Catacombs (2007)

Natürlich gibt es tausend gute Gründe, warum man einen Horrorfilm in den Pariser Katakomben spielen lassen könnte, sollte, müßte: Die Enge des Raumes, die labyrinthischen Gänge, von denen in der Tat nicht alle öffentlich zugänglich sind, die zahllosen Gebeine, die zu Phantasien über Tote und Untote fast zwingend einladen. Aber man möchte dann eigentlich schon, daß so ein Film die (eingebildete) Mythologie des Ortes mit ein wenig Respekt behandelt und nicht nur als billigen Hintergrund für wirres Filmemachen.

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In dieser Hinsicht scheitert Catacombs nämlich ziemlich eindeutig. Die Protagonistin Victoria, eine milde psychotisch überverängstigte Shannyn Sossamon, wird schon in den allerersten Szenen mit mit viel zu vielen Sorgen, Problemen und Phobien belastet – die im übrigen nie größere psychologische Tiefe bekommen -, als daß man sich noch wirklich mit ihr beschäftigen wollte. Ihre Schwester Carolyn (gegeben von der von mir eigentlich geschätzten Pink) ist eine ultranervige Partygöre, die ihre Schwester nach Paris eingeladen hat, um sie ein wenig aus ihrem Schneckenhaus zu befreien, aber von der ersten Minute an von deren Ängsten schon wieder total genervt ist.

Nach einer kurzen Phase exzessiven Shoppings geht es dann zu einer Party in die Pariser Katakomben, wo Carolyns Freunde der armen Victoria eine Geschichte davon auftischen, daß angeblich der Sohn des Antichristen hier geboren und aufgezogen worden sei, der seitdem mordend und menschenfressend in den Höhlen hause; und prompt muß sich Victoria, als sie die Party verläßt, vor einem bedrohlichen Fremden in Sicherheit bringen…

Der Film zeigt anfangs also eine Handvoll Partyszenen, aber stroboskopartige Lichteffekte gibt es dann auch später noch, weil sich angeblich Taschenlampen so verhalten, wenn die Batterie nachläßt. Aha. Das Licht reicht jedenfalls immer gerade noch aus, daß man Sossamon sehr, sehr viel dabei zusehen kann, wie sie sehr, sehr ausführlich schreiend oder schwer atmend durch halbdunkle Gänge läuft; wenn die Hektik zunimmt, wackelt die Kamera, oder, wenn’s Adrenalin angeblich pumpt, werden die Schnitte schneller, die Bilder erratischer. Die dann gerne noch blitzartig kurz eingeblendeten Szenen dessen, was sich Victoria so nach den Erzählungen ihrer Schwester vorstellt, sind tricktechnisch wie dramaturgisch stümperhaft ein- und ausgeführt, vor allem aber: unfreiwillig komisch.

Wer nach dieser Beschreibung meint, das womöglich alles schon mal oder gar besser gesehen zu haben, täuscht sich nicht; der Film von Tomm Coker und David Elliot (auch Drehbuch) ist fade Standardware vom feinsten abgelutschten Genrelolli, und obendrein ein stilistisches und ästhetisches Ärgernis. Shannyn Sossamon, die sonst immerhin ein Grund wäre, den Film zu sehen, ist nicht nur im Dauerhalbschatten, sondern darf auch nur schreien und verängstigt gucken.

Vielleicht ist es deshalb kein großes Wunder, daß Coker seitdem filmisch nicht mehr in Erscheinung getreten ist, während Elliot immerhin anschließend mit Stuart Beattie und Paul Lovett das Drehbuch für G.I. Joe: The Rise of Cobra gestrickt hat. Vielleicht brauchten sie jemanden, der schon mal in Paris war und dann auch bei der geographischen Zuordnung keine Hilfe war.

Das Ende ist übrigens halboriginell und wirklich ganz hübsch. Die Qual der Filmsichtung allerdings ist es dann doch nicht wert.

The Eye (2008)

Daß das Auge für den Film ein interessantes Sinnesorgan ist, kommt jetzt wohl nicht besonders überraschend – und natürlich läßt das Kino gerne das Publikum die unheimlichen Wesen zu Gesicht bekommen, die außer ihnen nur die Protagonist_innen wahrnehmen können, oder umgekehrt.

The Eye von David Moreau und Xavier Palud (Ils) wechselt da ständig die Ebenen, mal sieht man die Geister, die Sydney Wells (Jessica Alba) sieht, mal nicht, und das ist natürlich eher triviale Absicht, Mittel der Spannungserzeugung und all das. Sydney selbst versteht erst langsam, was da mit ihr passiert – sie war bis vor kurzem noch blind und kann nun dank einer Organspende wieder sehen. Leider sieht sie nun auf einmal einige Tote herumlaufen (sie versteht das in einer leider völlig unlustig gehaltenen Szene, die mich sehr an Ghost Town erinnerte, als sie durch den Geist einer jüngst Verstorbenen einfach hindurchgeht – was beide Beteiligten ziemlich überrascht) und hat Visionen von sterbenden Menschen, die sie nicht richtig einordnen kann.

The Eye ist das Remake eines Filmes von 2002 der Gebrüder Oxide und Danny Pang, die dann anschließend in Hollywood The Messengers (meine Kritik) ebenso gemacht haben wie das furchtbare Remake ihres eigenen Bangkok Dangerous von 1999. Ich kenne das Original nicht, aber das Remake jedenfalls ist frei von allen echten Gruseligkeiten und Schreckmomenten. Gewiß, ein paar Oha!-Augenblicke mag es schon geben, aber mehr Unheimlichkeit auch in einem ganz basalen Sinne will sich nicht einstellen. Eher gleicht der Film zunehmend einer Schnitzeljagd auf der Suche nach den Ursachen für Sydneys Visionen.

Warum Sydney aber zum Beispiel dank ihrer neuen Augen auch Sachen hört, die andere nicht vernehmen können, läßt der Film natürlich offen – danach zu fragen ist aber vielleicht auch Erbsenzählerei. Um Erklärungen geht es The Eye nie wirklich, aber eben auch nicht um eine dichte, sondern nur möglichst stromlinienförmige Erzählung. Das einzige, was ich dem Film wirklich abgewinnen konnte, war seine unterschwellige Einbindung der diversen Diskurse um Jessica Albas Ethnie – dass sie etwa, wenn sie in den Spiegel sieht, nicht sich selbst sondern das Gesicht einer Mexikanerin sieht -, die Alba ganz offen dann durch ihre Rolle in Machete zum Thema macht.

Trash am Mittwoch: The Steam Experiment (2009)

Val Kilmer hat in seiner Karriere schon in Filmen aller Qualitätsstufen mitgespielt, von dem phantastischen Heat über den sehr guten Kiss Kiss Bang Bang (meine Kritik) und den durchaus mit gemischten Reaktionen aufgenommene MacGruber bis hin zu… ja, The Steam Experiment. Zumindest in meiner persönlichen Kenntnis von Kilmers Arbeiten dürfte dieser Film den absoluten Tiefpunkt darstellen – nicht einmal primär was Kilmer selbst angeht, der hier so ein bißchen eintönig vor sich hin agiert, sondern vor allem, was den Rest des Films betrifft. The Steam Experiment aka Das Chaos-Experiment ist ein durch und durch furchtbarer Film.

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Am Anfang sieht man eine Reihe von scheinbar unverbundenen Szenen vorbeiziehen, in denen nicht gesprochen wird, sondern vor allem Kilmer mit unterschiedlichen Gesichtsausdrucken, aber stets gleichbleibend stillgelegter Mimik, in unterschiedliche Fernen blickt – zwar stellt der Film später immerhin die Verbindung zwischen den verschiedenen Situationen her, als Handlungselement wird dieses Schweigend-in-die-Ferne-blicken allerdings bis ins Letzte ausgereizt. Da der Erkenntnisgewinn, den man aus einem starr und schweigend blickenden Val Kilmer ziehen kann, eher gering ist, breitet sich nach einiger Zeit schon Langeweile aus, wenn Kilmer nur ins Bild kommt (zumal das, was er zu sagen hat, nicht wirklich aufregender ist als seine Art zu schweigen). Und das ist während etwa der Hälfte des Films.

Kilmer spielt hier „Jimmy“, einen etwas seltsam wirkenden Mann, der vorgibt, sechs Menschen in einem Dampfbad eingesperrt zu haben, wo sie bei 55°C langsam aber sicher innerhalb zweier Stunden zu Tode kommen würden (was, am Rande erwähnt, medizinisch nicht besonders zwingend ist), wenn sie sich nicht vorher gegeneinander umbrächten – all dies um zu zeigen, was die globale Erwärmung, deren Auswirkungen er innerhalb der nächsten Jahre erwarte, mit der Menschheit anstellen werde: Uns nämlich zu egoistischen, mörderischen Monstren machen.

Diese ziemlich eigenartige Prämisse wird dadurch nicht eben besser, daß der zuständige Polizist (Armand Assante), der sich nicht ganz sicher ist, ob er Jimmy für verrückt oder für gefährlich halten soll, keine wirklich nennenswerten Anstrengungen zu unternehmen scheint, die angeblichen Opfer ausfindig zu machen – Spannung erzeugt man anders.

Jedenfalls auch nicht mit den Szenen im Dampfbad, die Regisseur Philippe Martinez (sein bemerkenswertester Film sonst ist womöglich Wake of Death mit Jean-Claude Van Damme) grundsätzlich in extrem gelbstichig überstrahlten Bildern zeigt, die zudem auch noch unscharf und verzerrt zu sehen sind, als wolle er die Wahrnehmungsverschiebung des Dampfes auf eine andere Ebene übertragen. Da sitzen also die drei Männer und drei Frauen, die über einen Internet-Dating-Service (das böse Internet schon wieder) in diese Falle geraten sind. Man stellt sich einander kurz vor, alle sind ja Singles auf der Suche, die Männer wollen Sex, die Frauen nicht angegraben werden, man versteht sich also von Anfang an nicht … aber wie schnell es dann brutal zur Sache geht, wie sehr sich alle anschreien, prügeln und hassen, das überzeugt dann doch nicht. Natürlich läßt der Film bis kurz vor Schluß offen, ob sich die Ereignisse im Dampfbad nur in Jimmys Kopf abspielen, und auch der Schluß löst diese Frage nicht wirklich auf – aber es ist auch einfach egal.

Da ist, im Dampfbad wie im Verhörzimmer, keine zwingende Entwicklung, nur Behauptung: Ein bißchen ähnelt der Film darin den Einlassungen seiner Hauptfigur, und womöglich ist das ein Ziel des Films, daß das Chaos, das Durcheinander der Chaostheorie sich in der Struktur der Erzählung wiederfindet. Der Effekt ist freilich nur Langeweile, in etwa also so, als müßte man der ganzen chaotischen Wirkungskette vom Schmetterlingsflügelschlag bis zum Wirbelsturm in Echtzeit zusehen.

Und in diesem Film, wohlgemerkt, gibt es nicht mal eine Wirkungskette. Nur eine Aneinanderreihung schlecht inszenierter Kopfschmerzen. Samt Mord durch Nagelpistole.

Foto: Sunfilm

Monster House (2006)

Vielleicht muß ich ja in die latent kulturkritische Klage einstimmen, daß die Jugend von heute schon so verroht sei, daß man ihr keine Angst mehr machen kann. Oder in das absurde Gejammer von Seiten der FASZ über die angeblich nicht zutreffenden Kennzeichnungen der FSK. Aber eigentlich halte ich das für Blödsinn, und sehe die Eltern (und damit meine ich jetzt, ganz ernst, zu allererst: mich) in der Verantwortung, sich bei Filmen vorher bewußt zu werden, was sie ihren Kindern zugänglich machen wollen und warum.

Und daher würde ich zum Beispiel einem sechsjährigen Kind den ab diesem Alter freigegebenen Film Monster House nicht zeigen – weniger, weil ich glaube, daß der Film seine Entwicklung beeinträchtigen, sondern vielmehr, weil er ihm wahrscheinlich einen ganzen Wurf an ziemlich beeindruckenden Ängsten in den Kopf setzen würde. Denn Monster House, der ostentativ als Kinderfilm positioniert wird, ist vor allem ein Grusel-, wenn nicht gar ein Horrorfilm, auch wenn natürlich nie ein Tropfen Blut fließt. Erst ganz am Schluß, wenn im Abspann alle vermeintlichen Opfer nur mit leichten Kratzern wieder auftauchen, wird dem ganzen Budenzauber ein wenig die Bösartigkeit wieder ausgetrieben, die der Film vorher vor allem visuell mit viel Einsatz hergestellt und gehalten hat.

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Das Nachbarhaus des frisch pubertierenden DJ, so geht die Geschichte, ist offenbar verhext, besessen gar, und als dessen feindseliger Bewohner Mr. Nebbercracker nach einem Unfall wie tot weggebracht wird, verschwinden erste Leute darin. Schließlich machen sich DJ, sein Freund Chowder und die junge Jenny, die dem Tod durch Haushunger nur knapp entronnen ist, daran, den Spuk zu beenden.

Die Animation der Figuren schwankt zwischen recht gelungen (vor allem der genervte Gang von Babysitterin Zee ist überzeugend, und das Haus bewegt und verändert sich auf gar schröckliche Weise – diese Mimik!) und tief im Uncanny Valley der Animation – ein wenig soll das irgendwie, Robert Zemeckis läßt als ausführender Produzent schön grüßen, in Richtung Photorealismus gehen, und das geht gnadenlos schief.

Immerhin ist die Handlung mit ein, zwei Ausnahmen recht straff organisiert, gelegentlich finden sich sogar witzige Stellen („What is your problem?“ – „Ahm. Puberty. I’m having lots of puberty!“) und es bleibt sogar Platz für anderthalb interessante weibliche Figuren (die aber gleichwohl nicht den Raum bekommen, den sie verdienten. Ach, nie endende Klage).

Nachdem der Film seine richtig angstmachenden Momente hinter sich gelassen, den Verdauungstrakt des Hauses thematisiert und das Rätsel um das Gebäude aufgeklärt hat, wandelt sich die Story noch schnell zu einer klassischen Abenteuergeschichte, samt Verfolgungsjagd, Sprengstoff und großen Maschinen. Hinter allem aber lauert ein fast schon an Braindead gemahnendes Konstrukt mit einer übermächtigen Frauenfigur (die zwar als Liebespartnerin beschrieben wird, m.E. ob ihrer Physis aber als Mutterfigur erscheint) ohne Maß. Und diese finde ich, ehrlich gesagt, schon wieder so problematisch und so unterkomplex, daß ich allein wegen ihr diesen Film meinen Kindern nicht zeigen würde. Oder sonst jemandem zur Ansicht empfehlen.

How the Grinch Stole Christmas (2000)

Logo Weihnachtsfilm-Blogathon

Als ersten eigenen Beitrag für den Weihnachtsfilm-Blogathon habe ich mir einen Film ausgesucht, von dem ich mir möglicherweise irgendwann sogar heimlich geschworen hatte, ihn mir nie ansehen zu wollen, nienienie: How the Grinch Stole Christmas von Ron Howard, mit Jim Carrey in der Titelrolle (als Grinch natürlich, nicht als Weihnachtsfest).

Der Grinch ist eine Figur, die hierzulande wohl so wenig bekannt ist wie auch die meisten anderen Schöpfungen von Dr. Seuss/Theodore Seuss Geisel (daß ich z.B. The Cat in the Hat ein bißchen kenne, ist eher Zufall und familiäre Gegebenheiten). Er wohnt in der Nähe von Whoville, wo mit Hingabe Weihnachten gefeiert wird – weil er das aber den Bewohner_innen der Stadt nicht gönnt, spielt er ihnen erst Streiche, um schließlich, als Weihnachtsmann verkleidet, ihnen Weihnachten gleich ganz zu nehmen, indem er alle Geschenke und Weihnachtsbäume mitgehen läßt.

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Grinch beginnt eigentlich noch recht vielversprechend als ziemlich explizite Kritik an einem rein konsumistisch verstandenen Weihnachtsfest: Da kaufen die „Whos“ alle ein wie verrückt, und die entscheidenden Bilder sind: Kassen, Geld, Geschenke. Neben einer Geschichte von Ungerechtigkeit und Außenseitertum (in deren Zentrum natürlich der Grinch selbst steht) ist das aber leider auch alles, was dem Film einfällt: Komplexer wird es nie. Denn am Ende ist die Botschaft, schlicht und schlicht: Bei Weihnachten geht es nicht nur um die Geschenke, sondern um das Miteinander; und in diesem Miteinander soll niemand ausgeschlossen sein, denn jede_r ist wertvoll und wichtig. Schmalziger geht Weihnachten nicht.

Der Weg dahin ist freilich ein bis an den Rand vollgestopfter. Die bösen Streiche und Methoden des Grinch sind durchaus lustig; die Whos bekommen böse Post zum Fest, die Geschenke werden mit einem großen Staubsauger aufgesaugt, die Weihnachtssocken über dem Kamin von rasend schnell fressenden Motten zerkaut. Aber Subtilität kennt der Film nicht, nur Offensichtlichkeiten, und diese türmt er noch aufeinander, bis es aus den Rändern herauszuquellen scheint. Die Bilder sind hier stets zu bunt, zu fröhlich, zu voll, zu laut, zu bumm, und gerade Linien gibt es kaum.

Gleichwohl muß man natürlich eingestehen, daß zumindest die Schlichtheit der Geschichte schon der Vorlage entstammt; dabei handelt es sich aber um ein eher knappes Kinderbuch, dessen filmische Umsetzung im Grunde mit dem 26-minütigen Fernseh-Animationsfilm letztgültig erledigt zu sein schien, den Chuck Jones 1966 verantwortete. (Unten anzusehen.)

Und in der Tat ist die (holzhammerartige) Kapitalismuskritik natürlich eine Neuerung des Howard/Carrey-Unternehmens (das in meiner Wahrnehmung für beide ein Tiefpunkt ihrer respektiven Karrieren war), und sie hat lichte Momente. Etwa wenn der Grinch nicht nur die Geschenke anprangert, sondern die Wegschmeißkultur gleich mit (er wohnt neben der Müllkippe): „That’s what it all is about: gifts, gifts, gifts. They all come to me in my garbage.“ Später wird der Hund, der die Rolle des Rentiers am Schlitten spielen muß, sich weigern, eine rotleuchtende Nase anzuschnallen, und da wird der Grinch fast politisch: „You reject your own nose because it represents the glitter of commercialism!“

Durchaus interessante Ansätze liegen auch in der seltsamen sexuellen Anziehung, die offenbar zwischen dem Grinch und der Dorfschönheit besteht (Furries, anyone?) und den sonstigen, sehr vorsichtigen anzüglichen Andeutungen des Films. Babies kommen hier in beschirmten Körbchen vom Himmel gesegelt, und ein glücklicher, frischer Vater ruft im Moment des Fundes nach seiner Frau: „Honey, our baby is here!“, und nach einer irritierten Pause: „He looks just like your boss.“

Aber Grinch beläßt es trotz seiner 104 Minuten Laufzeit bei solchen Andeutungen von Tiefe, und bis zum (fast) allgemeinen Glück im Finale passiert dann auch nichts mehr – außer eben viel Gebläse, Trara und Geschrei.

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Und hier als Bonustrack Chuck Jones‘ How the Grinch Stole Christmas! von 1966, weniger aufgeregt und näher am Originaltext:

Black Lightning (2009)

Russischer Student – klug, aber ohne viel Geld – wird dank eines fliegenden Autos zum Superhelden: So funktioniert das russische Gegenstück, ach was, dieses eklektische Gemisch aus Transformers (sein Vater schenkt ihm ein Auto, das mehr ist, als man auf den ersten Blick erkennen kann) und Spiderman (der Tod seines Vaters läßt ihn sein eigenes Handeln überdenken und macht ihn zum Superhelden). Der Rest der Story ist im Grunde völlig wurscht (ja, um ein blondes weibliches Wesen geht es natürlich auch noch, das brav und passiv zwischen zwei Männern sich nicht entscheiden kann), zumal der Film so einiges an Motivation vermissen läßt. So steht der Bösewicht in Black Lightning kurz davor, eine enorm effektive Energiequelle in die Finger zu bekommen (nämlich jene, die den schwarzen „Wolga“ antreibt), mit der sich alles mögliche anstellen ließe – aber er will das Ding nur, um damit an die Diamantvorkommen unter der Stadt Moskau herankommen zu können. Bei deren Bergung würde zwar Moskau zerstört werden, und das macht den Mann sicherlich hinreichend bösartig, besonders ambitioniert wirkt das aber nicht. Da hätte ein Schuß der größenwahnsinnigen James-Bond-Fieslinge sicher nicht geschadet.

Ansonsten sieht man sehr, sehr deutlich, daß Timur Bekmambetov hier beteiligt war – die Wächter-Filme scheinen in einigen Szenen deutlich durch (meine Kritiken). Das Ganze ist bis auf wenige Momente sogar sehr familientauglich; bizarr ist allenfalls, daß ein Film, der so überdeutlich amerikanischen Vorbildern nacheifert, doch tatsächlich in den nächsten zwei Jahren ein US-Remake erfahren soll.

Foto: Sitges Film Festival

16ème Étrange: Suck (2009)

Dieser Beitrag gehört zu meiner Berichterstattung über das 16ème L’Étrange Festival in Paris. Der Film war auch auf dem FFF 2010 zu sehen.

Wo wir schon bei Vampirkomödien sind: Suck dürfte in diesem Subgenre zu den etwas interessierter erwarteten Filmen gehört haben, bevor er jetzt auf dem Fantasy Filmfest auch in Deutschland und hier in Paris beim L’Étrange Festival zu sehen war.

Eine kleine kanadische Band, die seit vermutlich ewigen Zeiten herumtouren, ohne je auf einen grünen Zweig zu kommen, werden plötzlich erfolgreich, nachdem zuerst ihre Bassistin und dann auch die männlichen Mitglieder zu Vampiren werden. Allerdings sind nicht alle Beteiligten besonders glücklich mit dieser Entwicklung.

Die Handlung von Suck ist nicht besonders aufregend, zumal sie ohne große Höhepunkte und dramatische Zuspitzungen so dahinerzählt wird. Wenn man so will, ist das die Geschichte, die Jennifer’s Body im Hintergrund nicht (oder jedenfalls nicht so) erzählt (allerdings mit Vampirismus statt Dämonen, dafür auch hier mit einer Jennifer): Wie es der Band ergeht, die den Pakt mit dem Teufel schließt. Suck macht daraus eine schwärzliche Komödie, die man sich vor allem deshalb gerne ansehen mag, weil sie bei kurzer Filmzeit flott erzählt ist und durch reichliche Musikbeigaben sehr palatabel.

Die Musik kommt nicht nur von der Film-Band The Winners, sondern auch von zahlreichen Größen des Rockgeschäfts, die Autor/Regisseur/Hauptdarsteller Rob Stefaniuk irgendwie davon überzeugen konnte, hier mitzuspielen: Moby, Alice Cooper, Iggy Pop… und Malcolm McDowell spielt „Eddie Van Helsing“, einen einäugigen, versoffenen Vampirjäger, was ihm offenbar große Freude bereitet. Mit Lust spielt auch Dmitri Coats den Vampir Queeny, der den Stein ins Rollen bringt; er wirkt dabei stets wie Johnny Depps Mad Hatter aus Speed.

Ansonsten verbringt Stefaniuk viel Zeit damit, seine Hauptdarstellerin Jessica Paré als Vampirin ins rechte Licht (gerne überstrahlt) zu setzen und verführerisch auf die Leinwand zu bringen. In welcher Konsequenz er das betreibt, ist schon fast wieder amüsant für sich. Suck ist ein grundsympathischer Film, der über seine Schau- und Hörwerte ganze anderthalb Stunden lang trägt. Dann ist Schluß, und dann ist auch gut.

Foto: Fantasy Filmfest

FFF 2010: Harry Brown (2009)

Alle Beiträge zu Filmen, die auf dem Fantasy Filmfest (FFF) 2010 zu sehen sein werden, finden sich unter dem Schlagwort FFF2010

Schon allein der Name des Hauptdarstellers ist vermutlich für viele Leute Grund genug, sich diesen Film anzusehen, aber Michael Caine ist nicht nicht das einzig sehenswerte an Harry Brown. Harry (Caine) lebt in einer englischen Sozialsiedlung, mit der es langsam bergab geht. Nach dem Tod seiner Frau bleibt dem Rentner nur noch sein bester Freund Leonard (David Bradley), der sich von einer Jugendgang bedroht fühlt. Als Leonard getötet wird, verzweifelt der hochdekorierte Exsoldat und sinnt schließlich auf Rache.

Der Vergleich mit Gran Torino, den auch das Pressematerial des FFF bemüht, ist natürlich in der Tat nicht von der Hand zu weisen – nicht nur wegen der Ähnlichkeiten der Handlung, der möglicherweise bewußten Anspielung auf Clint Eastwoods „Dirty Harry“ im Namen der Hauptfigur und den Parallelen zwischen den Star Personas von Eastwood und Caine, die man konstruieren könnte.

Aber Harry Brown ist ein sehr eigenständiger Film, der sich vordergründig auch für so etwas wie Sozialrealismus und das wirkliche Leben in den fiesen Vorstädten interessiert – samt einer Ermittlung der Polizei, die von Vorgesetzten hintertrieben und abgebrochen wird. Auch diese, und das gehört zu den Stärken des Films, sind nicht böse und nicht einmal besonders arrogant oder ahnungslos – sie haben einfach eine andere Perspektive, aus der sie anderes übersehen als die Beamt_innen (Emily Mortimer, Charlie Creed-Miles) vor Ort.

Es sind solche Unwuchten im Getriebe der staatlichen Systeme, könnte man da meinen, die einen kleinen, betroffenen Rächer wie Harry geradezu zwingend hervorbringen müssen, womöglich gar erforderlich machen. Aber Harry Brown weigert sich beharrlich, daraus Heroismus oder auch nur: eine Lösung zu konstruieren. Viel mehr interessiert er sich für seine Hauptfigur – für Harrys Verzweiflung, seine rasch wiedergefundene Routine im Töten (die ihrerseits im Film nur en passant thematisierte politische und historische Bedeutungsebenen mitbringt) und das Schillern von Harrys Entscheidungen zwischen der Ausweglosigkeit und der Alternativlosigkeit von Gewalt.

In Harry Brown geht es nicht um wer oder was oder ob, das Wie ist entscheidend. Regisseur Daniel Barber paßt seinen Film dem Tempo der Hauptfigur an, alles geht geradezu gemählich, mit manchmal schleppendem Atem vorwärts (und ist doch keine Minute langweilig). Einzig die Entscheidung Harrys, doch wieder zu Gewalt zu greifen, obwohl er ihr vor langer Zeit abgeschworen hatte, scheint zu schnell zu fallen – ansonsten gelingt es Caine, seine Figur mit Zögern, Verzweiflung und Entschlossenheit zu füllen, bis hin zum blutigen Ende.

Foto: Fantasy Filmfest

FFF 2010: The Reeds (2009)

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Ich finde es an sich ja immer schön, wenn ein Horrorfilm seinen Handlungsort nicht nur für Effekte zu nutzen, sondern in die Dramaturgie zu integrieren weiß; wenn dieser also entweder bedeutungstragend wird wie die Wüste in Djinns aka Stranded (Kritik folgt) oder aber seine spezielle Ausformung für die Entwicklung der Handlung wichtig wird.

In dieser Hinsicht macht The Reeds anfangs durchaus Hoffnung; denn die britischen Twens um Laura (Anna Brewster, die hier einer jüngeren Milla Jovovich manchmal sehr ähnlich sieht), die sich für ein schönes Wochenende (natürlich ohne sich mit Navigation oder Schifffahrt oder dergleichen irgendwie auszukennen) in eine Schilflandschaft aufmachen, gehen zwischendurch ganz gehörig in der gleichförmig wogenden Ebene verloren. Zuerst gemeinsam, dann mehr und mehr einzeln, von der Hybris getragen, man werde den Weg zurück schon finden.

Leider fällt dem Film darüber hinaus nichts so richtig Aufregendes ein. Am Anfang stapeln sich die dräuenden Andeutungen, sind da seltsam schweigsame Jugendliche, die offenbar blutige Rituale durchführen, stapft ein finsterer und tief verhüllter Jäger durchs Schilf – dann explodiert die Story sehr schnell in Wahnvorstellungen, Visionen und Katastrophen, bei denen der Plumpsack schwerster Verletzungen nacheinander bei allen Protagonisten mal landet. Kaum ist einer verstorben, hat schon der Nächste eine tiefe Bauchwunde.

Gerade wenn man denkt, jetzt sei aber Zeit für ein großes Finale, hat der Film allenfalls mal 40 Minuten hinter sich gebracht; dann ziehen sich die nächsten zwanzig Minuten etwas leer hin wie geschmacksfrei gewordenes Kaugummi, bevor der Film in ruhigere Wasser umschwenkt, in denen er versucht, Sinn in das vorher Gesehene hineinzuerklären. Da wirkt also der Spannungsbogen etwas ausgeleiert, und nachdem die Geschichte eine recht bemühte und nicht besonders originelle Aufklärung gefunden hat, gibt es noch eine abschließende Pointe, wie sie fürs aktuelle Horrorkino derzeit nur zu gewöhnlich ist.

Foto: Fantasy Filmfest

FFF 2010: Solomon Kane (2009)

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So ganz persönlich bin ich ja etwas gesättigt von männlichen Rächerfiguren und/oder Kämpfern, die durch verschneite, schlammige Landschaften mit Krüppelbäumen reiten, rennen oder kriechen, da gibt es in letzter Zeit eine gewisse Häufung mit Jonah Hex, Valhalla Rising oder Centurion. Und eben auch Solomon Kane, einem Film, der – so man der Wikipedia glauben mag – die Herkunftsgeschichte erzählen möchte zu einer Figur, die die Welt in den 1920er Jahren in einer guten Handvoll Pulpgeschichten betrat.

Robert E. Howard ist vermutlich heute den wenigsten Menschen ein Begriff, aber neben der Figur Solomon Kane entstammt seinem Hirn auch Conan, der den popkulturellen Bildungskanon natürlich in der Gestalt von Arnold Schwarzenegger bewohnt. Kane läuft nicht halbnackt herum, sondern sehr angezogen in einem sehr feuchten England des frühen 17. Jahrhunderts. Hier spielt ihn James Purefoy; in Howards Geschichten ist er der Kämpfer fürs Gute und Seelenheil, im Film muß das erst einmal hergeleitet werden.

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Kane ist Freibeuter, fröhlicher Mörder und Krieger, als ihm die Begegnung mit einem Dämon deutlich macht, daß nur völlige Friedfertigkeit seine Seele noch vor dem Teufel zu retten vermag. Er zieht sich in ein Kloster zurück, wird dort aber weggeschickt, weil sein Schicksal, so ist es einem Priester im Traum erschienen, wohl anderswo sich erfüllen werde. Dann stößt er auf eine gläubige puritanische Familie, die in die Neue Welt auswandern will, aber kaum fühlt er sich bei ihnen aufgenommen, werden bis auf Mutter und Tochter (blond, vague romantic interest) alle von den Schergen des Schwarzen Magiers Malachi ermordet. Deren Anführer, ein geheimnisvoller Mann mit Maske, entführt die blonde Meredith (Rachel Hurd-Wood), Kane schwört, sie zu befreien, nachdem ihr Vater ihm die Rettung seiner Seele dafür in Aussicht stellt, und so nehmen die Dinge ihren Lauf.

Und weil eine solche Originstory noch eine Originstory braucht, erfahren wir in Traumrückblicken noch, daß Kane Sohn eines Fürsten aus dieser Gegend in England ist, der den väterlichen Hof verließ und den bösen älteren Bruder versehentlich von einer Klippe schmiß, als dieser versuchte, ein Mädchen zu vergewaltigen.

Es bedarf nur geringer Phantasie, um zu erraten, um wen es sich bei dem Mann mit der Maske handeln könnte.

Solomon Kane ist ein schwer stimmungsvoller Film, bei dem reichlich Schwerter gewetzt und genutzt werden, Blut fliegt schwarz gegen Kameraobjektive, und die Schwermut wird nur mühsam von ein paar brennenden Fackeln im Zaum gehalten. Leider ist das alles weder inhaltlich besonders originell noch aufregend inszeniert: Man sieht das beherrschte Handwerk, man langweilt sich nicht, aber man vergißt das alles anschließend auch wieder recht bald.

An den Stellen, an denen es interessant werden könnte, weicht der Film dann auch ganz schnell aus: Vage angedeutete Konflikte zwischen „heidnischer“ Magie und christlichem Glauben etwa sind Gegenstand kurzer Wortwechsel, aber keiner näheren Betrachtung. Mit Dämonen, schwarzer Magie und dem Teufel wird gleichwohl reichlich hantiert, und der Film wird spätestens dann religiös unangenehm, wenn er Kane, der einmal mit Schwert zu Füßen eines ebenso bewaffneten streitbaren Engels (aus Stein, auf einem Friedhof) niederkniet, mehr und mehr zur Christusfigur mit Schwert stilisiert.

Einmal wird er richtig gekreuzigt (ein zweites Mal, am Schluß, bleibt immerhin noch die Pose), und danach bleiben ihm die Wundmale in den Händen. Sollte es die wohl ursprünglich geplanten zwei Fortsetzungen geben, fürchte ich, daß sie auch noch zu bluten beginnen werden.

Foto: Fantasy Filmfest