Listenweise Filmjahre

Nahezu jede Bestenliste, jede Empfehlungsliste oder, o Graus!, jeder Filmkanon in Listenform beginnt, so man sich auf dem Gebiet des sich als anspruchsvoll wahrnehmenden Filmjournalismus oder auch nur -schreibens bewegt, mit einem Dementi: Eine solche Liste sei ja immerzu unvollständig, subjektiv, nicht abschließend, also mangelbehaftet und eigentlich, wenn nicht Teufelszeug, so doch überflüssig.

Aber wenn sie erscheinen, die Listen der Sight and Sound oder Steady Cam, liest man sich doch interessiert durch die Meinung der anderen.

Schreibt also Sascha zu Beginn und Einführung seiner Listenreihe bei critic.de, wo er also nun aus den Jahren 2000 bis 2009, jeweils mit einigen Tagen Abstand, seine persönlichen (und gewollt subjektiven) besten Filme des jeweiligen Jahres vorstellen wird und zugleich das Publikum (uns, mich, Dich) zur Abstimmung einlädt.

Und weil critic.de mein Leib-, Magen- und Hausblatt ist (ich bin, um das zu explizieren, Autor und Mitglied der Redaktion), lade ich ebenfalls. Zu den Jahren 2000 und 2001 gibt es bereits Saschas Listen, weitere folgen. Der Newsletter hält auch über diese Aktion auf dem Laufenden.

Auch Peter hat sich die Mühe gemacht, jahreweise Lieblingsfilme, die „Filme seines Lebens“, auszusuchen.

Anfangen möchte ich mit meinem Geburtsjahr, von dem ich weiter in die Gegenwart bewege. Und nach Zusammenstellen der Top 10 muss ich feststellen, daß ich einen guten Jahrgang als Start gewählt habe.

In seiner Reihe sind bisher die Jahre 1973 und 1974 schon online und natürlich auch kommentierbar und dürfen sicher gerne durch eigene Favoriten ergänzt werden.

The Inglorious Bastards

Daniel Erk vom Hitlerblog auf taz.de hatte mich vergangene Woche bereits darum gebeten, doch etwas über den Trailer zu Inglourious Basterds zu schreiben, und diesem Wunsch bin ich nun gerne nachgekommen.

Dieser Umstand inspirierte mich, mir vielleicht doch einmal Quel maledetto treno blindato von Enzo G. Castellari anzusehen, der als The Inglorious Bastards zum Namenspatron für Tarantinos neuen Film wurde. Das ist, ich schrieb es drüben im Hitlerblog bereits, totaler Trash: Ein paar wegen diverser Vergehen zu bestrafender amerikanische Soldaten entkommen ihrem Gefangenentransport, wollen sich in die Schweiz durchschlagen und rutschen irgendwie in die Situation hinein, einen deutschen Sonderzug überfallen zu müssen, auf dem der Prototyp eines neuen Sprengkopfes für die V2 transportiert wird.

Der Film läßt sich aber bis etwa zur Mitte Zeit, um einfach nur wilde, planlose Kampfszenen – Schießereien und viele Explosionen – aneinander zu reihen, bevor es zu irgendetwas kommt, was Handlung heißt; dazwischen eine völlig unglaubwürdige Liebesgeschichte und eben nackte Frauen mit Maschinengewehren. Und ein guter Deutscher trägt den Namen Adolf.

Das gesprochene Deutsch ist in der englischen Synchronfassung gewohnt amüsant, und die Franzosen können auch nur bruchstückhaft Englisch („Do you speak English?“ – Franzose: „Yes! Son of a bitch! Fucking Bastard!“).

Wirklich interessant ist eigentlich nur die Schnitt- und Distributionsgeschichte des Films, in der es die fürs Exploitationmetier typischen unzähligen Fassungen unterschiedlicher Länge gibt – bis hin zu einer, die sich an Blaxploitation anlehnt und den einen schwarzen Hauptdarsteller zum Helden des Films macht, wie uns der englische Wikipedia-Eintrag zum Film verrät (falls man ihm Glauben schenken darf):

The American success of the blaxploitation genre led distributors to reedit this film and distribute it as G.I. Bro–in that version, scenes have been cut as to make Fred Williamson the lead character. The tagline on this version was „If you’re a kraut, he’ll take you out!“

Muß man das sehen? Nein, muß man nicht. Es sei denn natürlich, man ist Tarantino-Jünger und muß wirklich alles, alles gesehen haben, was der Meister so in seinem filmischen Universum mit sich herumträgt.