Texte zu Filmstarts (5. Mai 2011)

In dieser Woche starten mindestens zwei sehenswerte Filme in den deutschen Kinos, die ich vorab gesehen habe. Das ist zum einen Wes Cravens neuester Streich, die dritte Fortsetzung seiner Scream-Filme. Scream 4, den ich für critic.de ausführlich besprochen habe, spielt mit den in den ersten drei Filmen bereits etablierten Regeln des Metaslashers, kombiniert das Ganze effektvoll mit Verweisen auf Neue Medien – und macht dann daraus doch einen ganz traditionell effektiven Slasher. Hübsch anzusehen, wenn auch nicht immer sehr furchterregend.

Im französischen Drama Pieds nus sur les limaces (deutsch, fast wörtlich: Barfuß auf Nacktschnecken; meine Kritik steht bei filmstarts.de) mit Diane Kruger und Ludivine Sagnier dreht es sich um subtilere Dinge. Zwei sehr unterschiedliche Schwestern müssen mit den Folgen umgehen, die der plötzliche Tod ihrer Mutter verursacht – und das heißt vor allem: miteinander.

Foto: Central Film

Erster Clip aus ‚Pirates of the Caribbean 4‘

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Ich mag ja eigentlich die Pirates of the Caribbean-Filme; den ersten habe ich, wie alle anderen Menschen ja eigentlich auch, geliebt, aber auch dem zweiten und dem dritten mochte ich ihre gewiß zahlreichen Fehler noch nachsehen. Aber der jetzt demnächst in Cannes vor-vorgestellte Film Numero vier hat natürlich schon arg den Beigeschmack eines nachgereichten Geldeinsammlers, der allein kapitalistischen Kriterien zu genügen habe. Und auch wenn die präsente Anwesenheit von Penelope Cruz nicht schaden kann – der jetzt veröffentlichte erste Clip aus dem Film macht mir nur wenig Hoffnung. So langsam sieht das aus, so unspritzig und selbstkopierend, so gelangweilt in Idee und Durchführung… man fragt sich vor allem: Wer hat das denn als Marketingmaterial ausgesucht?

(via)

Spenden fürs International Comedy Film Festival

And now for something completely different. Das International Comedy Film Festival, das in diesem Jahr noch in Berlin stattfinden soll – „ein weltweit einzigartiges Filmfestival mit Independent- und Arthouse- Komödien aus aller Welt“, braucht noch einen eigentlich gar nicht so großen Schwung Geld. (Für die Eiligen: Hier direkt fördern!) Das extrem sympathische und kluge Team des Festivals (doch, ich kenne da einige Leute persönlich) hat bisher schon die Komischen Filmnächte organisiert, auf die ich zuweilen hier schon hingewiesen hatte (in Berlin jeweils am ersten Mittwoch im Monat, übermorgen wird Sound of Noise gezeigt; am 12. Mai dann auch in Leipzig).

Per Crowdfunding bei startnext.de versuchen die Menschen vom ICoFF also insgesamt mindestens 4500 Euro zu sammeln, und zwar dafür:

Mit Hilfe dieses Geldes stellen wir euch ein 6-tägiges Filmfestival auf die Beine, dass sich gewaschen hat. Das Geld geht zum größten Teil in die Filmrechte, den Kopientransport und in kleine aber geniale Mini-Events rund um den Film. Wir selbst lassen uns dann mit Eurem Lachen im Kino bezahlen.

Wer Crowdfunding noch nicht kennt: Die organisierende Plattform (in diesem Fall also startnext.de) sammelt zunächst Finanzierungszusagen; nur wenn das benötigte Mindestbudget (hier: 4500 Euro) bis zum Ende der Einwerbungszeit zusammengekommen sind, wird das Geld auch tatsächlich an das Projekt ausgezahlt; ansonsten wird es entsperrt oder zurückgezahlt (je nach vorher gewählter Finanzierungsform), geht also auf jeden Fall an den/die Spender_in zurück. (Das Überweisungsverfahren bei startnext.de ist leider ein wenig umständlich; andere Seiten erlauben einfache Zahlungen über Kreditkarte oder gar Paypal.)

Das ist aber insofern völlig wurscht, als das Festival (ich kenne auch einige der vorgesehenen Filme…) schlicht großartig zu werden verspricht und deshalb jeder Euro hier bestens angelegt ist. Wer mir nicht glaubt, der kann sich aber auch die bezaubernden Argumentationen des Festivalteams selbst ansehen:

Und jetzt bitte hier entlang und denen Geld zuwerfen! Und weitersagen!

wikio.de-Blogranking Film – Mai 2011

Wie schon im vergangenen Monat kann ich auch diesmal schon vorab das Blogranking von wikio.de zum Thema Film vorstellen, und leider ist dieses Blog hier schon wieder ein wenig abgesackt, was aber wohl vor allem an viel gelesenen und verlinkten Aufsteigern liegt. :-)

Hier sind die Top 20:

  1. Fünf Filmfreunde
  2. cinematze
  3. NEGATIV
  4. ONLY GOOD STUFF
  5. Captain Obvious
  6. Butt-Kicking Babes
  7. HorrorBlog.org
  8. Kinofilme.com
  9. blog.peter-noster.de
  10. filmtogo
  11. filmherum
  12. filmtagebuch
  13. ChristiansFoyer
  14. FilmKinoTrailer.com
  15. Equilibrium
  16. filmabend.info
  17. Roderich
  18. Sennhausers Film Blog
  19. Nerdtalk
  20. Filmfreek Blog

Thor (2011)

Irgendwie kann ich die Begeisterung für die neue Marvel-Verfilmung Thor nicht ganz teilen. Gewiß, der Film ist ordentlich gemacht und hinreichend flott inszeniert, daß keine Langeweile aufkommt. Die Erzählstruktur ist etwas eigenwillig – mit einer langen, sehr actionreichen Exposition – und die nordische Mythologie, die die Grundlage für diesen eigentümlichen Superhelden ist, wurde recht einfallsreich integriert. (Inwieweit das mit der Hintergrundgeschichte der Comics übereinstimmt, vermag ich allerdings nicht zu sagen; vielleicht können meine belesenen Leser_innen dazu Genaueres beitragen?)

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Zugleich aber ist Thor in allem zu viel: zu viel Krach und Getöse, zu viel CGI, das zudem übertrieben und künstlich wirkt – die Kostüme von Odin, Thor und ihren Gefährt_innen sehen aus wie das Plastik, aus dem sie vermutlich gemacht sind. Die Handlung ist, nordische Götterwelt hin, Kenneth Branaghs Shakespeare-Andeutungen her, dünn und brüchig wie nordisches Knäckebrot, aber das ist natürlich bei Samstagabendpopcornunterhaltung in Form einer Comicverfilmung kein wirklich valider Kritikpunkt. Daß sie bis in Details vorhersehbar bleibt, womöglich schon eher, weil es den unbeschwerten, auch hirntoten Genuß empfindlich stören kann; aber vielleicht übertreibe ich. Die geschätzte Jenny jedenfalls weiß durchaus einige starke Argumente für den Film aufzuzählen.

Was mich dann aber doch empfindlich nervt, ist die nur an der Oberfläche nicht altbackene Geschlechterordnung, die der Film vor sich herträgt. Gewiß, es geht hier um einen männlichen Helden, der (das verlangt gewissermaßen schon die Vorlage) natürlich im Mittelpunkt stehen muß. Und immerhin kehrt Branagh die immer noch üblichen Blickrichtungen dahingehend um, daß er Thor-Darsteller Chris Hemsworth ganz dezidiert und explizit zum Schauobjekt macht (siehe das Bild ganz oben), das von den Protagonistinnen (gegeben von Natalie Portman und Kate Jennings) bewertet wird. Und damit eben auch: Bewundert. Aber das ist im Actionkino nichts Neues, das läßt sich, mit weniger Selbstironie, schon bei den frühen Schwarzenegger- und Stallone-Filmen finden.

Geschenkt, außerdem natürlich, Thor ist ja der Held. Und sieht in der Tat gut aus. Aber daß die ihrerseits ziemlich gutaussehende Astrophysikerin (Portman) sich ohne das geringste Nachdenken in diesen etwas tumben und sehr arroganten Schönling verliebt, ist dann doch etwas, hm, eigenartig. Als ob sie solche Typen nicht schon zuhauf in Highschool und College erlebt hätte (und womöglich abwehren mußte), von sich selbst überzeugte Muskelberge mit charmantem Lächeln.

So darf eine Frau in Thor zwar ein bißchen klug sein, aber es darf keine allzu große Rolle spielen, schließlich wird sie dann doch rasch Randfigur und Hinschmachtende. Und die durchaus präsente Kämpferin Sif (Jaimie Alexander) aus Asgard ist auch dort, das wird extra betont, eine Ausnahmeerscheinung, deren Sichtbarkeit allenfalls ihre Besonderheit betont. Und natürlich leistet sie hier auch als Kämpferin nichts wirklich Außergewöhnliches. Die ungeschriebene Regel der Filme mit Superheld_innen lautet ja: Du sollst keine Superheld_in neben mir haben.

Das wird für The Avengers noch zu einem ernsthaften Problem werden, der so viele Singulärfiguren irgendwie zu einem Ensemble verschmelzen soll. Ob Regisseur Joss Whedon es wohl richten können wird?

Fotos: Paramount