Atlas Shrugged Part I

Ich kenne Atlas Shrugged, den wohl in jeder Hinsicht monumentalen Roman von Ayn Rand, noch nicht durch eigene Lektüre, sondern vor allem durch den hervorragenden Sewer, Gas & Electric meines Lieblingsautors Matt Ruff, in dem Rand nicht nur selbst auftritt, sondern auch ihr Buch gehörig durch den Kakao gezogen und weltanschaulich hinterfragt wird.

Rands Schinken galt lange Zeit als unverfilmbar, und nachdem um eine angebliche Verfilmung lange Zeit großes Schweigen herrschte, ist offenbar ein wenig Bewegung in das Ganze gekommen, denn nun gibt es für Atlas Shrugged Part I – offenbar wird das einen Mehrteiler geben – einen ersten Trailer. Regie führt Paul Johansson, bisher vor allem als Schauspieler und Fernsehregisseur in Erscheinung getreten, der auch in einer Hauptrolle zu sehen sein wird.

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Gérardmer 2011: Quarantine 2: Terminal (2010)

Gérardmer 2011 - SchriftzugWer versteht, daß die Fortsetzung des Remakes von [REC] keineswegs das Remake der Fortsetzung von [REC] ist, kann sich schon mal ein, zwei Einzelstunden in formaler Logik sparen. Ein bißchen bizarr ist aber schon, daß man sich über so etwas überhaupt Gedanken machen muß, und spricht womöglich Bände darüber, daß es auch Filme gibt, die ihre Existenz auf originelleren Einfällen aufbauen.

Aber sei’s drum. Quarantine 2: Terminal nimmt also das renovierte Zombievirenmotiv wieder auf, daß Quarantine (meine Kritik) vor etwas mehr als zwei Jahren aus Spanien nach L.A. verpflanzt hatte. Das Remake blieb dabei dem Original bis in die Einstellungen hinein verpflichtet und ahmte also insbesondere dessen Found-Footage-Stil nach. Mit Quarantine 2: Terminal geht Debütant John Pogue insofern eigene Wege, als er sich gegen diesen dokumentarischen Kamerastil entschieden hat und stattdessen seine Geschichte in ganz traditioneller Form erzählt. Auch darin unterscheidet er sich von [REC] 2.

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Das Virus aus dem Mietshaus ist nun irgendwie an Bord eines Flugzeugs gelangt, das auf dem Weg von L.A. nach Westen ist; als ein Passagier mit den gewohnt unangenehmen Begleiterscheinungen (todesähnlicher Zustand, Gewaltausbrüche, Schaum vor dem Mund) erkrankt, wird ein kleiner Flughafen in der Provinz (anscheinend Las Vegas) angesteuert, wo sich Passagiere und Besatzung alsbald im angeschlossenen Terminal eingeschlossen, isoliert und quaratiniert wiederfinden – während sich unter ihnen natürlich die Infektion langsam ausbreitet.

Was dann folgt, ist allenfalls in der gewählten Lokalität ein wenig originell, weniger im Ablauf und in den zu erwartenden Todesfällen. Pogue gelingt es durchaus, aus Raum und Zwang die notwendigen klaustrophobischen und viszeralen Schrecken zu destillieren; und selten wirkte das Gepäckverteilungssystem eines Flughafens so labyrinthen wie hier. Nur ist auch all das in letzter Konsequenz weder neu noch hinreichend, und wer mehr als ein bißchen Unterhaltung sucht, die nur über die Todesreihenfolge letztlich egaler Figuren vermittelt wird, sollte sich vermutlich anderswo umsehen.

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Gérardmer 2011: I Saw The Devil (2010)

Daß die Jagd auf das Böse die Menschen nicht unberührt zurückläßt, daß der Versuch der psychologischen Annäherung als polizeiliche Ermittlungstaktik auch den Detektiv in Richtung des Bösen verschiebt: All das sind durchaus bekannte Motive aus dem Kriminalfilm, dem Psychothriller, all diesen Genres, in deren Wurmfortsätzen sich Moral und Ethik in ihre kleinsten Einheiten zermörsern lassen müssen, und auf der anderen Seite kommen die Heldinnen und Helden als geläutert, vernichtet oder beides heraus.

Gérardmer 2011 - SchriftzugWas wird also aus dem Jäger, wenn er das Böse mit dessen eigenen Mitteln jagt? Akmareul boatda, international als I Saw The Devil vermarktet, fragt danach mit großer Konsequenz und war dafür in Gérardmer der große Gewinner des Festivals, auch wenn der Hauptpreis für einen anderen südkoreanischen Film, Bedevilled, überreicht wurde. Man sieht hier einem Rachedrama von Shakespeare’schen Ausmaßen und Abgründen bei der Entfaltung zu, und dann wird es allerdings noch deutlich blutiger als selbst in ‚Tis Pity She’s a Whore von Shakespeares Zeitgenosse John Ford.

Ein Serienmörder (Min-sik Choi aus Oldboy) bringt die Verlobte eines Spezialagenten (Byung-hun Lee) der Regierung um, und der nutzt seine zwei Wochen Zwangsurlaub nach dieser Tragödie dazu, den Täter zur Strecke zu bringen. I Saw The Devil erledigt allerdings die unvermeidlichen Bestandteile dieser Konstruktion (Motivation, Suche nach dem Täter, erste Konfrontation) in der ersten Stunde des 140-Minuten-Films und nutzt den reichlichen Rest der Zeit dafür, das Aufeinanderkrachen des selbstgerechten Rachewillens mit dem absolut Bösen zu dokumentieren – und deren Annäherung in den Extremen.

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Der Täter Kyung-Chul ist nämlich nach beschämend kurzer Suche gefunden und eindeutig identifiziert (dem Publikum ist er eh schon seit den ersten Minuten bekannt; die Polizei spielt praktisch keine Rolle und ist also mindestens unauffällig und untätig), dann aber läßt der Agent ihn wieder frei, nur um ihm alsbald aufs Neue nachzustellen und ihm immer wieder neue Verletzungen, neue Schmerzen zuzufügen. Mit anderen Worten: I Saw The Devil packt in seine erste Stunde, was anderen Filmen für ihre ganze Laufzeit gereicht hätte, und legt dann Schweiß, Blut und Tränen erst so richtig obendrauf. Und da Kyung-Chul natürlich bald begreift, wohin der Hase läuft – und als Verkörperung eines uneingeschränkt und hemmungslos bösartigen Geistes versteht er zudem, worauf sich der Protagonist eingelassen hat, bevor dieser es selbst begreift – stehen sich die beiden Antagonisten bald auf Augenhöhe gegenüber.

Der Film kulminiert so zur moralischen wie ästhetischen Grenzerfahrung, in dem sich Gut und Böse in einer Orgie von Gewalt und Blut einander annähern.

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Foto: Sitges Film Festival

Gérardmer 2011: The Hunters (2011)

Gérardmer 2011 - SchriftzugMit The Hunters war in Gérardmer außer Konkurrenz und als Abschlußfilm ein weiterer Erstling zu sehen: der französische Hauptdarsteller und Regisseur Chris Briant ging das Projekt aber gleich mit internationaler Ausrichtung und Besetzung an und drehte seinen Streifen in englischer Sprache. Die französische Produktion entstand zum Teil in der Region Lorraine und fand sicher auch deshalb ein warmes Plätzchen im Programm des Festivals.

Der Film beginnt mit einem einigermaßen undeutlich gehaltenen Setting – eine Stadt im möglicherweise nordamerikanischen Irgendwo. Die Zeiteinteilungen in Zwischentiteln („The last week“, „The last day“) suggerieren einen Countdown, von dem die Protagonisten aber offenbar noch nichts wissen: Eine Handvoll frustrierter Männer (v.a. Steven Waddington und Tony Becker), die zunächst recht sympathisch und freundlich wirken und dann immer seltsamere Verhaltensweisen zeigen, eine junge Frau (Dianna Agron) sowie der Le Saint (Briant), nach traumatischen Erfahrungen in Afghanistan frisch in den Polizeidienst eingetreten und schon von seinem Chef (Terence Knox) herzlich genervt.

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Le Saint soll einen wichtigen Kronzeugen treffen und in Sicherheit bringen und wird schon in der Wahl des Treffpunktes von oben gemaßregelt. Schließlich kommt es beim Ortstermin zum fatalen Zusammentreffen aller Protagonisten, bei dem sich die Motive und Handlungen aller Beteiligten offenbaren…

The Hunters läßt sich fast die Hälfte seiner Laufzeit bis zu dieser Offenlegung, und bis dahin gelingt es ihm auch einigermaßen clever, das Kommende zu verbergen – jedenfalls für Menschen wie mich, die den Film nach weniger als sechs Stunden Schlaf bei einer frühmorgendlichen Pressevorführung zu Gesicht bekamen. Etwas wachere Zuschauer werden sich vermutlich schon allein aufgrund des Filmtitels so ihre Gedanken machen darüber, was sie wohl im letzten Drittel noch erwarten wird.

Leider legt der Film dann aber auch den Schleier des Rätselhaften ab, und es wird nur allzu deutlich, daß Briant ein filmisch allenfalls durchschnittliches Verwirrtheater inszeniert hat, dessen anfängliche Geheimniskrämerei im Nachhinein recht aufgesetzt wirkt – und der sich am Schluß dann auch deutlich zu lange hinzieht. Gerade im Blick auf das Gesamtensemble wird zudem überdeutlich, daß Briant mit seiner Rolle als Le Saint völlig überfordert ist bzw. es ihm nicht gelingt, dessen eh schon papierdünne Persönlichkeit mit mehr als behauptetem Leben zu versehen.

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The Prodigies – La Nuit des Enfants Rois

Viel weiß man ja noch nicht über den Animationsfilm von Antoine Charreyron, der bisher vor allem als Regisseur von Videospielen aufgefallen ist.

Five young prodigies assaulted in New York’s Central Park plot the perfect revenge.

Hier gibt es immerhin schon einen ersten Trailer.

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Gérardmer 2011: Hybrid (2010)

Gérardmer 2011 - SchriftzugWann eigentlich kommt der Zeitpunkt, an dem an Filmschulen wirklich gelehrt wird, daß man nur mit einigermaßen interessanten Figuren Spannung zu erzeugen vermag? Die schalen Abziehbilder menschlicher Existenz, die sich in der städtischen Autowerkstatt versammeln, die der Schauplatz für die Ereignisse in Hybrid ist, eignen sich jedenfalls nicht dazu. Es gibt genau eine Figur, der man ein bißchen Sympathie, und eine, der man dezidiert Antipathie entgegenbringt – aber beide sind gleichwohl immer noch so flach, daß man das kaum als emotionale Verbindung benennen will; es ist wohl eher eine im Stammhirn anzusiedelnde Reaktion auf dumpfeste Dialogreize.

Wobei man „Dialog“ hier nicht als etwas mißverstehen sollte, in dem zwei Menschen miteinander sprechen und vielleicht auf das von der anderen gesagte etwas zu erwidern hätten; in Hybrid ist fast immer ziellose Konfrontation in den Gesprächen angelegt, so es nicht um Anweisungen, ausbuchstabierte Exposition oder die Verlautbarung des eh‘ offensichtlichen geht.

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Eine Handvoll Ausnahmen von dieser Regel gibt es, und sie beschreiben die Momente, in denen der Film vergißt, daß er eigentlich ein irgendwie ernstzunehmender Film über ein besessenes, vielleicht auch außerirdisch oder sonstwie fremdartiges, jedenfalls: menschenfressendes Auto ist. Ja, die Grundidee kennt man natürlich womöglich aus Christine. Oder eben auch nicht: Aber die Grundidee dahinter könnte eigentlich so überzogen-verrückt sein, daß dies den Film retten würde. Wäre Hybrid nur ganz bei sich, bereitwillig Trash, in dem Sätze so jenseits von Logik und Verstand fallen, daß sie das Ganze schon wieder unterhaltsam machen.

Denn der mühsame Aufhänger, der löchrige Plot und die stereotypen Figuren (meine Güte, Oded Fehrs Rolle ist ja noch eindimensionaler als sein Auftritt bei Resident Evil!) sind es natürlich nicht, die aus diesem Streifen interessante Abendunterhaltung zu machen vermöchten, auch der Hinweis auf die geradezu aristotelische Einheit des Erzählten (Raum, Zeit, etc.) hilft da nicht – es könnte eigentlich nur die Hingabe ans Schrottige – in Blech wie in Zelluloid – hier zu Größe verhelfen. Indem er aber nicht sein will, was er ist, läßt sich Hybrid nur selten ertragen.

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