V (2009/2010) – Staffel 1

Meist gerät man ja durch biographische Zufälle schon früh mit irgendwelchen Dingen in Berührung, die sich dann tief ins Gedächtnis eingraben und immer wieder hervorkommen. So ging mir das mit dem Reptiliengesicht, das da auf einmal unter Menschenhaut zum Vorschein kam, den Meerschweinchen als Snack, ganz und lebend verzehrt, versteht sich.

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Ich war 1983, gerade einmal zehn Jahre alt, für einige Monate bei Verwandtschaft in den USA, und weil ich dort mehr Fernsehen geschaut habe, als meine Tante eigentlich wollte, habe ich auch V gesehen, die Miniserie, die NBC damals ausstrahlte (und die dann als V – Die außerirdischen Besucher kommen 1988 auch in Deutschland gezeigt wurde).

Ich habe mir die Serie jetzt noch einmal angesehen; Anlaß dafür war natürlich das Serienremake, das seit November in den USA zu sehen war und dessen zweite Staffel ab heute von ABC ausgestrahlt wird.

Woran ich mich nicht erinnern konnte (vielleicht auch, weil es mir damals nicht aufgefallen war) sind die starken Bezüge zur Judenverfolgung und zum Nationalsozialismus, die in der Originalserie aufgemacht werden. Immer wieder spricht eine jüdische Figur, offenbar Überlebender des Holocaust, davon, dies nicht wieder geschehen lassen zu wollen; er und seine Familie sind die ersten, die sich auf die Seite der von den Vs verfolgten Wissenschaftler_innen schlagen.

Angedeutet werden noch eine ganze Reihe von Themen, die wohl zum Teil in den dann folgenden Spin-Offs, die ich allerdings nicht kenne, weiterverarbeitet wurden.

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Die neue Serie (IMDb) greift, neben der grundlegenden Plotkonstruktion, viele einzelne Elemente des Originals in veränderter Form wieder auf (etwa den Fernsehjournalisten), vor allem aber ist es ein in Ton und Richtung gänzlich anderes Stück Fernsehen. Daß es nicht allen gefällt, ist da selbstverständlich.

Und natürlich ist dieses neue V keine Fernsehserie, die die Möglichkeiten des Mediums, wie sie Serien in den letzten Jahren ausgelotet haben, wirklich vollständig nutzt; aber es verfügt über eine gar nicht dumm aufgebaute Spannungsdramaturgie, die von Folge zu Folge die Handlungsschrauben anzieht, immer wieder neue Handlungsstränge und Wendungen fabriziert und zugleich zumindest die Nebenfiguren auch wirklich weiterentwickelt. Zudem verfügt die Show über ein ausreichendes Budget, um nicht nur Stars der alten Serie für Gastauftritte zu verpflichten, sondern auch die für ein Science-Fiction-Abenteuer dieses Schlages unabdingbaren Spezialeffekte einigermaßen würdevoll hinzubekommen – auch wenn sich die Personen in der CGI-Welt der V-Raumschiffe immer ein bißchen so bewegen, als schwebten sie knapp über dem Fußboden.

Die „Besucher“ bekommen hier schon rasch in Gestalt des „Schläfers“ Ryan Nichols (Morris Chestnut) ein menschliches Gesicht (Kulturwissenschaftler_innen: Das es sich bei ihm um den einzigen schwarzen Protagonisten handelt, sollte doch interessante Forschungszugänge eröffnen!), auch wenn sich die Serie sonst sehr daran abarbeitet, die Außerirdischen als „anders“ zu kennzeichnen – da ist es ein fast schon subtiles Stilmittel, daß die „V“s (die sich irritierenderweise auch selbst so nennen) zum Essen das gleiche Besteck verwenden wie zum Foltern. Die Menschen werden mit einigem Interesse, aber stets von außen betrachtet. („There is no greater incentive for a human male“, doziert die Alienkönigin einmal, „than a damsel in distress.“ – Da ist sie schon, die Ethnologie der Menschheit aus der Perspektive einer Außerirdischen.)

Die Verweise auf den Nationalsozialismus sind hier nur noch sehr subtil verhandelt – die Besucher zeichnen sich durch Gefühllosigkeit und absolute Loyalität aus, ihre Königin schenkt ihnen dafür „bliss“, Momente der Glückseligkeit. Das ist zunächst einmal nicht so sehr militaristischer Faschismus, der da zum Vorschein kommt (obwohl die Serie in ihrem Verlauf brutaler und expliziter wird) – die Menschen werden regelrecht umworben und gehätschelt. Eine ganze Zeit lang ist V viel eher eine Serie über PR und politische Öffentlichkeitsarbeit, über spin doctoring, Wirkung und Effekt – und schließlich auch über Information und Desinformation.

Das bekam im vergangenen Jahr einen ganz eigenen Beigeschmack, als sich die Verschwörungstheoretiker_innen und Aliengläubigen über die globalen Kampagnen zur Impfung gegen die „Schweinegrippe“ beugten und bekundeten: Alles nur Beschiss. Denn gleichzeitig war in V zu sehen, wie die bösen Fernsehaliens genau solch eine Impfaktion anregen, die angeblich vor allen möglichen Krankheiten bewahren solle, tatsächlich aber nur Teil ihres großen Plans zur Eroberung der Welt und Unterjochung der Menschheit darstellt…

Der Witz ist nun, und das hat mich sehr für die Serie eingenommen, daß die Macher_innen damit wiederum Verschwörungstheorien von Leuten wie David Icke aufgenommen haben, die man gar nicht so genau kennen will, wenn man sich seinen Wikipedia-Eintrag ansieht:

At the heart of his theories lies the idea that a secret group of reptilian humanoids called the Babylonian Brotherhood controls humanity, and that many prominent figures are reptilian, including George W. Bush, Queen Elizabeth II, Kris Kristofferson, and Boxcar Willie.

Für Icke sind diese Reptilien selbstverständlich auch direkt in die „Propaganda“ für die Impfprogramme involviert, wie sich z.B. hier und hier nachlesen läßt. Die Folge 1×04 von V nimmt diese Geschichte nun eben ziemlich nah am Wortlaut wieder auf und wendet sie gewissermaßen wörtlich in Fernsehfiktion um. Was für ein brillanter Plan der Reptilien, damit wir jetzt wirklich glauben, das sei nur erfunden! (Doch, doch, die Verbindungen sind vielfältig!)

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(Etwas problematisch ist dabei, daß von der „Universal Health Care“, die die Außerirdischen anbieten, gerade im vergangenen Jahr die Assoziation zu Barack Obamas Gesundheitsreform nicht besonders weit entfernt ist – sich die Serie also womöglich in ein politisches Gebiet begab, in dem sie eigentlich gar nicht unbedingt wildern wollte.)

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Die eigentlichen Hauptfiguren der Serie sind, und da wird’s dann wirklich spannend, die FBI-Agentin Erica Evans (Elizabeth Mitchell) und die Alienrepräsentatin Anna (Morena Baccarin). Es ist, im Lauf der Serie wird das immer stärker, ein Kampf der Mütter, der sich in den Kindern fortsetzt – Anna setzt ihre Tochter Lisa (Laura Vandervoort) gezielt ein, sie soll sich einen menschlichen Partner suchen. Daß Lisas und Annas Wahl ausgerechnet Ericas Sohn Tyler (Logan Huffman) wird, ist eher zufällig.

Erica gerät eher zufällig an eine Widerstandsgruppe gegen die Vs, die sie zunächst als terroristische Schläfer bekämpfen soll – schon bald wird ihr aber klar, womit sie es hier wirklich zu tun hat, und sie wird zur treibenden Kraft einer neuen Widerstandszelle. (Daß sie die einzige Frau in dieser Gruppe bleibt, ist auch bezeichnend, hebt es doch ihren besonderen Status hervor.) Zugleich wird sie im FBI einer Gruppe zugeordnet, die sich mit Anti-Alien-Bestrebungen auseinandersetzen soll, und kommt auf diese Weise auch direkt in Kontakt mit Anna.

Die erste Staffel der Serie lebt so von der unterschwelligen Ambivalenz der Beziehungen zwischen Menschen und Aliens, zwischen womöglich echten Bindungen und harten Machtkämpfen. Das „real face“, das man zeigen soll, wird freilich darin problematisch, daß es Überläufer in beide Richtungen gibt und für die Menschen die wahren Motive der Aliens, die sich in Frieden und mit Wohltaten (Gesundheit, saubere Energiequellen) nähern, nicht ersichtlich sind. (Die Zuschauer_innen erfahren sie letztlich übrigens auch nicht. Man weiß nur, daß sie wohl nichts Gutes im Schilde führen.)

Anna weiß, wohlgemerkt, in dieser Zeit nichts davon, welche Rolle Erica in der Widerstandsbewegung „Fifth Column“ spielt; für die FBI-Agentin ist der Konflikt allerdings zugleich immer ein Kampf um die Rettung ihres Sohnes, dessen Ausprägungen auch sprachlich gelegentlich an Ripley aus Aliens denken lassen: „If I have to cross a line to blow that bitch out of the sky, I will.“

Die Männer spielen hier in allen für die Serie relevanten Strukturen immer nur die zweite Geige; überdeutlich wird das in der Folge 1×06, die erstmals die Sexualität der Vs thematisiert, die auf irritierende Weise sehr menschliche Vorstellungen von erotischer Sexualität und vager weiblicher Dominanz mit insektenhafter Animalität verbindet – da wird auch deutlich, warum sich die Vs, Insektenstaaten gleich, um eine „Königin“ herum organisieren.

(Daß in Ericas Leben kein Mann vorkommt, auch Tylers Vater nicht, sie somit zur – gutartig – alleinherrschenden Mutter wird, verstärkt die Gegenüberstellung der beiden Frauenfiguren natürlich noch.)

Die erste Staffel endet mit der Geburt eines Mensch-Alien-Mischlings, den Anna zunächst als „a mongrel, a threat to our survival“ einstuft, dann aber doch um alles in der Welt besitzen will. Die Themen von Reproduktion (und ihrer impliziten Monstrosität), von Reinheit und Mischung, Weiblichkeit und Macht – sie sind alle angerissen und aufgeladen. Ab heute kann man sehen, wie das weitergehen soll.

Falling Skies: Preview

So ganz überzeugt mich dieses Preview auf die Fernsehserie Falling Skies, die ab kommenden Sommer im amerikanischen Sender TNT ausgestrahlt werden wird, noch nicht. Zu sehr erinnert mich die Grundkonstruktion an ein auf Eindeutigkeiten reduziertes V (mehr dazu), zu sehr erinnert mich das im Spot unten erwähnte Licht wiederum an den rundum mißratenen Skyline. Aber man soll das nicht vorab schlechtreden; die Besetzung ist bemerkenswert und Steven Spielberg als Ausführender Produzent an Bord.

Vorab gibt es als eine Art „Prequel“ einen Webcomic zu lesen; zur Serie selbst ist auf der Homepage des Senders zu lesen:

FALLING SKIES opens in the chaotic aftermath of an alien attack that has left most of the world completely incapacitated. In the six months since the initial invasion, the few survivors have banded together outside major cities to begin the difficult task of fighting back. Each day is a test of survival as citizen soldiers work to protect the people in their care while also engaging in an insurgency campaign against the occupying alien force.

At the center of the series is Tom Mason (Noah Wyle), a Boston history professor whose family has been torn apart. His wife was killed in the initial attack, and one of his three sons has been captured. Determined to get his son back and to ensure the safety of his other two sons, Tom must put his extensive knowledge of military history to the test as one of the leaders of the resistance movement known as the 2nd Mass, because of their location in Boston, Mass. They are constantly trying to gain intelligence about the aliens in order to one day outsmart and overtake them and hopefully rebuild their lives.

Moon Bloodgood (Terminator Salvation) co-stars as Anne Glass, a pediatrician who works with the surviving children to help them cope with the traumatic upheaval in their lives. Will Patton (Armageddon, TNT’s Into the West) plays a fierce leader of the resistance, Weaver. The series also stars Drew Roy (Secretariat) as Hal, Tom’s oldest son and a growing fighter in the resistance movement; Maxim Knight (Brothers & Sisters) as Matt, Tom’s youngest son; Connor Jessup (The Saddle Club) as Ben, Tom’s son who was captured by aliens; and Seychelle Gabriel (Weeds) as Lourdes, an orphaned teenager who helps Anne in the group’s makeshift medical clinic. Colin Cunningham (Living in Your Car) is John Pope, the leader of an outlaw motorcycle gang and Sarah Carter (Shark) is Margaret, a wary survivor of Pope’s gang.

(via)

V: Preview auf „Red Rain“ (2×01)

Ich habe mich bisher hier noch nicht näher zur amerikanischen Fernsehserie V, dem Remake der gleichnamigen Serie(n) aus den 1980er Jahren. Die Serie ist sicherlich kein Meilenstein der Fernsehkunst, aber doch aus verschiedenen Gründen, auf die ich demnächst hoffentlich endlich einmal zu sprechen komme, recht interessant.

Vorerst aber gibt es, anläßlich des Starts der zweiten Staffel am 4. Januar 2011 mit der Folge „Red Rain“, deren erste 14 Minuten schon einmal vorab von ABC zu sehen:

(via)

Nikita 1×01 (TV, 2010)

In den USA ist gerade die neue Serie Nikita angelaufen – natürlich ein Remake oder Reboot einer Reihe von Film- und Fernsehprodukten, die 1990 mit La Femme Nikita von Luc Besson begannen, mit Anne Parillaud in der Titelrolle als drogenabhängige Mörderin, die von einer geheimen staatlichen Organisation eine neue Identität verpaßt bekommt und zur Auftragsmörderin ausgebildet wird. Seitdem hat es Remakes aus Hong Kong (Hei mao aka Black Cat, 1991) und den USA gegeben (Point of No Return, 1993, mit Bridget Fonda als „Nina“) sowie eine kanadische Fernsehserie, die von 1997 bis 2001 wieder unter dem französischen Titel La Femme Nikita firmierte (und die ich leider nicht kenne).

Der jetzt im CW Network gezeigte Pilotfilm führt natürlich vor allem die Protagonistin Nikita (Maggie Q) ein; allerdings basiert Nikita auf einer etwas anderen Handlungsprämisse als die Vorgänger. Hier geht es nun darum, daß Nikita nach dem Tod ihres Partners (bzw. vermutlich nach seiner Ermordung) die Organisation „The Division“ verlassen hat und jetzt wieder auftaucht, um deren Aktivitäten offenzulegen und den Verein zu zerschlagen. Eine Frau also gegen den Rest der (Geheimdienst)Welt.

Parallel dazu wird mit Alex (Lyndsy Fonseca) eine Figur eingeführt, die zunächst die gleiche Handlungsposition zu füllen scheint, die in den bisherigen Filmen von Nikita selbst besetzt wurde: die Neue in der „Division“, die jetzt erst ihrem Training unterzogen wird.

Natürlich – hier geht es um Spionage, Gegenspionage, Attentate und Geheimdienste – ist hier vieles nicht das, was es anfangs erscheint; allerdings legt schon der Pilotfilm sehr viel offen (und vieles ist zudem recht vorhersehbar), so daß ich gespannt bin, ob die kommenden Folgen die Komplexität der Handlungskonstruktion steigern oder eher mit konventionellen Handlungsmustern weitergeführt werden.

Eine längere Szene im Piloten setzt Maggie Q, die Nikita leider (noch?) nicht viel charakterliche Tiefe zu geben vermag, extensiv in wenig Kleidung in Szene; ich hoffe, daß die Serie nicht nur dazu dienen soll, die Protagonistinnen einmal pro Folge in knappen Bikinis herumlaufen zu lassen. Häufig wechselnde Outfits à la Alias wird es aber wohl sicher geben. Und dann wird es Zeit, sich noch einmal die Filme aus den 1990ern und den Wandel des Frauenbildes genauer anzusehen.

Foto: The CW Network

Ricky Gervais präsentiert die Golden Globes 2010

Ich habe die Golden Globes gestern abend nicht gesehen, aber nach diesem Video, das nahezu zehn Minuten lang Ricky Gervais, der sie präsentierte, solo zeigt, muß ich wahrscheinlich nicht mehr viel sehen, oder? (Die Gewinner hat z.B. Peter.)

Tipps für Szenen, die ich noch ansehen sollte, gerne in die Kommentare. Links are welcome. ;-)

Update: Schade, das Video wurde entfernt, und einen adäquaten Ersatz habe ich noch nicht gefunden. Hier gibt’s wenigstens ein paar der Scherze, ansonsten muß man suchen.

Schreiben am hypothetischen Drehbuch

Gerade habe ich, mit ein wenig geographisch bedingter Verspätung (hier geht die Sonne später unter, oder etwas Ähnliches) den Polizeiruf von vergangenem Sonntag gesehen, „Klick gemacht“.

Ich äußere mich hier selten zum Tatort oder Polizeiruf, obwohl ich ein einigermaßen gläubiger Zuschauer bin, mit Lieblingskommissar_innen und all diesen Macken, aber ohne großes historisches Interesse über die Gegenwart hinaus zurück. Soweit reicht es dann doch nicht, aber ich verzeihe viele Fehler, und Taubers letzter Fall wartet hier auf der Festplatte noch darauf, daß ich den Mumm für diesen Abschied zusammenbekomme.

Jörg Hube hat nur diesen einen Polizeiruf drehen können, seine Figur war aber offenbar, das macht die Dramaturgie deutlich, wirklich auf Dauer angelegt: Mit jüngerer Freundin, Macken und Marotten. Gleichzeitig war gerade die Beziehung zwischen seinem Kommissar und der für die Zukunft wohl als seine Kollegin vorgesehenen Bundeswehrhauptmannsfrau durchaus problematisch gefaßt.

Während Hubes Papen schon fast zu viel väterlich-sanfte Weisheit mit sich herumschleppte, Pazifismus und wenig originelle Bundeswehrkritik stets griffbereit, ließ das Drehbuch Stappenbecks Ulrike Steiger als verklemmte Gläubige mit Vaterkomplex erscheinen – prompt wendet sie sich am Ende vom einen Vater ab und dem anderen (Papen) zu.

Es hätte mich doch sehr interessiert, wie die Beziehung der beiden sich in den weiteren Folgen hätte entwickeln können; vor allem hätte Papen ein paar schwierige Seiten dringend nötig gebraucht, um als glaubhafte Figur auf Dauer Bestand haben zu können. Hube hätte das sicher gekonnt.