Sucker Punch vs. The Disney Princesses

Dieses Video ist, da lehne ich mich jetzt gerne mal aus dem Fenster, einfach großartig. Breanne Brennan (Youtube, Vimeo) hat einen der unzähligen Trailer zu Zack Snyders Sucker Punch (diesen hier) bzw. dessen Tonspur als Grundlage für ein grandioses Mash-Up mit den Prinzessinnen und Heldinnen diverser Disney-Trickfilme genommen.

Das Ergebnis namens „Disney Punch“ ist hochgradig effektiv und nicht nur präzise auf den Punkt geschnitten, sondern auch als Gesamtergebnis erstaunlich stimmig. Wow.

(via)

Tangled (2010)

Wir hatten viel Spaß in Disneys neuem Märchenfilm Tangled, dessen deutscher Verleihtitel präzise passend beginnt („Rapunzel“) und auf dem Niveau deutscher Fernsehcomedy verendet („Neu verföhnt“, WTF?). Denn der Film, wie auch in meiner ausführlichen Besprechung nachzulesen ist, ist flott, witzig, ein wenig schmalzig, wie es sich für Disney-Streifen zu Weihnachten gehört, also vor allem: erfolgreich unterhaltsam.

Daß die Geschlechterverhältnisse immer noch nicht wirklich als modern gelten dürfen, habe ich in meiner Kritik angedeutet, ausführlich und komplexer hat das Natalie Wilson bei Women & Hollywood diskutiert. Denn obwohl Rapunzel in der Disney-Version schon ganz schön frech, selbstbewußt und eigen ist, sie braucht doch immer noch den Mann, um errettet und befreit zu werden – sexuelle Untertöne (die Kinder werden sie übersehen, die Erwachsenen nicht übersehen können) eingeschlossen.

Aber der Abend war einfach vergnüglich (ein Sonntagabend ohne Kinder…) und das lag auch daran, daß wir bei der Vorpremiere im Grand Rex, das schon allein seines außergewöhnlichen Innenraums wegen einen Besuch wert ist (Größe und Dekor kann man auf den Fotos hier immerhin erahnen) nicht wußten, was uns erwarten würde. Das Kino war schon im Vorraum ganz auf den Film ausgerichtet (siehe Foto oben, meins), und als Vorprogramm war „La Féérie des Eaux“ angekündigt – wir Ahnungslose dachten an eine kleine Vorführung, eher noch einen Kurzfilm… weit gefehlt.

Das Grand Rex verfügt, weil es nicht nur Kino ist, über eine richtige Bühne, und diese läßt sich offenbar wasserfest machen, so daß für eine Show mit Springbrunnen, Laserstrahlen und Musik Platz und Möglichkeiten bereitstehen. Zumal in diesem Raum, der für 2650 Personen Platz bietet, eine fast surreale Erfahrung, die das ausschließlich erwachsene Publikum von vielleicht fünfzig Zuschauer_innen (es war die englischsprachige Abendvorstellung) mit großem Amüsemang aufsaugte.

Dieses Video (nicht meins) gibt einen Eindruck von dem „Spectacle“:

Und hier gibt es noch (via) einen Clip, der wohl einen frühen Entwurf des Rapunzel-Films widerspiegelt, wie ihn Glen Keane überlegt hatte:

Das wäre wohl ein gänzlich anderer Film geworden.

Enchanted (2007)

Die Grundidee von Enchanted ist ja eine durchaus verspielte: Was wäre, wenn man die klassische Disney-Cartoon-Konstellation von Prinzessin, Prinz und „happily ever after“ mal in eine Realwelt entläßt und dort mit dem nicht gerade Musical-artigen Leben in New York konfrontiert?

Das Problem des Ergebnisses ist dann vielleicht: Daß dabei immer noch zu sehr Disney herauskommt, viel zu kinderfreundlich, viel zu glattgespült und viel zu vorhersehbar. Natürlich ist Prince Charming nicht der Prinz ihres Herzens, und natürlich wird Giselle (Amy Adams ist wie immer zauberhaft, aber das macht es hier eher noch schlimmer) alle Herzen ringsum erweichen und mit Liebe erfüllen. Etwas mehr Anarchie hätte diesem Film gut getan, echte Konflikte und derlei raue Realitäten. Oder einfach nur: mehr als nur eine Bollywood-esque Sing- und Tanzeinlage quer durch New York.

Immerhin ist die Parallelisierung von Real- und Trickfilm hier sehr schön gelungen: Die Trickfiguren sehen ihren Entsprechungen im Realfilm sehr ähnlich, und Susan Sarandon ist so wüst hergerichtet, daß sie auch realiter problemlos als jede böse Stiefmutter in Disney-Trickfilmen durchginge. Und auch wenn der Film sich am Ende nicht so recht traut, die Geschlechterfrage offensiv anzugehen (Giselle ergreift zwar das Schwert, ein wirklicher Kampf sieht aber anders aus), so sind es doch durchgehend die Frauen, die hier die Männer beschützen oder mindestens viel eher kapieren, was eigentlich gerade passiert.

Aber es geht ja auch um Herzensdinge. Damit paßt dann wieder alles.

The Princess and the Frog: Erste Minuten

Disney hat die ersten fünf Minuten von The Princess and the Frog (2009) online gestellt; die Animation ist z.T. noch nicht fertiggestellt. (via)

Ich bin nach wie vor irritiert davon, daß die gängige Froschkönig-Erzählung immer einen Kuß beinhaltet, wo doch im Märchen von einem solchen keineswegs die Rede ist – vielmehr landet der Frosch mit Wucht an der Wand, wie man bei den Brüdern Grimm nachlesen kann:

Es half nichts, sie mußte thun, wie ihr Vater wollte, aber sie war bitterböse in ihrem Herzen. Sie packte den Frosch mit zwei Fingern und trug ihn hinauf in ihre Kammer, legte sich ins Bett und statt ihn neben sich zu legen, warf sie ihn bratsch! an die Wand; „da nun wirst du mich in Ruh lassen, du garstiger Frosch!“ Aber der Frosch fiel nicht todt herunter, sondern wie er herab auf das Bett kam, da wars ein schöner junger Prinz.

Aber wahrscheinlich steht das dem familienfreundlich-romantischen Ziel der Filmerzählung entgegen. Gespannt darf man auf The Princess and the Frog aber sicher sein. Zum einen, weil der Film mit reichlich Vorschußlorbeeren dafür bekommen hat, daß er angeblich eine Rückkehr zur traditionellen 2D-Animation auf dem Zeichenbrett darstelle (als sei diese nicht anderswo als bei Disney äußerst quicklebendig); zum anderen aber, weil man gespannt sein darf, wie das Endergebnis aussehen wird, nachdem eine frühe Fassung umgeschrieben wurde, der rassistische Stereotypisierungen vorgeworfen wurden. Die Hoffnungen der feministischen, antirassistischen Community in den USA sind nicht unbedingt besonders groß.

Auch auf die Darstellung des Prinzen darf man deshalb gespannt sein. Eine erste Ahnung gibt vielleicht die Kußszene, die auch schon online auffindbar ist: