Colombiana

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Nach Star Trek, Avatar und The Losers war es höchste Zeit, daß Zoe Saldana eine Actionhauptrolle bekommt, und hier kommt sie mit Nachdruck: Nach einem Buch von Luc Besson (der auch als Produzent verantwortlich ist) und Robert Mark Kamen hat Transporter 3-Regisseur Olivier Megaton mit Colombiana eine Geschichte verfilmt, die offenbar zwischen Nikita und The Professional angelegt wird: Von einer jungen Frau, die den Mord ihrer Eltern rächen will und sich deshalb zur Profikillerin ausbilden ließ. Der Trailer drückt das mit so viel Kraft auf den Schirm, daß man sich fragt, ob da für den Film noch Geheimnisse übrig bleiben.

(via)

Thor (2011)

Irgendwie kann ich die Begeisterung für die neue Marvel-Verfilmung Thor nicht ganz teilen. Gewiß, der Film ist ordentlich gemacht und hinreichend flott inszeniert, daß keine Langeweile aufkommt. Die Erzählstruktur ist etwas eigenwillig – mit einer langen, sehr actionreichen Exposition – und die nordische Mythologie, die die Grundlage für diesen eigentümlichen Superhelden ist, wurde recht einfallsreich integriert. (Inwieweit das mit der Hintergrundgeschichte der Comics übereinstimmt, vermag ich allerdings nicht zu sagen; vielleicht können meine belesenen Leser_innen dazu Genaueres beitragen?)

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Zugleich aber ist Thor in allem zu viel: zu viel Krach und Getöse, zu viel CGI, das zudem übertrieben und künstlich wirkt – die Kostüme von Odin, Thor und ihren Gefährt_innen sehen aus wie das Plastik, aus dem sie vermutlich gemacht sind. Die Handlung ist, nordische Götterwelt hin, Kenneth Branaghs Shakespeare-Andeutungen her, dünn und brüchig wie nordisches Knäckebrot, aber das ist natürlich bei Samstagabendpopcornunterhaltung in Form einer Comicverfilmung kein wirklich valider Kritikpunkt. Daß sie bis in Details vorhersehbar bleibt, womöglich schon eher, weil es den unbeschwerten, auch hirntoten Genuß empfindlich stören kann; aber vielleicht übertreibe ich. Die geschätzte Jenny jedenfalls weiß durchaus einige starke Argumente für den Film aufzuzählen.

Was mich dann aber doch empfindlich nervt, ist die nur an der Oberfläche nicht altbackene Geschlechterordnung, die der Film vor sich herträgt. Gewiß, es geht hier um einen männlichen Helden, der (das verlangt gewissermaßen schon die Vorlage) natürlich im Mittelpunkt stehen muß. Und immerhin kehrt Branagh die immer noch üblichen Blickrichtungen dahingehend um, daß er Thor-Darsteller Chris Hemsworth ganz dezidiert und explizit zum Schauobjekt macht (siehe das Bild ganz oben), das von den Protagonistinnen (gegeben von Natalie Portman und Kate Jennings) bewertet wird. Und damit eben auch: Bewundert. Aber das ist im Actionkino nichts Neues, das läßt sich, mit weniger Selbstironie, schon bei den frühen Schwarzenegger- und Stallone-Filmen finden.

Geschenkt, außerdem natürlich, Thor ist ja der Held. Und sieht in der Tat gut aus. Aber daß die ihrerseits ziemlich gutaussehende Astrophysikerin (Portman) sich ohne das geringste Nachdenken in diesen etwas tumben und sehr arroganten Schönling verliebt, ist dann doch etwas, hm, eigenartig. Als ob sie solche Typen nicht schon zuhauf in Highschool und College erlebt hätte (und womöglich abwehren mußte), von sich selbst überzeugte Muskelberge mit charmantem Lächeln.

So darf eine Frau in Thor zwar ein bißchen klug sein, aber es darf keine allzu große Rolle spielen, schließlich wird sie dann doch rasch Randfigur und Hinschmachtende. Und die durchaus präsente Kämpferin Sif (Jaimie Alexander) aus Asgard ist auch dort, das wird extra betont, eine Ausnahmeerscheinung, deren Sichtbarkeit allenfalls ihre Besonderheit betont. Und natürlich leistet sie hier auch als Kämpferin nichts wirklich Außergewöhnliches. Die ungeschriebene Regel der Filme mit Superheld_innen lautet ja: Du sollst keine Superheld_in neben mir haben.

Das wird für The Avengers noch zu einem ernsthaften Problem werden, der so viele Singulärfiguren irgendwie zu einem Ensemble verschmelzen soll. Ob Regisseur Joss Whedon es wohl richten können wird?

Fotos: Paramount

Kurz verlinkt, 16. April 2011

Lesens- und Sehenswertes aus den vergangenen Tagen (8. März 2011 bis 16. April 2011):

  • Culture Warrior: 3 Rules of Child Assassin Movies – Child assassins are quite different from the overall category of child killers. And while two recent films in two subsequent spring movie seasons that feature child assassins, Kick-Ass and Hanna, hardly constitute a trope as far-reaching as child killers in horror films, they do seem to be rising with their own rules of representation that constitute a possible emerging trend of their own.
  • An exegesis of sexual subtext in “Predator.” – An excerpt from Sir J. Thurgood Snorpington-Pittwickett’s classic “Sexual Tyrannosaurus: ‘Predator’ and the masculine struggle with homosexual self-identity,” first published in the 1988 Journal of Psychosexuality and Cinematical Hermeneutics 6, p. 122-254. (via)
  • Deutsche Filmakademie: Genug ist nicht genug – Ein Round-Table-Gespräch in der Deutschen Filmakademie zur aktuellen Lage in den deutschen Kinos. Am Nachmittag des 8. März 2011 trafen sich Manuela Stehr (Produzentin/Verleiherin), Herbert Schwering (Produzent), Jan Schütte (Regisseur/ Direktor der dffb) und Rüdiger Suchsland (Filmjournalist) zu einem Gespräch über den Zustand und Ideen für die Zukunft des deutschen Kinos. Die Gesprächsleitung hatten Alfred Holighaus (GF der Deutschen Filmakademie) und Linda Söffker (Leiterin der Perspektive Deutsches Kino, Berlinale).

Hoodwinked! (2005)

Das Grundkonzept von Hoodwinked! hat einen gewissen Charme: mit Rotkäppchen ein bekanntes Märchen zu nehmen und dann eine Kriminalgeschichte darum herum zu stricken, die völlig die Grenzen der althergebrachten Geschichte verläßt und stattdessen vor Spielereien mit anderen Märchen und popkulturellen Referenzen nur so strotzt. (Jasper Fforde macht ähnliches, womöglich noch besser in der Literatur zum Beispiel in Big Over Easy und The 4th Bear auf ziemlich beeindruckende Weise.)

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Daß das Ganze dann in eine Kriminalgeschichte eingebettet wird (der postmodernen Erzählform par excellence) gibt dem Pastichespiel eine schöne Struktur, in der zunächst alles zusammengreift, bis dann allerdings der ganze Film rasch in ein Actionabenteuer zerfällt. Zugleich konzentriert sich die Handlung zunehmend auf eine eher schlichte Gut-Böse-Konstellation, während viele der vorher recht schön eingeführten Figuren stark in den Hintergrund treten.

Hoodwinked bleibt dann immer noch ziemlich harmlos-unterhaltsam (und wahrscheinlich brauchbar für Kinder so ab ca. 6 Jahren aufwärts), aber ohne das Verwirrspiel à la The Usual Suspects, das am Anfang eingeführt wird, gerät das letzte Drittel des Films zur eher flachen, vorhersehbaren Standardware. Die jüngst angekündigte Fortsetzung sieht nicht unbedingt vielversprechender aus.

The Mechanic (2011)

Kann es sein, daß sich in letzter Zeit wieder einmal die Filme über Auftragskiller häufen, nur ohne daß man sich die Mühe gibt, ihnen auch nur einen Hauch von psychologischer Tiefe zu schenken? The Mechanic ist ein Remake des gleichnamigen Films aus den 1970ern, der seinerseits auch nichts besonderes ist, aber mit Charles Bronsons traurigem Hundegesicht wenigstens eine überzeugende Visage für die generelle Aura von Trauer und  Einsamkeit vorweisen konnte, die den Protagonisten dieses Filmes umwehen sollte. Das war nicht unbedingt total überzeugend gespielt und geriet insgesamt zu einem dramaturgisch unebenen Film, aber nunja, dafür schleudert Bronson immer mal wieder seine Haartolle hin und her.

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Das kann Jason Statham natürlich mit seiner Standardfrisur – minimal mehr Haar als abrasiert – nicht leisten, wie er auch die grundlegende Traurigkeit der Figur mehr als stirnrunzelnde Schweigsamkeit anlegt – also im Grunde so, wie er im Kino fast immer zu sehen ist, wenn er nicht auch mal lächelt. Der kleine König des B-Actionfilms hat nun mal eben nur ein begrenztes mimisches Repertoire.

The Mechanic folgt, nach einer wesentlich aufregender gemachten Einstiegsszene, in der ersten halben Stunde getreulich den Fußspuren des Originals, verschiebt dann aber seine Gewichte ein ganzes Stück: Der junge Mann (Ben Foster), den der titelgebende Auftragskiller (Statham) zu seinem Lehrling macht, bekommt hier deutlich mehr Gewicht und sogar so etwas ähnliches wie einen interessanten Charakter, ein Alkoholproblem und einen ganz eigenen Mordauftrag. (Ist eigentlich der Mann, den er da töten soll, ein bösartiger Kommentar auf die star persona von Steven Seagal?)

Natürlich findet in The Mechanic keine wirkliche Kommunikation oder Entwicklung zwischen den beiden Protagonisten statt; dem Film ist aber zum Beispiel auch die Grundidee ziemlich wurscht, daß der beste Auftragsmord jener sei, bei dem es sei, als sei der Täter nie da gewesen. Stattdessen wird alsbald alles mögliche unter herzlichem Bleiverbrauch in die Luft gejagt, wie man das schon aus allzu vielen Jason-Statham-Filmen kennt.

Regisseur Simon West ist an seinem Film zu desinteressiert, um aus all den Möglichkeiten des Films irgendetwas Neues zu machen. Allzu brav folgt er den Spuren des Originals, der Rest wird kräftig aufgewumst, aber mehr als durchschnittliches Ballerkino kommt dabei nicht heraus, schlecht computeranimierte Blutspritzer inklusive.

Foto: Kinowelt

La Proie

Trailer zum neuen Film von Eric Valette, startet kommende Woche in Frankreich.

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Synopsis:

Un braqueur s’évade de prison pour traquer son ancien codétenu, un tueur en série qui a entrepris de lui coller ses crimes sur le dos.Une policière de la Brigade des Fugitifs se lance à la poursuite du braqueur, devenu bien malgré lui l’ennemi public numéro 1.Quand chacun des protagonistes aura été au bout de lui-même, qui sera le chasseur, et qui sera la proie ?

Kurz verlinkt, 2. März 2011

Lesens- und Sehenswertes aus den vergangenen Tagen (16. Februar 2011 bis 2. März 2011):