Black Lightning (2009)

Russischer Student – klug, aber ohne viel Geld – wird dank eines fliegenden Autos zum Superhelden: So funktioniert das russische Gegenstück, ach was, dieses eklektische Gemisch aus Transformers (sein Vater schenkt ihm ein Auto, das mehr ist, als man auf den ersten Blick erkennen kann) und Spiderman (der Tod seines Vaters läßt ihn sein eigenes Handeln überdenken und macht ihn zum Superhelden). Der Rest der Story ist im Grunde völlig wurscht (ja, um ein blondes weibliches Wesen geht es natürlich auch noch, das brav und passiv zwischen zwei Männern sich nicht entscheiden kann), zumal der Film so einiges an Motivation vermissen läßt. So steht der Bösewicht in Black Lightning kurz davor, eine enorm effektive Energiequelle in die Finger zu bekommen (nämlich jene, die den schwarzen „Wolga“ antreibt), mit der sich alles mögliche anstellen ließe – aber er will das Ding nur, um damit an die Diamantvorkommen unter der Stadt Moskau herankommen zu können. Bei deren Bergung würde zwar Moskau zerstört werden, und das macht den Mann sicherlich hinreichend bösartig, besonders ambitioniert wirkt das aber nicht. Da hätte ein Schuß der größenwahnsinnigen James-Bond-Fieslinge sicher nicht geschadet.

Ansonsten sieht man sehr, sehr deutlich, daß Timur Bekmambetov hier beteiligt war – die Wächter-Filme scheinen in einigen Szenen deutlich durch (meine Kritiken). Das Ganze ist bis auf wenige Momente sogar sehr familientauglich; bizarr ist allenfalls, daß ein Film, der so überdeutlich amerikanischen Vorbildern nacheifert, doch tatsächlich in den nächsten zwei Jahren ein US-Remake erfahren soll.

Foto: Sitges Film Festival

Sitges 2010, Tag 2: die Filme

Der gestrige Samstag war, wie schon erwähnt, emotional kein ganz leichter Tag. Hier sind die Filme, die dazu beitrugen:

Carne de Néon

Paco Cabezas Langfilm nach der Vorlage seines eigenen, gleichnamigen Shorts von 2005 ist eine wilde und im Grunde gar nicht neonfarbene Kleingangstergeschichte, bei der sich Gaspar Noé und Guy Ritchie ästhetisch wie inhaltlich die Hand geben – ein junger Mann, Kind der Straße, will als Geschenk für seine Mutter zu deren Haftentlassung ein Bordell eröffnen. Die Folgen sind unabsehbar und recht blutig. Eine ausführliche Besprechung gibt es bald auf kino-zeit.de.

Black Lightning

Eine sehr russische Neuauflage von Transformers und Spiderman, fast familientauglich. Ausführliche Besprechung folgt hier im Blog.

Notre jour viendra

Das Langfilmdebüt von Romain Gavras war ja mit einigen Erwartungen versehen, bevor man es überhaupt zu Gesicht bekam. Der vor allem durch seine Musikvideos bekannte Gavras bietet mit Redheads (so der internationale Verleihtitel) eine sich nicht leicht lesende Geschichte um zwei Männer, die sich Schritt für Schritt aus den sozialen Zusammenhängen der Welt. Vielleicht. Der Wechsel zwischen ruhigen Panoramaaufnahmen des trostlosen französischen Nordens und hektischen Handkamerabildern macht die Lektüre nicht leichter. Genaueres bald wiederum auf kino-zeit.de.

Red, White & Blue

Ich mag es ja an Festivals, das sich Filme, die ich eigentlich nie im Kino zu Gesicht zu bekommen gehofft hatte, deren Trailer mich aber sehr hatten aufhorchen lassen, dann Bild für Bild, Szene für Szene entblättern; und wenn sie dabei die Erwartungen, die der Trailer geweckt hatte, gleichzeitig erfüllen und unterlaufen, dann gefällt mir das gleich noch besser.

Das hier war so ein Film. Simon Rumley hat bei seinem zweiten Besuch in Sitges (vorher mit The Living and the Dead) mit Red, White & Blue einen intensiv verstörenden, mitreißenden Film gedreht, der Rachedrama, Thriller und psychologische Studie ist; sein politischer Subtext mag ein bißchen mit dem Holzhammer präsentiert sein, aber die Dichte der Charaktere und der Erzählweise macht das gleich mehrfach wieder gut. Etwas ausführlichere Besprechung folgt.

Fotos: Sitges Film Festival