Vacancy (2007)

Nachdem ich Predators gesehen hatte (Kritik), schien es mir dringend an der Zeit, endlich mal Nimród Antals andere Filme nachzuholen, die schon länger in meiner Warteschleife kursierten. Begonnen habe ich mit Vacancy, der in Deutschland als Motel vermarktet wurde, womit man sicher im Namen an die Hostel-Filme anknüpfen wollte.

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Die Geschichte ist ja relativ schlicht: Ein Paar (Luke Wilson und Kate Beckinsale), dessen Ehe nach dem Tod des gemeinsamen Kindes gerade zerbricht, verfährt sich auf dem Heimweg von einem Familientreffen im amerikanischen Hinterland. Sie stranden in einem einsamen Motel, und in der Honeymoon-Suite stellen sie bald fest, daß sie offenbar zu unfreiwilligen Hauptdarstellern eines Snuff-Movie werden sollen: Überall im Zimmer sind Kameras versteckt, und schon machen sich der Rezeptionist und zwei Handlanger daran, sie in Angst und Schrecken zu versetzen.

Vacancy ist alles andere als ein blutiger Slasher, im Gegenteil, es passiert im Grunde lange Zeit nichts, die Bedrohung findet primär in den Köpfen der Opfer (und der Zuschauer_innen) statt – das ist näher an einem Psychothriller wie The Strangers (meine Kritik) dran als an Hostel, auf den er sich zu beziehen scheint.

Gleichwohl schreibt sich der Film – auf dem Umweg über den Mythos der „Snuff Movies“ – in die Diskussion um die im angeblichen „torture porn“ gezeigten Grausamkeiten ein; allerdings nutzt der Film, wie Maurice in seiner Kritik richtig feststellt, die medialen Ebenen, die er durch die vielen Kameras und Videobänder aufbaut, praktisch nicht dazu aus, um eine ernsthafte Reflektion des Mediums und seiner Produktions- und Rezeptionsbedingungen anzutreiben. Antal beschränkt sich hier darauf, im Augenblick des Todes die Gesichter der Sterbenden einzufangen; für eine ernsthafte Spiegelung des Snuff-Voyeurismus auf das (Horror-)Kinopublikum geht das nicht weit genug.

Was dem Regisseur – und da trifft sich Vacancy mit seiner Arbeit in Predators – allerdings hervorragend gelingt ist die sauerstoffreiche Beatmung von fast schon stereotypen Genreelementen, bis diese sich tatsächlich zu einem gekonnt verknappten (85 Minuten) und reduzierten Spannungsbogen fügen, der sich gewaschen hat. Antal ist old school: Spannung entsteht durch Musik, geweitete Augen und vor allem gekonnte Kadrierung, Ausschnitte, Bewegungen im Hintergrund. Gelegentlich hat das die Eleganz eines Holzhammers – wenn etwa Mann und Frau, anfangs im Auto, fast nie nebeneinander, sondern nur in Einzelaufnahmen zu sehen sind, mit viel dunklem Raum neben sich, dann muß man dem Paar gar nicht zuhören, wie sie sich angiften, die Entfremdung kriegt man auch visuell wie einen nassen Waschlappen ins Gesicht geworfen. Wirkungsvoll ist das allemal.

Was Antal da macht, ist eine Rückbesinnung auf traditionelle Qualitäten – aktualisiert und angepaßt an Sehgewohnheiten und -erfahrungen seines aktuellen Publikums. Er verweist im Film sehr deutlich darauf – nicht nur im sehr klassisch anmutenden Vorspann, und darin, daß das Motel insgesamt aus den 1970er, 1980er Jahren stammen könnte (was die dem Backwoods-Slasher ähnelnde geographische Ausgangslage unterstreicht); er tut es vor allem durch die Ästhetik der Videofilme, die das Ehepaar in ihrem Zimmer finden: Technologisch und mit ihren verwaschenen Farben sind sie Relikte einer vergehenden Zeit, aber auch die Menschen, die in den Snuffstreifen zu sehen sind, wirken in Frisuren und vor allem mit ihrer Kleidung, als seien sie aus der Zeit gefallen.

Texte zu Filmstarts (1. Juli 2010)

Gleich zwei sehenswerte Filme starten diese Woche, die ich beide besprechen konnte: Da ist einmal Gordos – Die Gewichtigen (Text bei critic.de), eine spanische Komödie mit schmerzlichsten Unter- und Obertönen, die große Fragen nach Liebe und Sex stellt – und dann Jungs bleiben Jungs (Les Beaux Gosses) (Text bei kino-zeit.de), dessen Fragen in die gleiche Richtung weisen, allerdings aus der Sicht französischer, männlicher Teenager. Die Antworten fallen erwartungsgemäß ganz anders aus.

Sólo quiero caminar [Las Bandidas] (2008)

Las Bandidas

Sólo quiero caminar, der in Deutschland als Las Bandidas – Kann Rache schön sein! von Sunfilm (amazon-Link) vertrieben wird, ist wie Sexykiller ein schönes Beispiel dafür, wie das spanische Kino mit Genreschablonen umzugehen weiß: sie elegant umtanzend nämlich. (Nein, wir bringen jetzt keine Flamenco-Einlage, bitte. Das wäre doch zu platt.) Und für mich ist es ein weiterer Hinweis darauf, daß ich mich mehr dem iberischen Kino widmen sollte, nachdem auch Gordos mich so positiv überrascht hat, und Hierro nicht eben minder. (Entsprechende Filmvoschläge übrigens gerne in die Kommentare.)

Hier nun haben wir es mit einem wohltuend sperrigen Rache-Heist-Drama zu tun, das sich eine ganze Weile Zeit läßt, bis es so richtig zur Sache kommt.

Nachdem ihr Versuch fehlgeschlagen ist, den Safe eines Russen (der anscheinend sein Geld auch nicht legal verdient) um einige Edelsteine zu erleichtern, verteilen sich die vier daran beteiligten Frauen in alle Winde: Aurora (Ariadna Gil) wandert ins Gefängnis, von wo Paloma (Pilar López de Ayala) sie unbedingt herausbekommen will, während Gloria (Victoria Abril) weiter Pläne schmiedet. Ana (Elena Anaya) hingegen, Auroras Schwester, arbeitet als Prostituierte. So lernt sie den Gangster Félix (José María Yazpik) kennen, der ihr einen Heiratsantrag macht – von seinem Geld wie seinem Charme im ersten Moment gleichermaßen geblendet, folgt sie ihm nach Mexiko.

Las Bandidas

Die Männer in diesem Film sind, mit einer Ausnahme, sämtlich großkotzige Angeber, die auf Emotionen und in Tateinheit auch auf Frauen mit Herablassung, wenn nicht Verachtung reagieren. (Außer natürlich auf die „Patin“ im Hintergrund, Doña Amelia [Ana Ofelia Murguía] – was aber nur unterstreicht, daß die planvoll, beherrscht und bewußt agierenden Figuren in diesem Film praktisch immer Frauen sind.)

Félix ist rasch enttäuscht von seiner jungen Frau, die sich so gar nicht an seine Vorstellungen anpassen will – irgendwann stößt er sie aus dem Auto, Ana fällt ins Koma, und ihre Freundinnen und ihre Schwester schwören Rache.

Sólo quiero caminar ist ein sehr schweigsamer Film – vor allem die Frauen, die Hauptfiguren, sprechen kaum miteinander, es gibt keine Meinungsverschiedenheiten und Diskussionen, auch über die Planungen für ihre Raubzüge werden wir völlig im Unklaren gelassen. Der Film ist deshalb auch kein weibliches Ocean’s Eleven, auch wenn seine Struktur das zunächst anzudeuten scheint. Es fehlten die Wortwechsel, vor allem aber die Leichtigkeit und die ironische Distanz zum Geschehen.

Las Bandidas

Denn Regisseur Agustín Díaz Yanes (der zuvor Alatriste gemacht hatte) meint es ziemlich ernst mit seinen Protagonistinnen und dem Geschlechterkampf. Allzuviele Machtspielchen werden in diesem Film über die Körper der Frauen ausgetragen, sie haben verfügbar zu sein und gefügig, und in einer Szene macht Díaz Yanes dafür die Parallele zwischen Phallus und Waffe unmittelbar und äußerst vulgär sichtbar.

Las Bandidas - DVD-CoverIn all seiner Arroganz hat Félix eine vage Ahnung davon, was ihm noch bevorstehen könnte, aber er kann es nur in die Ahnung von Fremdheit fassen: „Das sind Spanierinnen, Mann“ sagt er zu seiner rechten Hand, seinem Auftragskiller und Freund Gabriel (Diego Luna), als würde das irgendetwas erklären.

Dieser Gabriel ist ein einsamer Wanderer, natürlich an Delons Samouraï orientiert, den Filmtitel sieht man irgendwann an einer alten Kinofassade stehen, und er ist, obgleich als ohne Zögern mordend inszeniert, unter den Gesetzlosen der Mann mit Prinzipien, der Frauen und Kinder nicht schlägt und nicht tötet und den Félix‘ Verhalten zunehmend abstößt.

An ihm dekliniert der Film durch, wie sehr es der grenzenlose Egoismus, die völlige Wertelosigkeit ist, die Félix und seine Männer schließlich in den Untergang treiben; die drei Frauen sind da nur die ausführenden Rachegöttinnen, Erinnyen gleich, die das Uhrwerk ihrer Taten in Bewegung setzen, bis sich schließlich die tötenden, vergewaltigenden, schlagenden Männern die Schicksalsfäden gegenseitig zerschneiden.

Fotos: Tiberius Film

Date Night (2010)

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Mein Vater beschwert sich beim Fernsehen gerne darüber, daß romantische Komödien meist da enden, wo es wirklich interessant und womöglich auch schwierig wird: Mit dem Moment der glücklichen Vereinigung. Früher trat dann die Eheschließung ein, heute vielleicht die vermeintlich stabile Beziehung – die eigentliche Arbeit fängt also erst an.

Date Night ist da eine erfrischend erwachsene Alternative. Man findet inzwischen ja aus Hollywood mit Filmen wie etwa It’s Complicated (meine Kritik) auch schon romantische Komödien mit älteren Paaren, aber viele andere sind, auch wenn sie sich vorgeblich mit nicht mehr ganz jugendlichen Protagonist_innen befassen, doch insgesamt eher aufgesetzt und am jugendlichen Ideal des Verliebtseins orientiert.

Shawn Levys Komödie (meiner Meinung nach die erste wirklich brauchbare, bei der er Regie geführt hat) schickt das Ehepaar Foster, Claire und Phil (Tina Fey und Steve Carell), auf eine Odyssee durch New York, die sich zwar als Actionkomödie tarnt (und als solche eher so-la-la funktioniert) – die Fosters werden mit einem anderen Paar verwechselt, welches anscheinend einen Mafiaboss zu erpressen versuchte -, de facto die beiden aber durch eine tour de force von Beziehungsmodellen schickt.

Ganz am Anfang sind sie bei einem befreundeten Ehepaar zu Besuch, die sich trennen wollen, weil ihr Leben miteinander nicht aufregend genug sei – erst das ist ihr Antrieb für eine „aufregende“ Nacht in New York, die dann etwas aufregender wird als geplant. Hier erwarten sie dann zum Beispiel ein muskulöser Sicherheitsexperte (Mark Wahlberg) mit seiner nicht minder attraktiven israelischen Freundin oder das streitsüchtige, aber leidenschaftliche Erpresserpärchen (Mila Kunis und James Franco), und die Fosters müssen sich nicht nur damit auseinandersetzen, wie sie die Nacht überleben, sondern auch, wie sie ihr gemeinsames Leben vor der Folie all dieser Beziehungsentwürfe eigentlich verstehen wollen.

date_night

So bizarr und unglaubwürdig (und eher generisch) die Handlung dabei auch wird, die Figuren verhalten sich stets glaubwürdig und konsequent: Die Fosters sind keine Superheld_innen und kein Paar, daß sich wegen der äußeren Gefahr wieder Hals über Kopf ineinander verlieben würde; das haben sie auch nicht nötig, auch wenn sie schon seit Jahren verheiratet sind und abends, nachdem die zwei Kinder dann doch endlich mal schlafen, totmüde und aller Libido ledig ins Bett fallen.

Eine Szene vom Anfang des Films illustriert das sehr fein: Da kommt Phil nach Hause, und übersieht erst einmal seine Frau völlig, die gerade auf der Treppe steht, im schicken Kleid herausgeputzt – da entgleisen Claire für einen Moment die Gesichtszüge. Phil hat jedoch im Reingehen zuerst nur seine Kinder gesehen und wirft sich zu ihnen auf den Boden. Aber als er sich dann zu seiner Frau umwendet, entfährt ihm ein „Wow“. Er hat Claire vorher schlichtweg übersehen, aber dann sieht er nicht durch sie hindurch, sondern nimmt sie immer noch wahr (und als schön, aufregend, attraktiv wahr).

Das ist es, was ich unter einer „erwachsenen“ romantischen Komödie verstehe: Eine, die auch weiß, daß unter der Routine, dem jahrelangen Miteinander und Sich-Reiben aneinander nicht nur emotionale Leblosigkeit liegen kann. Oft ist es Liebe.

(Etwas schade ist übrigens, daß Fox für die Pressebilder mit Tina Fey nur Photos ausgewählt hat, auf denen sie immer den gleichen, etwas dümmlichen Gesichtsausdruck zeigt. Die Frau kann mehr.)

Fotos: 20th Century Fox

(Ähnlich, ausführlicher, aber weniger positiv im finalen Fazit ist übrigens die Besprechung von feministing.com.)

Texte zu Filmstarts (3. Juni 2010)

Zu den Filmstarts dieser Woche habe ich so einige Texte veröffentlicht. In der aktuellen Deadline findet sich eine Besprechung von Repo Men von mir (ein Film, kurz zusammengefaßt, der ästhetisch wie inhaltlich weit unter seinen Möglichkeiten bleibt), und bei critic.de habe ich mich zu Street Dance 3D geäußert.

Vor allem aber habe ich in einigen Texten mit dem ziemlich großartigen Science-Fiction-Monsterstreifen Splice von Vincenzo Natali (Cypher, Cube) beschäftigt. Ich hatte den Film bereits im Februar beim Festival in Gérardmer gesehen und dann für kino-zeit.de und blairwitch.de besprochen.

In Gérardmer hatte ich dabei auch Gelegenheit, ein ausführliches Interview mit Natali zu führen – wir haben über die Genetik als logische Weiterentwicklung der menschlichen Evolution gesprochen, darüber, wie man Biohorror machen kann, ohne permanent David Cronenberg zu zitieren sowie über die Frage, ob Nerds nicht erwachsen werden wollen. Das Interview sollte im Laufe des Tages ist bei Telepolis zu lesen sein, den Audiomitschnitt (auf Englisch, ungekürzt und mit Spoilern) stelle ich demnächst hier ins Blog.

Für die taz habe ich mir zudem anläßlich des Filmstarts von Splice noch ausführlich Gedanken gemacht zu Tiermenschen, Gentechnik und Reproduktion im Horrorfilm. (Frei online einsehbar ist der Text vermutlich nur heute.) Texte zu Filmstarts (3. Juni 2010) weiterlesen

12 Rounds (2009)

Renny Harlin ist eine etwas instabile Größe. Der Mann, seit gestern weiß ich auch, daß er Finne ist, macht großartige Actionfilme wie The Long Kiss Goodnight oder Over-the-Top-Streifen wie Die Hard 2, zeichnet verantwortlich für die Trashperle Deep Blue Sea, hat aber auch viele sehr, sehr zweitklassige Filme in die Welt gebracht.

12 Rounds, sein bisher jüngster Film, fällt irgendwo dazwischen: solides Actionkino, durchaus technisch auf der Höhe der Zeit, samt ewig unruhig schwimmender Kamera, Unschärfen und sehr viel Bumm, aber eben auch eigentlich herzlich egal und emotional uninteressant. Der Polizist Danny Fisher (John Cena) wird von einem Terroristen (Aidan Gillen) als Rache für den Tod von dessen Frau bei einem Unfall in ein „Spiel“ über zwölf Runden gezwungen, bei dem es vor allem um das Leben von Molly Porter (Ashley Scott), Fishers Freundin geht. Überall sind Bomben und Fallen gepflanzt, hektisch geht es hin und her durch New Orleans.

Das Ganze wirkt thematisch und strukturell wie ein verspätetes Rip-Off von John McTiernans Die Hard: With a Vengeance (1995), ohne daß dabei zunächst jener doppelte Boden sichtbar würde, der McTiernans Film einigermaßen interessant macht. Im Grunde weiß man also von Anfang an, worauf der Film hinausläuft, und auch wenn es am Schluß noch Wendungen gibt, die vorher nicht richtig erahnbar waren, erhöht das nicht die Spannung, sondern erfüllt zumindest teilweise nur das, was man sich vielleicht noch erhofft haben mag.

Ansonsten ist 12 Rounds natürlich vor allem ein Vehikel für John Cena, der hier immerhin erträglicher ist als in The Marine, which is not saying much. Seine körperliche Präsenz ist hier etwas weniger gefragt, dafür scheint seine Mimik minimal an Ausdrucksqualitäten gewonnen zu haben. Leider versorgt ihn das Drehbuch an einigen Stellen mit Äußerungen und Verhaltensweisen – zum Beispiel einmal ein Maß an Selbstgefälligkeit, das der Situation überhaupt nicht entspricht -, gegen die er schlichtweg keine Chance hat.

Science of Horror (2008)

Science Of Horror – If the chainsaw is a penis (Homepage) ist ein kluger kleiner Dokumentarfilm, der sich ausführlich, aber nicht ausschließlich mit feministisch orientierten Untersuchungen zum Horrorfilm beschäftigt.

Mittels vieler Interviewausschnitte aus Gesprächen mit etwa Carol Clover, Judith Halberstam, Barbara Creed und Linda Williams einerseits, zum Beispiel Wes Craven, John Carpenter, Brian Yuzna, Tom Savini und Rachel Talalay andererseits zeigt der Film, in welch vielfältiger Hinsicht Sex, Sexualität, Geschlecht und Schrecken zueinander finden – einige davon kann man im Gespräch erahnen, das Cristina Nord für die taz mit der Regisseurin Katharina Klewinghaus geführt hat. Das reicht von der Frage, inwieweit Zensur produktiv wird – frei nach Michel Foucault als produktive Macht beschrieben -, die zur Herausbildung spezifischer Codes und Verstehensformen führen kann, bis hin zum deessentialisierenden gender-bending in Bride of Chucky und Seed of Chucky. Das zeigt schon, daß der Film weit über die im Untertitel verwendete Parallelisierung von Kettensäge und Penis (was sich natürlich insbesondere auf The Texas Chainsaw Massacre 2 bezieht) hinausweist.

Wem das Neuland ist, wird Science of Horror sicher mit Gewinn ansehen; wenn man sich mit solchen Fragen schon etwas eingehender beschäftigt hat, bietet der Film zwar womöglich keine besonders aufregenden neuen Erkenntnisse, aber neben der einen oder anderen womöglich neuen Perspektive auf jeden Fall die Möglichkeit des Films, das Gesagte sofort durch bewegte Bilder zu illustrieren und zu unterfüttern. (Im Wesentlichen wechseln sich hier Filmausschnitte und Talking Heads ab.)

Das Problem ist dabei allenfalls, daß dies nicht konsequent genug dazu genutzt wird, um die Themen wirklich argumentativ zu entwickeln – am Ende bleibt dann zu viel nebeneinander stehen, das sich ohne eine weitergehende Auseinandersetzung kaum verbinden läßt. Das liegt natürlich auch ein bißchen an Form und Länge des Dokumentarfilms: Eine Überfrachtung ist schließlich, wie das thematisch verwandte Beispiel Nightmares in Red, White and Blue zeigt, auch keineswegs wünschenswert.

Transformers: Revenge of the Fallen (2009)

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Daß auf Michael Bays Transformers (2007) noch eine Fortsetzung folgen mußte, war gewissermaßen schon a priori klar: Allein der Umstand, daß hier von Michael Bay ein Actionblockbuster geplant wurde, der auf einer Spielzeugserie (und diversen Spin-Offs etwa als Fernsehserie etc.) basierte, schrie geradezu nach einer Franchise-Operation, und Transformers hatte nicht ganz zu Unrecht auch an den Kinokassen genug Wumms, um diese Investition auch zu rechtfertigen.

Dabei ist der erste Film ein durchaus noch delektables Feuerwerk hirnfreien Entertainments, von ernsthaften Dialogen und komplexen Charakteren so weit befreit, daß das metallische Skelett zeitgenössischer Actionerzählung überdeutlich zum Vorschein kam: Viel Feuerkraft, ein bißchen behauptete Romanze inklusiver exploitativer Inszenierung der gutaussehenden weiblichen Hauptnebendarstellerin, all das um die verschiedenen erotischen Bedürfnisse der anzusprechenden Zielgruppe zu befriedigen. Daß das insgesamt gut funktioniert, liegt daran, daß Bay das rechte Mischverhältnis von Pathos, Humor und Spektakel herstellt und das Ganze einigermaßen dicht und nur minimal zu lang in Szene setzt.

In Transformers: Revenge of the Fallen spart er sich jede Form von Exposition (und kann das natürlich, weil er die Kenntnis aller Umstände aus dem ersten Film bei den Fanboys voraussetzt), und das ist vielleicht einer der Gründe dafür, warum in deser Fortsetzung (der wohl zwingend eine weitere folgen wird) das Gleichgewicht in Richtung Spektakel kippt – es kennt keine Grenzen mehr.

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Transformers: Revenge of the Fallen ist ein Beispiel für kontinuierliche Selbstübertreffung, ein immer bizarrer wirkendes Wettrennen des Films mit sich selbst um immer noch größere Zerstörung, noch spektakulärere Spezialeffekte – ein Wettlauf, den der Streifen nur verlieren kann, nicht zuletzt deshalb, weil das alles in der Dichte zunehmend gleichförmig und damit uninteressant wird. Die noch existierende Resthandlung ist noch eingedampfter als im Vorläuferfilm, dient aber nicht einmal mehr wirklich dazu, die Handlungen der Figuren zu motivieren (deren Positionen zueinander und Motivationen denn auch dem Vorläuferfilm praktisch 1:1 gleichen), sondern nur den jeweils nächsten Standortwechsel einzuleiten, damit sich dort dann Autobots und Decepticons gegenseitig die Metallschädel einschlagen und bekannte Bauwerke zermalmen können. Um mehr geht es nicht: Bedeutungs- und motivationsloser wurde selten Action dieser Größenordnung inszeniert.

Und so schlampig und so infantil: Bays monströser Streifen hat mehr Continuity-Fehler als ein Sack Konfetti, und der Sprachwitz („I’m at the enemy’s scrotum“) entstammt einer infantil-pubertären Witzlogik, die ebenso wie die alles durchschlagende Zerstörungslust des Films allein darauf hindeutet, daß hier zu viel Energie auf Effekt, und keine auf Komplexität verwendet wurde.

(NB: Lukas, dessen Meinung ich höher nicht schätzen könnte, findet den Film deutlich besser.)

Fotos: Paramount