G.I. Joe – The Rise of Cobra (2009)

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Die Geographie einer Stadt ist im actionlastigen Kino zwar oft eine implizit wichtige Größe, vor allem wenn es an die Verfolgungsjagden geht, hat aber zugleich ihre produktionstechnischen Tücken. Selten sieht es um die nächste Ecke genau so ansehnlich spannend aus wie auf jener Brücke, und so nimmt man eher Diskontiunitäten in Kauf als einen ranzigen Drehort nach dem anderen abzufilmen. Berlin-Kenner_innen werden das Problem aus Lola rennt kennen, der die Titelheldin innerhalb einer halben Stunde in großen Sprüngen durch ganz West- und Ostberlin schickt, oder auch aus Emil und die Detektive (2001) – da zuckelt etwa eine U-Bahn deutlich sichtbar in den Bahnhof Warschauer Straße ein (in dessen unmittelbarer Nachbarschaft ich einige Jahre gewohnt habe), nur um wenige Sekunden später die Fahrt in die gleiche Richtung fortzusetzen. Bei einem Kopfbahnhof ein eigentlich waghalsiges Unterfangen.

In der Mitte von G.I. Joe – The Rise of Cobra jagen die Protagonist_innen auf einer langen Verfolgungsjagd, an deren Ende die Zerstörung des Eiffelturms steht, quer durch Paris. Man kann einige dieser Szenen z.B. in diesem Video zusammengeschnitten sehen:

Ich kenne Paris inzwischen ein wenig, und da drängte sich mir in der Filmvorstellung gestern abend schon die Frage auf, ob die Prota- wie Antagonist_innen nicht vielleicht einmal kurz hätten anhalten und nach dem Weg fragen sollen. Während der Verfolgungsjagd werden diverse Sehenswürdigkeiten malerisch im Hintergrund gezeigt; von deren gezeigter erster (dem Arc de Triomphe) führt allerdings ein sehr direkter, sehr kurzer Weg zum Tour Eiffel.

Aber sei’s drum: Die geographischen Sprünge machen es leichter, ein bißchen Distanz zu der langen Szene zu bekommen, und das öffnet die Wahrnehmung dafür, wie durchaus gut inszeniert und technisch sauber die Jagd gemacht ist. (Ein bißchen mehr dazu erzählt Regisseur Stephen Sommers in einem kleinen Video, das ich bei den Filmschoolrejects gefunden und unten noch angehängt habe.)

Ansonsten gibt es in G.I. Joe nämlich auch einige halbgare Effekte zu sehen, die andauernden Rückblicke und Erinnerungssequenzen werden rasch nervig, und wie insgesamt der ganze Film ist vor allem die abschließende Actionsequenz, das große Finale viel, viel zu lang.

Spätestens da wird auch deutlich, daß der Film sich nicht so recht entscheiden kann, ob er eher James-Bond-Spektakel mit Gruppendynamik sein will oder doch lieber ein Familien- und Freundschaftsdrama in der Traditionslinie eines terrestrisch orientierten Star Wars. G.I. Joe – The Rise of Cobra (2009) weiterlesen

FFF 2009: Push (2009)

Alle Beiträge zum Fantasy Filmfest 2009 unter dem Tag FFF2009

Es ist schon eine Weile her, daß ich Push gesehen habe (er lief bereits Anfang des Jahres hier in Frankreich an, verschwand aber trotz großer Werbekampagne vorher fast sofort wieder aus den Kinos), aber anläßlich des FFF möchte ich meine Erinnerung noch einmal ein bißchen bemühen.

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Meine spontane Reaktion kann erst einmal so stehenbleiben, und daß der Vergleich mit Jumper (2008) eben nicht unbedingt ein Lob ist, kann man in meiner Kritik zu diesem Film noch einmal nachlesen.

Die Geschichte um eine Gruppe von Jugendlichen mit speziellen Fähigkeiten wie Telekinese oder vagen Einblicken in die Zukunft positioniert sich natürlich in seiner ganzen Grundkonstellation präzise zwischen den X-Men (allerdings ohne einen weisen Schuldirektor oder sonst wie erfahrene Erwachsene) und eben Jumper, mit dem es auch die Figur des adoleszenten Hotshots gemeinsam hat (hier in Gestalt von Chris Evans, allemal erträglicher als Hayden Christensen).

Ausgleichende Kraft ist die kleine Cassie, für die Dakota Fanning das abgebrühte Kind geben darf, irgendwo am Anfang des Weges zum Erwachsenwerden, aber scheinbar und ihren Kleidungsgewohnheiten nach schon reif für ihr Alter. Oder dann eben doch nicht; wahrscheinlich ließe sich anhand dieses Films einiges schreiben zum Bild der pubertierenden Mädchen im amerikanischen Kino.

Ansonsten treibt der Film zwar nicht durchgehend entlang klassischer Momente des jüngeren Mutantenkinos, also insbesondere der genannten Beispiele, aber so richtig viele Überraschungen hat er auch nicht zu bieten.

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Wanted

Dieser Text ist vor einiger Zeit an anderer Stelle bereits erschienen, soll aber hier zumindest angerissen sein.

Wanted - Szenenbild - Quelle: Universal

Was mich an Timur Bekmambetovs Wanted am meisten irritiert hat und mir im Gedächtnis geblieben ist, ist die ungebremst misanthrope Haltung, die der Film ausstrahlt und die wohl das Erbe ausmacht, das der Film aus seiner Vorlage noch mitgenommen hat.

Denn anders als der Film dreht sich die Wanted-Comicreihe von Mark Millar und J.G. Jones (Infos; wohlfeil in einem Band zu erwerben) keineswegs um eine Bruderschaft von Auftragskillern (Auftraggeber: der Webstuhl des Schicksals, the loom of fate, I kid you not); stattdessen wird der Loser Wesley von der schönen Fox nicht unbedingt freundlich darüber informiert, daß sein Vater Mitglied einer Gruppe richtig widerlicher Bastarde war – und er jetzt an seine Stelle rücken kann. Als solcher erwirbt er nicht nur eine Lizenz, sondern einen Freibrief zum Töten, und nutzt seine neu gewonnenen Möglichkeiten sofort, um alte Feinde aus Schulzeiten ebenso umzubringen wie Mädchen, bei denen er mal abgeblitzt ist. Was er „wirklich will“, so Fox, das solle er lernen, und manchmal sei das eben, jemanden umzubringen.

Hier geht’s zum ganzen Text »

(Foto: Universal)