Daredevil – Staffel 2 (2016)

Die Marvel-Fernsehserien wirken oberflächlich ein wenig wie die Resterampe für’s Marvel-Universum: Der Platz für alles, was nicht bekannt oder massentauglich genug ist. Aber in dieser gar nicht kleinen „Nische“ können sich all jene Superheldinnen und -helden wohlfühlen, bei denen es düsterer zugeht als in den dann glattpolierten Bildern der Avengers. Der Teufel von Hell’s Kitchen, Daredevil, ist dafür beispielhaft: dunkle Straßen, leidender Held, spektakuläre Nahkampfszenen. Himmelweit entfernt von Ben Afflecks furchtbarem Daredevil im gleichnamigen Film von 2003.

In der zweiten Staffel erweist sich die Ruhe nach dem Kampf mit Wilson Fisk als natürlich trügerisch. Daredevil bekommt nun Verstärkung durch zwei weitere Marvel-Figuren: Elektra und Frank Castle a.k.a. The Punisher. Beide haben weniger Hemmungen als Matt Murdock, auch reichlich Blut fließen zu lassen, und so sind die Kampfszenen zwar nicht mehr so oft balletartig akrobatisch wie in der ersten Staffel, dafür geht es stellenweise sehr brutal und blutig zu. (Von den Untaten der wenig zimperlichen Bösewichte zu schweigen.) Vom Punisher (dessen Origin-Story hier erzählt wird) sollte man sich dabei zunächst nicht allzu viel versprechen, denn er verbringt einen großen Teil der Serie im Gefängnis verbringt bzw. im Gerichtssaal. Das ändert sich dann, äh, radikal.

Daredevil hat das gleiche Problem, das auch Luke Cage irgendwann hatte: so arg verschieden sind die einzelnen Folgen gar nicht, und wenn man das in einer rauschhaften Binge-Aktion sich hintereinander anschaut, dann wird die Gleichförmigkeit der einzelnen Folgen recht deutlich spürbar. Immergleiche Konstellationen von enttäuschten Freunden, wackelig Verbündeten, finsteren Gegenspielern, variiert nur durch Schauplätze, Kontexte und konkrete Konstellationen. Was die Serie letztlich – außer anscheinend untoten Ninjas – zusammenhält, ist Karen Page (Deborah Ann Woll): Weil sie sich nicht rumschubsen lassen will, weder von Superschurken noch von Superhelden.

Werbelink: Daredevil (Staffel 2) bei amazon.de

Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.