Der Trailer zum Weltuntergang: This is the End

Zu dumm, dass der Weltuntergangsfilm This is the End erst nach dem Weltuntergang ins Kino kommt. Oder so ähnlich… sehen es Seth Rogen und James Franco im Vorgeplänkel zu diesem Teaser zu ihrem Film, alles passend zum angeblichen „Ende“ des Maya-Kalenders lanciert. Nice work.

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Bonustrack: Ganz viele Filme, in denen die Welt wirklich endet.

FFF 2012: Doomsday Book (2012)

Alle meine Beiträge zum Fantasy Filmfest (FFF) 2012 finden sich unter dem Schlagwort FFF2012

Doomsday Book

Drei Geschichten vom Ende der Welt sind das: Platt, metaphysisch, grotesk. Episoden voller Schwankungen zwischen Religion und Weltlichkeit, von Gammelfleisch bis Erleuchtung, und selbst Online-Shopping kann das Ende der Welt beschleunigen.

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In „Brave New World“ bleibt ein von seiner Familie als Außenseiter behandelter Militärforscher allein in Korea zurück, während die anderen eine Reise unternehmen – er kümmert sich vor allem um die Entsorgung des häuslichen Mülls und geht dann mit einer Bekanntschaft essen, in die er sich prompt verliebt. Leider ist das Essen, das sie zu sich nehmen – unter anderem recht frische Rindsleber – zwar lecker, aber verseucht. Und so sind sie nur die ersten unter vielen, die sich in hungrige Zombies verwandeln.

In „Creation of Heaven“ fragen sich die Mönche eines buddhistischen Klosters, ob einer ihrer Roboter Erleuchtung erlangt haben könnte, ob er Buddha sei; und in „Happy Birthday“ löst der verzweifelte Online-Einkauf eines kleinen Mädchens den Untergang der Zivilisation aus.

Die koreanischen Regisseuren Jee-woon Kim und Pil-Sung Yim haben sich (zum Teil recht lustige) Gedanken dazu gemacht, wie die menschliche Gesellschaft ihren eigenen Untergang vorbereitet und betreibt. Im Falle der dritten Episode ist das eine eher leichtfüßige Angelegenheit, ein humoriges Spiel mit den Weiten des Internets und den darin lauernden, ahem, Gefahren. Die ersten beiden Geschichten hingegen sind ernster (nicht ernst) und stellen die Apokalypse immer sowohl in einen technologisch-gesellschaftlichen als auch einen religiösen Kontext.

Die Episoden sind stilistisch und ästhetisch, ihren Themen und Tonlagen entsprechend, sehr unterschiedlich. „Creation of Heaven“ ist zweifellos die ruhigste der drei, eine fast schon meditative Betrachtung über Erleuchtung in der buddhistischen Philosophie und der spezifischen Konstitution des Geistes avancierter menschenähnlicher Roboter – und über die Frage, ob wir unser Leben womöglich lieber mit Robotern als anderen Menschen teilen wollen würden. „Brave New World“ hingegen ist ein nervöses Stück Erzählung über industriell produzierte Nahrung – und zugleich eine Liebesgeschichte voll biblischer Anspielungen.

Grundsätzlicher kann die Apokalypse kaum sein: die Weltenzerstörung folgt zum Schluß. Und auch wenn das alles den Geist der Zuschauer_innen nicht völlig durchpustet: interessantes Hirnfutter ist das allemal.

(Foto: Splendid)

Good Omens: Was sein könnte

Immer mal wieder machen ja junge ambitionierte Fans Mashup- oder Fake-Trailer zu Filmprojekten, die sie gerne verwirklicht sähen; und sehr, sehr selten wird aus diesen Projekten dann auch einmal ein wirklicher Film. (Auch unter Profis ist das Trailer-to-Movie-Phänomen relativ neu, aber mit Filmen wie Machete wahrlich nicht schlecht vertreten.) YouTube-Nutzer baroqu3 (Steven Wood) hat jetzt für Neil Gaimans und Terry Pratchetts Buch Good Omens einen fiktiven Verfilmungsabspann gedreht, der auch seine Lieblingsbesetzung für diesen Film enthält. Von Edgar Wright als Regisseur geleitet: Das könnte wirklich ein spannendes Projekt sein!

Oder wie es bei soup.io kommentiert wurde:

omg who do i have to bribe/blow/stab to make this happen?

Der Verlag schreibt über das Buch:

There is a distinct hint of Armageddon in the air. According to The Nice and Accurate Prophecies of Agnes Nutter, Witch (recorded, thankfully, in 1655, before she blew up her entire village and all its inhabitants, who had gathered to watch her burn), the world will end on a Saturday. Next Saturday, in fact. So the armies of Good and Evil are amassing, the Four Bikers of the Apocalypse are revving up their mighty hogs and hitting the road, and the world’s last two remaining witch-finders are getting ready to fight the good fight, armed with awkwardly antiquated instructions and stick pins. Atlantis is rising, frogs are falling, tempers are flaring. . . . Right. Everything appears to be going according to Divine Plan.

Except that a somewhat fussy angel and a fast-living demon — each of whom has lived among Earth’s mortals for many millennia and has grown rather fond of the lifestyle — are not particularly looking forward to the coming Rapture. If Crowley and Aziraphale are going to stop it from happening, they’ve got to find and kill the Antichrist (which is a shame, as he’s a really nice kid). There’s just one glitch: someone seems to have misplaced him. . . .

Snowblind (2010)

Jetzt mal böse formuliert: Welches Genre wäre besser geeignet für eine weltweite Filmveröffentlichung auf YouTube als der postapokalyptische Trash-Spaghettiwestern? Das zahlungswillige und -fähige Publikum für diese Art von Filmen scheint mir doch eher klein zu sein, und so ist es vermutlich sehr klug, Snowblind von Anfang an kostenlos in die Welt zu werfen, auf daß er seine Zuschauer_innen finden möge. Andererseits möchte man einem solchen Projekt dann doch wünschen, daß sich viele Menschen auf der Filmhomepage einfinden und dort (bzw. direkt bei payloadz) für wenig Geld die SD- oder gar HD-Fassungen des Films bestellen und herunterladen – sogar eine 3D-Fassung ist in Vorbereitung -, denn Snowblind ist komplett, so ist von der Produktionsfirma Mangofilm zu vernehmen, aus dem Enthusiasmus der Beteiligten und mit äußerst geringen Gagen und viel kostenloser Arbeit entstanden. Und das ist ja erstmal nur zu begrüßen.

Die Story von Kilian Mannings Erstlingsfilm – Kalle Max Hoffmann, der sich bisher vor allem durch digitale Bildbearbeitung ausgezeichnet hat, macht das auch hier, hat aber auch das Drehbuch geschrieben – beruht auf dem Western Amore, piombo e furore von Monte Hellman, in dem 1978 Warren Oates, Fabio Testi und Jenny Agutter die Hauptrollen spielten. Der Film, international als China 9, Liberty 37 vermarktet (Wikipedia) ist offenbar bereits Public Domain und kann zum Beispiel hier bei YouTube in voller Länge angesehen werden.

Snowblind wurde nun in eine, den Eröffnungstafeln zufolge, postapokalyptische Schneewelt verlegt, die allerdings komplett am Computer entstanden ist. Die Schauspieler_innen haben offenbar für jede Szene des Films vor Greenscreens agiert (wie dieses Behind-the-Scenes-Video unterstreicht), alle Szenerien, Landschaften und Innenräume wurden – wohl zum Teil mit Unterstützung der Community von wreckamovie.com – ebenso nachträglich eingefügt wie die Schüsse und sonstigen Spezialeffekte. Zudem ist der ganze Film, um ihm einen „Grindhouse“-Look à la Planet Terror (meine Kritik) zu geben, noch mit künstlichen Kratzern und Bildfehlern versehen worden. Vom ubiquitären Schnee ganz zu schweigen.

Die Bilder von Snowblind sind so mit völlig nutzlosen Details überladen, so daß sie auch dann schwammig und unscharf wirken, wenn sie es eigentlich nicht sind; dieses Gefühl einer schwammigen Leinwandoberfläche wird dadurch noch verstärkt, daß die digitale Postproduction zum Teil echte Schwächen zeigt, wenn etwa die Figuren über den Fußboden eher zu schweben und zu gleiten denn zu gehen scheinen. Auch wirken manche Szenen gerade aus dem langen Schußwechsel am Schluß, als seien sie aus einem Computerspiel einmontiert. Und damit sind aber die eigentlichen, fundamentalen Schwächen des Films noch nicht benannt: Eine lachhaft zusammengestoppelte Handlung, fragliche Geschlechterbilder, Dialoge von abgrundtiefer Armseligkeit.

Ob der Film schon in die Kategorie „So bad it’s good“ fällt, mag jede_r selbst für sich entscheiden – ich habe mich, den Gastauftritten der von mir sehr verehrten Jana Pallaske (lang, und auch singend) und Wim Wenders (sehr kurz) zum Trotz, eher gelangweilt. Vielleicht spricht der Film aber auch die Freunde von trashiger Exploitationkost an, die sich auf die, wenn ich richtig gezählt habe, vermutlich vier unverpixelten Brüste freuen, die die Bezahlversion des Films womöglich bietet, wenn man der Einblendung glauben mag: [Update: Die hier wiedergegebene Einblendung wurde inzwischen entfernt und war wohl Ergebnis eines internen Mißverständnisses. Ich wurde gebeten, den Screenshot zu entfernen, und komme dem auch gerne nach.]

Allen anderen empfehle ich, sich vor einem eventuellen Kauf ein Bild vom ganzen Film zu machen – und zwar gleich jetzt und hier:

[Bei payloadz.com kann man sich SD- und HD-Versionen direkt erwerben und herunterladen. Die Links hier sind Affiliate-Links, durch die ich auch am Verkauf beteiligt werde.]

(Direktlink YouTube; via)

Kurzfilm: Pixels

Allein für die Commodore-Werbung könnte ich die Macher dieses Kurzfilms knutschen. Und natürlich für Arkanoid. (Und für das leichte Nicken in Richtung der Sony-Werbespots, und in Richtung Cloverfield, und … ach, seht selbst.)

(via)

Legion (2010)

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Wenn Engel das Actionkino heimsuchen, nicht um dem gewaltsamem Treiben ein friedliches Ende zu bereiten, sondern um ihm noch kräftig Pfeffer zu geben, dann sträuben sich mir meist die theologischen Nackenhaaren. Nicht daß ich selbst in Glaubensfragen da sofort zimperlich würde, aber zumindest ist einigermaßen viel Aufwand und Intellekt nötig, um eine solche Konstellation aufrechtzuerhalten, ohne sich in eine weltanschaulich eher peinliche Ecke zu manövrieren. Constantine (meine Kritik) meisterte das seinerzeit leidlich gut, indem er, bei allen Schwächen, die der Film sonst so hat, seine Engelsfiguren mit einer Ambivalenz ausstattete, die dann doch viel schwingend offen ließ.

Ambivalenz ist allerdings kein Grundprinzip von Legion, weder in der Inszenierung noch im Drehbuch, solange man eine gewisse Unentschlossenheit in der Erzählstruktur nicht als positiv konnotierte Ambivalenz durchgehen lassen möchte. Stattdessen kracht es hier vor Eindeutigkeiten und, nein, das ist nicht immer eine gute Sache.

So geht’s los: Ein Engel landet (natürlich) in Los Angeles, durch ein Loch im Himmel scheint er herabzustürzen und muß erst einmal ein paar Wunden versorgen und sich einiger Menschen entlegen, die des Weges kommen. Ist er vielleicht doch ein Böser? Sorry, das war’s, wie angekündigt, schon mit der Ambivalenz. Der Mann ist Erzengel Michael (Paul Bettany), er ist vielleicht sogar ein bißchen besser als Gott (da fangen die theologischen Probleme an) und leider zieht er in der Tat sein T-Shirt nur einmal kurz aus.

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Eigentlicher Handlungsort ist aber das passend benamste Wüstennest Paradise Falls, an dem derweil, wie man im Englischen so schön sagt, das Exkrement mit dem Ventilator kollidiert. Ein eigenartiger Sturm zieht auf, während eine alte Dame fauchend die Wände hochkrabbelt und einem Kunden von Bob Hansons Diner schwere Bißwunden zufügt. Dann fallen Fernsehen und Radio aus, in Amerika immer ein sicheres Zeichen der nahenden Apokalypse, und kurz nachdem Michael mit einem Kofferraum voll konventioneller Schußwaffen die Szene betritt, sammeln sich offenbar von Dämonen bessessene, zu Mord und Totschlag bereite Menschen vor dem kleinen Lokal.

Ohne viele Fragen zu stellen oder gar seine Glaubwürdigkeit in Frage zu stellen, folgt die verstreute Schar – ein Paar mit Teenager-Tochter, ein Schwarzer auf dem Weg zu seiner Familie, der Koch, offenbar Kriegsveteran, der Wirt (Dennis Quaid) mit seinem Sohn und die hochschwangere Bedienung Charlie (Adrianne Palicki – den Anweisungen Michaels und, äh, metzelt die Neuankömmlinge nach bestem Wissen und Vermögen nieder. So, liebe Freunde, retten wir die Welt.

Denn, wie Michael den Anwesenden dann erklärt, Gott hat so richtig die Nase voll von der Menschheit, und wo er einst die Sintflut schickte, macht er ihr jetzt mittels einer Armee von Engeln und offenbar besessenen Menschen den Garaus. Aus Gründen, die nicht weiter erklärt werden, hängt allerdings das Schicksal der gesamten Menschheit daran, ob Charlies Kind geboren wird oder nicht. Michael ist wild entschlossen, die werdende Mutter und ihr Kind zu schützen, weil er seinerseits den Glauben an die Menschheit noch nicht verloren hat, auch wenn er sich damit dem direkten Willen des Allmächtigen widersetzt. Erzengel Gabriel (Kevin Durand) hingegen beabsichtigt, Gottes Wille zu tun und also Mutter und Kind dahinzuschlachten. Warum das alles jetzt ausgerechnet in Paradise Falls sein muß, wird aber leider nicht verraten.

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Ich möchte auf der Handlung eigentlich gar nicht weiter herumreiten, aber es wird in zweierlei Hinsicht noch wirklich furchtbar. Denn zum einen hat der Film ein Strukturproblem: Nach dem ersten Ansturm der Dämonen/von Engeln Besessenen/Whatever gibt es eine lange, lange, lange Phase der Ruhe (vor dem nächsten Sturm, natürlich), in der die Figuren sich über ihr Schicksal unterhalten, ihre Motivationen etc.pp. Das soll tiefsinnig sein, kommt aber über die üblichen Platitüden keinen Schritt hinaus – vor allem spielt jedoch das Gesagte und Benickte für den weiteren Verlauf des Films überhaupt keine Rolle. Als retardierendes Moment funktioniert diese Phase natürlich schon – allerdings ist sie so ungeschickt in den Gesamtfilm eingepreßt, daß sie eher langweilt als daß sie Spannung aufbauen würde.

Zum anderen aber ist der Film in seiner Ikonographie wie Pseudotheologie eine wirkliche Zumutung. Aus Gott und seinen Heerscharen wird hier ein streitsüchtiger Haufen, dem griechischen Pantheon nicht unähnlich, samt Meinungsverschiedenheiten und Eifersüchteleien. Und Engel sind offenbar auch nur sterbliche Wesen, wenn auch mit kugelsicheren Flügeln und Superkräften, die mit je einer Wumme rechts und links in den bewaffneten Kampf streben, wenn sie nicht auf einem schwarzmetallenen Luftschiff über die Sündhaftigkeit des Menschengeschlechts parlieren. Man weiß gar nicht, wo die Blasphemie beginnt und wo der schlichte Irrsinn endet.

Es geht mir dabei, wie gesagt, gar nicht um Purismus in theologischen Fragen, aber wenn man schon mit fundamentalen Positionen des Christentums herumspielt, erwarte ich doch etwas mehr als nur oberflächliches Gebrabbel und wildes Effektgewitter (das Regisseur Scott Stewart als altgedienter Spezialeffektler allerdings gut im Griff hat). Dafür sind die Statements, die sich Paul Bettanys Engel abringt, doch zu allgemeiner, und nur vage religiöser Natur.

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Legion versucht verzweifelt (und vergeblich) eine Erzählung ähnlich der von den Terminator-Filmen geschaffene Mythologie um John Connor (die Anspielung auf den Sohn Gottes in den Initialien dürften die meisten Leser_innen hier wohl schon kennen) und seine Geburt bzw. den Kampf um dessen Verhinderung zu stiften – nur daß dieser Versuch hier schon allein deshalb scheitern muß, weil sich Peter Schink und Scott Stewart, die das Drehbuch gemeinsam verfaßt haben, hier viel zu eng an die, wenn man das so sagen darf, ursprüngliche religiöse Vorlage halten und dadurch nur verlieren können. Herrjemine, das Kind soll auch noch an Weihnachten zur Welt kommen!

Und dabei habe ich jetzt noch nicht einmal damit angefangen, mich über die Geschlechterrollen aufzurollen: Denn die arme Charlie soll vor allem das Kind zur Welt bringen und ansonsten bloß nicht kämpfen; ihr männlicher Begleiter hingegen soll den Weg weisen, sie beschützen und so weiter und so altbacken fort. Dieses durchaus vielversprechende Poster hat mit dem Film also schlichtweg gar nichts zu tun.

Fotos: Sony Pictures

Zombie mathematics

Daß es Mathematiker_innen mit Humor gibt, ist ja kein Geheimnis – schließlich tauchen auch sie (gelegentlich) als Preisträger_innen bei den Ig-Nobel-Preisen auf. Und immer wieder beschäftigen sie sich auch mit Logik und Wissenschaftlichkeit von Filmen, oft genug dankenswerterweise nicht mit dem Furor der Ernsthaftigkeit, sondern in geboten ironischer Distanz.

Nun haben Philip Munz, Ioan Hudea, Joe Imad und Robert J. Smith? (das Fragezeichen gehört zu seinem Namen, wie auf seiner Homepage nachgelesen werden kann) einen Aufsatz veröffentlicht, in dem sie mathematische Modelle für den Ausbruch einer Zombieepidemie verwenden. Für Genrefans wenig überraschend kommen sie zu dem Schluß:

In summary, a zombie outbreak is likely to lead to the collapse of civilisation, unless it is dealt with quickly. While aggressive quarantine may contain the epidemic, or a cure may lead to coexistence of humans and zombies, the most effective way to contain the rise of the undead is to hit hard and hit often. As seen in the movies, it is imperative that zombies are dealt with quickly, or else we are all in a great deal of trouble.

Das Paper gibt es hier zum Download (PDF).

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Die Furcht der Massen

In her seminal essay „The Imagination of Disaster“, Susan Sontag began by observing that almost all cinematic attempts at articulating our most apocalyptic fears seemed to adhere to the same template.

(via)

9 (2009)

Weil heute der 09.09.09 ist, startet natürlich in vielen Ländern Shane Ackers Film 9 – außer z.B. in Frankreich, wo er schon seit Wochen läuft, oder in Deutschland, wo es bizarrerweise noch keinen Starttermin gibt (Moviepilot nennt allerdings aktuell den 28. Januar 2010 als Termin). Und den Zahlen gemäß bietet es sich an, heute auch etwas über 9 zu schreiben – natürlich könnte man auch über District 9 schreiben oder irgendeinen der verwirrend vielen Filme mit Neunen im Titel.

9 basiert auf Ackers Kurzfilm gleichen Namens, der 2006 für einen Kurzfilm-Oscar nominiert wurde; produziert wurde der Langfilm nun u.a. (darauf hebt die Werbekampagne ab) von Tim Burton, den man vermutlich nicht vorstellen muß, und Timur Bekmambetow, der sich im Westen vor allem als Regisseur von Wächter der Nacht (meine Kritik), Wächter des Tages (meine Kritik) und zuletzt vor allem Wanted (meine Kritik) einen Namen gemacht hat.

Die Handschrift dieser beiden Produzenten sieht man dem Film zwar an, allerdings nicht in dem Maße, wie man hoffen oder befürchten sollte. Vergleicht man ihn mit dem Kurzfilm, so scheint noch am ehesten Bekmambetows Einfluß sich auszuwirken: Die Atmosphäre ist insgesamt etwas glatter, gefälliger, die Handlung wird nun nicht mehr so sehr in zarten Andeutungen fortgeschrieben, sondern vor allem von den Actionszenen. Von denen sind mittlerweile schon so viele im Netz aufgetaucht, daß Peter kürzlich schrieb:

Allerdings muss man langsam aufpassen, daß man bei einer Laufzeit von 79 Minuten durch die ganzen Vorabvideos nicht schon den gesamten Film kennt.

(Er selbst hat bislang nur einige der Clips versammelt.)

9 spielt in einem wahrhaft postapokalyptischen Setting: Die Menschheit ist völlig ausgelöscht (ob sie das selbst erledigt hat oder wie es anders geschah, läßt der Film zunächst offen), und neun kleine, ausgestopfte und mirakulöserweise belebte Puppen aus grobem Stoff bemühen sich in dieser rauhen Welt ums Überleben – gejagt werden sie von dem „Beast“, einer hundeartigen Maschinenkreatur mit roten Augen und wenig Freundlichkeit.

Die neunte Puppe, wegen der Zahl auf seinem Rücken wohl der letzte und einfach „9“ genannt (auch seine Genoss_innen heißen wie ihre Zahlen), kommt erst dann zu sich oder auf die Welt, als die anderen sich schon eine Weile eingerichtet haben, und bringt sofort Bewegung in deren vermeintlichen Alltag, der aber offenbar nicht spannungsfrei ist. Bald wird einer von 9s neuen Freunden entführt, und als 9 versucht, ihn zu befreien, kommen die Ereignisse erst so richtig in Bewegung.

9 ist technisch sehr ansehnlich, den groben Gesichtszügen der Puppen entlocken die Animator_innen einiges an Ausdruckskraft und Emotionen. Dabei hat mich nicht einmal so sehr gestört, daß viele der Ideen – insbesondere die belebten Maschinenwesen – doch sehr aus anderen Filmen abgekupfert wirken. Terminator & Co. lassen freundlich grüßen.

Daß ich nicht vollends von dem Film überzeugt bin, liegt eher in der nur bedingt mitreißenden und vor allem lückenhaften Erzählung. Denn einerseits wird im Langfilm 9 nun viel ausgesprochen und ausbuchstabiert, was der Kurzfilm 9 noch im Schweigen seiner Figuren rätselhaft lassen konnte – die Puppen haben nun Stimmen, und zwei, drei andere sprachliche Informationsquellen gibt es auch noch. (Ein Langfilm ganz ohne Sprache, das wäre noch was gewesen! Aber selbst Wall-E hat sich das nicht ganz getraut.)

Andererseits offenbart aber genau dies die Löcher im Drehbuch; als 9 losstürzt, um seinen neugefundenen Kameraden zu finden, scheint er schon besser über die Umstände seiner Welt zu sein, als es der Fall ist; und auch seine starke Motivation für die Rettungsaktion wirkt aufgesetzt. Im frenetischen Geschehen, bei dem über weite Strecken erzählte Zeit und Erzählzeit zusammenfallen – für einen Film von nicht ganz achtzig Minuten keine Kleinigkeit – ist für die behauptete emotionale Annäherung zwischen den Figuren eigentlich nicht genug Platz, möchte man meinen.

Aber sei’s drum. Letztlich gelingt Shane Acker, wenn auch mit Mängeln, ein düsteres Märchen aus einer apokalyptischen Traumwelt, eine Schlechte-Nacht-Geschichte gewissermaßen. Fragt sich nur, für wen sie gedacht ist: Für manchen Erwachsene ist die Geschichte in ihrer Auflösung wahrscheinlich doch zu schlicht, für Kinder hingegen ist sie nicht nur zu actiongeladen, sondern vor allem zu pessimistisch.

— Hier gibt’s nun noch den Original-Kurzfilm von 2005 sowie den Trailer zu 9:

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