Fantasy Filmfest 2012: Empfehlungen (2)

Alle meine Beiträge zum Fantasy Filmfest (FFF) 2012 finden sich unter dem Schlagwort FFF2012

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Nach den ersten Nennungen von gestern hier jetzt meine zweiten Empfehlungen, Warnungen und Ultrakurzkritiken zum diesjährigen Fantasy Filmfest.

Sehr informativ ist auch noch eine Diskussion, die sich gestern auf Facebook im Anschluß an Thomas‘ Empfehlungen entspann.

Trailer und Kurzkritiken:

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Fantasy Filmfest 2012: Empfehlungen (1)

Alle meine Beiträge zum Fantasy Filmfest (FFF) 2012 finden sich unter dem Schlagwort FFF2012

Das diesjährige Fantasy Filmfest rückt langsam näher, morgen gibt es in Berlin auch schon frühe Karten zu kaufen. Deshalb an dieser Stelle meine ersten kurzen Empfehlungen und Warnungen zu den Filmen, die ab 21. August in Berlin und anderswo zu sehen sein werden.

Mehr kurze Meinungen gibt es morgen.

Trailer und Anmerkungen:

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Kurz verlinkt, 16. Februar 2011

Lesens- und Sehenswertes aus den vergangenen Tagen (29. Januar 2011 bis 16. Februar 2011):

  • Loving the Bad – An Interview with Frankie Latina and Sasha Grey on Modus Operandi
    "Any director who shoots a grindhouse film without exquisite, triumphant, dangerous, and naked women is doing a disservice to the genre and should move into a different field."
    by Matthew Sorrento
  • The Best Sex in Contemporary Hollywood – Utopia, Ecstasy, and the (Classical) Musical Number in The 40-Year-Old Virgin
    by Kelli Marshall
  • Something That Festers – The Silence of the Lambs, The Texas Chainsaw Massacre, and the Visual Pleasures of Horror
    "We're drawn to and fascinated by horror because the genre reminds us that we have both outsides and insides, skin and guts, eyes and gray matter, ideas and appetites."
    by Jesse Stommel
  • The Cinematic Islands of Dr. Moreau – Beasts, Monsters, and Mad Scientists
    Why the doctor endures
    by Richard A. Voeltz
  • Interview mit Denis Villeneuve – Regisseur von 'Incendies'
  • Girls on Film: Redefining Date Movies – The dating world is a hideous business. We're taught that to woo, to romance, to love; the man must cover his beloved in all manner of monetary adoration and personal torment. He must buy overpriced roses, grandoise gifts and wallet-burning meals every Valentine's Day. He must take his beloved, or hope-to-be-beloved, to romantic comedies and five-tissue romances. On the flip side, the woman is expected to groom, to woo (though all bets are off when the fish is caught) and to offer up sexual spoils to show her appreciation (though not required). If she's super-swell, she might give the guy a day off now and then to partake in his burly deeds and see his manly friends, but ultimately, she just has to keep him marginally entertained … and rule him with an iron fist of feminity.
    And it all starts with the "date movie."
  • 15 movie sex and bedroom scenes that might just put you off sex and bedrooms – The movies have some valuable lessons to teach us about bedroom shenanigans. For here are 15 films that might just put you off sex altogether…
  • Heteronormativitätskritische Filmbildung – Plädoyer für queere Perspektiven in der Medienpädagogik – Medienpädagogische Filmbildung hat es bislang gänzlich versäumt queer-theoretische Ansätze in der Filmbildungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen aufzugreifen. Darum schlage ich ein Konzept heteronormativitätskritischer Filmbildung vor, mit dem medienpädagogische Ansätze innerhalb der Filmbildungsarbeit für queer geöffnet werden, das sich insbesondere für subjektbezogene Konzepte von Filmbildung dringend empfiehlt. Heteronormativitätskritische Filmbildung stellt eine veränderte Möglichkeit der Herangehensweise an das Medium Film dar: Filmische Repräsentation wird als Ort der Reproduktion heteronormativer Strukturen fokussiert und gleichzeitig der Frage nachgegangen, inwiefern Interventionen in die symbolische Ordnung durch filmisch vermittelte Formen des Widerstandes aussehen können. (Feministisches Institut Hamburg / von Julia Bader)
  • Wieland Speck über Kinofestivals – Nachdem Wieland Speck in den siebziger Jahren für das Berliner TALI Kino verantwortlich war und als Darsteller unter anderem für Marlene Dietrich, Ulrike Ottinger und Robert van Ackereren vor der Kamera stand, wurde er im Jahr 1982 Assistent von Manfred Salzgeber bei der Berlinale. Gemeinsam mit ihm gründete er den schwulen Filmpreis TEDDY AWARD, der seit 1987 auf der Berlinale verliehen wird. Seit 1992 ist Wieland Speck Programmleiter der Sektion PANORAMA. Mit uns hat Speck darüber gesprochen, warum das Kino in Festivals zu Hause ist.

Gérardmer 2010 – Tag 4: die Preisträger

gerardmer_logoDas Festival ist gestern abend zu Ende gegangen, ich habe mich schon am Nachmittag in einen Bus geschwungen, um heute morgen wieder vom Kind geweckt werden zu können. Den Schnee habe ich, scheint’s, mitgenommen, draußen ist gerade Landunterweiß.

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Vom Festivalgeschehen habe ich an diesem letzten Tag nicht mehr so viel mitbekommen; kurz vor meiner Abfahrt habe ich noch No-Do gesehen, einen spanischen Geistergruselfilm mit kirchenkritischen Obertönen und einigen Anklängen an Friedkins The Exorcist. Muß man aber, meiner bescheidenen Meinung nach, nicht unbedingt gesehen haben.

Vorher hatte ich die Gelegenheit, ein Interview mit Vincenzo Natali zu führen, der seinen Film Splice in Gérardmer außer Konkurrenz vorstellen konnte. Es wurde ein äußerst interessantes Gespräch über die Zukunft der Genetik, wie man Biohorror machen kann, ohne permanent David Cronenberg zu zitieren und die Frage, ob die Erwachsenen heute nicht erwachsen werden wollen.

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Am Abend wurden dann noch die Preise vergeben, nach und nach tröpfelten sie über Twitter ein, und da gab es dann doch gewisse Überraschungen. Daß Moon den Preis der Jury und den Kritiker-Preis gewann, war nicht mal besonders unerwartet. Der Publikumspreis ging allerdings nicht an den heißen Favoriten La Horde, sondern an den allerdings sehr sehenswerten Thriller 5150 rue des Ormes, und den Grand Prix des Festivals gewann der deutsche Beitrag Die Tür.

Hier die Auszeichnungen in der Übersicht:

  • Grand prix (Großer Preis):
    Die Tür von Anno Saul (Deutschland)
  • Prix du jury (Preis der Jury):
    Moon von Duncan Jones (Großbritannien)
  • Prix de la critique (Preis der Kritik):
    Moon von Duncan Jones (Großbritannien)
  • Mention spéciale du jury presse (Besondere Erwähnung der Pressejury):
    Amer von Hélène Cattet und Bruno Forzani (Belgien/Frankreich)
  • Prix du jury jeunes de la région lorraine (Preis der Jugendjury):
    Possessed von Lee Yong-Ju (Südkorea)
  • Prix du public (Publikumspreis):
    5150 rue des Ormes von Eric Tessier (Kanada)
  • Prix du jury sci fi (Preis der Syfy-Jury):
    La Horde von Yannick Dahan und Benjamin Rocher (Frankreich)
  • Grand prix du court métrage (Großer Preis für den besten Kurzfilm):
    La Morsure von Joyce A. Nashawati (Frankreich)
  • Prix du meilleur inédit vidéo (Preis für den besten Direct-to-Video-Film):
    From Within von Phedon Papamichael (USA)

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Vierzehn Fime habe ich in den letzten Tagen gesehen und viel zu wenig geschlafen. Jetzt werde ich ein paar unerledigte Dinge abarbeiten und mich dann den vielen noch ausstehenden Kritiken zuwenden.

Gérardmer 2010 – Tag 3

gerardmer_logoEs neigt sich auf der einen Seite schon alles sehr dem Ende zu; dafür ist dann auf der anderen Seite auch immerhin schon ein bißchen was fertig. Meine Besprechung von Dans ton sommeil, die bei blairwitch.de nachgelesen werden kann.

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Hatte ich schon erwähnt, daß es fortwährend schneit? Am Samstag kam jetzt immerhin für etwa eine Stunde knallig die Sonne durch. Dann begann es wieder dick zu flocken. Das alles hat neben der schönen Landschaft und dem winterlichen Rumgefühle auch ungewollte Folgen: So hat sich einer der Parkplätze am Hauptspielort des Festivals als gelegentliche Autofalle entpuppt, denn er wird offenbar nicht geräumt und liegt etwas unterhalb der Straße. Auf die ist schon das eine oder andere Auto nicht mehr aus eigener Kraft hochgekommen.

Gerüchte machten auch die Runde, die Busse nach Draußen kämen ob des Schnees nicht durch. Das Büro der Touristeninformation dementiert, aber weil morgen Sonntag ist, fahren eh nur drei Busse zu insgesamt zwei Zielen. Hoffentlich, denn meiner geht nach Fahrplan um halb sechs am Abend.

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Und natürlich ist seit heute morgen die ganze Stadt voll mit Menschen und Autos. Es ist Wochenende, und da sind viele zum Wintersporteln gekommen, aber auch die Fans, die sich unter der Woche nicht freimachen konnten oder wollten. So sind insbesondere die Schlangen für Splice und den neuen Romero extrem lang geraten.

Und mit dem Wochenende kommen auch die Pärchen; so ist der Dresscode unter den nicht akkreditierten Festivalbesucher_innen nicht mehr ganz so strikt schwarz oder grau zu schwarz.

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Schon von Anfang an da sind die zwei oder drei offenbar traditionell zu Filmbeginn laute Schreie oder irre Lacher ausstoßenden Besucher. Als der eine heute morgen zu Hierro fehlte, machte sich das sofort als mentales Loch bemerkbar.

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Anno Saul

Zu Die Tür war er wieder da; und Regisseur Anno Saul verhaspelte sich ein wenig vor Aufregung in seinem Englisch. Später meinte ein Kritiker, in dem Film besonders deutschen Geist gefunden zu haben; dem kann ich mich freilich nicht so ohne weiteres anschließen. Aber schön war es schon, das Kottbusser Tor mal wieder zu sehen; jedenfalls so auf der Leinwand und nur mal kurz.

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Sprachlich etwas leichter hatte es dann Vincenzo Natali, der bei seinem dritten Besuch in Gérardmer schon ein recht passables Französisch präsentierte, für das er sich dennoch ständig entschuldigte. Besonders freute er sich wohl darüber, daß auch Delphine Chanéac dabei war, die in Splice ein genetisch erschaffenes Kunstwesen spielt, und die Natali über alle Maßen pries – und versprach, man werde sie im Film nicht wiedererkennen. (Das stimmt nicht so ganz. Aber irgendwas hat sie mit ihren Haaren gemacht. Und ihren Beinen.)

L'équipe du film 'Splice'

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Damit der Tag noch einen verqueren Abschluß bekommt, habe ich dann mein Handy im Presseraum liegen lassen, wo ich es zum Aufladen ans Stromnetz gehängt hatte. Aufgefallen ist mir das allerdings erst hier im Hotel wieder, und so bin ich die ganze Strecke wieder zurück gelaufen. Und weil dann Delphine Chanéac gerade, vom Klavier begleitet, ein paar Lieder sang, und ich eh die Nase voll hatte, bin ich noch einen Moment und zwei Bier lang in der Bar geblieben. Weshalb es für heute bei diesem kurzen Bericht bleibt. Gute Nacht.

Gérardmer 2010 – Amer

(Update: Vollständige Besprechung jetzt hier im Blog.)

gerardmer_logoAmer, so geht meine Vermutung, ist unter den Wettbewerbsfilmen in Gérardmer bislang vermutlich derjenige, der das Publikum am effektivsten spaltet, in voraussehbar drei Teile: Diejenigen, die das Ganze prätentios und ohne erzählerischen Mehrwert finden, diejenigen, die sich nach einer Weile langzuweilen beginnen, und schließlich diejenigen, die bis zum Schluß mitgerissen sind.

Ich gehöre, ich gestehe es gerne, zur letzten Gruppe, mit einigen Zweifeln an meiner Überzeugung in der Mitte. Will sagen: Das ist ein toller Film, intensiv, erotisch, gruselig; die Geschichte ist nicht besonders originell (um die geht es auch gar nicht) und der Gestus wirkt zunächst wie experimentelles Avantgardekino, ist aber doch eigentlich etwas anderes: will wohl etwas sein wie ein filmischer Stream-of-Consciousness.

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In drei Teile gliedert sich der Film, Kindheit, Adoleszenz und Erwachsensein, wir folgen Ana (gespielt nacheinander von Cassandra Forêt, Charlotte Eugène Guibbaud und Marie Bos) oder vielleicht eher: wir sehen, was sie sieht und fühlt, einen Wust von Fragmenten, Ultra-Close-Ups, rätselhaften Bildern in leuchtenden Farben, stellenweise überstrahlt, fast immer mit selektiv verstärktem Ton. Geräusche sind das: Das Kratzen eines Dorns auf Haut, das Knirschen von Leder, der Wind, der Anas Kleid anhebt. Das Drehen des Schlüssels im Schloß, eine zufallende Tür, knarzende Holzbohlen.

Drei kurze Ereignisse werden da in den Fragmenten berichtet, jedenfalls bastelt man sich das so zusammen, ganz sicher kann man nicht sein: Elliptisch und selektiv ist das Bild, aber daß es sich nicht von selbst zusammenfügt, uns keine leichte Erzählung anbietet, ist Pro- wie Psychogramm.

Ist das Erinnerung? Die Bilder aus der Kindheit sind am fremdartigsten, gruselig und stellenweise furchtbar, die Eltern seltsam fern, eine ganz in Schwarz gehüllte Haushälterin kümmert sich um den just verstorbenen Großvater. Dann Adoleszenz: hier ist alles andeutungsvoll, ein Ausflug mit der Mutter ins Dorf (wird sind wohl auf einem Landhaus in der französischen Provinz), da versteht der Film alles sexuell aufzuladen, mit Atemgeräuschen, dem Rascheln von Stoff auf Haut, Schweißtropfen. Und vielleicht führt der Schluß das sogar alles zusammen.

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Fertig bin ich mit Amer jedenfalls noch lange nicht, für eine einigermaßen konsistente Kritik brauche ich noch ein bißchen Bedenkzeit. Schön ist jedenfalls alleine schon der Vorspann, der in Musik, Schriftzügen und Splitscreens die 70er aufleben läßt – und doch schon den dem Film eigenen Ton zu etablieren versteht.

(Und über die möglichen Beziehungen zum Giallo auch ein andernmal.)

‚Predator‘ hätte anders beginnen können

Auf einer Pressekonferenz gestern hat John McTiernan, der hier in Gérardmer Präsident der Jury ist, neben vielem anderen auch etwas über einen seinerzeit erwogenen, alternativen Beginn für seinen Film Predator mit Arnold Schwarzenegger erzählt.

Die schlechte Ton- und Bildqualität bitte ich zu entschuldigen. Irgendwann kaufe ich mir auch mal ein Stativ und eine richtige Videokamera.

Gérardmer 2010 – Tag 2

gerardmer_logoDer zweite Festivaltag ist für mich zu Ende gegangen, und inzwischen macht sich schon langsam das Gefühl von Erschöpfung breit; und dabei waren es heute „nur“ drei Filme. Immerhin habe ich jetzt schon etwas geschrieben und einige Notizen getippt. Wie macht das eigentlich Thomas während der Berlinale immer, so viel zu sehen, so viel zu schreiben und dennoch vermutlich auch noch zu essen und zu schlafen? Infusionen mit Koffein und Traubenzucker? Jedenfalls sollte ich gleich ins Bett gehen.

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Das Wetter ist hier natürlich ein großes Thema. Seit zwei Tagen schneit es jetzt fast ohne Unterlaß, und wie eine Zuschauerin gestern leicht angestrengt bemerkte, macht es das nicht eben leichter, von einem Festivalkino zum anderen zu kommen; die Zeiten zwischen den Filmen sind eh nicht besonders üppig bemessen. Seit dem Nachmittag sind jetzt immerhin schon die ersten Gehsteige geräumt, aber die einst freigemachten Straßen sind schon wieder unter einigen Zentimetern Schnee verschwunden.

Wenn man sich dann zum Hauptspielort, dem „Espace L.A.C.“ – er liegt, gute Güte, auch noch etwas außerhalb des Ortes, aber schön am See – vorgekämpft hat, wartet dort die nächste Hürde: Der Zugang für die Presse, geladene Gäste und „Professionals“ führt über eine kleine Treppe rauf, über eine rutschige Veranda und wieder eine Treppe hinab. Alles draußen, alles seit Beginn des Schneefalls so glatt wie vermutlich der zugefrorene See. Auf der Veranda liegt jetzt immerhin ein Teppich, der die Rutschgefahr erfolgreich mindert.

Gefühlt war der ganze Schnee trotz kalter Füße, Schwiegeromas Wollsocken verhinderten bislang das Schlimmste, dennoch um Meilen besser als der Regen und der eisige Wind, von denen die Berlinale stets begleitet wird. Nun hat sich allerdings am späten Nachmittag zum Schneetreiben ein eisiger Wind hinzugesellt, der den Pulverschnee von Dächern, Bäumen und vom See aufwirbelt und uns in Augen und Gesicht treibt. Ich bin mir nicht mehr ganz so sicher.

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Aber die Stimmung ist dennoch gut. Vor der Vorstellung von 5150, rue des Ormes warteten alle sehr lange auf Einlaß, und irgendwann entspann sich zwischen zwei Gruppen in der Journalist_innenschlange und der Schlange für Menschen mit „normalen“ Tickets eine kleine Schneeballschlacht.

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Und für die, die nicht genug kriegen können, gibt es von einem der Sponsoren des Festivals vor jeder Vorstellung ein Eis.

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Les réalisateurs du film 'Amer'

Die Regisseure von Amer, Hélène Cattet und Bruno Forzani, waren von ihrem Auftritt vor Publikum so überwältigt (oder so schlecht auf sie vorbereitet), das sie nur zwei Halbsätze stammeln konnten. Eric Tessier hingegen, gutgelaunter Kanadier, stellte seinen Film 5150, rue des Ormes nicht nur mit vielen, langen Sätzen vor, sondern gab dem frankophonen Publikum gleich noch eine kleine Unterweisung in die Besonderheiten des in Québec gesprochenen Französisch‘ (Video).

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Bei einer Pressekonferenz am Nachmittag, zu der auch ein als Predator verkleideter Fan erschien, wollte Jury-Präsident John McTiernan allererst und vor allem einen Kaffee. Den bekam er dann leider erst kurz vor Ende der Veranstaltung, dankbar war er aber doch.

Da wirkte er noch, wie schon bei der Eröffnungsveranstaltung, sehr ruppig, unwillig und unwirsch. Sobald aber die ersten Fragen kamen, kamen auch die Antworten ausführlich und mit Begeisterung. Und als ihm ein Vertreter der Cinématheque Française eine ausführliche Laudatio hält, das Publikum ihm stehend applaudiert, da ist auch er sichtlich gerührt.

Hommage à John McTiernan

Gérardmer 2010 – Die Dokumentarfilme

gerardmer_logoDie beiden Dokumentarfilme zum Horrorfilm, die in Gérardmer außerhalb des Wettbewerbs gezeigt werden, sind hier als Double Feature zu sehen, was einerseits gut ist, weil es eine direkte Gegenüberstellung ermöglicht und fördert, und andererseits für den amerikanischen Beitrag in diesem Doppel nicht so vorteilhaft ausfällt.

Nightmares in Red, White and Blue

Das ist nicht einmal der rein technischen Qualität in die Schuhe zu schieben, obwohl diese mir als erstes an Nightmares in Red, White and Blue negativ aufgefallen ist. Offensichtlich wurden vor allem viele der alten Filme digital und in denkbar schlechter Auflösung verarbeitet, so daß zum Teil vor lauter Schlieren kaum mehr erkennbar ist, was auf der Leinwand vor sich geht.

Der Film betreibt dann einen allzu schnellen Durchmarsch durch die Jahrzehnte, von den 1920er bis in die 2000er hinein und vertritt im Wesentlichen doch nur die Aussage: Der Horrorfilm ist stets ein Kind seiner Zeit, und außerdem traut er sich, Wahrheiten auszusprechen, die das Kino sonst nicht anfassen mag. Das ist so wahr wie inzwischen banal. Nightmares fügt dem nichts Neues hinzu, was nicht schon hunderte Male in Bezug auf die eine oder andere Epoche oder mit Verweis auf dieses und jenes Thema gesagt und geschrieben worden wäre.

Das Hauptproblem ist, daß diese Grundthese auch noch völlig uninteressant präsentiert wird. Die Namen von Filmen sirren vorüber, ebenso die blutigen Szenen, und dazwischen gibt es Talking Heads. Es sind zwar tolle Talking Heads, praktisch alle noch lebenden Größen unter den Horrorregisseuren, und sie haben auch was zu sagen, aber fesseln kann das nicht, dafür verweilt der Film zu wenig auf den Momentaufnahmen oder auf einzelnen Filmen. Wenn das doch einmal passiert, als z.B. George A. Romero voller Begeisterung von The Thing erzählt und auf bestimmte Details aufmerksam macht, dann spürt man umso schmerzlicher, wie wenig der Film das sonst betreibt. Und genau in diesem Moment verspielt der Film auch die Chance, die er sich selbst gibt, seine Grundbehauptung zu zeigen und zu belegen, anstatt sie nur zu behaupten.

Stattdessen werden alle Filmtitel und Traditionen angerissen, mehr um Vollständigkeit als um Bedeutung herzustellen, von Nosferatu (als Inspiration natürlich, da nicht genuin amerikanisch) bis hin zu Interview mit einem Vampir, von Hannibal Lecter bis Freddy Krueger, von Scream (in einer ultrakurzen Sequenz) bis hin zu It’s Alive (mit kein bißchen mehr Screentime). In einem solchen Druckkochtopf wird letztlich nicht von dem wirklich sichtbar, was der Film behauptet: gesellschaftliche Relevanz, innere Entwicklung, thematische Bedeutsamkeiten – das alles muß man entweder glauben oder anderswo nachlesen oder -sehen.

Mit größerer Sparsamkeit kommt man durchaus weiter, wie zum Beispiel zum Beispiel Going to Pieces gezeigt hat. Der spaziert zwar durch das Subgenre und die Zeit seit den 1970ern im Grunde nicht weniger rasch hindurch, gewinnt aber durch zeitliche wie thematische Konzentration an Konsistenz.

Viande d’origine française

Vielleicht ist es natürlich nur, daß ich mich im französischen Horrorkino noch nicht so gut auskenne; oder daß es den Bonus des leicht Randständigen hat, die Außenseiterzulage, die man zu wenig behandelten Themen gerne mal gibt.

Oberflächlich weicht Viande d’origine française in seiner Herangehensweise ans Thema von Nightmares nicht wirklich ab: Regisseure, Produzenten und eine Schauspielerin kommen zu Wort, stets mit mindestens zwei Kameras geführt, mitten im Satz wird, man weiß das nach einer Weile vorher schon, von der Nahaufnahme auf eine Halbtotale geschnitten – das ist ein bißchen verspielt, ein bißchen nervös, ein bißchen dynamisch. Dazwischen gibt es dann viele blutige Szenen aus den angesprochenen Filmen, und man darf den Eindruck bekommen, daß die Regisseure sich aus den achtzehn Horrorfilmen, die ihren Angaben nach seit 2000 in Frankreich entstanden sind (dessen Filmindustrie, ebenfalls nach den Zahlen aus Viande, einen jährlichen Ausstoß von 200 Streifen hat), die blutigsten Stellen herausgesucht haben.

Viande d’origine française hangelt sich vage an einer historischen Linie entlang, durchzieht diese aber mit einem weiteren roten Faden: die Bedeutung des französischen Horrorfilms im Inland und im Ausland. Der Strang hat zahlreiche Ausfaserungen nach rechts und links – gesellschaftliche Bedeutungen, filmwissenschaftliche Bewertung, Auteur-Theorie und all das, und wie es in Zusammenhang mit dem Genrefilm steht, sowie schließlich auch die „Ausbeutung“ junger europäischer Filmemacher durch die Großindustrie in Hollywood.

Und ganz einfach macht der Film es sich eben auch nicht. Da wird keine völlig stringente Geschichte erzählt, sondern durchaus in sich widersprüchliche Aussagen und Diskussionen einfach stehen gelassen. Natürlich ist es fürchterlich, wie schwer es in Frankreich ist, einen Horrorfilm finanzieren zu lassen; aber es ist eben doch viel angenehmer, als den einschränkenden Vorstellungen von Studiobossen und Marketingleuten ausgeliefert zu sein, selbst wenn man dafür ein großes Budget zur Verfügung hat. Wenn es nur nicht so wäre, daß man, wie die beiden Regisseure von La Horde klagen, froh sein kann, genug Geld für eine einigermaßen realistische Wirklichkeitsdarstellung zu bekommen. Was der Film mit zunächst Dreharbeiten von einem völligen Trashfilm kommentiert, bei dem eine Wassermelone als Kopfersatz zerschlagen wird, um dann als weiteren Kommentar Bilder zu zeigen, die Alexandro Aja beim entspannten Big-Budget-Dreh von Piranhas 3D zeigen.

So ganz ernst nehmen sich die ganzen Protagonist_innen des französischen Horrorkinos also jedenfalls wohl nicht, und Viande d’origine française macht sich diese Haltung zu eigen. Schließlich will das Publikum unterhalten und nicht bejammert werden.