Anyone who has violated a copyright leave…the…room…now

Constantin Film hat damit begonnen, jene wunderbaren Hitler-Parodien von Youtube entfernen zu lassen, die eine bestimmte Szene aus Der Untergang verwenden, um Hitler per neuer Untertitelung einen Wutausbruch zu irgendeinem Thema unterzujubeln.

Das ist nicht nur deshalb bedauerlich, weil Constantin damit gegen eines der erfolgreichsten Internet-Meme der letzten Jahre vorgeht, einen Hort von Mashup-Originalität und intelligenter Komik; es zeigt vor allem, daß Filmfirmen immer noch nicht verstehen, wie das so funktioniert mit Marketing, Web 2.0 und den kreativen Massen. Statt einen Preis auszuschreiben für die tollste Parodie, eine eigene Seite dafür einzurichten und je nach Herkunft der Besucher_innen die passenden Links zum Erwerb von Untergang-DVDs einzubinden, greift man mal wieder zum rechtlichen Holzhammer. Eventuell holt man damit in den USA sogar zu weit aus, seien Parodien und parodistische Appropriation dort doch vor Löschanträgen auf Grundlage des amerikanischen DMCA geschützt, wie zumindest Brad Templeton von der EFF meint, der das Ganze gleich passend verarbeitet hat:

Und während anscheinend die eigentlichen Macher_innen des Films sehr gut mit der Verwendung des Filmmaterials leben können, zeigt sich Constantin gegenüber der Süddeutschen Zeitung etwas zugeknöpfter:

„Wir gehen schon immer gegen alle Urheberrechtsverletzungen vor, die unsere Inhalte betreffen“, sagt Martin Moszkowicz, Vorstand der Constantin Film AG in München. „Das muss für alle Clips im Netz gelten, die wir entdecken – wir können und wollen uns nicht zum Wächter darüber aufspielen, wann eine Parodie gelungen oder nicht gelungen ist, oder welche Grenzen man da gelten lassen kann.“ Er verweist darauf, dass der Clip aus dem Untergang auch in der Neonazi-Szene neu untertitelt wurde – in diesem Fall regte sich Hitler darüber auf, dass die Vernichtung der Juden nicht weit genug vorangekommen sei. So etwas könne, sagt Moszkowicz, natürlich auf keinen Fall toleriert werden.

Was es natürlich auch nicht müßte – denn da geht es nicht um Qualität oder Schund, sondern um politische Positionen; so selektiv könnte man schon sein, wenn man denn wollte. Und ob etwas Parodie ist, entscheidet sich – da würden die Fachleute von der Titanic sicher gerne Auskunft geben – eben nie daran, ob die Parodie gelungen ist. Insofern müßte da Constantin auch nichts entscheiden. Schließlich machen sie diese Unterscheidung, hüstel, ja auch nicht bei allen ihren Filmen.

Besonders schön ist dann aber noch das Zitat von Moszkowicz am Ende des SZ-Artikels:

„Die Reaktionen auf die Löschungen im Netz sind auch keineswegs nur negativ“, erklärt der Constantin-Vorstand. „Zuschauer, die den Film gesehen haben, urteilen da oft anders als jene, die nur die Parodie kennen. Sie wissen, dass es in dieser Szene um Entscheidungen geht, die für Millionen von Menschen den Tod bedeutet haben.“

Lieber Herr Moszkowicz, nicht in dieser Szene geht es um Entscheidungen und Millionen Tote – darum ging es damals, im Führerbunker. Hier und bei Constantin geht es um einen Film, nichts weiter, und vielleicht noch Ihren Profit.

(Update 23.April: Cinematical hat eine schön ausgewogene Betrachtung der Situation, und auf Best Week Ever erregt sich der Führer über seine vergeblichen Löschversuche (Best line: „In fact, we might be in one right now.“):