My Bloody Valentine (1981)

Der 1981 entstandene Horrorfilm Blutiger Valentinstag (My Bloody Valentine) ist lange nicht so glattpoliert und lange nicht so blutig wie sein alsbald in die Kinos einfallendes Remake, das seine eigentliche (um nicht zu sagen: einzige) Attraktion im Titel trägt: My Blood Valentine 3D. Da schwingt die Spitzhacke aufs Publikum zu, daß es eine allerdings bald langweilige Freude ist. (Meine detaillierte Kritik zu 3D gibt’s bei critic.de.)

Das „Original“ kommt da vergleichsweise – aber wirklich: vergleichsweise – zurückhaltend daher, auch darf man sich in Bezug auf Handlung und Effekte kaum Preziosen erwarten: Dies ist ein leidlich solider, leidlich spannender, aber keineswegs herausragender Slasher. Bemerkenswert ist allerdings der Vorspann des Films, der schon wie ein Teil der Handlung wirkt, aber mit dem Rest des Films in keinem näheren Zusammenhang steht – sieht man einmal davon aus, daß der Mann mit der Maske eine Frau mit einer Spitzhacke ermordet.

Die Szene, über die die Opening Credits zu sehen sind, verspricht allerdings eine sexuelle Verruchtheit, von der später nichts mehr zu sehen ist. Wie das natürlich blonde Opfer den Schlauch des Atemgeräts liebkost, das lockt mit fetischistisch aufgeladener Sexualität, gar mit einem Spiel der Identitäten. Was dann folgt, ist zahlreiches Morden, biedere, nie gefährliche Heterosexualität und kein Hauch von Verruchtheit mehr.

Die Opening Credits gibt’s natürlich bei YouTube zu sehen.

The Inglorious Bastards

Daniel Erk vom Hitlerblog auf taz.de hatte mich vergangene Woche bereits darum gebeten, doch etwas über den Trailer zu Inglourious Basterds zu schreiben, und diesem Wunsch bin ich nun gerne nachgekommen.

Dieser Umstand inspirierte mich, mir vielleicht doch einmal Quel maledetto treno blindato von Enzo G. Castellari anzusehen, der als The Inglorious Bastards zum Namenspatron für Tarantinos neuen Film wurde. Das ist, ich schrieb es drüben im Hitlerblog bereits, totaler Trash: Ein paar wegen diverser Vergehen zu bestrafender amerikanische Soldaten entkommen ihrem Gefangenentransport, wollen sich in die Schweiz durchschlagen und rutschen irgendwie in die Situation hinein, einen deutschen Sonderzug überfallen zu müssen, auf dem der Prototyp eines neuen Sprengkopfes für die V2 transportiert wird.

Der Film läßt sich aber bis etwa zur Mitte Zeit, um einfach nur wilde, planlose Kampfszenen – Schießereien und viele Explosionen – aneinander zu reihen, bevor es zu irgendetwas kommt, was Handlung heißt; dazwischen eine völlig unglaubwürdige Liebesgeschichte und eben nackte Frauen mit Maschinengewehren. Und ein guter Deutscher trägt den Namen Adolf.

Das gesprochene Deutsch ist in der englischen Synchronfassung gewohnt amüsant, und die Franzosen können auch nur bruchstückhaft Englisch („Do you speak English?“ – Franzose: „Yes! Son of a bitch! Fucking Bastard!“).

Wirklich interessant ist eigentlich nur die Schnitt- und Distributionsgeschichte des Films, in der es die fürs Exploitationmetier typischen unzähligen Fassungen unterschiedlicher Länge gibt – bis hin zu einer, die sich an Blaxploitation anlehnt und den einen schwarzen Hauptdarsteller zum Helden des Films macht, wie uns der englische Wikipedia-Eintrag zum Film verrät (falls man ihm Glauben schenken darf):

The American success of the blaxploitation genre led distributors to reedit this film and distribute it as G.I. Bro–in that version, scenes have been cut as to make Fred Williamson the lead character. The tagline on this version was „If you’re a kraut, he’ll take you out!“

Muß man das sehen? Nein, muß man nicht. Es sei denn natürlich, man ist Tarantino-Jünger und muß wirklich alles, alles gesehen haben, was der Meister so in seinem filmischen Universum mit sich herumträgt.

Wanted

Dieser Text ist vor einiger Zeit an anderer Stelle bereits erschienen, soll aber hier zumindest angerissen sein.

Wanted - Szenenbild - Quelle: Universal

Was mich an Timur Bekmambetovs Wanted am meisten irritiert hat und mir im Gedächtnis geblieben ist, ist die ungebremst misanthrope Haltung, die der Film ausstrahlt und die wohl das Erbe ausmacht, das der Film aus seiner Vorlage noch mitgenommen hat.

Denn anders als der Film dreht sich die Wanted-Comicreihe von Mark Millar und J.G. Jones (Infos; wohlfeil in einem Band zu erwerben) keineswegs um eine Bruderschaft von Auftragskillern (Auftraggeber: der Webstuhl des Schicksals, the loom of fate, I kid you not); stattdessen wird der Loser Wesley von der schönen Fox nicht unbedingt freundlich darüber informiert, daß sein Vater Mitglied einer Gruppe richtig widerlicher Bastarde war – und er jetzt an seine Stelle rücken kann. Als solcher erwirbt er nicht nur eine Lizenz, sondern einen Freibrief zum Töten, und nutzt seine neu gewonnenen Möglichkeiten sofort, um alte Feinde aus Schulzeiten ebenso umzubringen wie Mädchen, bei denen er mal abgeblitzt ist. Was er „wirklich will“, so Fox, das solle er lernen, und manchmal sei das eben, jemanden umzubringen.

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(Foto: Universal)

The Dark Knight

Dieser Text ist vor einiger Zeit an anderer Stelle bereits erschienen, soll aber hier zumindest angerissen sein.

The Dark Knight - Szenenfoto (c) Warner Bros.

(für den lieben M., dem ich den Abend, wenn nicht versaut, so doch zumindest zerrissen habe)

Im Grunde muß man über The Dark Knight nicht mehr viel schreiben und sagen, die Kritiken sind jetzt schon so zahlreich und so durchweg positiv, daß man nur bestätigen kann: Ja, ein richtig, richtig guter Film.

Und der beste Superheldenfilm seit Spider-Man, vor allem aber der bessere Spider-Man 3. Dort sollte die Spaltung in Gut und Böse sich ganz innerhalb der Person von Peter Parker und seinem eifersüchtigen, gewalttätigen Alter Ego abspielen. Das führte nicht nur zu einer ziemlich gedrängten Erzählung, in der auch noch zwei Spidey-Gegenspieler ab- und durchgenudelt werden mußten, es war auch insgesamt weniger überzeugend bis lächerlich. Das war umso bedauerlicher, als der erste Spider-Man gerade dort am besten war, wo er sich nur mit der inneren Spannung seiner Hauptperson beschäftigte.

In The Dark Knight sind Gut und Böse nun fein säuberlich getrennt, mit Batman hier und dem Joker dort – „You complete me“ gurrt er einmal, und weiß genau, daß auch Batman nur durch ihn komplett ist. Das trifft den entscheidenden Punkt bestürzend genau: Ohne solche Bösewichter ist Batman eine völlig uninteressante Figur.

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(Foto: Warner Bros.)