Berlinale 2012: Tag 2

Mein Tag 1 war ja aus Arbeits- und Familiengründen ausgefallen, und für Tag 2 habe ich jetzt auch nicht mehr wirklich viel Zeit: Das Bett ruft dringend. Deshalb kurz:

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Retter des Tages: @3jH. Der mir am späten Vormittag einen Schokoriegel in die Hand drückte, um mich vor einem fatalen Hungergefühl zu bewahren. Bis dahin war nur ein Kaffee drin gewesen.

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Auch Akkreditierte sollten sich mal in die Ticketschlange stellen, da gibt es nämlich Spannendes zu entdecken. Hatte dies heute für einen Kinobesuch am Montag getan und wurde dabei von einer Zufallsbekanntschaft mit der Idee beseelt, vielleicht morgen einfach mal alte russische Trickfilme in der Retrospektive anzusehen. Das fühlt sich sehr, sehr richtig an.

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Kid-Thing war der erste Feel-Bad-Film des Tages: ein von Menschlichkeit und Sorge entleertes Texas, durch das ein zehnjähriges Mädchen mit seiner Paintgun zieht. Sehr depressierend.

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In the Land of Blood and Honey von Angelina Jolie: zweiter Feel-Bad-Film. Solide erste Regie-Arbeit mit vielen Schwächen, aber lange nicht so schlimm, wie angekündigt. Vor allem anstrengend durch die Botschaft, dass die Menschheit grausam, schrecklich und böse ist, und durch eine gewisse einseitige Parteilichkeit, die beim Umgang mit dem thematisierten Krieg ja eh ein Problem ist.

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Schließlich Aelita in der Retrospektive: Toll, aber laaaangsam (nur die russischen Zwischentitel waren immer viel zu schnell wieder weg), was um die Zeit dann etwas anstrengend war. Die Dame rechts von mir schnarchte zeitweilig ein wenig, und Herr F. links von mir gab später auch zu, kurz eingenickt zu sein. Keine Schande. Aber toll ist die Story schon irgendwie, am Schluß wird die Union der Sowjetrepubliken vom Mars ausgerufen – ich möchte das gerne im Double Feature mit dem Disney’schen John Carter-Film im Sommer sehen – wenn die irgendwie in der Nähe der trashigen Buchvorlagen liegen, ist das alles andere als kommunistisch.

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Noch ein paar Lesetipps anderswo: Bei critic.de gibt es natürlich das bewährte Berlinale-Special, Kollegin Ines macht auf film-zeit.de ihren Pressespiegel zum Festival. Lukas, Thomas et al. bloggen für den Perlentaucher, Joachim und andere schreiben sich auf kino-zeit.de die Festivallast von der Seele, Sophie bei sich selbst und im Berlinale-Tagebuch bei meinem Arbeitgeber moviepilot.

Berlinale 2012: Tag 0

Die Berlinale 2012 – meine erste mit Presseakkreditierung – beginnt gleich ein wenig unwirklich: ich muss in keiner Schlange stehen. Womöglich sind Journalisten das ja sogar gewohnt bei diesem Festival (man wird sehen), aber die übliche Perspektive der letzten Jahre war natürlich immer die aus der ewigen Ticketschlange in den Arkaden am Potsdamer Platz, in der man schon mal locker die Länge eines Films lang warten konnte, um ein paar Tickets zu erstehen. Und dennoch ließ man da schnell einen unanständig hohen Betrag, weil da war ja dieser interessante Film … und der da, hast Du schon gehört?

Wird das jetzt alles entwertet, wenn ich nicht nur mit der professionellen Abgeklärtheit *hüstel* des Kritikers in den Vorstellungen sitze, sondern auch nicht Zeit und Geld investieren mußte, um die Filme zu sehen? Oder wird das durch die Zeit wieder aufgewogen, die man nachher mit dem Verfassen eines Textes verbringt?

Zehn Minuten habe ich jedenfalls gebraucht, bis ich meine Akkreditierung in Händen hielt; eine Kollegin verriet dann auch noch, wo man die Berlinale-Tasche und vor allem den dicken Katalog erhält, und so bin ich jetzt reichlich mit Material versorgt. Wer soll das denn alles wann lesen?

Allerdings fällt Tag 1 (Donnerstag, der 9.) der Berlinale für mich aus verschiedenen Gründen völlig aus, so dass ich mich am Abend wahrscheinlich mit dem dicken Ding aufs Sofa zurückziehen werde.

Wenn da nicht noch diese anderen Texte fertigzustellen wären, die gar nichts mit dem Festival zu tun haben…

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Abends schon der erste Film, Werner Herzogs Death Row. Herzog möchte mit seinen Portraits von Todeskandidaten aus amerikanischen Gefängnissen gerne die öffentliche Meinung beeinflussen – das Projekt ist sein Statement gegen die Todesstrafe. Ob es funktioniert, scheint mir aber mindestens fraglich; auf jeden Fall ist Herzog selbst der größte Störfaktor, wenn er seine Gesprächspartner unterbricht oder durch suggestive Fragen offensichtlich in eine – seine – bestimmte Richtung zu bewegen versucht. Vollends eigenartig wird es dann, wenn es in einem der Portraits vor allem um die (in der Tat aufregende) Geschichte des Gefängnisausbruchs der beiden Häftlinge geht, die spannend wie eine Thrillerhandlung ist, aber die Sache mit der Todesstrafe ziemlich in den Hintergrund schiebt.

Gewiss, Herzog macht Menschen aus seinen Gesprächspartnern, und diese Menschlichkeit ist vielleicht mehr, als ihnen anderswo zugesprochen wird. Aber manchmal ist doch irritierend, wie sehr sie ihm anscheinend doch Mittel zum ehrenhaften Zweck zu sein scheinen.

Und dass er selbst das Voiceover spricht, mag authentisch sein; aber sein Akzent im Englischen ist wahrlich nur schwer erträglich.