Berlinale 2012: Tag 3

Leicht magischer Moment des Tages: Als sich im Zeughauskino das Feuerwerk des Berlinale-Trailers in der spiegelnden Oberfläche des bereitstehenden Flügels doppelt. Licht und Ton und Abenteuer.

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Es ist kalt. Das ist kein so großes Problem, wenn man sich nur im engen Festivaldunstraum aufhält, wo man sich gegenseitig mit Ausdünstungen warmhält, am Potsdamer Platz also, da kann man schon mal, wie Joachim oder Shah Rukh Khan, auf die langen Unterhosen verzichten.

Ich übe solchen Verzicht nicht (wahnsinnig sexy, ich weiß), und wurde heute mit nur geringfügigen Erfrierungen belohnt, als ich mich auf den Weg zum Zeughauskino machte. Das ist zwar nur eine kurze Busfahrt weit entfernt, aber auf dem Rückweg muss man Unter den Linden an einer äußerst zugigen Bushaltestelle warten und blickt dabei auch noch auf die seltsame Humboldt-Box, die schon mal provisorisch den zukünftigen Schloßplatz verschandelt. Naja.

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Ich bin kein Partytier. Auch keine neue Erkenntnis.

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Lauter nette Kolleginnen und Kollegen. Hoffentlich sind wir alle an den letzten Festivaltagen so erschöpft, dass wir uns auch mal länger zusammensitzen als nur zwischen zwei Filmen im Kalten stehend, eine Zigarette lang. Und dann schlafen wir nebeneinander auf den Caféstühlen ein. Das wird schön!

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Iron Sky: Der Publikumsrenner des Festivals, bevor ihn auch nur irgendjemand gesehen hatte. Man darf die schlimmsten Befürchtungen schonmal zerstreuen: Er saugt keineswegs total. Ein großes Kunstwerk ist er wohl nicht, aber solide Trash-Unterhaltung aus der geballten Macht der Volksfinanzierung, gewissermaßen. Und zwischendrin sind einige Momente, die sind richtig groß: Für Begeisterung sorgten insbesondere der finnische und der nordkoreanische UN-Botschafter. Sollte man sich ansehen, jetzt kann ich sagen: nicht nur, weil es ein cooles Projekt ist. Freund_innen des Steampunk kommen eh nicht drum herum.

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Von Dictado bin ich jetzt, on second thought, etwas weniger angetan als zunächst. Zuallererst ist Antonio Chavarrías‘ Film (sein erster seit sechs Jahren) ein sehr solider Mysterythriller mit Horrorelementen, der motivisch an Orphan denken lässt und vielleicht noch stärker auf klassische Spannungsstrukturen zurückgreift – Hitchcock lässt grüßen.

Dann ist er aber eben doch ein bißchen zu ähnlich wie viele spanische Thriller, die ich (dank Sitges, wohin dieser Film perfekt gepaßt hätte) in den letzten Jahren gesehen habe. Solides Kino für starke Nerven ist das aber trotzdem immer noch.

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Die Animationskurzfilme in der Retrospektive: Sehr politisch, sehr Kinder ihrer Zeit. Vielleicht auch durch die Häufung in rasch aufeinanderfolgenden kurzen Filmen drückte der politische Bildungsauftrag noch deutlich stärker durch als in Aelita, und das wird dann doch recht bald anstrengend bzw. aus heutiger Sicht oft komisch. Interessanter ist als das Ästhetische; und die Einschränkungen, denen die Filmemacher unterlagen, und die zum Teil direkt in den Filmen sichtbar werden.

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Death for Sale: Das fängt am Anfang recht ausgelassen an, als einer von drei Freunden aus dem Gefängnis entlassen wird, aber schon darin deutet sich an, dass das wohl kein gutes Ende nehmen wird. Wie nebenbei werden Gesellschaft und Geschlechterverhältnisse in Marokko mit angedeutet und verhandelt; vor allem aber sinkt die Ausweglosigkeit als todtraurige Grundstimmung in alle Bilder ein, bevor am Ende so richtig deutlich wird, dass auch die engsten Beziehungen zwischen den Menschen zerstoßen sind. Ach, wie die letzten Minuten weh tun.