The Heat

Ich ziehe Sandra Bullock jederzeit einem schlechten Miss Congeniality-Klon vor. Und vielleicht wird das hier sogar eine hinreichend alberne Komödie. Und Melissa McCarthy kann so falsch ja gar nicht sein.

Movie 43: Red Band Trailer

Jugendfrei ist das nicht. Will you poop on me? Könnte ich aber leider gerade auf Endlosschleife anschauen. Hm.

Det røde kapel [The Red Chapel] (2009)

Nordkorea ist ein Land, von dem man nicht nur gemeinhin wenig weiß, sondern von dem man tatsächlich außerhalb des Landes erstaunlich wenig in Erfahrung bringen kann; und reingelassen wird mensch normalerweise gar nicht erst. (Die einzigen im Westen, die etwas mehr über das Land wissen dürften, arbeiten vermutlich für die CIA, und die reden nicht so gerne darüber. Aber ich schweife ab.) Hierzulande kann man sich immerhin noch mit ein paar lesenswerten Büchern behelfen, die auf größerer oder kleinerer Faktenbasis etwas zu Nordkorea und seinen Bewohner_innen zu sagen haben; Die Kinogänger von Chongjin von Barbara Demick etwa, oder Nordkorea. Einblicke in ein rätselhaftes Land.

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Red Chapel könnte eine weitere Möglichkeit sein, sich dem Land zu nähern, aber man weiß am Ende gar nicht so richtig, ob man durch diesen Dokumentarfilm wirklich etwas über das Land gelernt hat, das da bereist wird; vielleicht hat man auch nur etwas über die (westlichen) Protagonisten gelernt und ihren Blick auf die Welt, oder aufeinander… ach, es bleibt so vieles unklar.

Regisseur Mads Brügger macht sich mit seinem kleinen Filmteam nach Nordkorea auf und begleitet die beiden Komiker Simon und Jacob – beide dänischer Nationalität, aber südkoreanischer Abstammung – die auf großer Bühne in Pjöngjang eine Comedyshow zur Aufführung wollen. Eigentlich freilich, so der Eindruck, den der Film weckt, sind Simon und Jacob nur ein Vorwand, um sich das Land ansehen und filmen zu können. Man sieht die beiden also bei Proben und im Gespräch mit dem nordkoreanischen Regisseur; sie werden herumgefahren und bekommen eine mustergültige Schule zu sehen und die zu verehrende Statue des Geliebten Führers Kim Jong-Il. Und natürlich überreichen sie einem Mitarbeiter des Kulturministeriums ein Geschenk für Kim Il-Sung: Eine schön glatt polierte Pizzaschaufel.

Schon vorher wurde überdeutlich, daß zumindest der Regisseur, der einen kontinuierlichen Kommentar aus dem Off einspricht, seine koreanischen Gegenüber nicht wirklich ernstzunehmen bereit ist, und das ist dann auch das Grundproblem des Films – die Menschen kommen hier nie wirklich als Menschen zum Vorschein, sondern immer als Repräsentant_innen des Systems. Womöglich gab es privatere Momente, die die Zensur nicht hat passieren lassen – alles Filmmaterial mußte die Crew abends zur Durchsicht abgeben –, aber wenn es etwas gab, so erfährt man davon auch nichts. Was die Vermutung nur stärkt, daß der Regisseur hier seine bereits zu Beginn des Films geäußerte klare Abneigung gegen das politische System im Lande vor allem bebildern wollte.

Dafür liefern ihm die nordkoreanischen Gastgeber freilich auch jede Menge Munition. Wie sehr hier alles brav beim Gedanken an den (verstorbenen) Geliebten Führer in Tränen verfällt. Wie leer und trostlos die Straßen sind, wie gleichgeschaltet die Schüler_innen. Und schließlich läßt der nordkoreanische Regisseur auch kaum etwas vom dänischen Originalgehalt des ziemlich grotesken „Stückes“ übrig, das Simon und Jacob vorführen möchten, und unterwirft die Präsentation nicht nur landeseigenen Traditionen, sondern natürlich auch den politischen Konstellationen.

Es ist bedauerlich, daß man so wenig erfährt, ob es ernsthafte Diskussionen gegeben hat, wie sich gewunden und gewehrt wurde; aus dem, was man zu sehen bekommt, muß man leider schlußfolgern, daß dergleichen nicht oder kaum geschehen ist. Statt aktive Träger einer Auseinandersetzung sind so die Nordkoreaner_innen reine Statisten für das komische Projekt des Regisseurs, mit dem er den „bösen Kern“ des Regimes entlarven möchte. Es will ihm nicht gelingen. (Sieh da! Ein Pudel!)

Stilistisch schwelgt der Film in den Möglichkeiten des Billigdokumentarischen: verrissene Aufnahmen, Hin- und Wegzoomen, alles wirkt ein wenig amateurhaft und trashig – das soll vermutlich wie eine Variation auf Borat wirken, verzichtet aber eben genau auf jenen Funken, der Sacha Baron Cohens Projekt so interessant gemacht hatte: Die fast schon selbstvergessene Bereitschaft, sich auf den Irrsinn einzulassen und ihn bis zum Ende mitzugehen.

Das mag den Filmemachern dann in Nordkorea doch vielleicht etwas zu heikel und gefährlich gewesen sein – das kann man durchaus verstehen. Es bleiben immer noch Szenen übrig, bei denen einem vor Staunen und Schrecken der Mund offen stehen bleibt, weil man eigentlich lachen müßte ob der Irrsinnigkeit, in der Nordkorea gefangen zu sein scheint.

Red Chapel läuft am 1. Juni in der Komischen Filmnacht im Berliner Filmtheater am Friedrichshain (Facebook-Event). Alle Infos hier.

The Hangover Part II (2011)

The Hangover Part II ist vielleicht das, was man ein archetypisches Sequel nennen könnte, oder jedenfalls: die Bestätigung all der Vorurteile, die man über nachgereichte Zweitfilme so haben kann. Immerhin ist diesmal mit Todd Phillips noch der gleiche Regisseur mit an Bord wie vor zwei Jahren, ein Spezialist in Sachen Junggesellen- oder Großejungs-Filme also, der außerdem noch den gräßlichen Old School sowie Due Date gemacht hat. Dennoch: The Hangover Part II ist strukturell wie inhaltlich nahezu identisch mit The Hangover, auch wenn natürlich Figuren, Tiere, Entführungsopfer und -täter ausgetauscht und hin- und hergeschoben werden. Und statt „Viva Las Vegas“ ist es hier eben „One Night in Bangkok“.

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Diesmal soll Stu (Ed Helms) heiraten, der brave Zahnarzt, der sich im ersten Film im Drogeneinfluß mit einer Stripperin verheiratet hatte und dadurch letzten Endes aus seiner doch sehr beengenden Beziehung ausbrechen konnte – jetzt hat er sich mit Lauren (Jamie Chung) ein bezauberndes Wesen geangelt, von dem man nie so recht versteht, was sie an ihm findet, aber das spielt hier auch nicht wirklich eine Rolle. Frauen sind in der Hangover-Welt nachsichtige Randgestalten – durchweg positive Figuren, das sollte man vielleicht betonen, stets erwachsener oder mindestens vernünftiger als die Männer.

Das Erstaunliche an diesen beiden Filmen ist eigentlich, daß sie die Identitätskrisen der Männer praktisch ohne Bezug auf und Abgrenzung von Frauen bewerkstelligen. Es fehlt damit völlig jene tendenzielle Abwertung des anderen Geschlechts, die andere Jungsfilme so unangenehm macht. Natürlich geht es dennoch auch um (Hetero-)Sexualität und um das Überschreiten von Grenzen auch sexueller Natur; aber es sind immer die Männer, die dabei – wenn sie dann wieder klaren Kopfes sind – unentspannt auf eine irre Welt reagieren, auf die sie sich unter Drogeneinfluß entspannt eingelassen hatten.

Denn natürlich nimmt auch in The Hangover Part II ein diesmal sehr klein geplanter Junggesellenabend einen rapide anderen Verlauf, an dem sich Stu und seine Freunde plötzlich in einer Absteige in Bangkok wiederfinden – die Hochzeitsgesellschaft wartet so einige Kilometer entfernt an der thailändischen Küste -, mit einem Affen, dem abgeschnittenen Finger von Laurens Bruder Teddy (Mason Lee) und keiner Ahnung, was passiert ist – oder wo der Rest von Teddy steckt.

Die harmlosen Jungs aus der Vorstadt – der Zahnarzt, der verheiratete Grundschullehrer, der Irre – in der wilden weiten Welt. Nach und nach finden sie heraus, was sie in der vergangenen Nacht alles angerichtet haben; irgendwie geht immer alles gut, das ist natürlich die Vorbedingung, der Exzeß, aus dem sich der Humor des Filmes speist, ist hier nie fundamental bedrohlich, sondern eröffnet neue Möglichkeiten und Horizonte: Erst im Exzeß finden wir zu uns selbst.

Das ist, wenn man es recht bedenkt, nicht nur ein Topos des Jungmännerfilms der letzten Jahre – man denke nur zuletzt an Get Him to the Greek (meine Kritik) – erstaunlich nah an den hippiesken Selbstfindungsphantasien durch LSD und andere Rauschmittel – die 68er sind also im amerikanischen Mainstream angekommen: so brav sind sie aber dann doch (der verheiratete Grundschullehrer macht nämlich keine allzu schlimmen sachen), daß die wahren Exzesse vor der Hochzeit abgehakt werden müssen.

Fotos: Warner Bros.

Four Lions: Wir erfinden uns eine Zensurdebatte

In der kommenden Woche läuft in den deutschen Kinos endlich der britische Film Four Lions an, eine durchaus sehr großartige schwarze Komödie über eine Handvoll sehr bemühter, aber sehr ahnungsloser Möchtegernterroristen in Großbritannien – ich habe mich schon vor einiger Zeit ausführlich zu dem Film geäußert.

Zum Start hin wird sicher wieder darauf hingewiesen werden – das ist ja immer auch ein bißchen Sensation und damit ein Marketingargument -, daß aus der deutschen Politik der Ruf nach einem Verbot des Filmes erschallte. Zensur also!

Aber stimmt das so?

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Am 9. Januar veröffentlichte Spiegel Online als Vorabmeldung (und Werbung) für das am gleichen Abend ausgestrahlte Spiegel TV Magazin einen Text, der mit der Überschrift versehen war: CSU will Islamistensatire verbieten. Im Text selbst ist dann von der Gesamtpartei nicht mehr die Rede, sondern nur noch vom einzelnen CSU-MdB Stephan Mayer (Homepage), und auch ein Verbot muß man sich zumindest zusammenkonstruieren. Dort ist zu lesen:

Ganz anderer Meinung ist jedoch der CSU-Bundestagsabgeordnete Stephan Mayer. Gegenüber SPIEGEL TV Magazin fordert er, den Film wegen der aktuellen Terrorgefahr nicht zu zeigen: „Ich glaube, dass es sehr gefährlich sein könnte, diesen Film jetzt in deutschen Kinos zu zeigen. Es könnte Öl ins Feuer gegossen werden.“

Begierig wurde die angebliche Verbotsforderung von den Filmmedien aufgenommen; moviepilot schrieb gleich am nächsten Morgen:

Den Christsozialen ist der Film Four Lions ein zu heißes Eisen – schließlich zeigt der Film, dass auch Terroristen nur Menschen sind, und Allah behüte, dass wir uns in Zeiten der Angst und des Schreckens über solche Monster lustig machen oder noch schlimmer, sie menschlich darstellen. Darum möchte die CSU den Film verbieten lassen.

Von solchen Begründungen für die angebliche Verbotsforderung ist freilich nichts überliefert, aber das nennen wir mal literarische Freiheit. Und nein, es sind nicht nur Blogs und die üblichen Verdächtigen, die brav von Spiegel Online die Überschrift abschrieben; die Geschichte vom angeblichen Verbotswunsch findet sich auch in neueren Veröffentlichungen der angesehenen Qualitätspresse, innerhalb und außerhalb von Deutschland:

„Ein deutscher Politiker wollte die Terroristen-Satire verbieten – wegen Terrorgefahr.“ (Thurgauer Zeitung, 6. April 2011)

„Schon forderte der CSU-Abgeordnete Stephan Mayer ein Kino-Verbot für den Film, damit kein „Öl ins Feuer“ gegossen werde.“ (Tagesspiegel, 21. Januar 2011)

„Die CSU sagt: Schluss mit lustig. Sie befürchtet eine erhöhte Terrorgefahr und will den Kinostart verbieten.“ (on3, „das junge Programm des Bayerischen Rundfunks“, 19. Januar 2011)

Und, ach und weh, selbst die sehr geschätzten Kolleg_innen von F.LM nahmen die Story als Aufhänger für ihren Bericht zu Four Lions. Zugegeben, die Sache mit der Zensur ist auch einfach zu schön. Und der Verleih Capelight freute sich sicher über die ganze kostenlose Publicity.

Das Problem ist eben nur: Die CSU hat nie etwas in Bezug auf Four Lions gefordert, und auch Stephan Meyer Mayer hat weder von Zensur noch von Verbot gesprochen. Sieht man sich das fragliche Video aus der Sendung selbst an, so stellt man fest, daß der als „CDU-Bedenkenträger“ eingeführte MdB insgesamt Folgendes sagt:

Ich glaube, daß es sehr gefährlich sein könnte, diesen Film jetzt in deutschen Kinos zu zeigen, es könnte Öl ins Feuer gegossen werden, und wir haben nunmal ganz konkrete Hinweise, daß es potentielle Islamisten in Deutschland gibt, aber auch in vielen anderen europäischen Ländern, die vielleicht gerade diesen Film als die letzte Provokation empfinden könnten, und aufgrund dessen auch einen Anschlag in Europa oder auch in Deutschland unternehmen könnten. Und deswegen sollte die Politik meines Erachtens schon den dringenden Appell an die Filmschaffenden, vor allem auch an potentielle Verleihunternehmen richten, diesen Film zumindest mal in diesem Jahr nicht in Deutschland zu zeigen.

Nun kann man mit allem Recht der Meinung sein, daß das ziemlicher Quatsch ist; auch daß das Bedrohungsszenario, das dahinter steht, vermutlich übertrieben ist, kann man denken, und daß es wohl nicht sinnvoll ist, sich in seinen Freiheiten selbst zu beschneiden, weil anderen diese nicht gefallen. Diese Debatten sind ja im Kontext der Mohammed-Karikaturen seinerzeit großflächig geführt worden, und weder Herr Mayer noch seine schlecht informierten Spötter_innen haben da noch Interessantes im Kontext von Four Lions hinzugefügt. Aber, und ich sage das als jemand, der sich wahrlich nicht als Freund und Förderer der CSU versteht: ein Verbotsaufruf sieht anders aus.

Spiegel Online hat also, um für das eigene Fernsehnebenprodukt ein bißchen die Werbetrommel zu rühren, Mayer die Worte so lange im Mund herumgedreht, bis sich daraus ein bißchen Sensation herstellen ließ; und die Medien, sie sind brav und freundlich hinterhergehechelt und verbreiten solche Geschichten bis heute weiter.

Mayer selbst hat sich Zeit gelassen, auf die Unterstellungen (denn in einem freiheitlichen Rechtskontext würde ich es als Unterstellung werten, wenn man mir Zensurwut vorwürfe) zu reagieren. Am 10. Januar hatte ich ihm eine Mail geschickt:

Sehr geehrter Herr Mayer,

ich bin deutscher Filmjournalist und bin über den Spiegel auf ihre Äußerungen zur britischen Satire „Four Lions“ aufmerksam geworden.

Sie werden bei Spiegel Online mit den Worten zitiert „Ich glaube, dass es sehr gefährlich sein könnte, diesen Film jetzt in deutschen Kinos zu zeigen. Es könnte Öl ins Feuer gegossen werden.“ Leider liegt mir aktuell keine Aufzeichnung des Spiegel TV Magazins vor, in dem Sie wohl ausführlicher zur Sprache kommen.  Daher meine Bitten um Präzisierung:

– Wie genau haben Sie sich gegenüber Spiegel TV geäußert?

– Beruht Ihre Haltung zum Film auf einer eigenen Sichtung?

– Wie genau würden Sie die mögliche Verbindung zwischen der Aufführung des Films und seiner Wirkung auf Terroristen beschreiben?

Für eine rasche Antwort wäre ich Ihnen sehr dankbar.

Mit herzlichen Grüßen
Rochus Wolff

Erst drei Wochen später, am 31. Januar 2011, kam von Mayer folgende Antwort:

Sehr geehrter Herr Wolff,

nach meiner Stellungnahme im Spiegel TV Magazin am Sonntag, den 09.01.2011 bezüglich der Satire „Four Lions“, die bisher nicht in Deutschland ausgestrahlt wurde, erlaube ich mir unter Bezugnahme auf Ihre E-Mail vom 10. Januar 2011 auf die von Ihnen geäußerte Kritik einzugehen.

Vorab möchte ich deutlich machen, dass ich weder im Fernsehinterview, noch im Gespräch mit den Journalisten ein Verbot des Films gefordert oder in irgendeiner Hinsicht angeregt habe. Sämtliche Unterstellungen hinsichtlich einer Forderung nach Zensur oder Verbot entbehren somit jeder Grundlage und sind auch inhaltlich nicht mit der von mir geäußerten Position zu vereinbaren.

Selbstverständlich bin ich der Auffassung, dass zentrale demokratische Werte, wie die Pressefreiheit in keiner Weise eingeschränkt werden dürfen. So wie beispielsweise im Umgang mit Personen von hohem öffentlichen Interesse von seriösen Medien in aller Regel eine Abwägung zwischen öffentlichem Interesse und der Privatsphäre vorgenommen wird, habe ich den Appell an die Medien gerichtet in den Wochen erhöhter Terrorgefahr nicht unbedacht „Öl ins Feuer zu gießen“. Bei der Diskussion um die so genannten Mohammedkarikaturen habe ich selbstverständlich eindeutig Position für die freie Meinungsäußerung bezogen. Grundsätzlich hielte ich es auch für sehr bedenklich mit Blick auf mögliche Reaktionen in vorauseilendem Gehorsam unsere Lebensgewohnheiten zu verändern.

Unter Berücksichtigung der derzeitigen besonderen Bedrohungssituation, die sich unter anderem in den deutlich erhöhten Sicherheitsvorkehrungen an Flughäfen, Bahnhöfen und zentralen Liegenschaften oder Veranstaltungsorten, manifestiert, habe ich lediglich in Frage gestellt, ob es sinnvoll ist, die Befindlichkeiten in dieser besonderen Situation – ausdrücklich zeitlich begrenzt –  durch eine derartige komödiantische Auseinandersetzung zu verstärken. Die Fehlinterpretation, mir ein Verbotsersuchen zu unterstellen, weise ich entschieden zurück. In der offenen Diskussion müssen derartige Überlegungen angestellt werden dürfen, um sich letztlich nicht der Gefahr des leichtfertigen Umgangs mit zum Teil erheblichen Gefährdungen auszusetzen.

Auch weiterhin werde ich mich mit diesem hochsensiblen Thema konstruktiv auseinandersetzen, auch wenn dabei die Gefahr besteht durch mediale Verkürzung teilweise erhebliche Missverständnisse mit  zu verursachen. Für Rückfragen stehe ich selbstverständlich jederzeit zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen,
Ihr Stephan Mayer,
MdB

Natürlich beantwortet Mayer in dieser Mail keineswegs die Fragen, die ich ihm gestellt hatte; die Formulierung „die von Ihnen geäußerte Kritik“ auf meine doch recht neutral gehaltenen Fragen hin erklärt sich vermutlich daraus, daß Mayer genau dieses Schreiben wortgleich an verschiedene Blogger_innen und Journalist_innen verschickt hat (Beispiele hier und hier), von denen er vermutlich zum Teil deutlich kritischere Mails bekommen hatte.

Dennoch ist es zumindest irritierend, daß Mayer drei Wochen brauchte, um auf Anfragen zu antworten. Vielleicht ist er einfach im Umgang mit Medien nicht besonders gewandt, oder es gab Vieles und Wichtigeres zu tun; vielleicht aber fand er es auch ganz gut, ein bißchen als Hardliner und Terrorismusbekämpfer durch die Medien zu geistern, bevor er sich dann ganz entspannt daran setzen konnte, sich zu distanzieren und hehre Werte wie die Pressefreiheit ins Scheinwerferlicht zu halten.

So haben am Ende womöglich alle Beteiligten – Spiegel TV, Stephan Mayer und Capelight – die gewünschte Aufmerksamkeit bekommen, viel Wind rauschte durch den Blätterwald, und in China, Sie wissen schon, ist ein Sack Reis umgefallen.