Falling Skies (TV, 2011, 1×01-02)

„Being the leader of a postapocalyptic gang of outlaws has been exhausting!“

TM & © 2011 TNT. A Time Warner Company. All Rights reserved.

Die US-Serie Falling Skies, die an diesem Wochenende in den USA startet und dann ab 24. Juni auch in Deutschland auf TNT Serie läuft, hat ihren Ausgangspunkt am Ende einer Alieninvasion auf der Erde: Die bestehenden staatlichen, wirtschaftlichen und sozialen Strukturen sind offenbar weitgehend aufgelöst, die Überlebenden suchen nach Nahrungsmitteln in leerstehenden Supermärkten und Lagerhallen, Kontakt zur anderen Menschengruppen scheint es nicht zu geben.

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Das ist ein Szenario, wie es in Folge von Filmen wie Invasion: Battle Los Angeles oder Skyline denkbar wäre: Die Menschen sind nur noch „die Überlebenden“ (wie treffend natürlich auch die Pilotfolge heißt); an Sieg ist noch lange nicht zu denken. (Das ist natürlich auch eine hervorragende Prämisse für eine lang laufende Serie.) Und zugleich ist es natürlich ein Szenario, das unter minimal veränderten Vorzeichen alle Topoi des postapokalyptischen Films wieder aufnimmt, nicht zuletzt des Zombiefilms, und damit auch in direkter Konkurrenz zur Serie The Walking Dead zu sehen ist, deren zweite Staffel allerdings erst im Oktober anläuft – genug Raum also für Falling Skies.

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Die Pilotfolge führt die Situation und das Setting sehr schön ein – über Kinderzeichnungen von der Invasion und den Beschreibungen der Kinder dazu – was sie erlebt haben, wie es ihnen dabei geht. Das setzt nicht nur den Ton (Mut trotz Verzweiflung, aber auch die permanente Erwartung des Todes), sondern führt auch bereits die Haltung dieser „Überlebenden“ ein: Im Angesicht des Untergangs gibt es noch Kinder, für die man Zeit hat, gibt es noch Schule gar.

Die Gruppe hat sich sehr amerikanisch, klassisch-postapokalyptisch organisiert: Eine große Gruppe Zivilist_innen (von denen zunächst nur sehr wenige herausgehobene Bedeutung erhalten), beschützt von einer mehr oder minder selbstherrlichen Miliz, zum Teil ehemalige Soldaten. Wer da auf den langen Märschen in akquirierten Häusern und Betten schlafen darf, daran zeigen sich schon erste Brüche in der Sozialstruktur.

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Die Hauptfiguren sind Tom Mason (Noah Wyle), ein Geschichtsprofessor mit Spezialgebiet Militärhistorie, seine Söhne Matt, Ben und Hal, sowie die Ärztin Anne Glass (Moon Bloodgood). Tom schlägt sich mit seinem Vorgesetzten herum, will auf die Suche nach seinem von den Aliens gekidnappten Sohn Ben gehen und ist zugleich Ansprechpartner (und potentielles romantic interest) für Anne, die sich als Sprachrohr der Zivilist_innen versteht.

Das Hauptproblem der ersten beiden Folgen von Falling Skies, die ich vorab habe sehen können, scheint zu sein, daß diese Menschengruppe – bei allen kleinen Hakeleien, die sich andeuten, bislang noch zu sehr zu einfach verschiedene Variationen und Interpretationen des Guten und Richtigen repräsentiert, während alles Dunkle nach Außen projiziert wird – auf die Aliens, auf eine Gang von Outlaws, die raubend, vergewaltigend, an die Ressourcen der Miliz heranwill. Da ist freilich noch viel Potential für Konfliktentwicklung da, man wird sehen, was Robert Rodat aus dem Stoff machen will.

Schön ist dafür, daß der innere Konflikt zwischen dem Kampf fürs allgemeine und das persönliche Wohl hier offen ausgetragen (wenn auch zuweilen etwas rasch bereinigt) wird; wie die Wissenschaften Geschichte und Biologie kleine Würdigungen erfahren, wenn auch allein als Mittel im Kampf gegen die Invasoren, und wie schließlich und vor allem die Differenz von Momenten des Kampfes und der Auseinandersetzung kontrastiert wird mit ein, zwei starken Szenen, in denen plötzlich die Ruhe und Unschuld der Welt von früher durchdringt.

Fotos: TNT

Dark Tide

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In all den Variationsbreiten zwischen Jaws und Deep Blue Sea können Haifischfilme ganz schön fies und nervenzerfetzend sein. Dem Trailer zum neuen Projekt von Halle Berry sieht man diese Spannung noch nicht wirklich an, der scheint eher ein Drama vorstellen zu wollen, bis er dann im dritten Akt in Richtung Tierhorror kippt. Welche Richtung der Film nehmen will oder soll, wird daraus nicht klar; aber das muß ja wahrlich nicht schlecht sein.

Regie führt John Stockwell, der mit Blue Crush und Into the Blue schon reichlich Wellen- und Wassererfahrung gesammelt hat sowie auch für das bereits hier betrailerte Cat Run verantwortlich zeichnet. Mit Turistas (meine Kritik) hat der Mann freilich auch mindestens einen jüngeren Zweidrittelstinker geschaffen, was nicht unbedingt für dieses neue Projekt spricht.

(via)

Derrière les murs

Nach Eigenwerbung ist dieser Horrorfilm mit Laetitia Casta der erste französische (Genre)Film in 3D – aber die ersten kritischen Stimmen sprechen von einem eher eindimensionalen Erlebnis. Auch der Trailer kann diese Ahnung nicht zerstreuen, denn was sich dort dabietet, wirkt doch alles sehr nach dem üblichen Einerlei des Mystery-Horrors.

Auvergne, 1922. Suzanne, jeune romancière, décide de s’isoler à la campagne pour écrire son nouveau livre. Mais peu à peu des visions et des cauchemars font leur apparition tandis que de mystérieuses disparitions de petites filles sèment le trouble dans le village…

Eine junge Schriftstellerin fährt also aufs Land, um ihr Buch zu schreiben, hat dann aber Visionen und Alpträume, während kleine Mädchen im Dorf verschwinden… Doch, klingt vertraut, oder was meint Ihr?

Der Film startet Anfang Juli in Frankreich.

The Tree of Life (2011)

An eine gründlichen, wohlkonstruierten Kritik von Terrence Malicks fulminantem, irrem, schmalzigem, wahnsinnigem The Tree of Life will ich mich hier gar nicht erst versuchen, dazu fehlt mir auch die Zeit. (Zumal ich schon bei normalen Filmen immer mehr das Bedürfnis verspüre, vor einem Text die Filme zwei-, dreimal zu sehen; ich kann aber nicht eine ganze Woche mit Malick verbringen.) Wer das informiert lesen will, wende sich an Thorsten, Nino oder Joachim.

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Stattdessen ein paar unsortierte Gedankenfetzen, die womöglich eher interessant sind für Menschen, die den Film schon gesehen haben, und deren vielleicht kritischem Übergewicht ich doch noch entgegen halten möchte, daß ich im positiven Sinne überwältigt aus dem Kino kam; daß ich zwar streckenweise schon begann, unruhig im Kinosessel hin und her zu rutschen, daß das aber auch der späten Stunde zugeschrieben werden könne. Filmwahrnehmung ist niemals unabhängig von ihren Rahmenbedingungen, und an einem schon etwas sentimentalen Abend, direkt nach Fast Five, wirkt der Film sicher bedeutend anders als am frühen Morgen in Cannes.

The Tree of Life ist in seinem allumfassenden Weltentwurf schon prätentiös und nicht nur milde größenwahnsinnig; Malick beginnt seinen Film nicht nur mit einem Zitat aus dem Buch Hiob, seine Geschichte ist auch gleich eine Neuerzählung der Sinnsuche, der Suche nach Gott, die Kamera stets oder mindestens: immer wieder gen Himmel gerichtet. Malick hat die Strukturen der Natur und der von Menschen geschaffenen Welt (Architektur!) immer genauso im Blick, vielleicht sogar mehr, als die Menschen – der Bezug auf den Lebensbaum (Yggdrasil oder nach welchem Namen auch immer) verstärkt nur: Hier sucht jemand nach den ganz großen Fragen und Antworten, und er macht das mit Bildern, denen man Bescheidenheit nicht vorwerfen kann.

Das muß nicht schlecht sein; Kubricks 2001 ist ja auch nicht durch Kleinkrämerei so großartig. Was mich an The Tree of Life etwas gestört hat war, daß Malick eine Geschichte vom Leben erzählen möchte und mir diese dafür viel zu oft zu weit von den Menschen entfernt war. Weil der Film immer gleich das Große Ganze sucht, läßt er (nach dem Eindruck meiner einen Sichtung, sentimentaler Freitagabend etc.) sich zu wenig auf die einzelnen Menschen ein. So sind vor allem auch die Eltern von Jack, der Hauptfigur, einen Hauch zu sehr Verkörperung von Idealprinzipien – hier die liebende, selbstlose Mutter, dort der harte, fordernde, auch ungerechte Vater.

Malick macht es sich keineswegs ganz einfach mit diesen Figuren, und der Vater (den Brad Pitt mit einer Erwachsenheit und Härte spielt, die zeigt, welchen weiten Weg er selbst als Schauspieler schon zurückgelegt hat) zeigt anfangs Brüche und am Ende sogar Demut. Aber die Mutter in ihrer Duldsamkeit, unverbrüchlichen Liebe etc. (keineswegs Mutter Natur, eher Mutter Grazie) ist etwas zu dick aufgetragen, hat zu wenig Borsten, kaum raue Stellen – kurzum: sie vertritt das Göttliche, dessen Lied hier gesungen wird, aber nicht die Menschlichkeit einer Frau (/liebenden Mutter).

Nochmal: Ich sage nicht, daß das unbedingt schlecht ist, und gewollt, gewünscht ist es von Malick vermutlich allemal. Aber es irritiert mich, nicht zuletzt auch weil es natürlich eine (man kann sagen: auf die Zeit, zu der der Film spielt, realistisch bezogene – aber ja trotzdem nie in Reinform existiert habende) Wiederholung von Geschlechterstereotypen darstellt, an der sich dann doch eben wieder die Entwicklung eines Mannes entzündet und entflammt.

Die Zähmung der Lisbeth Salander

Ich mache mir etwas Sorgen um die Neuverfilmung von Män som hatar kvinnor (Verblendung), The Girl with the Dragon Tattoo. (Natürlich sehe ich vor allem die Notwendigkeit nicht, aus einem durchaus sehr guten Film so bald darauf einen zweiten zu machen – Regisseur Niels Arden Oplev kann durchaus ein bißchen beleidigt sein vielleicht. Immerhin muß man sich, da David Fincher Regie führt, keine allzu großen Sorgen machen, daß das Remake an und für sich ganz furchtbar werden könnte.)

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Meine Irritation hat schon vor einigen Monaten begonnen, und mit dem jetzt veröffentlichten Teaser-Poster erhärtet sich der Verdacht: Hier wird für die Werbekampagne die Figur der Lisbeth Salander (in Finchers Film von Rooney Mara verkörpert) in einer Weise dargestellt (und deshalb wird das Poster hier auch nicht reproduziert), die vor allem dazu geeignet ist, sie als sexuelles Wesen dar-, vor- und auszustellen.

Schon die im Januar veröffentlichte Fotostrecke mit Bildern von Rooney Mara (als Salander) in W zeigte diese Tendenz – das konnte man aber vielleicht noch, mit sehr viel gutem Willen, als ans publizierende Medium angepaßte Aufmerksamkeitsstrategie lesen. Mit der Veröffentlichung des offiziellen Posters aber wird mehr daraus: Wird daraus Bilderpolitik mit einer klaren Sprache und Geschlechterordnung.

Das Bild ist in dunklem Schwarzweiß gehalten; Salander (Mara) steht darauf, nackt bis zur tief auf den Hüften sitzenden Jeans, vor Blomkvist (Daniel Craig, bekleidet), der seinen linken Arm um ihren Oberkörper gelegt hat. Salanders Brüste liegen frei, ihre Brustwarzen werden durch Schrift bzw. durch ihren linken Arm abgedeckt, mit dessen Hand sie an Blomkvists Armbeuge faßt. Beide blicken in Richtung der Kamera.

Zwar wirkt Salander auf diesem Bild keineswegs wie ein braves, gefügiges Mädchen – gerade auch durch ihren direkten Blick nimmt sie keine unterwürfige Position ein -, zugleich ist sie aber deutlich Blomkvist untergeordnet. Dies wird zum einen durch ihre Körpergröße suggeriert (Noomi Rapace – Salander im Originalfilm – ist meiner Erinnerung nach nicht kleiner als ihr Gegenüber Michael Nyqvist – Blomkvist), zum anderen aber auch durch Blomkvists schützende Geste (die durch Salanders eigene Hand wiederum aufgewertet wird).

Zusammen mit ihrer Nacktheit entsteht so das Bild einer Lisbeth Salander, die Blomkvist jedenfalls nicht ebenbürtig ist; sieht man das Bild zudem im Kontext der erwähnten Fotostrecke aus W, so entsteht deutlich der Eindruck, daß ihre Figur hier als sexuell verfügbar dargestellt wird, verbunden allenfalls mit in die Alltagskultur eingesickerten Fetischisierungsmitteln à la Suicide Girls. Vor allem aber wird Salander in den Bildern aufs Sexuelle nahezu vollständig reduziert.

Das ist insbesondere deshalb so ärgerlich, weil sie in den Romanen – und weitgehend auch im Film von Niels Arden Oplev – zwar auch ein sexuelles Wesen ist (nicht zuletzt ist dies für ihre Beziehung zu Blomkvist von Bedeutung), aber eben nicht hauptsächlich. Alle Insignien und Gegenstände, die für Salander in Buch und Film sonst so wichtig sind – vor allem also ihr Computer – fehlen hier vollständig.

Stieg Larssons Bücher haben eine der vollständigsten, komplexesten Heldinnen im jüngeren Thriller in die Welt gesetzt; die Kampagne für The Girl with the Dragon Tattoo scheint nun schwer daran zu arbeiten, diese harte, widerspenstige Figur, diese schwarze Ritterin des Geschlechterkampfes, zu domestizieren und sexuell verfügbar zu machen.

(Hier nun noch der Trailer zu The Girl with the Dragon Tattoo, in dem Lisbeth Salander, dem Filmtitel zum Trotz, praktisch nicht auftaucht.)

Fantasy Filmfest 2011: erste Filme bekanntgegeben

In der vergangenen Woche wurden die ersten Filme für das diesjährige (fünfundzwanzigste) Fantasy Filmfest vorgestellt – und wenn sich das qualitativ so fortsetzt, dann verspricht es ein schönes Festival zu werden.

Schon gesetzt sind für das Festival die beiden französischen Thriller À bout portant (meine Kritik, Trailer) aka Point Blank von Fred Cavayé sowie La proie (The Prey; Trailer) von Eric Valette – beides sind hervorragende Vertreter des Man-on-the-run-Subgenres, Valettes Film etwas ausgreifender und unwahrscheinlicher vielleicht als der sehr dichte und urbane À bout portant.

Mit Stake Land (meine Kritik; Trailer) und Super (meine Kritik; Trailer) sind zwei großartige Exemplare des phantastischen amerikanischen Kinos aus dem vergangenen Jahr dabei, die ich schon in Sitges habe sehen können; Fase 7 aus Argentinien hingegen ist meiner Meinung nach einen Besuch nicht wert (meine Kritik).

Gespannt bin ich selbst vor allem auf Kalevet (Rabies) von Ahron Keshales und Navot Papushado aus Israel, auf den deutschen Film Urban Explorer von Andy Fetcher sowie auf Guan Yun Chang aka The Lost Bladesman von Felix Chong und Alan Mak.

Hier noch die Trailer der letztgenannten drei Filme (für die anderen jeweils unter den angegebenen Links):

Kalevet:

Urban Explorer:

Guan Yun Chang:

Colombiana – Poster

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Nach dem ersten Trailer hier nun auch ein Poster zu Colombiana mit Zoe Saldana, der im kommenden Herbst anlaufen wird, über eine junge Frau, die sich zur Killerin ausbilden läßt, um den Mord an ihren Eltern zu rächen.

(via)

Texte zu Filmstarts (2. Juni 2011)

Noch eine Nachurlaubsnachreichung: In der vergangenen Woche sind in Deutschland drei Filme angelaufen, die ich vorab gesehen habe- alle drei für ein ganz unterschiedliches Publikum gemacht und gedacht.

Da wäre zunächst The Hangover Part II, die Fortsetzung der durchaus zurecht sehr erfolgreichen Buddy-Komödie The Hangover, in der sich wieder drei nicht mehr ganz junge Herren schrill und pubertär durch extreme Situationen bewegen. Ich fand das für critic.de immer noch einigermaßen komisch, aber man kann das auch völlig zurecht eher ganz und gar furchtbar finden.

Source Code von Duncan Jones habe ich nirgends ausführlicher besprochen, aber besonders mitgerissen oder berührt hat mich der Film nicht; er wirkt zu sehr wie eine Fingerübung, eine emotionslose Versuchsanordnung, ohne besondere Spannung oder Überraschung. Schade, denn Jones‘ Moon fand ich wirklich sehr gut.

Last but wirklich not least ist Somos lo que hay (Wir sind was wir sind) von Jorge Michel Grau ein sehenswertes, seltsames Horrordrama über eine anscheinend kannibalistisch lebende Familie in Mexico City, der vor allem von der Gewalttätigkeit der Welt spricht. Für kino-zeit.de habe ich das etwas ausführlicher beschrieben.

Foto: Warner Bros.

wikio.de-Blogranking Film – Juni 2011

Wegen meiner Urlaubswoche bin ich diesmal etwas spät damit, aber wie im vergangenen Monat gibt es auch diesmal das aktuelle Blogranking von wikio.de zum Thema Film, diesmal nur die Top 10:

  1. Fünf Filmfreunde
  2. cinematze
  3. NEGATIV
  4. ONLY GOOD STUFF
  5. Filmfreek Blog
  6. Butt-Kicking Babes
  7. filmtogo
  8. HorrorBlog.org
  9. Equilibrium
  10. Captain Obvious