.

Nominiert für: Best Visual Effects (1)

Chancen: Vor allem wegen der Konkurrenz von Inception und Alice in Wonderland und damit völlig zu Recht stark gegen Null tendierend.

Oscarwoche: Kynodontas [Dogtooth]

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Kynodontas ist ein ganz und gar eigener Film, der sein eigenes kleines, abgründiges Universum mit niemandem teilen muß: Eine kleine Familie, Mutter, Vater, drei fast erwachsene Kinder, leben außerhalb einer Stadt in einem ganz abgeschiedenen und abgeschotteten Haus. Der Vater fährt täglich zur Arbeit, aber die Kinder werden systematisch von der Außenwelt abgeschottet und mit wilden Geschichten von deren Gefahren innen gehalten. Bis in die Verästelungen der Sprache und des Lebens hinein treibt Regisseur Giorgos Lanthimos dieses Spiel und versteckt die innere Dramatik gekonnt hinter unerträglich ruhigen Bildern. Erscheint im April endlich (in der Störkanal Edition) auch in Deutschland auf DVD. (Wenigstens das, wenn man schon keinen Kinostart spendiert bekommt…)

Nominiert für: Best Foreign Film (1)

Chancen: Vielleicht täusche ich mich (das würde mich freuen), aber mir erscheint Kynodontas zu sperrig, zu schwierig für einen Oscar zu sein. Fast hat man den Eindruck, legt man den Film neben die anderen, expliziter sozialkritischen Nominierten, als sei er genau dieser Sperrigkeit halber nominiert worden: Als freundliches Zunicken für harsche Filmkost. Eher chancenlos.

Oscarwoche: The King’s Speech

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The King’s Speech ist für mich nach wie vor nicht zuletzt deshalb ein starker Film, weil er aus einer extrem fade klingenden Idee (Stotterer lernt, flüssiger zu sprechen) eine durchaus packende Geschichte zu stricken weiß. Mich hat auch nicht so sehr gestört, daß der Film natürlich unter der Oberfläche ein royalisiertes Buddy Movie ist. Daß der Film es mit der historischen Wahrheit in vielen Punkten nicht so genau nimmt (Slate, blogscanada; via), ist meines Erachtens nach deshalb nicht so bedeutsam, weil diese Verdrehungen keine Punkte betreffen, über die der Film politische Aussagen treffen will; ärgerlich sind sie bei einem derart populären Film gleichwohl doch.

Denn beliebt ist er: Das Publikum kommt (wie zu Black Swan auch) in Strömen, der Film wurde mit BAFTAs überhäuft, und auch ein Großteil der Presse ist einigermaßen hingerissen. Die Kameraführung wird allerdings dann oft ebenso belächelt wie das eher schwachbrüstige Drehbuch, und letztlich sei, da gibt es mehrere Stimmen, der Film

nach dem Standardrezept vom triumphal bewältigten Handicap gebacken […], mit dem man Oscars gewinnt.

Nominiert für: Best Picture, Best Director (Tom Hooper), Best Actor (Colin Firth), Best Supporting Actor (Geoffrey Rush), Best Supporting Actress (Helena Bonham Carter), Best Original Screenplay, Best Cinematography, Best Editing, Best Art Direction, Best Costume Design, Best Original Score, Best Sound (12)

Chancen: In den Hauptkategorien sind die Chancen wohl recht gut, auch wenn vor allem The Social Network da nicht weniger aussichtsreich ist. Vor allem ist Firth ein echter Favorit für die kleine Goldstatue. Interessant wird sicher die Frage werden, ob Helena Bonham Carter (als zukünftige Queen Mum) den Oscar bekommt, und ob die Auszeichnung für den Best Sound ebenfalls an diesen Film geht, bei dem sich so viel um Geräusche dreht, die aus Colin Firths Mund (nicht) kommen.

Addendum: Inzwischen hat jemand festgestellt, daß eines der wichtigsten Sets von The King’s Speech zuvor (unter anderem) für einen Schwulenporno verwendet wurde. Ich finde das ja eher amüsant, die Academy womöglich weniger; auf die Oscarchancen für „Art Direction“ wird sich das nicht auswirken, weil die Abstimmung zum Zeitpunkt des Bekanntwerdens bereits beendet war. Aber die Pressestimmen zu lesen, wenn The King’s Speech diesen Oscar gewinnen sollte – vor allem die Überschriften – das wäre doch lustig und womöglich etwas fremdschäm-peinlich.

Oscarwoche: Alice in Wonderland

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Tim Burtons Variation auf den Klassiker von Lewis Carroll ist bei der Kritik ja ziemlich einhellig durchgefallen; ich selbst fand ihn wirklich unterhaltsam (und habe ihn an dem Abend auch wirklich nur zu dem Zweck gesehen, unterhalten zu werden). Meine Erinnerung an den Film, der natürlich alles andere als eine werkgetreue Verfilmung von Lewis Carrolls Roman ist, ist dadurch womöglich nicht besonders präzise – aber es wundert nicht, daß der Film ausschließlich in Kategorien nominiert wurde, die unmittelbar den visuellen Eindruck betreffen.

Nominiert für: Best Art Direction, Best Costume Design, Best Visual Effects (3)

Chancen: Der Film hat vor allem bei den Spezialeffekten mit Inception einen starken Gegenkandidaten, so daß ich noch am ehesten an einen Preis für Art Direction und/oder (noch eher) Costume Design glaube, denn beides war durchaus vortrefflich.

ET-X – Extinction

Dieser Fan/Fake-Trailer zu einer fiktiven E.T.-Fortsetzung mit deutlich mehr Blut und Action als im Original ist ein hübsches Beispiel dafür, was mit digitaler Technik und Begeisterung für die Form möglich ist: Hier sind Szenen aus allerhand Filmen zusammengefügt und zum Teil digital nachbearbeitet worden (ist vielleicht sogar einiges extra für den Trailer gedreht worden?), so daß daraus ein sehr sehenswertes, herbes und schließlich blutiges Stück Kurzfilm geworden ist.

Zusammengebastelt und verantwortet hat das Ganze Robert Blankenheim, der auch schon bei anderer Leute Kurzfilmen die Spezialeffekte gemacht hat (Homepage, Youtube).

(via)

Blankenheim hatte vor fast fünf Jahren schon einmal mit einem Fake-Trailer für Titanic 2 ein bißchen Aufsehen erregt, dessen Making-Of man hier ansehen kann – es gibt spannende Hinweise auf die Arbeitsweise des Regisseurs:

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Zwei Cent zu Filmkritik im Internet

Die freundlichen Menschen von NEGATIV – Magazin für Film und Medienkultur haben anläßlich des ersten „Geburtstags“ ihres Magazins verschiedene Filmkritiker_innen und -publizist_innen zum Thema Filmkritik und Internet befragt – und ich bin beglückt, dafür neben so großartigen Menschen wie Ekkehard Knörer, Steven Shaviro, Lida Bach, Jonathan Rosenbaum und Georg Seeßlen ebenfalls angesprochen worden zu sein.

Aus ganz persönlicher Perspektive also von mir hier ein paar Sätze zur Bedeutung des Internet für die Filmkritik und meine Arbeit als Kritiker.

Ergänzt wird die Reihe übrigens durch Beiträge des Magazins selbst, so von Dennis Vetter zu „Der Autor ist tot. Lang lebe der Diskurs„, und auch Ciprian David macht sich Gedanken zur Filmkritik im Internet.

Und natürlich greift das auf ältere Diskussionen zurück – etwa die Debatte um Josef Schnelles Polemik gegen Filmkritik in Blogs im August 2008 oder die verschiedenen Beiträge zum Symposium „Im Netz der Möglichkeiten – Filmkritik in Zeiten des Internet“ im November des gleichen Jahres (hier der Beitrag von Sascha Keilholz mit Links, hier bei Thomas Groh  ein Überblick über die Diskussionen).

Oscarwoche: Salt

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Ich fand diese Agentinnen-Actiongeschichte mit Angelina Jolie ja erheblich besser als die meisten meiner Kolleg_innen, was vermutlich nicht nur an meinem Soft Spot für Angelina Jolie liegt, sondern auch daran, daß Salt vielleicht der einzig solide, ernsthafte und gelegentlich auch harte Agentinnenfilm der vergangenen Jahre ist. Frauen werden immer noch zu selten in solche Rollen besetzt, und gerade im Vergleich zu den Agent_innenkomödien des vergangenen Jahres – namentlich Killers (meine Kritik) und Knight and Day – mit ihren vorsintflutlich anmutenden Geschlechtermodellen ist dies eine angenehme Abwechslung, die sich, bei aller Hanebüchigkeit in vielem, jedenfalls nicht hinter den meisten, männlich besetzten Agentenfilmen verstecken muß. (Und ja, natürlich sind die Bourne-Filme interessanter und die besseren Bonds auch besser.)

Nominiert für: Best Sound (1)

Chancen: Praktisch null.

Oscarwoche: Black Swan

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Ein großartiger Film ist das, visuell geradezu erschütternd intensiv, vor allem aber mit einer herausragenden Natalie Portman in der Hauptrolle, die sich nicht zuletzt intensiv und völlig überzeugend auf ihre Rolle als Ballettänzerin vorbereitet hatte (und jetzt ihren Choreographen heiratet und mit ihm ein Kind bekommt). Das Einzige, was mich wirklich von totaler Begeisterung für den Film abhielt, war der Umstand, daß ich die Grundkonstruktion des Drehbuchs (die ich hier jetzt nicht verraten möchte) allzu rasch durchschaubar fand und mich das oft genug aus dem Film herausriß. Das ist womöglich eine sehr subjektive Einschätzung; zugleich fand ich das Drehbuch aber gerade darin clever, wie es die Geschichte von Schwanensee, die darin getanzt werden soll, in den Film selbst wieder einwob.

Nominiert für: Best Picture, Best Director (Darren Aronofsky), Best Actress (Natalie Portman), Best Cinematography, Best Editing (5)

Vage Prognose: Zumindest Ms Portman dürfte der Oscar wohl sicher sein, trotz der würdigen Konkurrenz (Annette Benning hat angeblich aber auch noch Chancen) mit allem Recht; und außerdem haben wahnsinnige Frauen einfach bessere Chancen. Auch die anderen Trophäen wären verdient, aber da sind vor allem mit The King’s Speech und The Social Network zwei große Favoriten für einen Oscardurchmarsch ebenfalls präsent.

Errange

Trailer für das französische Drama Errange (bisher noch ohne Starttermin) von Thierry Paya, mit Alice Taurand, Fabrice Rosaci und Jean-Claude Dreyfus.

Inhalt:

La vallée de la Fensch a toujours vécu de son industrie sidérurgique dynamique. Alors que le secteur glisse lentement vers une mort certaine, les habitants de la vallée s’enfoncent dans la misère. Plus de travail. Plus d’argent. Plus d’espoir.
Les suicides se multiplient, la violence est devenue un moyen d’expression et une étrange menace semble planer sur la vallée.
Dans cet environnement suffoquant, Bernard va tenter de ne pas se laisser entrainer vers la folie. Au cours de l’une de ses errances, il rencontre Jeanne, une jeune femme dont la vie ne tient qu’à un fil.

(via)