Frauen, die die Filmgeschichte rockten
Heute ist Internationaler Frauentag, und ich weiß gerade nichts Besseres, um diesen Tag hier zu begehen, als auf Monika Bartyzels schönen Eintrag zu verweisen: Ten Women Who've Made Cinematic History. Mit dabei auch Lotte Reiniger, aus deren Die Abenteuer des Prinzen Achmed von 1926 der oben eingefügte Ausschnitt stammt.
Der Anlaß ist auch bestens geeignet, um auf Sascha Lobos sehr schönen Vorschlag einzugehen, doch ein wenig Feminismus dadurch zu praktizieren, indem man eine Frauenquote in seiner Blogroll einführe. Und obwohl ich schon das Schreiben einiger kluger Frauen hier mit aufgelistet habe, ist da doch in der Tat noch Bedarf. Welche Filmbloggerinnen und -autorinnen kennt Ihr also noch, die eine Verlinkung wert wären? Immer her mit den URLs in den Kommentaren!
Kurz verlinkt, 16. Februar 2011
Lesens- und Sehenswertes aus den vergangenen Tagen (29. Januar 2011 bis 16. Februar 2011):
- Loving the Bad - An Interview with Frankie Latina and Sasha Grey on Modus Operandi
"Any director who shoots a grindhouse film without exquisite, triumphant, dangerous, and naked women is doing a disservice to the genre and should move into a different field."
by Matthew Sorrento - The Best Sex in Contemporary Hollywood - Utopia, Ecstasy, and the (Classical) Musical Number in The 40-Year-Old Virgin
by Kelli Marshall - Something That Festers - The Silence of the Lambs, The Texas Chainsaw Massacre, and the Visual Pleasures of Horror
"We're drawn to and fascinated by horror because the genre reminds us that we have both outsides and insides, skin and guts, eyes and gray matter, ideas and appetites."
by Jesse Stommel - The Cinematic Islands of Dr. Moreau - Beasts, Monsters, and Mad Scientists
Why the doctor endures
by Richard A. Voeltz - Interview mit Denis Villeneuve - Regisseur von 'Incendies'
- Girls on Film: Redefining Date Movies - The dating world is a hideous business. We're taught that to woo, to romance, to love; the man must cover his beloved in all manner of monetary adoration and personal torment. He must buy overpriced roses, grandoise gifts and wallet-burning meals every Valentine's Day. He must take his beloved, or hope-to-be-beloved, to romantic comedies and five-tissue romances. On the flip side, the woman is expected to groom, to woo (though all bets are off when the fish is caught) and to offer up sexual spoils to show her appreciation (though not required). If she's super-swell, she might give the guy a day off now and then to partake in his burly deeds and see his manly friends, but ultimately, she just has to keep him marginally entertained ... and rule him with an iron fist of feminity.
And it all starts with the "date movie." - 15 movie sex and bedroom scenes that might just put you off sex and bedrooms - The movies have some valuable lessons to teach us about bedroom shenanigans. For here are 15 films that might just put you off sex altogether…
- Heteronormativitätskritische Filmbildung – Plädoyer für queere Perspektiven in der Medienpädagogik - Medienpädagogische Filmbildung hat es bislang gänzlich versäumt queer-theoretische Ansätze in der Filmbildungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen aufzugreifen. Darum schlage ich ein Konzept heteronormativitätskritischer Filmbildung vor, mit dem medienpädagogische Ansätze innerhalb der Filmbildungsarbeit für queer geöffnet werden, das sich insbesondere für subjektbezogene Konzepte von Filmbildung dringend empfiehlt. Heteronormativitätskritische Filmbildung stellt eine veränderte Möglichkeit der Herangehensweise an das Medium Film dar: Filmische Repräsentation wird als Ort der Reproduktion heteronormativer Strukturen fokussiert und gleichzeitig der Frage nachgegangen, inwiefern Interventionen in die symbolische Ordnung durch filmisch vermittelte Formen des Widerstandes aussehen können. (Feministisches Institut Hamburg / von Julia Bader)
- Wieland Speck über Kinofestivals - Nachdem Wieland Speck in den siebziger Jahren für das Berliner TALI Kino verantwortlich war und als Darsteller unter anderem für Marlene Dietrich, Ulrike Ottinger und Robert van Ackereren vor der Kamera stand, wurde er im Jahr 1982 Assistent von Manfred Salzgeber bei der Berlinale. Gemeinsam mit ihm gründete er den schwulen Filmpreis TEDDY AWARD, der seit 1987 auf der Berlinale verliehen wird. Seit 1992 ist Wieland Speck Programmleiter der Sektion PANORAMA. Mit uns hat Speck darüber gesprochen, warum das Kino in Festivals zu Hause ist.
Teeth (2007)

Manchmal braucht es ja nur einen passenden Anlaß... das International Comedy Film Festival zeigt kommende Woche in der Berliner Komischen Filmnacht den ganz hervorragenden Film Teeth von Mitchell Lichtenstein (Sohn von Roy, dem Maler); ich wurde netterweise gebeten, einen kurzen Text zum Entwicklung des Frauenbildes in der Komödie beizusteuern, den ich gerne (an manchen Stellen, wie es mir zu eigen ist, vielleicht etwas weiter ausholend als unbedingt nötig) geschrieben habe - und das war natürlich genau der Vorwand, den ich brauchte, um mir den Film selbst auch endlich noch einmal anzusehen.
Teeth beginnt mit einer harmlos und bürgerlich-friedlich anmutenden grünen Stadtlandschaft, die Kamera schwenkt schließlich auf das Elternhaus der Protagonistin Dawn O'Keefe (Jess Weixler), hinter dem unmittelbar und deutlich sichtbar die Kühltürme eines Atomkraftwerkes den Himmel dominieren. Wer angesichts dieser Darstellungen freilich Simpson-haften Humor in dieser Komödie erwartet, wird sicher enttäuscht werden; und auch die offenbare Anspielung auf durch Strahlung induzierte Genomveränderungen wird der Film nie anders als durch das Bild dieser Kühltürme explizieren. Ähnliches gilt für die diversen psychologischen Prädispositionen, die Dawn und ihr unangenehmer Stiefbruder Brad (John Hensley) mit sich herumtragen, und deren mögliche Genese zwar gezeigt wird, ob man dem aber Bedeutung verleihen will, muß man schon selbst entscheiden.
Zum Film
Überhaupt ist die Zuschreibung von Bedeutung eines der zentralen Themen des Films, das sich unter der zunächst eigenartig zurückhaltenden Oberfläche verbergen. Dawn engagiert sich für eine Gruppe, die an Schulen für Enthaltsamkeit wirbt - "True love waits" und derlei Dinge -, ohne daß sie oder ihre Freunde wirklich etwas von Sexualität wüßten. In den Schulbüchern der prüden Gemeinde sind sogar die Darstellungen der weiblichen Sexualorgane mit einem großen, golden glänzenden Stern überklebt.
Was Sexualität aber bedeutet oder bedeuten könnte, das ändert sich im Laufe des Films ebenso oft wie die Bewertung von Dawns besonderen (dem Film seinen Titel gebenden) Eigenschaften - sowohl durch sie selbst wie auch möglicherweise durch die Zuschauer_innen. Denn der Film nimmt es sich ja schließlich auf sich, den alten Mythos der Vagina dentata in die moderne Gegenwart zu versetzen und ihr einen feministischen Dreh zu geben, der sich gewaschen hat.
Er erzählt dies mithilfe einer Geschichte von weiblicher Selbstermächtigung, in der die zunächst als überaus "rein" inszenierte Dawn (blond, hellhäutig, enthaltsam) sich mit ihrer (nomen est omen) erwachenden Sexualität auseinandersetzen muß - vor allem aber damit, daß sie als Frau sexuell von Männern (und auch gewaltsam) unter Druck gesetzt wird. Die Gefahr, die von den Sexualorganen ausgeht, ist dadurch in diesem Film keineswegs sittlich-moralisch, sondern ganz konkret.
Während anfangs aber Dawn, ihre Lehrer und alle sonstwie Beteiligten nicht einmal die Namen der weiblichen Sexualorgane in den Mund zu nehmen bereit sind, spricht Dawn mit ihrer Flamme Tobey (Hale Appleman) fortwährend über das Verbot, sich sexuell zu betätigen - ein sehr im Sinne von Michel Foucault gedrehtes Verbot, das erst recht einen Diskurs hervorruft. Aber der Film wendet das schließlich in reine Taten, in den Sturz des Macht eben nur behauptenden, nie tragenden Phallus.
Es mag sein, daß Lichtenstein in Teeth zuweilen etwas zu eindeutige Bilder verwendet - eine zahnbewehrte Spinne gehört etwa dazu - aber der Film versteckt seine Subtilität eher in den Figuren und vor allem in seiner Protagonistin; und glatt geleckt ist das alles dennoch keineswegs.
Der Humor ist denn auch weniger schenkelklopfend - er lebt aber ebenso von den Momenten puren Splatters, von der grotesken Verletzung der Körpergrenzen (und dem reißenden, beißenden Geräusch, mit dem sie sich vollzieht), wie von der Umkehrung der Machtverhältnisse, die er mit Dawn vollzieht.
Als die Hauptdarstellerin Jess Weixler den Film 2007 auf der Berlinale vorstellte (damals hat Tillmann den Film auch gesehen), kam sie nach der Vorstellung in einem leuchtendroten Kleid auf die Bühne. Allein dafür hätte ich sie umarmen können, und deshalb ist es natürlich auch hervorragend, daß das Comedy Film Festival mit diesem Film den Women in Horror Recognition Month (Februar 2011) einleiten.
Für die Berliner Komische Filmnacht am 2. Februar mit Teeth gibt es hier bei uns auch einmal zwei Freikarten zu gewinnen. Das Gewinnspiel läuft für noch eine Woche bis zum 31. Januar 2011; das Teilnahmeformular findet sich hier.
Foto: International Comedy Film Festival; Logo: Women in Horror Recognition Month
Teeth
Ein großartiger Film. Läuft am 2. Februar 2011 in der Komischen Filmnacht in Berlin. Und hier gibt es bis 31. Januar einmal zwei Karten dafür zu gewinnen!
Kurz verlinkt, 16. Dezember 2010
Lesens- und Sehenswertes aus den vergangenen Tagen (25. November 2010 bis 16. Dezember 2010):
- Nino Klingler über 'The Tourist' - "Halb lüstern, halb machohaft wird hier die Frau ausgestellt, begafft, in den Kader gezwungen."
- Le boom du cinéma français - 2010 s'annonce comme une excellente année pour la fréquentation en salles. Les détails.
- A Serbian Film: when allegory gets nasty - Srdjan Spasojevic insists his controversial film is a political allegory. Unfortunately, cinema is the wrong medium for parables, says David Cox.
- Das fliegende Auge - Analyse einer Plansequenz aus 'Breaking News' von Johnnie To; Auszug aus der Magisterarbeit von Jenny Jecke
- Teal and Orange - Hollywood, Please Stop the Madness - Über die Farbpalette einiger jüngerer Blockbuster (via)
- The Battle Inside: Infection and the Modern Horror Film - The Ring, 30 Days of Night, George Romero, The Grudge und 28 Days Later im besonderen Fokus - von Richard Harland Smith
- 6 Most Awesome Women in the Harry Potter Books and Movies - Most children's entertainment depicts female characters in ways that bolster gender stereotypes. But the Harry Potter universe offers up many great feminist heroines. By Chloe S. Angyal
- "Lisbeth is something between Noomi and something in the script." - Deadline Hollywood interviewt Noomi Rapace
- The Evolution of Keira Knightley - To celebrate the the release of William Monahan's directorial debut London Boulevard, we're taking a jaunt through the back catalogue of Keira Knightley. The Brit superstar's career has so far seen super-sized blockbusters, Oscar recognition and period frocks aplenty.
- The return of the pixie crop - Big hair is for little girls. These days, the coolest cut of all is a chic pixie crop, as worn by Emma Watson and, er, Katie Waissel
- Ingrid Pitt, 1937-2010 - David Hudson sammelt Nachrufe auf die Schauspielerin.
River Tam
Selten waren Kampfszenen so elegant und zugleich so blutig wie wenn Summer Glaus River die Kontrolle über sich verliert
, hatte ich seinerzeit zu Serenity geschrieben, und das ist heute noch so wahr wie vor fünf Jahren. Hier kann man sich noch einmal visuell erinnern, und hier einen klugen Text u.a. dazu lesen, warum wir die Butt-kicking Babes des Kinos wirklich brauchen.
(via)
Kurz verlinkt, 25. November 2010
Lesens- und Sehenswertes aus den vergangenen Tagen (19. November 2010 bis 25. November 2010):
- Ingrid Pitt obituary - Der Guardian erinnert ausführlich an die Hammer-Queen Ingrid Pitt (née Ingoushka Petrov) auch mit Videoclips und Bildern.
- Unabhängiges Kino in New York: Wie Kakerlaken sollt ihr sein - In New York, einst Paradies des unabhängigen Kinos, drohen Arthouse und Independent bedeutungslos zu werden. Helfen können neue Vermarktungsstrategien.
- Mädchen gone wild - Dennis Harvey on German Sexploitation movies of the 1960s and 1970s
- The Race: The 82-Year Drought - A documentary has never been nominated for best picture, but this year might change that
- Loving the Bad - An E-Mail Interview with Frankie Latina and Sasha Grey on 'Modus Operandi' - by Matthew Sorrento
- In frostigen Höhen - "'Frozen' ist Thrillerkino in paradigmatischer Reduktion."
- Psychotische Ordnung - Robert Wagner vergleicht Psycho (USA 1960) und Braindead (NZ 1992) mit interessanten Ergebnissen
- An unabashed love letter to Ginny Weasley - "In conclusion, Ginevra Weasley, you are a badass. Yours, with undying love and nerdy affection, Chloe Angyal."
- Frame(s): Directed by Tony Scott - Sehr schön: Jenny hat aus (fast) allen Tony-Scott-Filmen den entsprechenden Frame "Directed by Tony Scott" herausgefischt.
- A history of zombies in America - Filmhistorischer Rückblick und Essay von Annalee Newitz
- Is "Harry Potter and the Deathly Hallows" as fiercely feminist as the book? - von Chloe Angyal
Kurz verlinkt, 16. November 2010
Lesens- und Sehenswertes aus den vergangenen Tagen:
- Harry Potter und die Heiligtümer des Todes, Teil 1 - Thorsten Funke lobt ausführlich den siebten Film, Regie: David Yates
- The Corpse Stays in the Picture - An undead actor shares a lifetime of delicious show business anecdotes.
- The Girl Who Played With Queer Utopia - J. Jack Halberstam über die Millenium-Verfilmungen nach Stieg Larssons Romantrilogie
- The golden age of documentary - From Kevin MacDonald's examination of the YouTube phenomenon to a cab ride with Osama bin Laden's former bodyguard, cheap technology is allowing film-makers to stretch the form as never before
- Interview: Melissa Silverstein - Melissa Silverstein is the brains behind the blog Women and Hollywood, a feminist perspective of how gender works in the movie industry.
- Bright Lights Film Journal - November 2010 | Issue 70
Science of Horror (2008)
Science Of Horror – If the chainsaw is a penis (Homepage) ist ein kluger kleiner Dokumentarfilm, der sich ausführlich, aber nicht ausschließlich mit feministisch orientierten Untersuchungen zum Horrorfilm beschäftigt.
Mittels vieler Interviewausschnitte aus Gesprächen mit etwa Carol Clover, Judith Halberstam, Barbara Creed und Linda Williams einerseits, zum Beispiel Wes Craven, John Carpenter, Brian Yuzna, Tom Savini und Rachel Talalay andererseits zeigt der Film, in welch vielfältiger Hinsicht Sex, Sexualität, Geschlecht und Schrecken zueinander finden - einige davon kann man im Gespräch erahnen, das Cristina Nord für die taz mit der Regisseurin Katharina Klewinghaus geführt hat. Das reicht von der Frage, inwieweit Zensur produktiv wird - frei nach Michel Foucault als produktive Macht beschrieben -, die zur Herausbildung spezifischer Codes und Verstehensformen führen kann, bis hin zum deessentialisierenden gender-bending in Bride of Chucky und Seed of Chucky. Das zeigt schon, daß der Film weit über die im Untertitel verwendete Parallelisierung von Kettensäge und Penis (was sich natürlich insbesondere auf The Texas Chainsaw Massacre 2 bezieht) hinausweist.
Wem das Neuland ist, wird Science of Horror sicher mit Gewinn ansehen; wenn man sich mit solchen Fragen schon etwas eingehender beschäftigt hat, bietet der Film zwar womöglich keine besonders aufregenden neuen Erkenntnisse, aber neben der einen oder anderen womöglich neuen Perspektive auf jeden Fall die Möglichkeit des Films, das Gesagte sofort durch bewegte Bilder zu illustrieren und zu unterfüttern. (Im Wesentlichen wechseln sich hier Filmausschnitte und Talking Heads ab.)
Das Problem ist dabei allenfalls, daß dies nicht konsequent genug dazu genutzt wird, um die Themen wirklich argumentativ zu entwickeln - am Ende bleibt dann zu viel nebeneinander stehen, das sich ohne eine weitergehende Auseinandersetzung kaum verbinden läßt. Das liegt natürlich auch ein bißchen an Form und Länge des Dokumentarfilms: Eine Überfrachtung ist schließlich, wie das thematisch verwandte Beispiel Nightmares in Red, White and Blue zeigt, auch keineswegs wünschenswert.



