FFF 2009: Bronson (2009)

Dieser Text setzt eine Reihe zu Filmen fort, die auf dem Fantasy Filmfest 2009 zu sehen sein werden und hier in Frankreich dankenswerterweise schon zu sehen bzw. zu haben waren. Alle Beiträge zum FFF 2009 unter dem Tag FFF2009

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Mit 19 Jahren, sein Kind ist gerade auf der Welt, überfällt Michael Peterson ein Postamt, erbeutet eine Handvoll Münzen und Scheine und wandert daraufhin ins Gefängnis. Für mehr als ein paar Wochen wird er es nicht mehr verlassen.

Bronson basiert mehr oder minder lose auf der realen Biographie von Michael Peterson, bekannt unter dem angenommenen Namen „Charles Bronson“ als „most violent prisoner in Britain„. Wie aus dem kleinen Jungen aus gutem Mittelstandshaushalt ein Gewalttäter werden konnte, der fast sein ganzes Leben im Gefängnis saß (und noch sitzt), aber auch fast alle seine Straftaten im Gefängnis verübte – im Film sind es nur zwei Raubüberfälle, die er außerhalb begeht – scheint im realen Leben ein Mysterium zu sein. Ein BBC-Bericht über Peterson/Bronson beginnt mit den Worten: „No-one knows exactly how it could have happened.“

Regisseur Nicolas Winding Refn macht wohl deshalb gar keine Anstalten, hier irgendetwas erklären zu wollen, auch wenn man dies noch nach den ersten Momenten des kleinen autobiographischen Rückblicks erwarten könnte, die der aus dem Off sprechende Bronson dem Zuschauer gibt. Nicht einmal der Protagonist und Erzähler seines Lebens zielt darauf ab, seiner Lebensgeschichte einen Sinn oder eine konsequente Erzählung abzuringen.

Bronson ist also kein Psychogramm oder eine Lebensgeschichte, eher ein Rückblick aus der eigenen Wahrnehmung heraus. Immer wieder sieht man Bronson auf einer Bühne stehen, ein großes Publikum vor sich (ganz zu Anfang bekennt er: Ich wollte berühmt werden, aber was soll man machen, wenn man nicht schauspielen und nicht singen kann?), das meistens schweigt und zwischendrin frenetisch applaudiert. Natürlich stand der Mann nie auf einer solchen Bühne, er ist Publikum und Star zugleich, die Bühne ist allein in seinem Kopf, er selbst ist sein bester Zuschauer, mehr braucht er nicht.

So aber, und das ist die elegante Perfidie des Films, übernehmen wir als Zuschauer Bronsons Perspektive, bevor wir richtig merken, was sich da eigentlich abspielt. Refn macht sein Publikum zu Komplizen, ohne je Sympathie für seine Hauptfigur zu erheischen oder auch nur zu erzeugen.

Der großartige Tom Hardy gibt Bronson seine wuchtige Gestalt, und in all der selbstdarstellerischen Sicherheit, mit der er durch den Film schreitet, wird zugleich immer deutlich, wie sehr dieser Mann verloren ist in und für die Außenwelt. Als er nach Jahrzehnten erstmals das Gefängnis wieder verläßt, wirkt er schon wie aus der Zeit gefallen, in seinem ordentlichen Dreiteiler, seiner breitbeinigen, angespannten Körperhaltung und seinem Schnurrbart.

Er wirkt wie ein stereotyper „starker Mann“ vom Jahrmarkt oder aus dem Zirkus (als welcher Peterson laut Wikipedia tatsächlich einmal gearbeitet hat), aber als er im neuen Haus seiner Eltern ankommt, ist er vor allem irritiert davon, daß sein Kinderzimmer nicht mehr vorhanden ist. Und als er später, selbstbewußt blickend, aber offenbar unsicher – seinen Koffer hält er die ganze Zeit auf seinen Knien – in der Wohnung seines Onkels sitzt, weiß er nichts zu sagen zu seinen Ambitionen oder Zielen. Außerhalb des Gefängnisses, der Welt die er kennt, gibt es für ihn keinen Weg.

Refn bleibt darin konsequent, Bronsons Lebensgeschichte keine Erklärung, Moral oder nur ein Resümée aufzuzwingen. Die Erzählung bleibt episodenhaft, wird immer wieder von Bronsons Off-Erzähler unterbrochen, von den Szenen auf der Bühne. Die Bildsprache ist offenbar erfolgreich an Stanley Kubrick geschult (Kameramann Larry Smith hat mehrfach für Kubrick gearbeitet), und auch in der Musik lehnt sich der Film insbesondere an A Clockwork Orange (1971) an.

Für eine kurze Szene in einem Irrenhaus bricht die Popkultur ein, wenn die sedierten Insassen eines Irrenhauses (man muß das so unfreundlich nennen), unter ihnen auch Bronson, zu „It’s A Sin“ von den Pet Shop Boys tanzen – da ist die Musik aber eher ein ironischer Kommentar zum Freiheitsversprechen, das der Popmusik innewohnt. Und auch die klassische Musik ist – Kubrick läßt grüßen – immer eher Hinweis auf auf die unüberbrückbare Differenz zwischen der Mehrheitsgesellschaft und dem Protagonist, der sich als großer Nachahmer und Versteller erweist.

Wenn er schließlich während einer Geiselnahme, nackt, mit schwarzer Körperfarbe bemalt und einer Melone à la Magritte auf dem Kopf sich als der große Verbrechenskünstler stilisiert, der er zu sein glaubt, dann fehlt unten nur noch der Schriftzug: „Dies ist kein Künstler.“

Aber wir alle machen uns ein Bild von ihm.

Trailer:

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Ghost Busters, like it’s 1954

Das ist ein hübsches Exerzitium in Sachen Stil und Zeitgeist, das wir hier vorgesetzt bekommen: Ein findiger und besehener Mensch hat sich mit Ghost Busters (1984) einen klassischen Mainstreamfilm der 1980er Jahre vorgenommen und aus alten Filmausschnitten und mit Hilfe suggestiver Schriftzüge und Musik einen Trailer gebastelt, der zeigt, wie eine Komödie gleichen Themas und Titels dreißig Jahre vorher vielleicht hätte aussehen können.

Es ist natürlich die Differenz, die hier instruktiv ist: Was im 80er-Jahre-Film zu sehen ist, aber für die fikitive Fassung unmöglich wäre, welche Star Personas als Darsteller in Frage kämen und welche Bedeutungs- und Persönlichkeitswolken sie mit sich herumtrügen, und natürlich: was technisch realistisch und möglich gewesen wäre. (Cinematical, wo ich das Video gefunden habe, hat freundlicherweise den Originaltrailer gleich dazugestellt.)

Treevenge (Die Rache der Weihnachtsbäume)

Auch nicht so sensible Naturen seien gewarnt: Hier wird in nur wenigen Minuten literweise Kunstblut vergossen, werden Baumstämme zersägt, zerhackt und zerschlagen sowie menschliche Körperteile arg zerlegt. Nicht schön. Aber keineswegs unlustig, wenn nicht sogar sehr, sehr albern.

Oh, und das Weihnachtsfest wird nie mehr so sein wie zuvor.

(Mehr Infos; gefunden hier)

FFF 2009: Lascars [Round Da Way] (2009)

Dieser Text setzt eine Reihe zu Filmen fort, die auf dem Fantasy Filmfest 2009 zu sehen sein werden und hier in Frankreich dankenswerterweise schon zu sehen bzw. zu haben waren. Alle Beiträge zum FFF 2009 unter dem Tag FFF2009

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Lascars (man darf das aus dem Französischen anscheinend als „Schlauberger„, aber auch als „Bursche, Kerl, Schurke“ übersetzen), der auf dem Fantasy Filmfest unter dem englischen Verleihtitel Round Da Way zu sehen sein wird, basiert auf einer französischen Fernsehserie, die sich in zwei Mal dreißig Miniepisoden ironisch mit dem Leben junger Leute in der Pariser Banlieue auseinandersetzt.

Mein Wissen von dieser Serie ist, sagen wir, lückenhaft (Internet hilft), aber obgleich dieser Hintergrund das Geschehen auf der Leinwand sicher noch klarer macht, ist er keineswegs notwendig. Mir wiederum hat meine dann doch noch nicht ganz intime Kenntnis des Französischen manche Detail etwas verunklart. Aber auch das dürfte dem Filmgenuß nur unwesentlich abträglich gewesen sein, denn der Humor von Lascars neigt insgesamt doch zum Overstatement.

Was aber nicht heißt, daß er sich aus nur einer flachen Quelle spiese: neben Wortwitz steht reiner, hemmungsloser Slapstick, ergänzt durch Situationskomik en gros (nicht immer der feinsinnigsten Sorte) und nicht zuletzt Brüche und Sprünge in den Figuren – wie etwa beim Drogenboß, der über Webcam und Speeddating endlich einmal eine nette Frau kennenlernen will. Leider machen seine Tobsuchtsanfälle und insgesamt schlechten Manieren das etwas schwierig.

Musik spielt hier natürlich eine große Rolle, und der Soundtrack dürfte einen guten Querschnitt durch die Produktion aus den Banlieues bieten. Gut gefallen hat mir, wie der Film unterschiedliche Animationstechniken miteinander mischt, stärker und zu größerem Effekt als das in den Fernsehepisoden zu sehen ist. Die Figuren sind in konventionell flächiger Zeichentechnik zu sehen, die Hintergründe sind aber offenbar digital entstanden und öffnen den filmischen Raum, was schöne Effekte, Kamerafahrten und Überlagerungen ermöglicht. Ob einem der sehr an Graffiti-Kunst angelehnten, gerne überzeichnende Stil gefällt, ist womöglich Geschmacksfrage; mir ging er bei aller Gewöhnung nach einiger Zeit etwas auf die Nerven. Im wüsten Finale des Films, das alle Handlungsstränge, und das sind einige, in einem explosiven Moment vereint, fällt das auch nicht mehr so auf.

Foto: Fantasy Filmfest

FFF 2009: Sexykiller (2008)

Mit diesem Text beginne ich eine Reihe von kurzen Kritiken zu Filmen, die auf dem Fantasy Filmfest 2009 zu sehen sein werden und hier in Frankreich dankenswerterweise schon zu sehen bzw. zu haben waren. Alle Beiträge zum FFF 2009 unter dem Tag FFF2009

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Mag sein, daß, wie Bárbara sich echauffiert, das Serienkiller-Genre noch viel zu sehr Heimstatt patriarchaler Arbeitsteilung ist: Mordende Männer, kreischende (sterbende) Frauen. (Ja doch, es gibt Ausnahmen. Aber das ist ein anderes Thema.) Mit Verve und großer Ernsthaftigkeit macht sich die junge Frau jedenfalls daran, der Filmstatistik ein paar durch Frauenhand tote Männer (aber nicht nur die, soviel Gleichberechtigung muß sein) hinzuzufügen.

Sexykiller, morirás por ella (2008) ist dabei alles andere als eine ernste Angelegenheit. Ohne je zu einem echten Metafilm werden zu wollen, wird hier in Anspielungen (es fängt gleich mit Scream an) und Kritik das Slasher/Serienkiller-Subgenre geplündert und gelegentlich erweitert; und da der Großteil des Films von seiner Protagonistin (in Gestalt der sehr amüsanten Macarena Gómez) im Rückblick erzählt wird, macht man sich auch um die Mörderin wenig Sorgen. Daß es zwischendrin ein paar unmotivierte Sprünge in der Perspektive gibt, daß generell die Erzählung etwas wirre Hüpfer macht: Geschenkt.

Denn einerseits ist Sexykiller vor allem Spaßkino für die Horrorfreunde, andererseits liegt solche Sprunghaftigkeit auch in der Erzählerin, die äußerst impulsiv handelt und gerne auch glaubt, eine Kamera vor sich zu haben, in die sie dann mitten in einer Vorlesung hineinspricht. Andererseits hat sie aber nicht unrecht, oder?

Bárbaras größtes Ziel ist es, reich zu werden und einen Schönheitschirurgen zu heiraten. Aber gut im Bett sollte er schon auch sein, und was und wer dem nicht entspricht bzw. ihr im Wege steht, darf sich auf ein gut sortiertes, fein geschliffenes Waffenarsenal gefaßt machen. Wären nicht die Klingen und die à la Taxi Driver versteckten Pistolen, die hübsch hergerichtete junge Frau wäre dann doch das perfekte „Barbie Girl“, wie es Aqua einst besangen – nicht nur im Trailer ist das Lied zu hören.

In der zweiten Filmhälfte wird Sexykiller dann etwas unversehens zur vollständigen Groteske, als ein anderes Horrorsubgenre mächtig in den Film einzieht und den Rest der Handlung in Bewegung versetzt. Da wird dann auch noch Peter Jackson Reverenz erwiesen, und ich saß so kopfschüttelnd da, daß ich mich allemal gut amüsierte.

Foto: Fantasy Filmfest

Fame (1980)

Wenn man einen Anlaß bräuchte: Das Remake von Fame ist schon angekündigt und wird wohl im September und Oktober über europäische Kinos herfallen. Bestimmt ist das ein guter Moment, um die DVD mit dem Original einzulegen und sich noch einmal daran zu erinnern versuchen, was man daran eigentlich so toll fand. Oder auch sich vorzunehmen, in den nächsten Wochen eine ganze Reihe von Musicalfilmen zu sehen, die mir z.T. auch bisher entgangen waren. (Auch als schöne Abwechslung zu den Zombiefilmen, die aus ganz anderen Gründen demnächst auf dem Programm stehen. Aber ich schweife ab.)

Damals in den letzten Jahren des vergangenen Jahrtausends in Bonn geschah es mir irgendwann, daß ich in einer Straßenbahn saß (das Welche, Wann genau und Wohin spielt hier keine Rolle) und eine große Gruppe von Schüler_innen, vor allem junge Damen, lautstark „I sing the body electric“ sang – und am Ende forderte der Fahrer über Lautsprecher von den anderen Fahrgästen den verdienten Applaus ein.

Das war eine Szene, an die ich natürlich bei Fame immer denken muß. Der Film hat es offenbar tief genug ins kulturelle Gedächtnis geschafft, um zumindest eine Zeitlang Stoff für Schulmusicals abzugeben. Eingängig genug ist die Musik allemal, die Figuren sind in einem ähnlichen Alter, und der Stoff, die Kämpfe junger Schauspieler_innen und Tänzer_innen (die Musiker_innen sind zwar auch dabei, aber doch eher Randfiguren), ist eh‘ ein international wirksamer Evergreen. Man denke nur an Save the Last Dance (2001) oder Un paso adelante (2002-2005); aber der Beispiele wären mehr.

Der Film braucht eine Weile, um in seinen Rhythmus zu finden, das sehr Episodenhafte, Fragmentarische wird er aber nie los. Am Anfang, während der Audition-Szenen, sind es immer nur Bruchstücke von Unterhaltungen und Selbstdarstellungen, die man zu sehen bekommt, später wird das eingängiger, nachdem sich auf der Handlungsebene die Beziehungskonstellationen gefunden und verfestigt haben. Trotzdem hat man hier das Gefühl, einem Ensemblefilm zuzusehen, der nie ganz zu einer Einheit zusammenwachsen will.

Vielleicht liegt es ein wenig auch daran, daß Fame, was zugleich sehr sympathisch ist, keine klare, eindeutige Richtung nimmt und sich nicht darauf einläßt, irgendein Erfolgserlebnis als ultima ratio zu feiern; am nächsten kommt dem allenfalls die obligatorische Schlußnummer („I sing the body electric“!), bei der alle sich dafür feiern, daß sie es trotz widriger Umstände bis zum Abschluß geschafft haben. Und dann blendet der Film ab, als die Herausforderung der bösen Außenwelt, vor der im Film so wortreich gewarnt wird, gerade erst heraufdämmern. (Dafür gibt es dann A Chorus Line.)

Spaß macht Fame natürlich immer noch, aber das liegt vor allem an der Musik, die wiederum wahrscheinlich einen gehörigen Nostalgiebonus auch noch mitbringt. Von den Figuren bleibt, Papptypologieumsetzungen, die sie sind, fast nichts im Gedächtnis. Aber es gibt ja weitaus Schlimmeres als sinnentleerte, schöne Erinnerungen.

***

Das Remake arbeitet wohl nicht zuletzt mit einem etwas renovierten und aufgemotzten Musikrepertoire, wenn der Trailer hierzu schon Aussagen zuläßt. Interessant wäre aber sicher, ob er auch das doch recht charmingly verranzte New-York-Bild des Originals überarbeitet und vor allem: mit welchen Körperbildern er arbeitet. (Was ich meine z.B.: das geradezu obszöne Frauenkörperbild im Musikvideo von Geri Halliwell in ihrer Neufassung von It’s Raining Men im Vergleich zum Original mit den Weather Girls von 1982. Wobei ersteres in seiner Inszenierung natürlich zum Thema paßt.)

My Bloody Valentine (1981)

Der 1981 entstandene Horrorfilm Blutiger Valentinstag (My Bloody Valentine) ist lange nicht so glattpoliert und lange nicht so blutig wie sein alsbald in die Kinos einfallendes Remake, das seine eigentliche (um nicht zu sagen: einzige) Attraktion im Titel trägt: My Blood Valentine 3D. Da schwingt die Spitzhacke aufs Publikum zu, daß es eine allerdings bald langweilige Freude ist. (Meine detaillierte Kritik zu 3D gibt’s bei critic.de.)

Das „Original“ kommt da vergleichsweise – aber wirklich: vergleichsweise – zurückhaltend daher, auch darf man sich in Bezug auf Handlung und Effekte kaum Preziosen erwarten: Dies ist ein leidlich solider, leidlich spannender, aber keineswegs herausragender Slasher. Bemerkenswert ist allerdings der Vorspann des Films, der schon wie ein Teil der Handlung wirkt, aber mit dem Rest des Films in keinem näheren Zusammenhang steht – sieht man einmal davon aus, daß der Mann mit der Maske eine Frau mit einer Spitzhacke ermordet.

Die Szene, über die die Opening Credits zu sehen sind, verspricht allerdings eine sexuelle Verruchtheit, von der später nichts mehr zu sehen ist. Wie das natürlich blonde Opfer den Schlauch des Atemgeräts liebkost, das lockt mit fetischistisch aufgeladener Sexualität, gar mit einem Spiel der Identitäten. Was dann folgt, ist zahlreiches Morden, biedere, nie gefährliche Heterosexualität und kein Hauch von Verruchtheit mehr.

Die Opening Credits gibt’s natürlich bei YouTube zu sehen.

The Inglorious Bastards

Daniel Erk vom Hitlerblog auf taz.de hatte mich vergangene Woche bereits darum gebeten, doch etwas über den Trailer zu Inglourious Basterds zu schreiben, und diesem Wunsch bin ich nun gerne nachgekommen.

Dieser Umstand inspirierte mich, mir vielleicht doch einmal Quel maledetto treno blindato von Enzo G. Castellari anzusehen, der als The Inglorious Bastards zum Namenspatron für Tarantinos neuen Film wurde. Das ist, ich schrieb es drüben im Hitlerblog bereits, totaler Trash: Ein paar wegen diverser Vergehen zu bestrafender amerikanische Soldaten entkommen ihrem Gefangenentransport, wollen sich in die Schweiz durchschlagen und rutschen irgendwie in die Situation hinein, einen deutschen Sonderzug überfallen zu müssen, auf dem der Prototyp eines neuen Sprengkopfes für die V2 transportiert wird.

Der Film läßt sich aber bis etwa zur Mitte Zeit, um einfach nur wilde, planlose Kampfszenen – Schießereien und viele Explosionen – aneinander zu reihen, bevor es zu irgendetwas kommt, was Handlung heißt; dazwischen eine völlig unglaubwürdige Liebesgeschichte und eben nackte Frauen mit Maschinengewehren. Und ein guter Deutscher trägt den Namen Adolf.

Das gesprochene Deutsch ist in der englischen Synchronfassung gewohnt amüsant, und die Franzosen können auch nur bruchstückhaft Englisch („Do you speak English?“ – Franzose: „Yes! Son of a bitch! Fucking Bastard!“).

Wirklich interessant ist eigentlich nur die Schnitt- und Distributionsgeschichte des Films, in der es die fürs Exploitationmetier typischen unzähligen Fassungen unterschiedlicher Länge gibt – bis hin zu einer, die sich an Blaxploitation anlehnt und den einen schwarzen Hauptdarsteller zum Helden des Films macht, wie uns der englische Wikipedia-Eintrag zum Film verrät (falls man ihm Glauben schenken darf):

The American success of the blaxploitation genre led distributors to reedit this film and distribute it as G.I. Bro–in that version, scenes have been cut as to make Fred Williamson the lead character. The tagline on this version was „If you’re a kraut, he’ll take you out!“

Muß man das sehen? Nein, muß man nicht. Es sei denn natürlich, man ist Tarantino-Jünger und muß wirklich alles, alles gesehen haben, was der Meister so in seinem filmischen Universum mit sich herumträgt.

Wanted

Dieser Text ist vor einiger Zeit an anderer Stelle bereits erschienen, soll aber hier zumindest angerissen sein.

Wanted - Szenenbild - Quelle: Universal

Was mich an Timur Bekmambetovs Wanted am meisten irritiert hat und mir im Gedächtnis geblieben ist, ist die ungebremst misanthrope Haltung, die der Film ausstrahlt und die wohl das Erbe ausmacht, das der Film aus seiner Vorlage noch mitgenommen hat.

Denn anders als der Film dreht sich die Wanted-Comicreihe von Mark Millar und J.G. Jones (Infos; wohlfeil in einem Band zu erwerben) keineswegs um eine Bruderschaft von Auftragskillern (Auftraggeber: der Webstuhl des Schicksals, the loom of fate, I kid you not); stattdessen wird der Loser Wesley von der schönen Fox nicht unbedingt freundlich darüber informiert, daß sein Vater Mitglied einer Gruppe richtig widerlicher Bastarde war – und er jetzt an seine Stelle rücken kann. Als solcher erwirbt er nicht nur eine Lizenz, sondern einen Freibrief zum Töten, und nutzt seine neu gewonnenen Möglichkeiten sofort, um alte Feinde aus Schulzeiten ebenso umzubringen wie Mädchen, bei denen er mal abgeblitzt ist. Was er „wirklich will“, so Fox, das solle er lernen, und manchmal sei das eben, jemanden umzubringen.

Hier geht’s zum ganzen Text »

(Foto: Universal)