Apr 09 2010

Kurzfilm: Pixels

Tag: Kurzfilme, VideosRochus @ 21:41

Allein für die Commodore-Werbung könnte ich die Macher dieses Kurzfilms knutschen. Und natürlich für Arkanoid. (Und für das leichte Nicken in Richtung der Sony-Werbespots, und in Richtung Cloverfield, und … ach, seht selbst.)

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Mrz 16 2010

Legion (2010)

Tag: FilmkritikenRochus @ 15:55

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Wenn Engel das Actionkino heimsuchen, nicht um dem gewaltsamem Treiben ein friedliches Ende zu bereiten, sondern um ihm noch kräftig Pfeffer zu geben, dann sträuben sich mir meist die theologischen Nackenhaaren. Nicht daß ich selbst in Glaubensfragen da sofort zimperlich würde, aber zumindest ist einigermaßen viel Aufwand und Intellekt nötig, um eine solche Konstellation aufrechtzuerhalten, ohne sich in eine weltanschaulich eher peinliche Ecke zu manövrieren. Constantine (meine Kritik) meisterte das seinerzeit leidlich gut, indem er, bei allen Schwächen, die der Film sonst so hat, seine Engelsfiguren mit einer Ambivalenz ausstattete, die dann doch viel schwingend offen ließ.

Ambivalenz ist allerdings kein Grundprinzip von Legion, weder in der Inszenierung noch im Drehbuch, solange man eine gewisse Unentschlossenheit in der Erzählstruktur nicht als positiv konnotierte Ambivalenz durchgehen lassen möchte. Stattdessen kracht es hier vor Eindeutigkeiten und, nein, das ist nicht immer eine gute Sache.

So geht’s los: Ein Engel landet (natürlich) in Los Angeles, durch ein Loch im Himmel scheint er herabzustürzen und muß erst einmal ein paar Wunden versorgen und sich einiger Menschen entlegen, die des Weges kommen. Ist er vielleicht doch ein Böser? Sorry, das war’s, wie angekündigt, schon mit der Ambivalenz. Der Mann ist Erzengel Michael (Paul Bettany), er ist vielleicht sogar ein bißchen besser als Gott (da fangen die theologischen Probleme an) und leider zieht er in der Tat sein T-Shirt nur einmal kurz aus.

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Eigentlicher Handlungsort ist aber das passend benamste Wüstennest Paradise Falls, an dem derweil, wie man im Englischen so schön sagt, das Exkrement mit dem Ventilator kollidiert. Ein eigenartiger Sturm zieht auf, während eine alte Dame fauchend die Wände hochkrabbelt und einem Kunden von Bob Hansons Diner schwere Bißwunden zufügt. Dann fallen Fernsehen und Radio aus, in Amerika immer ein sicheres Zeichen der nahenden Apokalypse, und kurz nachdem Michael mit einem Kofferraum voll konventioneller Schußwaffen die Szene betritt, sammeln sich offenbar von Dämonen bessessene, zu Mord und Totschlag bereite Menschen vor dem kleinen Lokal.

Ohne viele Fragen zu stellen oder gar seine Glaubwürdigkeit in Frage zu stellen, folgt die verstreute Schar – ein Paar mit Teenager-Tochter, ein Schwarzer auf dem Weg zu seiner Familie, der Koch, offenbar Kriegsveteran, der Wirt (Dennis Quaid) mit seinem Sohn und die hochschwangere Bedienung Charlie (Adrianne Palicki – den Anweisungen Michaels und, äh, metzelt die Neuankömmlinge nach bestem Wissen und Vermögen nieder. So, liebe Freunde, retten wir die Welt.

Denn, wie Michael den Anwesenden dann erklärt, Gott hat so richtig die Nase voll von der Menschheit, und wo er einst die Sintflut schickte, macht er ihr jetzt mittels einer Armee von Engeln und offenbar besessenen Menschen den Garaus. Aus Gründen, die nicht weiter erklärt werden, hängt allerdings das Schicksal der gesamten Menschheit daran, ob Charlies Kind geboren wird oder nicht. Michael ist wild entschlossen, die werdende Mutter und ihr Kind zu schützen, weil er seinerseits den Glauben an die Menschheit noch nicht verloren hat, auch wenn er sich damit dem direkten Willen des Allmächtigen widersetzt. Erzengel Gabriel (Kevin Durand) hingegen beabsichtigt, Gottes Wille zu tun und also Mutter und Kind dahinzuschlachten. Warum das alles jetzt ausgerechnet in Paradise Falls sein muß, wird aber leider nicht verraten.

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Ich möchte auf der Handlung eigentlich gar nicht weiter herumreiten, aber es wird in zweierlei Hinsicht noch wirklich furchtbar. Denn zum einen hat der Film ein Strukturproblem: Nach dem ersten Ansturm der Dämonen/von Engeln Besessenen/Whatever gibt es eine lange, lange, lange Phase der Ruhe (vor dem nächsten Sturm, natürlich), in der die Figuren sich über ihr Schicksal unterhalten, ihre Motivationen etc.pp. Das soll tiefsinnig sein, kommt aber über die üblichen Platitüden keinen Schritt hinaus – vor allem spielt jedoch das Gesagte und Benickte für den weiteren Verlauf des Films überhaupt keine Rolle. Als retardierendes Moment funktioniert diese Phase natürlich schon – allerdings ist sie so ungeschickt in den Gesamtfilm eingepreßt, daß sie eher langweilt als daß sie Spannung aufbauen würde.

Zum anderen aber ist der Film in seiner Ikonographie wie Pseudotheologie eine wirkliche Zumutung. Aus Gott und seinen Heerscharen wird hier ein streitsüchtiger Haufen, dem griechischen Pantheon nicht unähnlich, samt Meinungsverschiedenheiten und Eifersüchteleien. Und Engel sind offenbar auch nur sterbliche Wesen, wenn auch mit kugelsicheren Flügeln und Superkräften, die mit je einer Wumme rechts und links in den bewaffneten Kampf streben, wenn sie nicht auf einem schwarzmetallenen Luftschiff über die Sündhaftigkeit des Menschengeschlechts parlieren. Man weiß gar nicht, wo die Blasphemie beginnt und wo der schlichte Irrsinn endet.

Es geht mir dabei, wie gesagt, gar nicht um Purismus in theologischen Fragen, aber wenn man schon mit fundamentalen Positionen des Christentums herumspielt, erwarte ich doch etwas mehr als nur oberflächliches Gebrabbel und wildes Effektgewitter (das Regisseur Scott Stewart als altgedienter Spezialeffektler allerdings gut im Griff hat). Dafür sind die Statements, die sich Paul Bettanys Engel abringt, doch zu allgemeiner, und nur vage religiöser Natur.

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Legion versucht verzweifelt (und vergeblich) eine Erzählung ähnlich der von den Terminator-Filmen geschaffene Mythologie um John Connor (die Anspielung auf den Sohn Gottes in den Initialien dürften die meisten Leser_innen hier wohl schon kennen) und seine Geburt bzw. den Kampf um dessen Verhinderung zu stiften – nur daß dieser Versuch hier schon allein deshalb scheitern muß, weil sich Peter Schink und Scott Stewart, die das Drehbuch gemeinsam verfaßt haben, hier viel zu eng an die, wenn man das so sagen darf, ursprüngliche religiöse Vorlage halten und dadurch nur verlieren können. Herrjemine, das Kind soll auch noch an Weihnachten zur Welt kommen!

Und dabei habe ich jetzt noch nicht einmal damit angefangen, mich über die Geschlechterrollen aufzurollen: Denn die arme Charlie soll vor allem das Kind zur Welt bringen und ansonsten bloß nicht kämpfen; ihr männlicher Begleiter hingegen soll den Weg weisen, sie beschützen und so weiter und so altbacken fort. Dieses durchaus vielversprechende Poster hat mit dem Film also schlichtweg gar nichts zu tun.

Fotos: Sony Pictures

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Sep 17 2009

Zombie mathematics

Tag: QuarkRochus @ 01:23

Daß es Mathematiker_innen mit Humor gibt, ist ja kein Geheimnis – schließlich tauchen auch sie (gelegentlich) als Preisträger_innen bei den Ig-Nobel-Preisen auf. Und immer wieder beschäftigen sie sich auch mit Logik und Wissenschaftlichkeit von Filmen, oft genug dankenswerterweise nicht mit dem Furor der Ernsthaftigkeit, sondern in geboten ironischer Distanz.

Nun haben Philip Munz, Ioan Hudea, Joe Imad und Robert J. Smith? (das Fragezeichen gehört zu seinem Namen, wie auf seiner Homepage nachgelesen werden kann) einen Aufsatz veröffentlicht, in dem sie mathematische Modelle für den Ausbruch einer Zombieepidemie verwenden. Für Genrefans wenig überraschend kommen sie zu dem Schluß:

In summary, a zombie outbreak is likely to lead to the collapse of civilisation, unless it is dealt with quickly. While aggressive quarantine may contain the epidemic, or a cure may lead to coexistence of humans and zombies, the most effective way to contain the rise of the undead is to hit hard and hit often. As seen in the movies, it is imperative that zombies are dealt with quickly, or else we are all in a great deal of trouble.

Das Paper gibt es hier zum Download (PDF).

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Sep 12 2009

Die Furcht der Massen

Tag: VideosRochus @ 22:56

In her seminal essay “The Imagination of Disaster”, Susan Sontag began by observing that almost all cinematic attempts at articulating our most apocalyptic fears seemed to adhere to the same template.

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Sep 09 2009

9 (2009)

Tag: FilmkritikenRochus @ 15:06

Weil heute der 09.09.09 ist, startet natürlich in vielen Ländern Shane Ackers Film 9 – außer z.B. in Frankreich, wo er schon seit Wochen läuft, oder in Deutschland, wo es bizarrerweise noch keinen Starttermin gibt (Moviepilot nennt allerdings aktuell den 28. Januar 2010 als Termin). Und den Zahlen gemäß bietet es sich an, heute auch etwas über 9 zu schreiben – natürlich könnte man auch über District 9 schreiben oder irgendeinen der verwirrend vielen Filme mit Neunen im Titel.

9 basiert auf Ackers Kurzfilm gleichen Namens, der 2006 für einen Kurzfilm-Oscar nominiert wurde; produziert wurde der Langfilm nun u.a. (darauf hebt die Werbekampagne ab) von Tim Burton, den man vermutlich nicht vorstellen muß, und Timur Bekmambetow, der sich im Westen vor allem als Regisseur von Wächter der Nacht (meine Kritik), Wächter des Tages (meine Kritik) und zuletzt vor allem Wanted (meine Kritik) einen Namen gemacht hat.

Die Handschrift dieser beiden Produzenten sieht man dem Film zwar an, allerdings nicht in dem Maße, wie man hoffen oder befürchten sollte. Vergleicht man ihn mit dem Kurzfilm, so scheint noch am ehesten Bekmambetows Einfluß sich auszuwirken: Die Atmosphäre ist insgesamt etwas glatter, gefälliger, die Handlung wird nun nicht mehr so sehr in zarten Andeutungen fortgeschrieben, sondern vor allem von den Actionszenen. Von denen sind mittlerweile schon so viele im Netz aufgetaucht, daß Peter kürzlich schrieb:

Allerdings muss man langsam aufpassen, daß man bei einer Laufzeit von 79 Minuten durch die ganzen Vorabvideos nicht schon den gesamten Film kennt.

(Er selbst hat bislang nur einige der Clips versammelt.)

9 spielt in einem wahrhaft postapokalyptischen Setting: Die Menschheit ist völlig ausgelöscht (ob sie das selbst erledigt hat oder wie es anders geschah, läßt der Film zunächst offen), und neun kleine, ausgestopfte und mirakulöserweise belebte Puppen aus grobem Stoff bemühen sich in dieser rauhen Welt ums Überleben – gejagt werden sie von dem “Beast”, einer hundeartigen Maschinenkreatur mit roten Augen und wenig Freundlichkeit.

Die neunte Puppe, wegen der Zahl auf seinem Rücken wohl der letzte und einfach “9″ genannt (auch seine Genoss_innen heißen wie ihre Zahlen), kommt erst dann zu sich oder auf die Welt, als die anderen sich schon eine Weile eingerichtet haben, und bringt sofort Bewegung in deren vermeintlichen Alltag, der aber offenbar nicht spannungsfrei ist. Bald wird einer von 9s neuen Freunden entführt, und als 9 versucht, ihn zu befreien, kommen die Ereignisse erst so richtig in Bewegung.

9 ist technisch sehr ansehnlich, den groben Gesichtszügen der Puppen entlocken die Animator_innen einiges an Ausdruckskraft und Emotionen. Dabei hat mich nicht einmal so sehr gestört, daß viele der Ideen – insbesondere die belebten Maschinenwesen – doch sehr aus anderen Filmen abgekupfert wirken. Terminator & Co. lassen freundlich grüßen.

Daß ich nicht vollends von dem Film überzeugt bin, liegt eher in der nur bedingt mitreißenden und vor allem lückenhaften Erzählung. Denn einerseits wird im Langfilm 9 nun viel ausgesprochen und ausbuchstabiert, was der Kurzfilm 9 noch im Schweigen seiner Figuren rätselhaft lassen konnte – die Puppen haben nun Stimmen, und zwei, drei andere sprachliche Informationsquellen gibt es auch noch. (Ein Langfilm ganz ohne Sprache, das wäre noch was gewesen! Aber selbst Wall-E hat sich das nicht ganz getraut.)

Andererseits offenbart aber genau dies die Löcher im Drehbuch; als 9 losstürzt, um seinen neugefundenen Kameraden zu finden, scheint er schon besser über die Umstände seiner Welt zu sein, als es der Fall ist; und auch seine starke Motivation für die Rettungsaktion wirkt aufgesetzt. Im frenetischen Geschehen, bei dem über weite Strecken erzählte Zeit und Erzählzeit zusammenfallen – für einen Film von nicht ganz achtzig Minuten keine Kleinigkeit – ist für die behauptete emotionale Annäherung zwischen den Figuren eigentlich nicht genug Platz, möchte man meinen.

Aber sei’s drum. Letztlich gelingt Shane Acker, wenn auch mit Mängeln, ein düsteres Märchen aus einer apokalyptischen Traumwelt, eine Schlechte-Nacht-Geschichte gewissermaßen. Fragt sich nur, für wen sie gedacht ist: Für manchen Erwachsene ist die Geschichte in ihrer Auflösung wahrscheinlich doch zu schlicht, für Kinder hingegen ist sie nicht nur zu actiongeladen, sondern vor allem zu pessimistisch.

— Hier gibt’s nun noch den Original-Kurzfilm von 2005 sowie den Trailer zu 9: Weiterlesen …

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