Dr. Zyklop (1940)

Man kennt und nennt den Namen von Ernest B. Schoedsack viel zu wenig. Dabei hat der Regisseur mit King Kong und die weiße Frau Filmgeschichte geschrieben und auch danach aber noch sechszehn Jahre lang fleißig Filme gedreht. Im April 1940 startete sein vorletzter Film, Dr. Zyklop, in den amerikanischen Kinos – eine wilde Science-Fiction-Abenteuergeschichte aus dem dunkelsten Peru. Dort stößt ein kleines Team von Wissenschaftlern auf den exzentrischen Dr. Thorkel, der ihre Hilfe benötigt – aber nur für ein kleines Detail seiner eigenen Forschungen. Dass er sie alsbald rüde wieder fortschicken will, weckt das Misstrauen seiner Kollegen – und bald finden sie heraus, dass Thorkel Lebewesen mit radioaktiver Strahlung auf Miniaturgröße verkleinert. Das Drama entwickelt sich von dort aus in relativ vorhersehbarer, genre-typischer Art und Weise; allerdings nicht ohne einen beglückenden, spürbar selbstironischen Unterton. Damit, vor allem aber mit der Qualität seiner Spezialeffekte, die sich problemlos mit den Tricksequenzen aus dem 17 Jahre jüngeren Die unglaubliche Geschichte des Mr. C messen können, ragt Dr. Zyklop aus der Masse ähnlicher Produktionen heraus – und ist seiner Zeit deutlich voraus.

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Dr. Cyclops Official Trailer #1 – Charles Halton Movie (1940) HD

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Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.

Russian Rhapsody (1944)

Im MUBI-Notebook hat David Cairns auf diese kleine Perle hingewiesen, einen jener völlig un-verschämt propagandistisch gegen die Nazis gerichteten Cartoons, derer es in den frühen 1940er Jahren natürlich zahlreiche gab.

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In dem Film, auch als Gremlin from the Kremlin bekannt, spielt Hitler eine prominente Rolle, da er sich selbst als Bomberpilot betätigt, der Moskau in Schutt und Asche legen will. In seiner Ansprache ist alles da, was man von einer Hitlerkarikatur der Zeit erwarten kann: Das Sauerkraut, die Leberwurst – all das natürlich wie aus Chaplins The Great Dictator entliehen, nur hier noch weniger komisch als dort schon im Rückblick je scheinend.

Besonders schön finde ich persönlich, wie aus der Ordnung des Dritten Reichs hier „The New Odor“ wird – man darf sich das ganz wortwörtlich und mit furchtbaren Assoziationen auch als Gestank der neuen Zeit vorstellen.

Am Ende des Films taucht Hitler übrigens nicht, wie von Cairns ursprünglich vermutet, als Stereotyp des bösartigen Asiaten auf, sondern als leicht verzerrte Version von Lew Lehr, worüber man auch in dem Wikipedia-Artikel zum Streifen aufgeklärt wird.

(Das Hitlerblog hatte vor vier Jahren schon einmal auf den Film hingewiesen.)