Red Sparrow (2018)

Dominika Egorova war bis zu einem Unfall auf der Bühne Primaballerina, dann rekrutiert sie ihr Onkel für die „Sparrows“, eine Einheit russischer Agentinnen und Agenten, deren Job es ist, die menschlichen – nicht zuletzt sexuellen – Schwächen anderer zu finden und auszunutzen. Das Training ist brutal, und Dominika (gespielt von Jennifer Lawrence) macht das alles andere als freiwillig. Sie wird auf einen amerikanischen Agenten angesetzt und soll von ihm den Namen eines Maulwurfs im russischen Geheimdienst herausfinden. Wie es sich für Spionage gehört, geht aber einiges schief, jede verrät jeden, und blutig wird es außerdem. Sehr blutig, stellenweise. Regisseur Francis Lawrence (mit der Hauptdarstellerin nicht verwandt) tunkt das Russland der Gegenwart in bedrückende Braun- und unterkühlte Blautöne, und führt in langen, viel zu langen Bewegungen durch die im Roman von Jason Matthews angelegten Verschwörungen. Das wirkt stellenweise übermäßig kompliziert und langatmig, hat aber vor allem weder die stilistische noch die intellektuelle Klarheit von einem Kammerspiel wie Dame König As Spion, und natürlich nicht die Energie von Atomic Blonde. Das kann auch der hochkarätige Cast – neben Lawrence sind Charlotte Rampling, Joel Edgerton und Jeremy Irons dabei – leider nicht retten.

Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.

VANish (2015)

Man kennt das Setup: Ein paar Amateure planen eine Entführung, aber das Opfer ist so einige Nummern zu groß für sie – und das rächt sich früher oder später ganz gewaltig. Oder eben nicht. VANish steigt, nach einem kurzen Prolog, dessen Bedeutung erst später klar wird, genau damit ein: Zwei Männer entführen eine junge Frau, ein neugieriger Nachbar kommt dazu. Schüsse fallen. Als der dritte Freund hinzukommt und das Entführungsopfer ihre Gesichter sieht, ist schon eine ganze Menge schief gelaufen, und es wird anschließend nicht besser. Vor allem aber will ihr Entführungsopfer sich so gar nicht passiv und friedlich verhalten; nachdem sich der erste Staub gelegt hat, fragt sie ziemlich direkt, warum die Jungs nicht das doppelte verlangt hätten? Allerdings geht es natürlich gar nicht wirklich ums Geld…

Man sieht dem Film seine etwas hemdsärmelige Entstehung, sein nicht eben riesiges Budget schon an; aber Regisseur, Autor und Produzent (und auch noch Darsteller) Bryan Bockbrader macht in seinem Debütfilm mit dem, was er aufbieten kann, eine eigentlich recht ordentliche Figur – so richtig merkt man erst in den etwas splattrigen Gewaltszenen des Finales, dass da noch der letzte Schliff fehlt. Bis dahin aber geht die Handlung recht ordentlich voran, auch wenn der letzte, besondere Glanz fehlt; aber der Film ist solide genug, dass sich Bockbrader – der vorher nur zum Kurzfilm Maniac Cop das Drehbuch schrieb – zur Ergänzung seines weitgehend noch unbekannten Casts auch Gastauftritte zweier Genre-Veteranen sichern konnte. Danny Trejo ist kurz (und wortkarg wie immer) im Finale zu sehen, während Tony Todd einen schönen Auftritt als passiv-aggressiver Provinzpolizist hat.

Beschränkung ist in jeder Hinsicht die Stärke des Films: In hageren 80 Minuten legt die Entführergruppe nach und nach ihre Freundschaftsbande ab, und auch wenn der zentrale Twist nicht so richtig überraschend kommt: Es macht Freude, diesem kleinen Film zuzusehen, wie er sich erfolgreich an Genrekonventionen abarbeitet. Gebt dem Mann mehr Geld und ein ordentliches Team, dann wird das richtig, richtig spannend.

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Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.

6 Ways to Die – Rache ist niemals einfach (2015)

Sechs Wege gibt es, klärt Vinnie Jones und schon frühzeitig auf, einen Menschen umzubringen – man nimmt ihm nämlich nacheinander seine Freiheit, seine Liebe, seine Reputation, seine Besitztümer, sein Geld und erst zum Schluss auch sein Leben. Als namenloser Auftraggeber („John Doe“) schickt Jones sechs verschiedene Kriminelle einem Drogenboss auf den Hals, der sein Leben zerstört, seine Geliebte ermordet hat: Sonny „Sundown“ Garcia. Nur verfolgt der Film die Ereignisse in umgekehrter Reihenfolge: Zuerst wird Garcia erschossen, und dann heißt es immer wieder „eine Woche zuvor“, und es geht Schritt für Schritt seinem Geld an den Kragen, seiner Liebe…

Filme mit einer so invertierten Erzählstruktur gibt es ja mittlerweile einige, von Irreversible bis Memento, um die herausragendsten Beispiele zu nennen. Regisseur und Drehbuchautor Nadeem Soumah hält allerdings Sinn und Zweck dieser Stilübung bei 6 Ways to Die sehr lange verborgen – und letztlich geht es ihm nur um den entscheidenden Trick, um den Twist am Schluss, der so ein wenig dramatischer und eleganter wird.

Leider geht es mit dem Ende von „Sundown“ Garcia dann auch sehr schnell dem Spannungsbogen an den Kragen. Denn die Geschichte trägt sich nicht von selbst – der Mann ist tot, oder wird tot sein, warum sollte ich noch weiter zuschauen? Das ist in der Tat die Frage, und die Auflösung erklärt das zwar – sie führt aber doch eher zu verdrehten Augen als zu echter Überraschung. Hinzu kommt, dass die Figuren im Film vor allem in Platituden sprechen, was sie zu vergleichsweise stereotypen Erscheinungen macht, nicht wirklichen Wesen aus Fleisch und Blut. Jones ist natürlich cool und trocken, wie man es gewohnt ist, und sein Gegenspieler Garcia lebt in einer hinreichend glitzernden Welt des Reichtums – aber für den größten Drogendealer Nordamerikas dann auch wieder recht bescheiden. Da halten die Produktionsmittel des Films mit der Story nicht mit – so wie die Story nicht mit dem Anspruch der Inszenierung mithalten kann.

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Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.

Big Game (2014)

Ob Air Force One oder das Weiße Haus: Die Rückzugsräume des amerikanischen Präsidenten sind unsicher geworden in den letzten Jahren, jedenfalls wenn man dem Actionkino glauben darf. In Wolfgang Petersens Air Force One ist es dann der Präsident selbst, der den Terroristen zeigt, wo im großen Flieger der Hammer hängt; sein Kollege Roland Emmerich legte dann in White House Down Hand an den Amtssitz in Washington, quasi zeitgleich mit Olympus Has Fallen. In beiden Filmen braucht der Präsident ein wenig Hilfe durch richtig starke Männer, und so ist es dann auch in Big Game – nur dass der starke Mann eben ein kleiner Junge ist, der zu seinem dreizehnten Geburtstag eine Nacht allein in den Wäldern Lapplands verbringen muss – ein traditioneller Initiationsritus der Männer dort.

Jalmari Helander hat vor fünf Jahren der Welt mit Rare Exports gezeigt, was für großartig seltsame Filme noch so aus Finnland kommen können. Der Streifen, lose auf zwei Kurzfilmen basierend, die Helander in den Jahren davor gedreht hatte, gibt der Legende vom Weihnachtsmann einen ganz neuen, wenig familientauglichen Dreh. Das war seltsam, sehr schräg und sorgte offenbar auch in den richtigen Kreisen für gehobene Augenbrauen.

Denn jetzt durfte der Mann einen richtig großen Film drehen, mit Samuel L. Jackson in der Hauptrolle als (natürlich gelegentlich derbe fluchender) amerikanischer Präsident, dessen Flugzeug über Finnland abgeschossen wird. Seine Rettungskapsel landet irgendwo in den Wäldern, und sowohl böse Buben als auch amerikanische Spezialeinheiten machen sich alsbald auf den Weg, ihn aufzusammeln. Gefunden wird er allerdings eben von Oskari (Onni Tommila), der dem fremden Mann seine Geschichte nicht so recht abnehmen will. Außerdem muss er ja noch mit seinem Bogen ein Tier erlegen, wie es die Tradition verlangt, und so lange können sie natürlich noch nicht zurück in die Zivilisation…

Tommila war, aufmerksame Beobachter werden Gesicht oder Namen sofort wiedererkennen, auch schon Helanders kindliche Hauptfigur in RARE EXPORTS, und das unterstreicht nur noch einmal mehr, wie sehr der Finne hier (er hat ja auch das Drehbuch geschrieben) das große Hollywood mit dem kleinen Finnland zusammenbringt, wie sehr er seiner Herkunft treu bleibt – und es trotzdem, dem Budget gemäß, richtig krachen lässt, mit Flugzeugabsturz, wilden Schießereien, absurden Verfolgungsjagden und – wenn sich der Präsident und Oskari in einer Tiefkühltruhe auf einen ziemlich gefährlichen Reiseabschnitt begeben – einer recht amüsierten Referenz an Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels.

Mit anderen Worten: Dieser Film nimmt sich zu keinem Zeitpunkt besonders ernst; aber in Albernheiten bricht er auch nicht aus. Das ist der wahrscheinlich gelassenste, entspannteste Actionfilm des Jahres. Mit Mehmet Kurtuluş und Ray Stevenson hat er zwei formidable Bösewichter, die ihr „Großwild“ (daher der Titel) durch die finnische Wildnis jagen – und mit Tommilas Oskari einen nicht weniger formidablen Helden (Jackson gibt hier eher den Sidekick).

Man sieht an der Besetzung auch: Big Game ist ein Männerfilm, es geht ja um Initiationsriten, um Vater-Sohn-Beziehungen und um Leute mit erheblich zu viel Testosteron und Machtwillen. Das nimmt Helander immer dann ernst, wenn es um Oskari geht (selten wurde eine kindliche Actionfigur mit so viel Zuneigung und Verständnis gezeichnet) – und sobald der Film sich den erwachsenen Männern zuwendet, macht er das nur noch (gelegentlich unsanfter) Ironie. Das ist die entscheidende Stärke des Films: Dass er als Coming-of-Age-Film sein Subjekt völlig ernst nehmen kann, während alles andere – und das schließt natürlich auch das Geballer, die Explosionen und das Männergehabe angeht – solche Ernsthaftigkeit nicht verdient.

Von Helander darf man jedenfalls in der Zukunft mit allem Recht noch interessante Filme erwarten – und es würde mich nicht wundern, wenn er für seinen jungen Schützling Onni Tommila noch die eine oder andere schöne Rolle findet.

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Diese Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.

Violet & Daisy

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Nachdem ich den Film selbst auf dem Fantasy Filmfest im vergangenen Jahr leider verpasst habe, ist vorgestern nun endlich, endlich der erste Trailer zu Violet & Daisy erschienen. Ich freue mich sehr.

Violet & Daisy Official Trailer #1 (2013) – Saoirse Ronan, Alexis Bledel Movie HD

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