Ricky Gervais präsentiert die Golden Globes 2010

Ich habe die Golden Globes gestern abend nicht gesehen, aber nach diesem Video, das nahezu zehn Minuten lang Ricky Gervais, der sie präsentierte, solo zeigt, muß ich wahrscheinlich nicht mehr viel sehen, oder? (Die Gewinner hat z.B. Peter.)

Tipps für Szenen, die ich noch ansehen sollte, gerne in die Kommentare. Links are welcome. ;-)

Update: Schade, das Video wurde entfernt, und einen adäquaten Ersatz habe ich noch nicht gefunden. Hier gibt’s wenigstens ein paar der Scherze, ansonsten muß man suchen.

Cloudy with a Chance of Meatballs (2009)

We got diem to carpe!

cloudy_meatballs

Unter den (3D-)Animationsfilmen, die ich im vergangenen Jahr gesehen habe, ist Cloudy with a Chance of Meatballs zwar vielleicht nicht der beste, zarteste, emotionalste – diese Trophäe müßten sich die fantastischen Up und Coraline teilen, wenn man denn da eine Rangliste aufstellen will. Aber er ist jedenfalls die leichtfüßigste, eleganteste und witzigste Komödie, bei weitem unterhaltsamer etwa als der vergleichsweise holprige Monsters vs Aliens.

Cloudy with a Chance of Meatballs (Filmstart in Deutschland: 28. Januar 2010) nimmt die klassische Underdog-Coming-of-Age-Geschichte, mischt ein bißchen sympathischen Mad Scientist dazu und legt dann erst richtig los mit einem wüsten Crossover-Bezugsspiel durch die Filmgenres, daß die Postmoderne nur so mit den Ohren schlackert. Flint Lockwood wächst auf der kleinen und sehr, sehr fiktionalen Insel Swallow Falls auf, die irgendwo im Atlantik vor der amerikanischen Küste liegt, und träumt seit Kindesbeinen davon, ein großer Erfinder zu werden. Er erfindet tatsächlich, nur liegen seine Erfindungen immer jenen haarsträubenden Tick daneben, den es zu wahrer Erfindergröße zu überwinden gäbe. Bis Flint eine Maschine erfindet, die aus dem Wasser von Wolken Essen nach Wunsch produziert und aus der kleinen Insel ein potentielles Schlaraffenland macht – jedenfalls so lange, bis der „perfect food storm“ sich zusammenbraut.

Auf dem Weg zum Finale nimmt der Film von Phil Lord und Chris Miller mit, was mitzunehmen geht: die romantische Komödie für Teenager wird kurzerhand invertiert, indem nicht ein Nerdmädchen mit dicker Brille zur stromlinienförmigen Schönheit mutiert (She’s All That, anyone?), sondern sich die eher zufällig anwesende Wetterfee Sam Sparks als Flints Schwester im Geiste entpuppt, eine Vollblut-Meteorologin, die ihre wissenschaftliche Expertise vor der Welt versteckt, weil diese an klugen Frauen nicht interessiert ist – und die Medienwelt, in der sie arbeitet, schon mal gar nicht. (Flint natürlich schon; daß er im Übrigen der Held des Films bleibt, der Erfinder und Macher, zeigt dann eben doch, wie sehr auch Cloudy with a Chance of Meatballs nicht aus der Haut des Mainstreams herauskann. Und natürlich ist er der emotional unreifere der beiden – „You really thought having allergies would make you more attractive?“ muß sie ihn gar einmal fragen.)

Das alles ist angemessen cartoonhaft überzeichnet; in der Physiognomie der Menschen zeichnet sich immer schon auch ihr Wesen ab. Das kann der Trickfilm, warum sollte er es nicht machen? Die Charakterisierungen, die nicht nur Typen hervorbringen, funktionieren so gut, und zwischendurch darf es dann auch mal flott mit einem fliegenden Auto (Flints zweitem Versuch – „now with wings!“) à la Star Wars durch die Lüfte gehen. Das alles ist rasend schnell, Slapstick und Wortwitz auf Speed.

Vorher sahen wir übrigens schon, wie der Nahrungssturm die Welt in Atem hält. Ganz den Weltuntergangsszenarien à la 2012 (meine Kritik) und Armageddon verpflichtet, werden da London, Paris und andere bekannte Orte unter riesenhaft vergrößerten Speisen begraben. Dieser Sturm, berichtet Sam atemlos in ihre Kamera, verfolgt ein seltsames Muster: Er trifft zunächst nahezu zeitgleich und ausschließlich die weltweit bekanntesten Sehenswürdigkeiten!

Foto: Sony Pictures

The Best & the Wurst of 2009

(Bin spät dran; weitere Gedanken zum Filmjahr 2009 etwa von Peter, Thorsten, Sascha, Stefan, Thomas, Abspannsitzenbleiber und Lukas.)

Ich habe im vergangenen Jahr lange nicht so viele Filme gesehen, wie ich gerne hätte sehen wollen; vor allem habe ich viele (noch) nicht gesehen, die mir wichtig gewesen wären, namentlich etwa The Hurt Locker, Eastwoods Gran Torino, Moon, Milk, In the Electric Mist, The Fall, Thirst, The Wrestler, Adventureland oder Fish Tank. Etwa die Hälfte davon steht schon als DVD in meinem Regal oder ist bestellt, und da ich in den nächsten Wochen mehr Zeit haben werde, bin ich optimistisch, da einiges nachholen zu können.

Beginnen wir ganz unten, und ganz am Anfang. Mein erster Film des Jahres war zugleich einer der schlechtesten, den ich 2009 gesehen habe: The Spirit (meine Kritik). Ähnliche Erlebnisse boten Twilight, 300 und The Unborn, übertroffen allein und fulminant nur von The Mutant Chronicles, dem wirrsten und planlosesten (not in a good way) Film des Jahres, den zu verstehen mir nur dadurch möglich war, daß ich, es irrtümlich für die Romanvorlage haltend, vorher das Buch zum Film gelesen hatte, das in der Tat besser ist als der Film. Was wirklich kein Lob ist.

Weitere echte Belästigungen für Auge und Ohr waren Miss March, ein schwächlich-machististischer Teenagertraum (meine Kritik), und The Marine, der alles vereint, was Actionfilme uninteressant machen kann. Unglücklicherweise gibt es davon sogar noch eine Fortsetzung, allerdings ohne John Cena.

Zu den Besten des Jahres gehören für mich jedenfalls nicht die Großfilme wie 2012 (meine Kritik) oder Avatar. Die laufen allenfalls unter „interessant“, was ebenso auch für die kleine Kontroverse um Gamer gilt, den ich eher mau fand („Schrott auf hohem Niveau, näher kommt das Kino dem Cyberpunk nur selten.“), eine Einschätzung, die wohl die meisten Kritiker_innen teilen, dem aber Ekkehard Knörer und Steven Shapiro einiges abgewinnen können, und das mit guten Argumenten. Ich werde mich wohl bei Erscheinen der DVD noch einmal damit auseinandersetzen.

Viele „meiner“ Filme des vergangenen Jahres waren wirklich gut (die meisten sind hier bei moviepilot aufgelistet, mit vage hilfreichen und immerhin teilweise zutreffenden Bewertungen in Punkten von 10), und ich habe mich zum Beispiel gefreut, daß ich endlich Zeit für Donnie Darko und Southland Tales hatte, kurz bevor Richard Kellys neuer Film The Box hier zu sehen war.

Und dann waren da aber auch noch die Watchmen, die immerhin so gut funktionierten, daß man nicht schreiend aus dem Kino rennen mußte, auch wenn der Film gegen die Wucht und Enzyklopedität der Vorlage eigentlich nicht einmal näherungsweise anrennen konnte und letztlich doch zu sehr in die Falle lief, Superheld_innen primär gut zu finden. Und natürlich hat der Film den besten Vorspann des Jahres.

Was war das Beste am Filmjahr 2009? Erst einmal die Animationsfilme: Up, Coraline und Cloudy With a Chance of Meatballs sind auf ihre je sehr eigene Art witzig, flott, emotional und ernst. Kaum etwas kann die Möglichkeiten dieser Technik besser zeigen als dieser wunderbare, im zweiten Teil fast ohne Worte auskommende Clip aus Up:

Mein Film des Jahres war im Rückblick wohl dann doch Tarantinos Inglorious Basterds, über den Thorsten so kluge Dinge geschrieben hat, daß ich lieber schweigen möchte. Aber die brennende Leinwand: Toll! Die langen Dialogszenen im Bauernhaus und in der Kneipe: Umwerfend! Christoph Waltz: Jeder Auszeichnung würdig. Etcetera.

Die ersten Verfolger fahren dicht auf und in engem Pulk: Antichrist natürlich (meine Kritik), prätentiös und gelegentlich maniriert bis an die Grenze, aber ungemein effektiv und in jeder Hinsicht unter die Gürtellinie zielend. Langweilig ist dieser Film jedenfalls nicht, selbst wenn man Lars von Trier dafür aufrichtig und lange beschimpfen möchte. Dann Hanekes Das weiße Band, der unter seiner Oberfläche so einiges zu verstecken weiß. Zu Bronson (meine Kritik) und The Brothers Bloom (meine Kritik) habe ich mich schon ausführlich geäußert, und so fehlt nur noch ein Film zum Jahresabschluß, über den ich mir zugleich noch nicht ganz sicher bin.

Bei Where the Wild Things Are frage ich mich nach wie vor, ob dieser Film nicht Eltern auf eine sehr direkte Art gänzlich anders anspricht als Nicht-Eltern: Weil mir die ganzen Szenen mit den „Wild Things“ in ihren zugegeben tollen Kostümen recht bald langweilig wurden und zu sehr als küchenpsychologische Rumklempnerei erschienen (um es jetzt mal sehr platt ins Blaue hinein zu formulieren), während ich vor allem den Anfang und den Schluß, die Auseinandersetzungen von Max mit seiner Schwester, deren Freunden sowie mit seiner Mutter, derartig herzzerreißend präzise fand, so sehr mit elterlichen Ängsten um ihre Kinder korrespondierend. Ist das nun längst nicht mehr unbewußte Furcht des Vaters um das Dasein seiner Kinder, oder bin ich da auf eine kleine Wahrheit gestoßen? Da würde mich Eure Meinung doch interessieren.

Trailer: Hit-Girl kicks Ass

Ich bin mir bei Kick-Ass noch nicht sicher – weder über meine Erwartungen noch deren Gründe. Die Vorlage für diesen Film stammt jedenfalls aus der gleichen Feder wie der reichlich misanthrope Wanted-Comic, das sagt aber natürlich noch nicht viel über das Endergebnis aus.

Menschenfreundlich wird es jedenfalls womöglich nicht zugehen, und dieser Trailer – solche Werbeeinblendungen sind jedenfalls kein Schwerpunkt dieses Blogs, und das soll gerne soll bleiben – fällt in den engeren Aufgabenbereichs dieser Aufzeichnungen, wie ihr Titel schon anzeigen soll.

Deshalb without further ado, hier der frisch erschienene Red Band Trailer zu Kick-Ass, der sich ganz der jugendlichen „Hit-Girl“ widmet, dargestellt von Chloe Moretz.

(Hit-Girl tauchte auch schon in einem vor kurzem veröffentlichten Clip zusammen mit ihrem Filmvater Nicholas Cage auf; und hier gibt es einen weiteren Trailer zum Film.)

(via)

Schreiben am hypothetischen Drehbuch

Gerade habe ich, mit ein wenig geographisch bedingter Verspätung (hier geht die Sonne später unter, oder etwas Ähnliches) den Polizeiruf von vergangenem Sonntag gesehen, „Klick gemacht“.

Ich äußere mich hier selten zum Tatort oder Polizeiruf, obwohl ich ein einigermaßen gläubiger Zuschauer bin, mit Lieblingskommissar_innen und all diesen Macken, aber ohne großes historisches Interesse über die Gegenwart hinaus zurück. Soweit reicht es dann doch nicht, aber ich verzeihe viele Fehler, und Taubers letzter Fall wartet hier auf der Festplatte noch darauf, daß ich den Mumm für diesen Abschied zusammenbekomme.

Jörg Hube hat nur diesen einen Polizeiruf drehen können, seine Figur war aber offenbar, das macht die Dramaturgie deutlich, wirklich auf Dauer angelegt: Mit jüngerer Freundin, Macken und Marotten. Gleichzeitig war gerade die Beziehung zwischen seinem Kommissar und der für die Zukunft wohl als seine Kollegin vorgesehenen Bundeswehrhauptmannsfrau durchaus problematisch gefaßt.

Während Hubes Papen schon fast zu viel väterlich-sanfte Weisheit mit sich herumschleppte, Pazifismus und wenig originelle Bundeswehrkritik stets griffbereit, ließ das Drehbuch Stappenbecks Ulrike Steiger als verklemmte Gläubige mit Vaterkomplex erscheinen – prompt wendet sie sich am Ende vom einen Vater ab und dem anderen (Papen) zu.

Es hätte mich doch sehr interessiert, wie die Beziehung der beiden sich in den weiteren Folgen hätte entwickeln können; vor allem hätte Papen ein paar schwierige Seiten dringend nötig gebraucht, um als glaubhafte Figur auf Dauer Bestand haben zu können. Hube hätte das sicher gekonnt.

Destruktionsporno!

(Spoiler voraus. Der größte Teil davon, wie beim Eisberg, unter der Oberfläche.)

2012_kalifornien

Unter Weltzerstörung, zumindest drohender, macht Roland Emmerich es ja scheinbar nicht mehr. Das stimmt natürlich nur für die sichtbarsten seiner Filme, The Day After Tomorrow, Godzilla und natürlich Independence Day, und wahrscheinlich ist es gut, daß er für seine Blockbuster so viel Aufwand betreibt: Es dauert immer eine Weile, bis der nächste Destruktionsporno fertig ist, sonst ginge die Welt noch öfter unter.

Das endgültige Finale steht uns nun also angeblich für 2012 bevor, und auch wenn am Schluß scheinbar alles nicht so schlimm war – Dude, die Erdkruste mag sich zwar lösen und verschieben, aber schon nach einem Monat Weltuntergang ist auch das wieder vorbei, der Himmel ist blau und die See ruhig -, ist 2012 vielleicht doch der furchtbarste Zerstörungs-Emmerich bisher, vor allem ist er auf bisher kaum im Kino sichtbare Art eines: anmaßend.

Denn natürlich spielt jeder Filmemacher, jede Filmemacherin immer damit, eine Welt neu zu erschaffen, aber nur wenige gehen dabei so kālī-mäßig allzerstörend und neufassend vor wie Roland mit dem schwer durchdringenden deutschen Akzent. (Immerhin ist er ironisch genug, einen Schwarzenegger kaum ähnlich sehenden kalifornischen Gouverneur im Film nicht weniger hart österreichisch klingen zu lassen.) Destruktionsporno! weiterlesen

Webthriller: Girl Number 9

Ach, die Briten. Immer wieder kommen sie mit hübschen Neuauflagen eigentlich ziemlich klassischer Genrekonstruktionen. James Moran, der das Drehbuch für Severance (2006) geschrieben hat und sonst viel fürs Fernsehen arbeitet, hat jetzt eine Entführungsstory entlang ähnlicher Linien wie Untraceable (2008) geschrieben und mit Dan Turner inszeniert – in sechs kurzen, meist unter fünf Minuten dauernden Episoden fürs Netz.

Girl Number 9 ist inszenatorisch recht gut ans Medium Webvideo angepaßt – die zentralen Figuren und Objekte werden groß ins Bild gerückt, so daß man die passend kurzen Episoden wahrscheinlich auch auf dem Handy noch ganz gut ansehen kann. Allenfalls wird das Bild gelegentlich etwas dunkel, wenn das sonst gelungene Spiel mit Licht und Schatten etwas zu sehr in Richtung düsterer, schlecht beleuchteter Szenen changiert – Saw dürfte da Pate gestanden haben.

Und ohne daß Details zu sehen sind, geht es auch hier unterschwellig brutal zu. Das passiert zwar Offscreen (nicht auszuschließen, daß die geplante DVD hier mehr zeigen will), ist aber durch die angedeutete Gewalt schon erschreckend genug. Die dritte Episode hält für die Mitte einen fiesen Twist parat, der Spannungsbogen ist mehr als überzeugend. Das Ganze passiert zudem annähernd in realer Zeit – das ist zwar nicht so konsequent umgesetzt wie etwa in 24, wird aber durch die Kürze der Serie, insgesamt nicht einmal eine halbe Stunde, auf die Spitze getrieben.

Girl Number 9 ist in allen sechs Teilen, mit Gareth David-Lloyd und Tracy-Ann Oberman als Polizisten sowie Joe Absolom als Entführer, noch bis Ende November auf der Website canyousaveher.com zu sehen. (via)

Hier gibt es den Trailer:

Und hier schon einmal die erste Episode: Webthriller: Girl Number 9 weiterlesen

Jennifer’s Body (2009)

Update 13.11.2009: Dieses sehr lesenswerte Portrait von Megan Fox, das zugleich eingehende Analyse ihrer star persona ist (und ihrer eigenen Rolle in der Herstellung derselben) läßt meine letzten paar Absätze unten durchaus noch ein bißchen weiter ausgreifend schillern. Unbedingt empfehlenswert.

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Ich habe mich schon einigermaßen ausführlich auf critic.de zu Jennifer’s Body geäußert, für den ich nach wie vor und auch nach längerem Nachdenken sehr gemischte Gefühle hege.

Ein paar Gedanken und Anmerkungen habe ich, vor allem aus Gründen der Textökonomie, für den Text weggelassen, darauf möchte ich hier noch kurz eingehen. (In der Kritik stehen alle Basisinformationen, auf die ich mich z.T. beziehen werde, die eine oder der andere wird die also vorher lesen wollen… ;-) )

Ein Nebenaspekt, der mir ganz gut gefallen hat, ist die Auseinandersetzung mit dem Post-9/11-Gedenkkitsch, die hier zunächst frontal thematisiert wird und später in der Art und Weise aufgeht, mit der die Menschen von Devil’s Kettle (den gleichnamigen Wasserfall, der im Film eine Rolle spielt, gibt es übrigens tatsächlich) das Gedenken an die Toten des Feuers in der Bar und an die ermordeten jungen Männer praktizieren.

Es beginnt mit einem 9/11-Cocktail, den Jennifer den Bandmitgliedern von „Low Shoulder“ anbietet – in den amerikanischen Nationalfarben Blau, Weiß und Rot, aber man muß schnell trinken, bevor sich die Farben zu einer braunen Suppe vermischen. Das geht dann weiter damit, daß das Gedenken an das Leiden anderer explizit zur Gemeinschaftsbildung dienen soll – inklusive „inoffizieller Hymne“, natürlich von „Low Shoulder“.

Die Art und Weise, wie der Cocktail präsentiert wird, manifestiert die distanzierte Haltung des Films zu solchen Mechanismen, und die Fortsetzung dieses Themenstrangs durch den ganzen Film ist deshalb sicher kein Zufall. Möglicherweise habe ich dabei noch einige Stellen übersehen, an der sich der Film kritisch auf Konzepte wie Nation oder Gemeinschaft bezieht – für entsprechende Hinweise wäre ich sehr dankbar.

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Genevieve/ScarletScribe hat ausführlich argumentiert, warum sie Jennifer’s Body für einen feministischen Film hält; ich bin allerdings noch nicht vollständig von den Argumenten überzeugt.

Natürlich trifft es zu, daß es hier zwei weibliche Hauptpersonen gibt, die nicht nur ausführlich miteinander reden, sondern die auch Interessen haben und miteinander Teilen, die nichts mit Männern zu tun haben – der Film erfüllt also in doppelter Hinsicht den Bechdel-Test, einen möglichen Indikator für Sexismus im Film. (Daß die beiden dennoch an Männern interessiert sind, wenn auch mit unterschiedlichen Motiven – Liebe, Nahrungsaufnahme – spielt dabei keine Rolle.)

Aber genügt es schon, daß ein Film nicht sexistisch ist, um ihn feministisch zu nennen? Es gibt wahrlich nicht genug Filme, die starke Frauen so in den Vordergrund rücken und bei denen auch noch Regie und Drehbuch in Frauenhand liegen, alles heftige Desiderata, aber eine explizit oder implizit politische Position des Films erscheint mir für eine solche Einordnung doch wichtig. Oder sind wir feministisch schon so ausgehungert, daß ein nicht-sexistischer Film gleich als politisches Statement gelten muß?

Oder versteckt sich hier ein politischer Film, und ich habe es nur nicht so genau bemerkt? Ich lasse mich da gerne auf Details oder große Linien aufmerksam machen.

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Stark finde ich an Jennifer’s Body die Art und Weise, wie der Film und Megan Fox mit Fox‘ star persona spielen, denn natürlich ist sie für diese Rolle nahezu perfekt besetzt, gilt sie doch als „Sexbombe“ mit großer Klappe und wenig Hirnschmalz. (Daß sie ihre Rolle nicht mit etwas mehr Tiefe auszustatten weiß und vielleicht wirklich keine besonders talentierte Schauspielerin ist, ist eine andere Sache.)

Hier liegt, glaube ich, auch ein Punkt in dem sich Genevieve in ihrem oben verlinkten Text irrt: Denn natürlich kann man Fox‘ Jennifer dafür kritisieren, daß sie sich selbst als Sexualobjekt wahrnimmt und so wahrgenommen werden will. Allerdings ist sich Jennifer zugleich sehr darüber bewußt, daß sie aus der Umsetzung dieser Haltung heraus etwas erlangt, was man wohl, mit etwas begrifflicher Toleranz, als agency bezeichnen könnte: Aus der Rolle als Sexualobjekt gewinnt sie (schließlich auch noch verstärkt durch ihre Dämonenkräfte) eine Machtposition, die sie zu eigenem Handeln ermächtigt. Ihr Körper ist dabei das Mittel ihrer Wahl.

Daß sie sich dabei gleichzeitig in Abhängigkeit von Anderen, von gesellschaftlichen Schönheitskonventionen etc. begibt und nur innerhalb dieser Kontexte existieren kann, ist davon unbenommen; so einfach sind diese Machtzuweisungen nicht, daß man ohne solches auskäme.

Der Film fällt im übrigen nicht in die Falle, Jennifer nur aus diesen Machtstrukturen heraus ernst zu nehmen; dem entzieht er sich, indem er vor allem Needys Perspektive einnimmt.

Nicht zuletzt deshalb richtet sich der Film womöglich wirklich zunächst an Frauen; bzw. an Menschen, die an Freundschaften zwischen Frauen interessiert sind. Insofern liegt das Marketing für den Film, wie mir scheint, weltweit völlig daneben, wenn es sich immerzu auf Jennifer in sexuell anzüglichen Posen konzentriert; selbst das Werbematerial des deutschen Verleihs gibt kaum Bilder her, in dem Jennifer und Needy gemeinsam zu sehen sind.

Fotos: 20th Century Fox

In Kürze: Whiteout, The Tournament, Get Smart

Ich habe ja auch nicht immer Zeit, Gelegenheit oder Interesse, etwas Längeres zu schreiben…

Whiteout (2009)

Diese Comicverfilmung ist insgesamt wenig aufregend, mitreißend oder auch nur bemerkenswert, obwohl man vielleicht aus der Idee – der erste Mordfall in der Antarktis! – noch etwas mehr hätte machen können. Wirklich schön ist eine Kampfszene mitten in einem winterlichen Antarktisschneesturm. Ohne allzu großes Aufhebens wurde vorher eingeführt, daß man sich auf der Forschungsstation bei schlechtem Wetter nur von einem Gebäude zum anderen fortbewegen darf, wenn man sich vorher an einer der über das Gelände gespannten Sicherheitsleinen eingeklinkt hat, weil man sonst bei Sturm schnell vom Weg abkommt, wo man („Whiteout„) außer Schnee nichts mehr sieht.

Für einen Kampf mit Pistolen und dann schließlich Fäusten, Füßen und Eispickeln führt das zu inszenatorisch durchaus interessanten Einschränkungen, auch wenn Dominic Sena daraus womöglich noch mehr hätte machen können. Warum sich Ms Beckinsale zu Anfang des Films allerdings fast ganz ausziehen muß, ist mir allerdings nicht so ganz klar. (Natürlich, eine warme Dusche hat man immer gern in der Antarktis, und ihre Verletzlichkeit und so – aber ehrlich, das ist nur Schaulustbefriedigungswillen. Oder sagen wir: Sexismus?)

The Tournament (2009)

Schon die Handlungsprämisse von The Tournament hat mehr Löcher in ihrer logischen Struktur als ein durchschnittliches Opfer des titelgebenden Wettbewerbs in seinem Körper, aber ohne suspension of disbelief kommt man durch diesen Film sowieso nur kopfschüttelnd hindurch, oder man mag ihn gar nicht erst ansehen. Warum sollten sich dreißig hochbezahlte Auftragsmörder schon auf einen Wettbewerb einlassen, bei dem sie von ihresgleichen gejagt werden, und nur der Sieger überlebt und bekommt mickrige zehn Millionen Dollar? Nunja.

Auch sonst darf man nicht allzu großes Interesse an Logik und Sinn mitbringen, dafür ist The Tournament nicht so bemüht-komisch (und damit unwitzig) wie Smokin‘ Aces (meine Kritik), mit dem der Film sonst eine ganze Menge gemein hat – etwa die Ansammlung schlechtgelaunter Auftragskiller-Typen. Eher ist es selbstbewußtes, mit ernster Miene Schrott versprühendes Trashkino à la Doomsday (meine Kritik), und das ist ja zunächst gar nicht unbedingt etwas Schlechtes.

Get Smart (2008)

Eine ganz unterhaltsame James-Bond- und Agenten-Parodie ist das, sicherlich nicht brillant, aber allemal witziger als der gerade-so-okaye Johnny English. Ich kenne freilich die Originalserie nicht, die, wie mir zuverlässige Quellen berichten, noch um Längen besser sei.

Gut gefallen hat mir dabei vor allem natürlich die Tanzszene (bemerkenswert dazu die Position in Alas, a blog), die jeden Tanz in allen James-Bond-Filmen aufs präziseste persifliert, und der Wettstreit zwischen Maxwell und Agent 99 darum, wer die besseren Gadgets mitgebracht hat. Beides ist allerschönster Agenten-Schwanzvergleich.