Trash am Mittwoch: Sharktopus (2010)

Ursprünglich erschienen in Deadline #31, Januar 2012.

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Es gibt ja für alle Formen von Fiktion, besonders aber wohl fürs fantastische Kino, die Notwendigkeit der „suspension of disbelief“, also etwa der „Aufgebung des Unglaubens“ über das erstaunliche Geschehen, was sich da auf der Leinwand abspielt. Und während sich die meisten Filme mehr oder minder deutlich darum bemühen, wenigstens innerliche Glaubwürdigkeit herzustellen, kümmert sich Sharktopus einen Schnurz um solche gewöhnlichen Dinge.

Warum auch? Der Streifen wurde von Roger und Julie Corman als TV-Movie produziert, und seine Hauptattraktion ist ein Monstrum, das halb Hai, halb (WTF?) Krake oder Oktopus ist, als solches sich gerne auch mal über Land bewegt und generell für viel schlecht gerendertes Computerblut verantwortlich zeichnet. Wer solche CGI-Monstren à la Mega Piranha mag oder einfach finsteren Trash, wird vielleicht ein Double Feature mit Birdemic (Trailer) in Betracht ziehen wollen. Alle anderen sehen nur eine Handlung, die sich des Prinzips der Aufeinanderlagerung generischer Elemente bedient (eine ganze Küstenregion in Angst und Schrecken! einsame Kämpfer gegen die Gefahr!), bis die ganze Konstruktion über den Köpfen der gnadenlos herumstolpernden Hauptdarsteller zusammenbricht. Bestimmt ein großer Spaß also mit einem noch größeren Kasten Bier.

Nur unter Intoxikation wirklich genießbar

Ghost Rider: Spirit of Vengeance

Ursprünglich erschienen in Deadline #31, Januar 2012.

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Eigentlich hat man gar nicht mehr daran geglaubt, dass im von Sequels durchsetzten Reich der Comicverfilmungen doch noch ein zweiter Teil von Ghost Rider herandonnern würde, aber jetzt hat sich Nicolas Cage ein zweites Mal auf den Motorradsitz geworfen, um als verdammter Stuntfahrer Johnny Blaze auf die Jagd nach bösen Seelen zu gehen und sich gelegentlich unter viel Geschrei in ein brennendes Skelett in Lederkluft zu verwandeln.

Den Regiestuhl teilten sich diesmal Mark Neveldine und Brian Taylor, was immerhin zu einigen Hoffnungen berechtigt: denn als Neveldine/Taylor hat das Duo mit den beiden Crank-Filmen und Gamer drei hochgradig flirrende, hyperkinetische Beispiele für ein Actionkino abgeliefert, in dem sich Kamera wie Handlung schlicht nicht mehr an die üblichen Konventionen halten wollten. Dass das nicht allen gefiel, versteht sich fast von selbst.

Und so drehen sie auch in Ghost Rider: Spirit of Vengeance erst einmal kräftig auf und durch, bringen die Zeit zum Schwingen, entfesseln die Bilder und rücken ihren Figuren nah auf die Pelle. Nic Cage schmeißt sich mit Verve und Overacting in seine Rolle, aber in den Momenten, in denen seine Figur zwischen Besessenheit und Wahnsinn flottiert, fügt sich das mit der Herangehensweise der zwei Filmemacher nicht nur über die Spezialeffekte aufs Allerfeinste.

Das geht gut, so lange der Film seine Figuren hochtourig vor sich her treibt; aber in der zweiten Hälfte des Films ist davon fast nichts mehr zu spüren. Dem Finale geht eine lange, fade Phase von Ruhe voraus, mit der die hyperaktiven Regisseure keinen Umgang finden, und in der man viel zu viel Zeit dafür bekommt, über die abgedroschenen Figuren und Handlungselemente nachzudenken; dass das Drehbuch nun zudem ins vollständig Vorhersehbare kippt, hilft da leider überhaupt nicht. Vom Cast werfen sich immerhin außer Cage noch Idris Elba und Ciarán Hinds (als Antichrist auf Erden) so richtig ins Zeug.

Über die ersten dreißig, vierzig Minuten aber ist das ein Höllentrip.

Hyperaktiv, hyperkinetisch und dann poff

Kurz verlinkt, 16. Dezember 2010

Lesens- und Sehenswertes aus den vergangenen Tagen (25. November 2010 bis 16. Dezember 2010):