Die geheime Kampfspinne der Nazis

Jene Form der spekulativen Geschichtsschreibung, in der die Nazis mit irgendwelchen Geheimwaffen, okkulten Riten (wie z.B. in Hellboy) oder der Hilfe von Außerirdischen den Zweiten Weltkrieg dann doch noch zu gewinnen drohen, erfreut sich schon länger einer andauernden Blüte. Nun hat Kevin Smith einen Kurzfilm ausgegraben (via), der wohl gerne ein Langfilm werden möchte. Ich sehe da das Potenzial nicht so sprießen, auch wenn die fünf Minuten leidlich unterhaltsam sind. Dafür atmet diese Kampfspinne zu sehr Geist und Design der AT-ATs aus The Empire Strikes Back; da warte ich lieber auf Iron Sky.

(via)

In Kürze: Whiteout, The Tournament, Get Smart

Ich habe ja auch nicht immer Zeit, Gelegenheit oder Interesse, etwas Längeres zu schreiben…

Whiteout (2009)

Diese Comicverfilmung ist insgesamt wenig aufregend, mitreißend oder auch nur bemerkenswert, obwohl man vielleicht aus der Idee – der erste Mordfall in der Antarktis! – noch etwas mehr hätte machen können. Wirklich schön ist eine Kampfszene mitten in einem winterlichen Antarktisschneesturm. Ohne allzu großes Aufhebens wurde vorher eingeführt, daß man sich auf der Forschungsstation bei schlechtem Wetter nur von einem Gebäude zum anderen fortbewegen darf, wenn man sich vorher an einer der über das Gelände gespannten Sicherheitsleinen eingeklinkt hat, weil man sonst bei Sturm schnell vom Weg abkommt, wo man („Whiteout„) außer Schnee nichts mehr sieht.

Für einen Kampf mit Pistolen und dann schließlich Fäusten, Füßen und Eispickeln führt das zu inszenatorisch durchaus interessanten Einschränkungen, auch wenn Dominic Sena daraus womöglich noch mehr hätte machen können. Warum sich Ms Beckinsale zu Anfang des Films allerdings fast ganz ausziehen muß, ist mir allerdings nicht so ganz klar. (Natürlich, eine warme Dusche hat man immer gern in der Antarktis, und ihre Verletzlichkeit und so – aber ehrlich, das ist nur Schaulustbefriedigungswillen. Oder sagen wir: Sexismus?)

The Tournament (2009)

Schon die Handlungsprämisse von The Tournament hat mehr Löcher in ihrer logischen Struktur als ein durchschnittliches Opfer des titelgebenden Wettbewerbs in seinem Körper, aber ohne suspension of disbelief kommt man durch diesen Film sowieso nur kopfschüttelnd hindurch, oder man mag ihn gar nicht erst ansehen. Warum sollten sich dreißig hochbezahlte Auftragsmörder schon auf einen Wettbewerb einlassen, bei dem sie von ihresgleichen gejagt werden, und nur der Sieger überlebt und bekommt mickrige zehn Millionen Dollar? Nunja.

Auch sonst darf man nicht allzu großes Interesse an Logik und Sinn mitbringen, dafür ist The Tournament nicht so bemüht-komisch (und damit unwitzig) wie Smokin‘ Aces (meine Kritik), mit dem der Film sonst eine ganze Menge gemein hat – etwa die Ansammlung schlechtgelaunter Auftragskiller-Typen. Eher ist es selbstbewußtes, mit ernster Miene Schrott versprühendes Trashkino à la Doomsday (meine Kritik), und das ist ja zunächst gar nicht unbedingt etwas Schlechtes.

Get Smart (2008)

Eine ganz unterhaltsame James-Bond- und Agenten-Parodie ist das, sicherlich nicht brillant, aber allemal witziger als der gerade-so-okaye Johnny English. Ich kenne freilich die Originalserie nicht, die, wie mir zuverlässige Quellen berichten, noch um Längen besser sei.

Gut gefallen hat mir dabei vor allem natürlich die Tanzszene (bemerkenswert dazu die Position in Alas, a blog), die jeden Tanz in allen James-Bond-Filmen aufs präziseste persifliert, und der Wettstreit zwischen Maxwell und Agent 99 darum, wer die besseren Gadgets mitgebracht hat. Beides ist allerschönster Agenten-Schwanzvergleich.

Wenn die Grünen die Wahl gewonnen hätten …

… damals, 1984, als die Welt noch in Ordnung war, also klar geteilt in Gut und Böse, und Gut waren die USA und Ronald Reagan, Böse waren Kuba und die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, dann wäre das natürlich fatal gewesen, Patrick Swayze und Jennifer Grey hätten sich für das Gute erheben müssen. Mit den bekannten Folgen.

Screenshot aus 'Die rote Flut'/'Red Dawn' (1984)

(Ja, das war nur drei Jahre vor Dirty Dancing, dessen beide Hauptdarsteller_innen also für einen zweiten Versuch dankbar sein dürfen. Ja, der Screenshot oben ist aus dem Vorspann der deutschen Fernsehfassung von Die rote Flut. Und ja, ich habe keine Ahnung, wie oder eigentlich: warum man von diesem Film aktuell ein Remake drehen sollte. Aber genau das geschieht gerade.)

FFF 2009: Sexykiller (2008)

Mit diesem Text beginne ich eine Reihe von kurzen Kritiken zu Filmen, die auf dem Fantasy Filmfest 2009 zu sehen sein werden und hier in Frankreich dankenswerterweise schon zu sehen bzw. zu haben waren. Alle Beiträge zum FFF 2009 unter dem Tag FFF2009

fff09_sexykiller

Mag sein, daß, wie Bárbara sich echauffiert, das Serienkiller-Genre noch viel zu sehr Heimstatt patriarchaler Arbeitsteilung ist: Mordende Männer, kreischende (sterbende) Frauen. (Ja doch, es gibt Ausnahmen. Aber das ist ein anderes Thema.) Mit Verve und großer Ernsthaftigkeit macht sich die junge Frau jedenfalls daran, der Filmstatistik ein paar durch Frauenhand tote Männer (aber nicht nur die, soviel Gleichberechtigung muß sein) hinzuzufügen.

Sexykiller, morirás por ella (2008) ist dabei alles andere als eine ernste Angelegenheit. Ohne je zu einem echten Metafilm werden zu wollen, wird hier in Anspielungen (es fängt gleich mit Scream an) und Kritik das Slasher/Serienkiller-Subgenre geplündert und gelegentlich erweitert; und da der Großteil des Films von seiner Protagonistin (in Gestalt der sehr amüsanten Macarena Gómez) im Rückblick erzählt wird, macht man sich auch um die Mörderin wenig Sorgen. Daß es zwischendrin ein paar unmotivierte Sprünge in der Perspektive gibt, daß generell die Erzählung etwas wirre Hüpfer macht: Geschenkt.

Denn einerseits ist Sexykiller vor allem Spaßkino für die Horrorfreunde, andererseits liegt solche Sprunghaftigkeit auch in der Erzählerin, die äußerst impulsiv handelt und gerne auch glaubt, eine Kamera vor sich zu haben, in die sie dann mitten in einer Vorlesung hineinspricht. Andererseits hat sie aber nicht unrecht, oder?

Bárbaras größtes Ziel ist es, reich zu werden und einen Schönheitschirurgen zu heiraten. Aber gut im Bett sollte er schon auch sein, und was und wer dem nicht entspricht bzw. ihr im Wege steht, darf sich auf ein gut sortiertes, fein geschliffenes Waffenarsenal gefaßt machen. Wären nicht die Klingen und die à la Taxi Driver versteckten Pistolen, die hübsch hergerichtete junge Frau wäre dann doch das perfekte „Barbie Girl“, wie es Aqua einst besangen – nicht nur im Trailer ist das Lied zu hören.

In der zweiten Filmhälfte wird Sexykiller dann etwas unversehens zur vollständigen Groteske, als ein anderes Horrorsubgenre mächtig in den Film einzieht und den Rest der Handlung in Bewegung versetzt. Da wird dann auch noch Peter Jackson Reverenz erwiesen, und ich saß so kopfschüttelnd da, daß ich mich allemal gut amüsierte.

Foto: Fantasy Filmfest

The Inglorious Bastards

Daniel Erk vom Hitlerblog auf taz.de hatte mich vergangene Woche bereits darum gebeten, doch etwas über den Trailer zu Inglourious Basterds zu schreiben, und diesem Wunsch bin ich nun gerne nachgekommen.

Dieser Umstand inspirierte mich, mir vielleicht doch einmal Quel maledetto treno blindato von Enzo G. Castellari anzusehen, der als The Inglorious Bastards zum Namenspatron für Tarantinos neuen Film wurde. Das ist, ich schrieb es drüben im Hitlerblog bereits, totaler Trash: Ein paar wegen diverser Vergehen zu bestrafender amerikanische Soldaten entkommen ihrem Gefangenentransport, wollen sich in die Schweiz durchschlagen und rutschen irgendwie in die Situation hinein, einen deutschen Sonderzug überfallen zu müssen, auf dem der Prototyp eines neuen Sprengkopfes für die V2 transportiert wird.

Der Film läßt sich aber bis etwa zur Mitte Zeit, um einfach nur wilde, planlose Kampfszenen – Schießereien und viele Explosionen – aneinander zu reihen, bevor es zu irgendetwas kommt, was Handlung heißt; dazwischen eine völlig unglaubwürdige Liebesgeschichte und eben nackte Frauen mit Maschinengewehren. Und ein guter Deutscher trägt den Namen Adolf.

Das gesprochene Deutsch ist in der englischen Synchronfassung gewohnt amüsant, und die Franzosen können auch nur bruchstückhaft Englisch („Do you speak English?“ – Franzose: „Yes! Son of a bitch! Fucking Bastard!“).

Wirklich interessant ist eigentlich nur die Schnitt- und Distributionsgeschichte des Films, in der es die fürs Exploitationmetier typischen unzähligen Fassungen unterschiedlicher Länge gibt – bis hin zu einer, die sich an Blaxploitation anlehnt und den einen schwarzen Hauptdarsteller zum Helden des Films macht, wie uns der englische Wikipedia-Eintrag zum Film verrät (falls man ihm Glauben schenken darf):

The American success of the blaxploitation genre led distributors to reedit this film and distribute it as G.I. Bro–in that version, scenes have been cut as to make Fred Williamson the lead character. The tagline on this version was „If you’re a kraut, he’ll take you out!“

Muß man das sehen? Nein, muß man nicht. Es sei denn natürlich, man ist Tarantino-Jünger und muß wirklich alles, alles gesehen haben, was der Meister so in seinem filmischen Universum mit sich herumträgt.