Die Stadt ohne Juden (1924)

Auf einem Pariser Flohmarkt ist dieser Film 2015 wieder aufgetaucht, nachdem zuvor nur Fragmente vorhanden waren. Eine abenteuerliche Entdeckungsgeschichte ist das, ein Glück und ein Zufall: Die Stadt ohne Juden gilt nun als einzig erhaltener österreichischer Stummfilm des Expressionismus, und zugleich ist er ein einzigartiges Zeitdokument. Mit dem Material aus Frankreich war schließlich (es brauchte dazu noch eine Crowdfunding-Kampagne) eine fast vollständige Rekonstruktion des Films möglich, es fehlen womöglich noch ein paar Minuten – aber was zu sehen ist, ist von zum Teil sensationeller Bildqualität.

Der 1924 entstandene Film erzählt davon, wie die Regierung der Republik Utopia – gemeint ist, kaum verhohlen, Österreich, die Romanvorlage ist da explizit – beschließt, die Jüdinnen und Juden aus dem Land zu werfen. Es gibt keinen besonderen Grund eigentlich, aber die Wirtschaftslage ist schlecht, die antisemitischen Politiker (es ist eine reine Männershow im Parlament) und Wirtshausmeiner (auch dies nur Männer) schimpfen gerne aufs Judentum, und Bundeskanzler Dr. Schwerdtfeger gibt ihnen schließlich nach: Bis Weihnachten müssen sie alle das Land verlassen.

Meine Besprechung des wiederentdeckten Klassikers ist drüben bei Kino-Zeit erschienen.