Sexy Nightmare Slayers

„Where do you hide all those weapons in such a skimpy outfit? … Ew.“

Adam Green, Regisseur von Frozen, Hatchet und jüngst dessen Fortsetzung Hatchet II (meine Kritik) hat für atom.com exklusiv diesen kleinen trashy Kurzfilm gedreht – mit Rileah Vanderbilt und Clare Grant vom Team Unicorn (nicht nur) als Hauptdarstellerinnen, die auch schon beim großartigen A Very Zombie Holiday mitgewirkt hatten.

(via)

Gérardmer 2011: Hybrid (2010)

Gérardmer 2011 - SchriftzugWann eigentlich kommt der Zeitpunkt, an dem an Filmschulen wirklich gelehrt wird, daß man nur mit einigermaßen interessanten Figuren Spannung zu erzeugen vermag? Die schalen Abziehbilder menschlicher Existenz, die sich in der städtischen Autowerkstatt versammeln, die der Schauplatz für die Ereignisse in Hybrid ist, eignen sich jedenfalls nicht dazu. Es gibt genau eine Figur, der man ein bißchen Sympathie, und eine, der man dezidiert Antipathie entgegenbringt – aber beide sind gleichwohl immer noch so flach, daß man das kaum als emotionale Verbindung benennen will; es ist wohl eher eine im Stammhirn anzusiedelnde Reaktion auf dumpfeste Dialogreize.

Wobei man „Dialog“ hier nicht als etwas mißverstehen sollte, in dem zwei Menschen miteinander sprechen und vielleicht auf das von der anderen gesagte etwas zu erwidern hätten; in Hybrid ist fast immer ziellose Konfrontation in den Gesprächen angelegt, so es nicht um Anweisungen, ausbuchstabierte Exposition oder die Verlautbarung des eh‘ offensichtlichen geht.

[filminfo_box]

Eine Handvoll Ausnahmen von dieser Regel gibt es, und sie beschreiben die Momente, in denen der Film vergißt, daß er eigentlich ein irgendwie ernstzunehmender Film über ein besessenes, vielleicht auch außerirdisch oder sonstwie fremdartiges, jedenfalls: menschenfressendes Auto ist. Ja, die Grundidee kennt man natürlich womöglich aus Christine. Oder eben auch nicht: Aber die Grundidee dahinter könnte eigentlich so überzogen-verrückt sein, daß dies den Film retten würde. Wäre Hybrid nur ganz bei sich, bereitwillig Trash, in dem Sätze so jenseits von Logik und Verstand fallen, daß sie das Ganze schon wieder unterhaltsam machen.

Denn der mühsame Aufhänger, der löchrige Plot und die stereotypen Figuren (meine Güte, Oded Fehrs Rolle ist ja noch eindimensionaler als sein Auftritt bei Resident Evil!) sind es natürlich nicht, die aus diesem Streifen interessante Abendunterhaltung zu machen vermöchten, auch der Hinweis auf die geradezu aristotelische Einheit des Erzählten (Raum, Zeit, etc.) hilft da nicht – es könnte eigentlich nur die Hingabe ans Schrottige – in Blech wie in Zelluloid – hier zu Größe verhelfen. Indem er aber nicht sein will, was er ist, läßt sich Hybrid nur selten ertragen.

In eigener Sache:
Festivalberichterstattung ist für mich aufwendig und erst einmal mit einigen Kosten verbunden. Ich versuche dennoch, möglichst viel darüber in meinem Blog zu schreiben. Daher würde ich mich besonders freuen, wenn viele meine Einträge mit einem Klick auf die
flattr-Knöpfchen oder sogar mit einer kleinen Spende über PayPal unterstützen würden. Vielen Dank!

Trash am Mittwoch: Death Race 2 (2010)

Ich mochte ja das Remake des Trashklassikers Death Race 2000 von 1975 eigentlich ganz gerne (meine Kritik); als weitgehend hirnlose Unterhaltung der Kategorie „Blut, Männerschweiß und Frauenkörper“ kam das Ganze zwar vielleicht etwas glatter und berechnender daher als das Original (das freilich im Vergleich vom Charme der Vergangenheit profitiert), aber ich bin ja für solche guilty pleasures durchaus gelegentlich zu haben.

[filminfo_box]

Nun gibt es mit Death Race 2 eine Direct-to-Video-Fortsetzung des Spektakels, das freilich in der Logik der Filmhandlung ein Prequel darstellt, also die Vorgeschichte zum Death Race mit Jason Statham erzählen soll. Paul W.S. Anderson, zuletzt mit Resident Evil: Afterlife und jetzt mit den drei Musketieren beschäftigt (alles gemeinsam mit Ehefrau Milla Jovovich), übergab den Regiestab vermutlich ganz gerne an Roel Reiné, der schon so einiges B-Material beaufsichtigt hat und als nächstes die Scorpion King-Saga (überflüssigerweise) um einen weiteren Film erweitern darf. Anderson produzierte allerdings mit, und mit Roger Corman als ausführendem Produzent sind hier durchaus Leute am Werk, die ihr B-Handwerk verstehen.

Und so ist Death Race 2 auch ein Werk durchaus polierter Oberflächen, ausgestellter Blutigkeit (allerdings viel zahmer als sein Vorgänger) und straffer Dramaturgie. Daß innerhalb dieses Gerüsts allerdings viel Quark geredet und gemacht wird, muß man es extra ausbuchstabieren? Ving Rhames, der in jedem dieser Filme aufzutauchen scheint, wenn auch diesmal in etwas feineren Zwirn gewandet als sonst, ist ebenso dabei wie Sean Bean in einigen wenigen Szenen, Danny Trejo wirkt nach Machete hier schon ziemlich unterfordert, und Luke Goss gibt den Protagonisten ohne großes Federlesen oder Mienenspiel.

Das Frauenbild hat sich schließlich seit dem letzten Death Race noch verschlimmert (oder müßte das nach der diegetischen Chronologie langsame Hoffnung auf Verbesserungen bedeuten?) – hier sind sie nurmehr (wortwörtlich) Nummerngirls, namenlose Beifahrerinnen und „Collateral Damage“ – schlimmer noch, Tanit Phoenix darf hier mit Goss nicht nur anbandeln, sie wird ihm dann auch noch, als Belohnung für ein gewonnenes Rennen, von Rhames‘ Oberbösewicht als sexuelle Belohnung kredenzt – und gibt sich natürlich gerne und freiwillig hin.

Das aber, liebe Leserinnen und Leser, muß man sich wirklich nicht unbedingt ansehen.

Trash am Mittwoch: The Steam Experiment (2009)

Val Kilmer hat in seiner Karriere schon in Filmen aller Qualitätsstufen mitgespielt, von dem phantastischen Heat über den sehr guten Kiss Kiss Bang Bang (meine Kritik) und den durchaus mit gemischten Reaktionen aufgenommene MacGruber bis hin zu… ja, The Steam Experiment. Zumindest in meiner persönlichen Kenntnis von Kilmers Arbeiten dürfte dieser Film den absoluten Tiefpunkt darstellen – nicht einmal primär was Kilmer selbst angeht, der hier so ein bißchen eintönig vor sich hin agiert, sondern vor allem, was den Rest des Films betrifft. The Steam Experiment aka Das Chaos-Experiment ist ein durch und durch furchtbarer Film.

[filminfo_box]

Am Anfang sieht man eine Reihe von scheinbar unverbundenen Szenen vorbeiziehen, in denen nicht gesprochen wird, sondern vor allem Kilmer mit unterschiedlichen Gesichtsausdrucken, aber stets gleichbleibend stillgelegter Mimik, in unterschiedliche Fernen blickt – zwar stellt der Film später immerhin die Verbindung zwischen den verschiedenen Situationen her, als Handlungselement wird dieses Schweigend-in-die-Ferne-blicken allerdings bis ins Letzte ausgereizt. Da der Erkenntnisgewinn, den man aus einem starr und schweigend blickenden Val Kilmer ziehen kann, eher gering ist, breitet sich nach einiger Zeit schon Langeweile aus, wenn Kilmer nur ins Bild kommt (zumal das, was er zu sagen hat, nicht wirklich aufregender ist als seine Art zu schweigen). Und das ist während etwa der Hälfte des Films.

Kilmer spielt hier „Jimmy“, einen etwas seltsam wirkenden Mann, der vorgibt, sechs Menschen in einem Dampfbad eingesperrt zu haben, wo sie bei 55°C langsam aber sicher innerhalb zweier Stunden zu Tode kommen würden (was, am Rande erwähnt, medizinisch nicht besonders zwingend ist), wenn sie sich nicht vorher gegeneinander umbrächten – all dies um zu zeigen, was die globale Erwärmung, deren Auswirkungen er innerhalb der nächsten Jahre erwarte, mit der Menschheit anstellen werde: Uns nämlich zu egoistischen, mörderischen Monstren machen.

Diese ziemlich eigenartige Prämisse wird dadurch nicht eben besser, daß der zuständige Polizist (Armand Assante), der sich nicht ganz sicher ist, ob er Jimmy für verrückt oder für gefährlich halten soll, keine wirklich nennenswerten Anstrengungen zu unternehmen scheint, die angeblichen Opfer ausfindig zu machen – Spannung erzeugt man anders.

Jedenfalls auch nicht mit den Szenen im Dampfbad, die Regisseur Philippe Martinez (sein bemerkenswertester Film sonst ist womöglich Wake of Death mit Jean-Claude Van Damme) grundsätzlich in extrem gelbstichig überstrahlten Bildern zeigt, die zudem auch noch unscharf und verzerrt zu sehen sind, als wolle er die Wahrnehmungsverschiebung des Dampfes auf eine andere Ebene übertragen. Da sitzen also die drei Männer und drei Frauen, die über einen Internet-Dating-Service (das böse Internet schon wieder) in diese Falle geraten sind. Man stellt sich einander kurz vor, alle sind ja Singles auf der Suche, die Männer wollen Sex, die Frauen nicht angegraben werden, man versteht sich also von Anfang an nicht … aber wie schnell es dann brutal zur Sache geht, wie sehr sich alle anschreien, prügeln und hassen, das überzeugt dann doch nicht. Natürlich läßt der Film bis kurz vor Schluß offen, ob sich die Ereignisse im Dampfbad nur in Jimmys Kopf abspielen, und auch der Schluß löst diese Frage nicht wirklich auf – aber es ist auch einfach egal.

Da ist, im Dampfbad wie im Verhörzimmer, keine zwingende Entwicklung, nur Behauptung: Ein bißchen ähnelt der Film darin den Einlassungen seiner Hauptfigur, und womöglich ist das ein Ziel des Films, daß das Chaos, das Durcheinander der Chaostheorie sich in der Struktur der Erzählung wiederfindet. Der Effekt ist freilich nur Langeweile, in etwa also so, als müßte man der ganzen chaotischen Wirkungskette vom Schmetterlingsflügelschlag bis zum Wirbelsturm in Echtzeit zusehen.

Und in diesem Film, wohlgemerkt, gibt es nicht mal eine Wirkungskette. Nur eine Aneinanderreihung schlecht inszenierter Kopfschmerzen. Samt Mord durch Nagelpistole.

Foto: Sunfilm

Trash am Mittwoch: Mega Piranha (2010)

Menschenfressende Fische in außergewöhnlich großem Format – da man muß sich als Horrorproduzent doch an die Stirn klopfen und fragen: What could possibly go wrong? Offenbar eine ganze Menge. Mega Piranha, das mit wenig Eloquenz auf der enormen Bugwelle von Alexandre Ajas Piranha 3D (meine Kritik) mitreisen möchte, ist voller Momente, in denen man geneigt ist, die Augen zu verdrehen – teils aus Frustration ob des Gesehenen, teils um das Nachfolgende nicht sehen zu können bzw. nicht mit ansehen zu müssen.

Dabei bietet die Handlung ja genug Vorwände, um positiv besetzte Schauwerte in die Welt zu setzen: Tropische Gefilde, meist befindet man sich im oder am Wasser, und da es um gigantisch anwachsende Piranhas geht (der Name des Films verspricht da nicht zu viel), könnte man nicht nur halbnackte Körper, sondern auch reichlich Feuerkraft und Splatter im Film unterbringen. So man das denn wollte. Das ist schließlich genau die Mischung, mit der Roger Corman den von ihm produzierten und inhaltlich völlig abstrusen Sharktopus (meine Kritik) gefüllt hat, der als hirnbefreite, anspruchslose Trashunterhaltung durchaus seine Stärken hat.

[filminfo_box]

Immerhin kommt Mega Piranha schnell zur Sache: In der ersten Szene wird eine bikinitragende Schönheit nebst Begleiter gefressen. In der zweiten Szene werden gleich mehrere bikinitragende Schönheiten gefressen, ebenso wie der amerikanische Botschafter und der Außenminister von Venezuela, die sich kurz vorher noch über politischen Druck der USA auf den südamerikanischen Staat unterhalten hatten – wo ist eigentlich Wikileaks, wenn man es braucht? Dann wechselt die Szenerie zum Helden Jason Fitch (Special Forces! Oder so), der gerade knapp bekleidet in seinem Heldenbett erwacht, weil er zur Pflicht, also nach Venezuela gerufen wird.

So wird immerhin, auch wenn es nach den genannten Eingangsszenen praktisch keine knapp bekleideten Frauen mehr geben wird, der vom ewig heiser raspelnden Paul Hogan gegebene Held meist in engen T-Shirts und mehrmals mit freiem, wohlgeformtem Oberkörper gezeigt, da mag zumindest ein Teil des Publikums kurzzeitig angetan sein. (So lange er den Mund nicht aufmacht.) Erst kurz vor Schluß werden mit einer Schwimmerin und einer Nachrichtensprecherin wieder Frauen gefressen, ansonsten ist das weibliche Geschlecht fast ausschließlich durch Tiffany vertreten, die als Protagonistin gecastet wurde. Das wäre womöglich ein Marketinggag, wenn sich irgendjemand allein ihretwegen den Film ansehen würde – aber da sie leider zu keinem Zeitpunkt spontan in Gesang ausbricht, scheint mir auch dies kein unique selling point des Films zu sein.

Es stapeln sich dann Unglaubwürdigkeiten auf Planloses. Technisch allein schon ist der Film eine Katastrophe auf digital verstärktem Zelluloid: Die Effekte sind in der Tat so schlecht gemacht, wie sie im Trailer wirken, und sie werden auch dann nicht besser, als das Filmmilitär versucht, die Piranhas mit Maschinengewehren und Raketen zu erledigen. Vermutlich hat man sich dafür entschieden, um größeres Bumm zu zaubern, dem Auge bieten sich gleichwohl die schlechtesten Spezialeffekte diesseits von Sharktopus dar (gut, in Birdemic [Trailer] mögen sie noch schlechter sein, aber der darf wohl als Extremfall gelten).

Schlimmer noch: Daß die Piranhas beharrlich und „exponentiell“ wachsen, ist ja das eigentliche Feature des Films, aber trotz kontinuierlicher Beschwörungen der Figuren scheinen sich die dummen Biester nicht so recht daran zu halten. Im Gegenteil, sie ändern von Einstellung zu Einstellung die Größe – man sieht sie riesig groß heranfliegen, bevor sie auf Unterarmgröße reduziert zur Landung ansetzen; dann wieder springt ein Fisch von eher bescheidener Schiffsgröße aus dem Wasser, wird aber dann auf einem ungleich größeren Mast auf eine Weise aufgespießt, die suggeriert, daß er außerhalb des Wassers noch rasch einiges an Umfang und Masse zugenommen haben muß. Erst sieht man irgendwelche Riesenfische, die auf Hausdächer springen, später dann beteuern die Protagonisten: „Bald sind sie so groß wie Pferde!“, obwohl ich dieses Stadium für längst überstanden hielt.

Daß die Piranhas mal zu schrumpfen und mal zu wachsen schienen, bestätigte meinen Eindruck, es in Mega Piranha mit einem beschädigten Raum-Zeit-Kontinuum zu tun zu haben. Besonders deutlich wurde das in den Telefonaten zwischen Fitch und seinem Vorgesetzten in Washington: Je nach Telefonat befanden sich die beiden offenbar (das Sonnenlicht verrät’s) mal in etwa der gleichen Zeitzone (so müßte es in der realen Welt sein), mal an entgegengesetzten Enden der Welt.

Eric Forsberg, der z.B. schon bei Snakes on a Train für das Skript verantwortlich zeichnete, hat sich hier außer mit der Regie vor allem mit dem Drehbuch verausgabt – offenbar war keine Zeit mehr, den ersten Rohentwurf zu überarbeiten. So hat man es hier mit offensichtlich beknackten Szenarien zu tun, mit unterentwickelten Figuren, die nichts tun, was irgendwie anders motiviert wäre als durch die Notwendigkeit, irgendwann ans Ende des Films zu gelangen.

Tiffany gibt die Biologin Sarah Monroe, aus deren Labor die mörderische Spezies entwischt, aber nie macht ihr jemand Vorwürfe (oder sie sich selbst), und Held Fitch findet es völlig normal, erstmal wieder ins Wasser zu steigen, nachdem er die Existenz der menschenfressenden Superfische entdeckt hat.

Die Idiotie der Ereignisse wird von den Fähigkeiten der Schauspieler wie der Crew gespiegelt. Als ein Kollege von Monroe dabei zusehen muß, wie Soldaten aufgefressen werden, und seinerseits daran gehindert wird, ihnen helfend hinterherzuspringen, drückt der Schauspieler seinen Rettungswillen durch – subjektiv: minutenlanges – planloses Herumzappeln aus. Tiffany vermag es, selbst einen Satz wie „I just wanna kill them all!“ ohne emotionale Beteiligung auszusprechen, und von Logans komplexer Darstellung will ich gar nicht erst anzufangen.

Der Hauptdarsteller war zugleich für die Choreographie der Kampf- und Unterwasserszenen zuständig; mein Lieblingsmoment ist der, in dem er liegend mit den Füßen Piranhas wegtritt, die nachgerade rhythmisch auf ihn zugeflogen kommen (die Szene ist im Trailer auch kurz zu sehen). Die Inszenierung versucht gelegentlich, Geschwindigkeit durch Unschärfe zu simulieren, Dringlichkeit wird über Kameraschwenksreißen und immer die gleichen drängenden Töne vermittelt, was innerhalb von ca. zwanzig Sekunden massiv auf die Nerven beginnt, nicht zuletzt aus dem Grund, daß Dringlichkeit solcher Natur von den ersten Filmszenen an bis zum Schluß hin durchbehauptet wird.

Und dann gibt es eine Sache, in der der Film auf einmal vielleicht mit gnadenloser Offenheit und Ehrlichkeit hantiert. Was der Film als eine Militärbasis ausgibt, die für die Handlung nicht ganz unwichtig ist, scheint in der Gesamtansicht real doch eher für andere Zwecke erbautes Areal zu sein. Ich mag mich täuschen, aber mir sah das sehr nach einer Kläranlage aus.

Mother’s Day (1980)

[Natürlich spreche ich in diesem Text nur von der geschnittenen FSK16-Fassung des Films, die nicht wegen Gewaltverherrlichung verboten und beschlagnahmt wurde. Nur damit mir niemand unterstellen kann, ich würde derlei Darstellungen womöglich gutheißen oder gar bewerben wollen. Käme mir nie in den Sinn.]

Da ich vor wenigen Wochen während der Filmfestivals in Sitges (meine Berichterstattung) die Gelegenheit hatte, mir Darren Lynn Bousmans neuen Film Mother’s Day anzusehen (meine Kritik ist gerade bei blairwitch.de erschienen), habe ich mir vorher natürlich das „Original“ angesehen, das Charles Kaufman im Jahr 1980 inszeniert hat und das seither einigermaßen berüchtigt geworden ist für seine Gewaltdarstellungen – die man freilich in Deutschland nicht legal zu sehen bekommt, da der Film in seiner ungeschnittenen Fassung nach Paragraph 131 StGB aus dem Verkehr gezogen wurde.

Mother’s Day ist von seiner Grundanlage zuallererst – obwohl er das für eine Weile gut zu kaschieren weiß – ein klassischer Backwoods-Slasher, der Städterinnen gegen Landeier stellt. Hier steht, mehr noch als in ähnlichen gelagerten Filmen, die Familie sogar noch im Vordergrund, denn es ist die titelgebende Matriarchin, die das mörderische Treiben anstößt und vorantreibt. Ihre zwei Söhne hat sie zu mordenden Folterknechten herangezogen, die sich gleichwohl ordentlich zu benehmen haben, zumindest ihrer Mutter gegenüber. Gelegentlich fährt sie auch in die Stadt und bringt ihnen ein paar Mordopfer mit, die sie nur für eine harmlose alte Dame halten.

Die Opfer sind natürlich junge Leute, die vielleicht ein bißchen zu freizügig sind in ihrem Leben – schließlich sind die 1970er Jahre gerade erst vorbei, der neue Ernst der 80er, von der Gier der Finanzmärkte bis hin zu Ronald Reagan, hat noch nicht wirklich Einzug ins amerikanische Filmleben gehalten. Auch die drei jungen Frauen Abbey, Jackie und Trina, die dann – wieder so ein klassisches Motiv – am nahegelegenen See zelten wollen, sind natürlich selbstbewußt und frei genug, auch nackt ins Wasser zu springen, und ohne Männer kommen sie an dem Wochenende auch gut aus.

So richtig überzeugen konnte Mother’s Day mich zu keinem Zeitpunkt, dafür ist der Film – berüchtigt hin, Gewaltdarstellungen her – dramaturgisch und inhaltlich zu schwach und zu sehr Dutzendware; daß er sich selbst nie ernst nimmt, macht ihn immerhin sehr unterhaltsam. Die Bösen sind so richtig böse und degeneriert (und verwenden etwa Bier zum Zähneputzen), überall stehen Fernseher herum, als wolle der Film mit Nachdruck suggerieren (bzw. die Behauptung ad absurdum führen), Fernsehkonsum führe zu Gewalt. (Das Remake hätte, wollte es die gleiche Richtung einschlagen, überall ganz viele Computer und Spielekonsolen aufstellen müssen. Aber es hat einen gänzlich anderen, interessanteren Weg eingeschlagen.)

Gemordet und gerächt wird mit allem, was so an Materialien und Werkzeugen im Haushalt herumsteht. (Und natürlich auch mit dem Fernseher, dem Teufelszeug.) Und ein ganz irritierender Moment ist, wenn die Überlebenden sich für ihren Rachefeldzug gegen die böse Kernfamilie rüsten – das ist in einer Montage inszeniert, die geradewegs aus Rambo: First Blood Part II stammen könnte: man legt sich ein Stirnband um, die Kette einer Verstorbenen wird umgehängt.
Das bedeutet womöglich, daß auch dieser Trashfilm in Sachen feministischer Gleichberechtigung des Rache- und Mordgedankens Hollywood nicht nur Jahre, sondern Jahrzehnte voraus war (schon die bösartige Frauenhauptrolle deutet das ja an); oder hat Rambo, immerhin erst fünf Jahre später entstanden, sich die Szene etwa abgeguckt?

Kurz verlinkt, 25. November 2010

Lesens- und Sehenswertes aus den vergangenen Tagen (19. November 2010 bis 25. November 2010):

Snowblind (2010)

Jetzt mal böse formuliert: Welches Genre wäre besser geeignet für eine weltweite Filmveröffentlichung auf YouTube als der postapokalyptische Trash-Spaghettiwestern? Das zahlungswillige und -fähige Publikum für diese Art von Filmen scheint mir doch eher klein zu sein, und so ist es vermutlich sehr klug, Snowblind von Anfang an kostenlos in die Welt zu werfen, auf daß er seine Zuschauer_innen finden möge. Andererseits möchte man einem solchen Projekt dann doch wünschen, daß sich viele Menschen auf der Filmhomepage einfinden und dort (bzw. direkt bei payloadz) für wenig Geld die SD- oder gar HD-Fassungen des Films bestellen und herunterladen – sogar eine 3D-Fassung ist in Vorbereitung -, denn Snowblind ist komplett, so ist von der Produktionsfirma Mangofilm zu vernehmen, aus dem Enthusiasmus der Beteiligten und mit äußerst geringen Gagen und viel kostenloser Arbeit entstanden. Und das ist ja erstmal nur zu begrüßen.

Die Story von Kilian Mannings Erstlingsfilm – Kalle Max Hoffmann, der sich bisher vor allem durch digitale Bildbearbeitung ausgezeichnet hat, macht das auch hier, hat aber auch das Drehbuch geschrieben – beruht auf dem Western Amore, piombo e furore von Monte Hellman, in dem 1978 Warren Oates, Fabio Testi und Jenny Agutter die Hauptrollen spielten. Der Film, international als China 9, Liberty 37 vermarktet (Wikipedia) ist offenbar bereits Public Domain und kann zum Beispiel hier bei YouTube in voller Länge angesehen werden.

Snowblind wurde nun in eine, den Eröffnungstafeln zufolge, postapokalyptische Schneewelt verlegt, die allerdings komplett am Computer entstanden ist. Die Schauspieler_innen haben offenbar für jede Szene des Films vor Greenscreens agiert (wie dieses Behind-the-Scenes-Video unterstreicht), alle Szenerien, Landschaften und Innenräume wurden – wohl zum Teil mit Unterstützung der Community von wreckamovie.com – ebenso nachträglich eingefügt wie die Schüsse und sonstigen Spezialeffekte. Zudem ist der ganze Film, um ihm einen „Grindhouse“-Look à la Planet Terror (meine Kritik) zu geben, noch mit künstlichen Kratzern und Bildfehlern versehen worden. Vom ubiquitären Schnee ganz zu schweigen.

Die Bilder von Snowblind sind so mit völlig nutzlosen Details überladen, so daß sie auch dann schwammig und unscharf wirken, wenn sie es eigentlich nicht sind; dieses Gefühl einer schwammigen Leinwandoberfläche wird dadurch noch verstärkt, daß die digitale Postproduction zum Teil echte Schwächen zeigt, wenn etwa die Figuren über den Fußboden eher zu schweben und zu gleiten denn zu gehen scheinen. Auch wirken manche Szenen gerade aus dem langen Schußwechsel am Schluß, als seien sie aus einem Computerspiel einmontiert. Und damit sind aber die eigentlichen, fundamentalen Schwächen des Films noch nicht benannt: Eine lachhaft zusammengestoppelte Handlung, fragliche Geschlechterbilder, Dialoge von abgrundtiefer Armseligkeit.

Ob der Film schon in die Kategorie „So bad it’s good“ fällt, mag jede_r selbst für sich entscheiden – ich habe mich, den Gastauftritten der von mir sehr verehrten Jana Pallaske (lang, und auch singend) und Wim Wenders (sehr kurz) zum Trotz, eher gelangweilt. Vielleicht spricht der Film aber auch die Freunde von trashiger Exploitationkost an, die sich auf die, wenn ich richtig gezählt habe, vermutlich vier unverpixelten Brüste freuen, die die Bezahlversion des Films womöglich bietet, wenn man der Einblendung glauben mag: [Update: Die hier wiedergegebene Einblendung wurde inzwischen entfernt und war wohl Ergebnis eines internen Mißverständnisses. Ich wurde gebeten, den Screenshot zu entfernen, und komme dem auch gerne nach.]

Allen anderen empfehle ich, sich vor einem eventuellen Kauf ein Bild vom ganzen Film zu machen – und zwar gleich jetzt und hier:

[Bei payloadz.com kann man sich SD- und HD-Versionen direkt erwerben und herunterladen. Die Links hier sind Affiliate-Links, durch die ich auch am Verkauf beteiligt werde.]

(Direktlink YouTube; via)