Doghouse (2009)

Weitere Beiträge zu Filmen, die auf dem Fantasy Filmfest 2009 zu sehen waren, unter dem Tag FFF2009

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Daß Doghouse und Lesbian Vampire Killers nicht nur in ihrer Story gewisse Ähnlichkeiten haben, muß nicht weiter verwundern; beide dürften sich an ein ähnliches Publikum richten, man darf sie getrost lad movies nennen. Es sind Filme, die mann sich bevorzugt mit seinen bevorzugt heterosexuellen Kumpels ansehen wird, um sich Szenen des Geschlechterkampfs anzusehen, ins Horrorgenre transferiert und angeblich ironisch unterfüttert. Die Frauen kommen dabei nicht unbedingt besonders gut weg.

Die Sache mit der Ironie funktioniert in Doghouse leider nicht besonders gut, das glückte bei den Lesbian Vampire Killers besser, deren Frauenbild so offenbar übertrieben war, daß es, nicht zuletzt durch die patente zentrale weibliche Figur, nie als besonders ernst gemeint ‚rüberkam. (Feministisch ist das aber noch lange nicht.)

Was sich in Doghouse als solche Lust am Spiel mit den Bedeutungen ausgibt, ist aber nur altes Männergeplapper, das zu modernisieren allein mit leichtem Augenzwickern (alles nur Spaß, wink, wink, nudge, nudge) schon erledigt sein soll, und das geht natürlich, wie stets, grandios in die Binsen.

Dabei mag ich mich keineswegs über die Grundprämisse der Geschichte aufregen, da wäre ja durchaus Potential. Eine Handvoll mehr oder minder junger Männer macht sich in ein verschlafenes Dorf auf, einer von ihnen ist frisch geschieden und seine Kumpel wollen mit ihm so richtig saufen und männlich sein, um ihn aus seiner Trübsal zu erretten. Das Dorf aber entpuppt sich, da verrate ich nicht zuviel, als Stätte eines militärischen Experiments mit biologischen Kampfmitteln: Ein Virus, das nur Frauen befällt, hat diese sämtlich in menschenfressende, äußerlich an Zombies gemahnende Furien verwandelt; die Männer sind alle verspeist.

Das läßt schonmal reichlich Raum für reichlich Splatter, aber da ist der Film so halbherzig wie sonst auch; in der ersten Filmhälfte kommen die Fanboys auf ihre Kosten, danach geht es eher einfallslos zu – in Sachen Splatter wie in Sachen Handlung. Die Hauptpersonen sind nicht besonders einfallsreich konstruierte Typen, ein Schwuler ist für die Quote auch dabei, und natürlich gibt es ein paar Anspielungen auf Day of the Dead etwa, aber all das führt nirgends hin und will es wohl auch nicht.

Das könnte man dann schon wieder als entspannte lad-Haltung pro Fun-Splatter durchgehen lassen, wenn zugleich die Geschlechterkampf-Thematik nicht derart mit dem Holzhammer eingeführt und fortgeschrieben würde. Natürlich haben alle Streit mit ihren Partnerinnen bzw. dem (als effiminiert gezeigten) Partner, natürlich stellen sie sich die Selbstdiagnose einer „social gender anxiety“, und natürlich flucht gegen Ende einer der Überlebenden über die „pissed-off, man-hating, feminist cannibals“, mit denen sie es zu tun haben. („Now“, wird dann auch noch betont, „is not the time to stop objectifying women.“)

Wenn man es dennoch wirklich komisch findet, wie sich drei der Männer in einer Referenz sowohl an Some Like It Hot als auch an Shaun of the Dead als Frauen verkleiden und so eine Weile lang unbehelligt an den durch das Virus offenbar auf Minimalinstinkte reduzierten, männermordenden Frauen vorbeikommen, dann wird einem Doghouse vielleicht wirklich gefallen. Immerhin muß man dem Film zugute halten, daß er keine glatt polierte Filmästhetik vor sich her trägt und vor allem darauf verzichtet, die Frauen, wie Lesbian Vampire Killers das problematischerweise durchaus macht (oder auch Zombie Strippers [meine Kritik], um ein allerdings ganz anders gelagertes Beispiel zu nennen), ausschließlich als Geschlechtsobjekte in Szene zu setzen.

Foto: Fantasy Filmfest

FFF 2009: Kurzkritiken (3)

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Pontypool: Bruce McDonalds im Anschluß an den ambitionierten The Tracey Fragments (meine Kritik) gedrehter Horrorfilm wird meist als Zombiefilm angekündigt, so recht will diese Beschreibung und Zuschreibung aber nicht passen, zu unklar bleibt das Geschehen, zu wenig wird es visuell wahrnehmbar oder gar ausgewalzt.

Pontypool ist vor allem eins: Talk Cinema. Ein Radiomoderator spricht, und wir sehen ihm dabei zu, sehen noch sein Umfeld und seine Kolleginnen, aber es ist vor allem seine Stimme, also die von Stephen McHattie, die die Wahrnehmung bestimmt. Im Keller einer Kirche hat sich die kleine Radiostation des kanadischen Pontypool eingerichtet, und der neue Moderator hat seinen ersten Tag, während es draußen offenbar zu seltsamen Ereignissen und Unruhen kommt.

Sprache ist das Thema dieses Films, und während das im Filmverlauf zu einigen fürs gewöhnliche Horrorkino zu bizarren Wendungen führt, hat sich hier jemand Gedanken gemacht über die Kraft, die in Wörtern, in Schrift und vor allem in Sprache steckt. Unbedingt sehenswert.

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The Killing Room: Eine junge Militärpsychologin muß an ihrem ersten Tag an ihrer neuen Top-Secret-Arbeitsstelle in hochgradig illegales Menschenexperiment beaufsichtigen, dessen Ziel ihr zunächst immerhin ein bißchen weniger unklar ist als den Proband_innen. The Killing Room hat im Grunde ein typisches Reality-Show-Szenario (in dieser Hinsicht Prime Time nicht unähnlich): Einer wird rausgewählt. Freilich sind hier die Methoden wenig zimperlich.

Trotz allem kann der Film weder so recht Spannung oder Betroffenheit aufkommen lassen, noch bewegt er sich ästhetisch auf aufregendem Terrain; es gibt Wechsel zwischen Beobachtungsposten, Überwachungskameras und dicht an den Personen geführten Handkameraeinstellungen, das hat man alles schon einmal gesehen. Leider enttäuschte auch der Auftritt einer meiner Lieblingsschauspielerinnen, Clea DuVall, was aber nicht an DuVall liegt, sondern an ihrer Rolle. Das näher zu erläutern hieße schon viel von der Handlung zu verraten.

Fotos: Fantasy Filmfest

FFF 2009: Kurzkritiken (2)

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Prime Time: Eine etwas offensichtliche Mediensatire zwischen Big Brother, Untraceable und Das Millionenspiel. Ein Schwung Kandidat_innen werden für eine im Internet ausgestrahlte Fernsehsendung (der Titel ist da recht irreführend, weil: falsch) gekidnappt und in einem schicken Plastik- und Stahlgefängnis unter ständiger Kamerabeobachtung festgehalten. Alle paar Tage werden zwei ausgewählt, die sich für dunkle Stellen in ihrer Vergangenheit öffentlich rechtfertigen müssen und von den Zuschauer_innen dann zur Bestrafung ausgewählt werden. Obwohl das ganze nicht schlecht gemacht ist, hatte ich am Ende des Festivaltages Mühe, mich an den Film überhaupt zu erinnern. Denn ähnliches ist ja Dutzendware in den letzten Jahren geworden, man denke nur an Death Race (meine Kritik) oder The Condemned – weitere Beispiele nennt Stefan Höltgen bei Telepolis.

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Coffin Rock legt von Beginn an ein ganz anderes, sehr ruhiges Tempo vor, das eine sehr stimmungsvolle Atmosphäre heraufzubeschwören vermag, leider aber schon nach dem ersten Drittel eher spannungshemmend wirkt. Ein wenig mehr Geschwindigkeit hätte dem Werk sehr gut getan. Denn eigentlich geht es um essentiell Dramatisches: Eine nicht mehr ganz junge Frau, die verzweifelt mit ihrem Mann ein Kind zu zeugen versucht, lacht sich einen Stalker an, der unbedingt ihr ganzes Leben will. Die Situation eskaliert natürlich zusehends, das geht wie nach dem Drehbuchlehrbuch. Trotz eingängiger Charaktere und vieler Pluspunkte mehr ist der Film am Ende schlicht zu lang.

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Infestation: Freund_innen des humorvollen Splatters kommen hier auf ihre Kosten, und das Festivalpublikum reagierte auf entsprechend beglückte Weise. Riesenkäfer aus dem All (apparently) überfallen die Welt oder zumindest den Teil von ihr, den wir hier zu Gesicht bekommen; es gibt viel in Kokons eingesponnene Menschen, einige bizarre Mutanten und natürlich ein knospendes Liebespaar zu sehen. Ohne daß der Film große künstlerische Ansprüche stellen würde, ist das großes Gagakino, unterhaltsam und mit leidlich überzeugenden Käferdarstellern versehen.

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A Film With Me In It wird im Programmheft als ganz, ganz große schwarze Komödie angekündigt und man darf die damit geweckten Erwartungen getrost und ohne schlechtes Gewissen als zu hoch gehängt bezeichnen. Gewiß, schwarz und lustig ist das schon, aber die Unglücksfälle, die das Leben des arbeitslosen Schauspielers Mark mit Leichen füllen, sind weder so haarsträubend komisch noch so dicht gesäht, daß man deshalb aus dem Lachen nicht mehr herauskäme. Im Gegenteil, dazwischen zieht sich die Handlung wie zähes Kaugummi, zumal nur allzu offensichtlich wird, auf welch hanebüchenen Prämissen die Handlungen der Protagonisten beruhen. Das ist dann weniger lustig als vor allem recht traurig. Erst ganz am Schluß wird, unter Aufnahme des im Titel anklingenden Themas, noch einmal der Kontrast des im Film durchaus etwas grauer ausgestellten vermeintlich realistischeren Kinobildes zu Hollywood ausgestellt. Was vorher passiert, ist aber oft schlichtweg Quatsch.

Fotos: Fantasy Filmfest

FFF 2009: Kurzkritiken

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Weil ich in den nächsten Tagen auch keine Zeit haben werde und voraussichtlich morgen dann endlich auch persönlich auf dem Fantasy Filmfest in Köln sein werde, gibt es hier noch rasch Kürzestkritiken zu zwei Filmen, die ich vorab habe sehen können.

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Largo Winch: Ich mag es ja, wenn Filme, wie jetzt auch Tarantinos im übrigen phantastischer Inglourious Basterds, die durch die Filmhandlung logischerweise zu erwartende Mehrsprachigkeit dann auch im Film erhalten und umsetzen. Bei Largo Winch ist das die logische Folge des internationalen Settings, in dem Französisch, Englisch und Serbisch gesprochen werden – neben Russisch, Deutsch und einigen anderen Sprachen, die auch noch auftauchen.

Largo Winch ist Erbe eines riesigen Firmenimperiums, bis zum Tod seines Adoptivvaters wußte aber nahezu niemand von seiner Existenz; plötzlich trachten aber nur allzu viele dem jungen Mann, der seine letzten Jahre vor allem als Abenteurer verbracht hat, nach dem Leben. Kann Largo herausfinden, wer die Intrige gesponnen hat?

Largo Winch hat ein bißchen Sex, viel Action und reichlich Verschwörungsgeschehen; das ist eine massentaugliche, ohne Fehler, aber auch ohne bemerkenswerte Ideen und etwas vorhersehbar umgesetzte Abenteuergeschichte, deren Geschichte sich nicht allzu eng an den Largo-Winch-Comics von Jean Van Hamme und Philippe Francq orientiert.

Genrefans treffen mit diesem Film keine schlechte Wahl, alle anderen verpassen hier womöglich: nichts.

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The Children: Für Eltern ist ja schon die Vorstellung ein Alptraum, die eigenen Kinder könnten sich nur emotional von einem abwenden; daß sie gar Messer, Scheren und Hacken gegen uns erheben, läßt sich nicht einmal denken. So kommt die zögerliche Reaktion der Erwachsenen hier nicht unerwartet, als ihre kleinen Kinder, kaum im Schulalter, auf einmal zu blutdurstigen Monstren werden.

Monstren, wohlgemerkt, nur im moralischen Sinne, denn eine echte Erklärung für die Mordlust der Kinder gibt The Children nicht, auch wenn er hanebüchen auf eventuelle medizinische Gründe verweist. Das sind dann auch die allerschwächsten Momente in diesem Film, der ansonsten zwar wenig revolutionär ist (gerade wenn man ihn mit Filmen vergleicht, die sich an ähnlichen Szenarien abarbeiten), aber bis zum würdig apokalyptischen Ende doch einigermaßen das Fürchten lehren kann.

Foto: Fantasy Filmfest

FFF 2009: Secret défense (Secrets of State)

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Als letzten französischen Agentenfilm hatte ich vor schon längerer Zeit Agents secrets (2004) gesehen, und obwohl ich den Film wegen seiner dramaturgischen Schwächen insgesamt nicht besonders gut und eher langweilig fand, war er doch ein interessantes Beispiel dafür, wie das französische Kino mit den Grundzügen eines Genres umgehen kann: Sehr frei, antithetisch den qua Genre auf den Film gerichteten Erwartungen zuwiderlaufend.

Secret défense macht das ähnlich (und ungleich spannender). Hier geht es um Spionage und Gegenspionage, Aufklärung und Verwirrung. Eine Einheit des französischen Geheimdienstes will islamistische Anschläge in Frankreich verhindern, während eine Terrorgruppe mitten in Paris zuschlagen will. Wahrheit ist hier etwas, was die Akteure einander nur in sehr zurückhaltender Dosierung verabreichen, nach innen wie nach außen wird getäuscht und verborgen, während auf der Oberfläche die Schritte immer klar zu sein scheinen.

Vertrauen, sagt ein Geheimdienstler zu seiner jungen Agentin, ist wichtig. Wie sonst sollte man überzeugend lügen können?

Diese junge Agentin (Vahina Giocante), frisch von der Uni rekrutiert, steht dann auch im Mittelpunkt des Geschehens, sie wird später nach Beirut gehen, um den mutmaßlichen Drahtzieher des geplanten Anschlags zu observieren, aus nächster Nähe, so nahe eben möglich. Macht, Geschlechterfragen: In der rauen Welt von Secret défense wird auch mit dem Körper der jungen Frau geschachert, und wie sehr, das erfährt man erst in den letzten Minuten des Films.

Die Inhalte der großen politischen Auseinandersetzung, die hier im Hintergrund schwelt – die Konfrontation zwischen dem Westen und dem politischen Islam – spart der Film ebenso aus wie echte Glaubensfragen; aber er umgeht dennoch einfache Zuschreibungen durch die Figur eines überzeugten Muslim im Antiterrorteam, der gleichwohl von seinem Chef mit Argwohn und massiven Vorurteilen beobachtet wird. Einzig mit der Genese des potentiellen Attentäters kann der Film nicht so recht überzeugen, da er auch hier auf die Konfrontation politischer Inhalte komplett verzichtet.

Regisseur Philippe Haïm baut seine Hauptfiguren zunächst in kurzen Fragmenten auf, die ihre Hintergrundgeschichten beleuchten; in den ersten Minuten ist das verwirrend, wird aber zunehmend und immerhin vermeintlich klarer. Es gehört zur Struktur und zum Thema des Films, daß einige dieser Klarheiten im Laufe des Films wieder beseitigt werden. Bis dahin ist aus Agents secrets längst ein flotter, wirkungsvoller Thriller geworden, ein Agentenfilm ohne jeden Glamour und jede Ironie. Am Ende steht nur die große Einsamkeit des Agenten.

Foto: Fantasy Filmfest

Zum Fantasy Filmfest 2009: Empfehlungen

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Update 4. September 2009: Voraussichtlich letzte Anmerkungen zum Programm dieses Jahr zu Pontypool und The Killing Room; Pontypool ist, wer noch die Gelegenheit hat, eine Sichtung allemal wert.

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FFF 2009: Lesbian Vampire Killers (2009)

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Was sich der durchschnittlich verunsichert heterosexuelle Mann so gerne mal unter weiblicher Homosexualität vorstellt, dürfte schon bei oberflächlicher Betrachtung des Angebots im entsprechenden Pornographiesegment mehr als offenbar sein: Junge, schlanke Damen mit langen Haaren, die sexuell zwar dem eigenen Geschlecht zugetan, einem hinzukommenden Mann aber auch nicht abgeneigt sind.

Sieht man von letzterem Element ab, ist es diese realitätsfreie Phantasievorstellung, die der Welt von Lesbian Vampire Killers (2009) zugrunde liegt. Das „Lesbian“ im Titel (das auf der britischen DVD schon mal gerne schamvoll verhüllt wird, als sei Homosexualität etwas unanständiges) bezieht sich dabei strikt auf die Vampirinnen des Films, welche allesamt Biss für Biss von der Vampirfürstin Carmilla – wir befinden uns hier, nota bene, im Bereich britischen Humors, wo der Bezug zu Camilla Parker-Bowles nicht weit sein dürfte – nicht nur zum Blutsaugen, sondern eben auch gleich zur jugendfreien Cartoonpornofassung weiblicher Homosexualität bekehrt wurden. (Männern geht es an den Kragen.)

Lesbian Vampire Killers geht dabei in der Entkleidung seiner Protagonistinnen (vampirisch and otherwise) stets so weit, wie es möglich ist, ohne irgendein primäres oder sekundäres Geschlechtsmerkmal wirklich zu entblößen. Das alles zur Freude insbesondere von Fletch (James Corden), einem der beiden jungen Männer, die sich auf einem eher unmotiviert begonnenen Wanderurlaub mitten in dem kleinen, von Carmillas Fluch gebeutelten Dorf Cragwich wiederfinden. Und während sein braver Kumpel Jimmy (Mathew Horne) ob der wiederholten Trennung von seiner Freundin leidet, lechzt Fletch alsbald der Gruppe schwedischer Studentinnen hinterher, die in einem VW-Bus durchs Dorf tuckern, wo sie sich mit lokalen Mythen und insbesondere der Geschichte von Carmilla beschäftigen. (Besonders intellektuell wirken die Damen, mit einer Ausnahme, leider nicht, aber, hey, das hier ist Spaßkino, nicht Logikkino.)

Der Film wandelt sich alsbald, wenn die Sonne untergegangen ist, zu einer fröhlichen Vampirjagdsplatterkomödie, das Ganze ist flott inszeniert, einigermaßen witzig und wirklich sehr erträglich. Und wenn die Vampirkörper dann mit Beilen, Pfählen und dergleichen final traktiert wurden, sondern sie in Fontänen eine weißlich-schleimige Substanz ab. Ob die nur nicht rot sein durfte, um einer harscheren Altersfreigabe zu entgehen, oder ob doch das hier unterschwellig immer präsente Sexuelle eine Rolle spielt? Jedenfalls bekommt die Spritzer vor allem Fletch ab, der nur die logische Konsequenz fürchtet, es demnächst mit einem schwulen Werwolf zu tun zu bekommen. Go figure.

Mit der hemmungslos und vergeblich auf der Suche nach dem weiblichen Geschlecht befindlichen Fletch setzt der Film natürlich zugleich der angepeilten Zielgruppe eine ziemlich unverstellte Spiegelung vor die Augen – und offenbart, daß er um seine eigenen psychosexuellen Voraussetzungen weiß. So entkommt der Film auch einigermaßen sicher all den geschmacklichen Untiefen, die er für seine Scherze aber dennoch ausloten muß.

Mit dem Erlösung versprechenden und als Griff mit einem Dildo versehenen magischen Schwert vergreift sich das Team um Regisseur Phil Claydon dann am Schluß doch noch gänzlich im Ton, aber pubertärer denkende Zuschauer werden auch diese unausgegorene Pointe sicher zu schätzen wissen. Am Ende dann gibt es zwar für den Vampirismus eine Lösung, die Homosexualität der jungen Damen aber ist nicht rückgängig zu machen. Sie ist ja auch schließlich keine Krankheit.

[Daß der Film hier auch unter der Kategorie „Butt-kicking Babes“ erscheint, ist zwar nur gerade so zu rechtfertigen, hat aber durch die Schlagkraft der von MyAnna Buring (The Descent, Doomsday, et al.) gespielten Figur Lotte seine einigermaßen mühsame Begründung.]

Foto: Fantasy Filmfest

FFF 2009: Push (2009)

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Es ist schon eine Weile her, daß ich Push gesehen habe (er lief bereits Anfang des Jahres hier in Frankreich an, verschwand aber trotz großer Werbekampagne vorher fast sofort wieder aus den Kinos), aber anläßlich des FFF möchte ich meine Erinnerung noch einmal ein bißchen bemühen.

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Meine spontane Reaktion kann erst einmal so stehenbleiben, und daß der Vergleich mit Jumper (2008) eben nicht unbedingt ein Lob ist, kann man in meiner Kritik zu diesem Film noch einmal nachlesen.

Die Geschichte um eine Gruppe von Jugendlichen mit speziellen Fähigkeiten wie Telekinese oder vagen Einblicken in die Zukunft positioniert sich natürlich in seiner ganzen Grundkonstellation präzise zwischen den X-Men (allerdings ohne einen weisen Schuldirektor oder sonst wie erfahrene Erwachsene) und eben Jumper, mit dem es auch die Figur des adoleszenten Hotshots gemeinsam hat (hier in Gestalt von Chris Evans, allemal erträglicher als Hayden Christensen).

Ausgleichende Kraft ist die kleine Cassie, für die Dakota Fanning das abgebrühte Kind geben darf, irgendwo am Anfang des Weges zum Erwachsenwerden, aber scheinbar und ihren Kleidungsgewohnheiten nach schon reif für ihr Alter. Oder dann eben doch nicht; wahrscheinlich ließe sich anhand dieses Films einiges schreiben zum Bild der pubertierenden Mädchen im amerikanischen Kino.

Ansonsten treibt der Film zwar nicht durchgehend entlang klassischer Momente des jüngeren Mutantenkinos, also insbesondere der genannten Beispiele, aber so richtig viele Überraschungen hat er auch nicht zu bieten.

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FFF 2009: Blood: The Last Vampire (2009)

Dieser Text setzt eine Reihe zu Filmen fort, die auf dem Fantasy Filmfest 2009 zu sehen sein werden und hier in Frankreich dankenswerterweise schon zu sehen bzw. zu haben waren. Alle Beiträge zum FFF 2009 unter dem Tag FFF2009

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Die Position, die Schwerter und andere Waffen schwingende Heroinnen im asiatischen Kino innehaben, historisch verortet und anderweitig präzisiert, ist mir leider noch nicht vollständig klar. (Lese- und Sehhinweise werden in den Kommentaren und per Mail wirklich sehr gerne entgegengenommen.) Aber schon nur oberflächliche Betrachtung zeigt: Da gibt es offenbar eine Vorgeschichte, die der Westen in dieser Art nicht kennt, und sie wäre wahrscheinlich ein eigenes Buch wert. Aber das nur am Rande.

Ein Beispiel für diesen, scheint’s, unaufgeregt selbstverständlichen Heldinnentypus ist nun Saya, die in Blood: The Last Vampire (2009) im Japan der frühen 1970er Jahre auf Vampir- bzw. Dämonenjagd geht. (Die auch begriffliche Durchlässigkeit zwischen den Konzepten „Dämon“ und „Vampir“ bzw. „Blutsauger“ ist in diesem Film für meine westlichen Augen und Ohren eigenartig.) Der Film beruht auf dem gleichnamigen Anime-Film aus dem Jahr 2000, der dann wiederum Mangas, Romane und eine Fernsehserie nach sich zog. (Nähere Infos zu den diversen Abschweifungen in der in dieser Hinsicht wie stets ausführlichen englischsprachigen Wikipedia.)

Saya, die offenbar selbst halb menschlich, halb Vampir ist, jagt die Dämonen für eine geheimnisvolle Organisation, die sie im Ausgleich vor allem mit Blut versorgt. Ihre Suche nach einer besonders mächtigen Dämonin führt sie auf eine US-Airforce-Basis in Japan, wo sie zur (allerdings ziemlich stümperhaften) Tarnung auf die amerikanische Schule geschickt wird. Nach den ersten blutigen Schwertkämpfen vor Ort findet sie sich ohne große Begeisterung in einer Schicksalsgemeinschaft mit der Tochter des kommandierenden Generals wieder, bevor es schließlich zur großen Konfrontation mit den Blutsaugern kommt.

Die Handlung, man ahnt es schon, spielt hier eher eine Nebenrolle, die großzügigen Lücken, Logiklöcher und Drehbuchrevisionseffekte wurden nicht weniger großzügig übersehen oder durch viel Wums übertüncht. Immerhin spektakelt es hinreichend vor sich hin, daß die einigermaßen knackigen 90 Minuten tatsächlich nicht sonderlich langweilen. Da stört es, so man willig ist, unterhalten zu werden, eben nur bedingt, daß die Spezialeffekte weniger an großes Kino als an ein Computerspiel gemahnen und daß der finale Plottwist natürlich keiner ist, sofern man vorher nicht komplett geschlafen hat.

Saya (ohne allzu großes Gefühlsrepertoire gegeben von Gianna Jun) ist, hat man den Blick fest aufs amerikanische Mainstreamkino gerichtet, vielleicht noch am ehesten eine Wiedergängerin von Blade, ein „Halbblut“, das sich gegen seine schlechtere Hälfte brachial zur Wehr setzt. Man sähe auch an Saya allerdings lieber robustes Leder anstelle der doch recht knappen Schulmädchenuniform, die ihr die Handlung mühsam herbeierfindet.

Während aber Wesley Snipes‘ sehr amerikanischer Vampir permanent mit seiner eigenen Gefährlichkeit hadert, leidet Saya unter stärker nach innen gerichteten Zweifeln (darf man sagen: an „weiblicheren“ Zweifeln?) nach ihrer eigenen Verfaßtheit, ihrer inneren Konstitution, die sich aus ihrer Doppelnatur ergibt. Habe ich eine Seele? ist Sayas Frage auf der Suche nach sich selbst; für einen wie Blade stellt sich diese Frage nicht. Und so erledigt er den Kampf mit seiner Mutter auch letztlich ohne großes Federlesen; bei Saya ist dieser Konflikt existenzieller, auch wenn ihr Film sich zu echter Komplexität letztlich nicht aufraffen mag.

Foto: Fantasy Filmfest

FFF 2009: Bronson (2009)

Dieser Text setzt eine Reihe zu Filmen fort, die auf dem Fantasy Filmfest 2009 zu sehen sein werden und hier in Frankreich dankenswerterweise schon zu sehen bzw. zu haben waren. Alle Beiträge zum FFF 2009 unter dem Tag FFF2009

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Mit 19 Jahren, sein Kind ist gerade auf der Welt, überfällt Michael Peterson ein Postamt, erbeutet eine Handvoll Münzen und Scheine und wandert daraufhin ins Gefängnis. Für mehr als ein paar Wochen wird er es nicht mehr verlassen.

Bronson basiert mehr oder minder lose auf der realen Biographie von Michael Peterson, bekannt unter dem angenommenen Namen „Charles Bronson“ als „most violent prisoner in Britain„. Wie aus dem kleinen Jungen aus gutem Mittelstandshaushalt ein Gewalttäter werden konnte, der fast sein ganzes Leben im Gefängnis saß (und noch sitzt), aber auch fast alle seine Straftaten im Gefängnis verübte – im Film sind es nur zwei Raubüberfälle, die er außerhalb begeht – scheint im realen Leben ein Mysterium zu sein. Ein BBC-Bericht über Peterson/Bronson beginnt mit den Worten: „No-one knows exactly how it could have happened.“

Regisseur Nicolas Winding Refn macht wohl deshalb gar keine Anstalten, hier irgendetwas erklären zu wollen, auch wenn man dies noch nach den ersten Momenten des kleinen autobiographischen Rückblicks erwarten könnte, die der aus dem Off sprechende Bronson dem Zuschauer gibt. Nicht einmal der Protagonist und Erzähler seines Lebens zielt darauf ab, seiner Lebensgeschichte einen Sinn oder eine konsequente Erzählung abzuringen.

Bronson ist also kein Psychogramm oder eine Lebensgeschichte, eher ein Rückblick aus der eigenen Wahrnehmung heraus. Immer wieder sieht man Bronson auf einer Bühne stehen, ein großes Publikum vor sich (ganz zu Anfang bekennt er: Ich wollte berühmt werden, aber was soll man machen, wenn man nicht schauspielen und nicht singen kann?), das meistens schweigt und zwischendrin frenetisch applaudiert. Natürlich stand der Mann nie auf einer solchen Bühne, er ist Publikum und Star zugleich, die Bühne ist allein in seinem Kopf, er selbst ist sein bester Zuschauer, mehr braucht er nicht.

So aber, und das ist die elegante Perfidie des Films, übernehmen wir als Zuschauer Bronsons Perspektive, bevor wir richtig merken, was sich da eigentlich abspielt. Refn macht sein Publikum zu Komplizen, ohne je Sympathie für seine Hauptfigur zu erheischen oder auch nur zu erzeugen.

Der großartige Tom Hardy gibt Bronson seine wuchtige Gestalt, und in all der selbstdarstellerischen Sicherheit, mit der er durch den Film schreitet, wird zugleich immer deutlich, wie sehr dieser Mann verloren ist in und für die Außenwelt. Als er nach Jahrzehnten erstmals das Gefängnis wieder verläßt, wirkt er schon wie aus der Zeit gefallen, in seinem ordentlichen Dreiteiler, seiner breitbeinigen, angespannten Körperhaltung und seinem Schnurrbart.

Er wirkt wie ein stereotyper „starker Mann“ vom Jahrmarkt oder aus dem Zirkus (als welcher Peterson laut Wikipedia tatsächlich einmal gearbeitet hat), aber als er im neuen Haus seiner Eltern ankommt, ist er vor allem irritiert davon, daß sein Kinderzimmer nicht mehr vorhanden ist. Und als er später, selbstbewußt blickend, aber offenbar unsicher – seinen Koffer hält er die ganze Zeit auf seinen Knien – in der Wohnung seines Onkels sitzt, weiß er nichts zu sagen zu seinen Ambitionen oder Zielen. Außerhalb des Gefängnisses, der Welt die er kennt, gibt es für ihn keinen Weg.

Refn bleibt darin konsequent, Bronsons Lebensgeschichte keine Erklärung, Moral oder nur ein Resümée aufzuzwingen. Die Erzählung bleibt episodenhaft, wird immer wieder von Bronsons Off-Erzähler unterbrochen, von den Szenen auf der Bühne. Die Bildsprache ist offenbar erfolgreich an Stanley Kubrick geschult (Kameramann Larry Smith hat mehrfach für Kubrick gearbeitet), und auch in der Musik lehnt sich der Film insbesondere an A Clockwork Orange (1971) an.

Für eine kurze Szene in einem Irrenhaus bricht die Popkultur ein, wenn die sedierten Insassen eines Irrenhauses (man muß das so unfreundlich nennen), unter ihnen auch Bronson, zu „It’s A Sin“ von den Pet Shop Boys tanzen – da ist die Musik aber eher ein ironischer Kommentar zum Freiheitsversprechen, das der Popmusik innewohnt. Und auch die klassische Musik ist – Kubrick läßt grüßen – immer eher Hinweis auf auf die unüberbrückbare Differenz zwischen der Mehrheitsgesellschaft und dem Protagonist, der sich als großer Nachahmer und Versteller erweist.

Wenn er schließlich während einer Geiselnahme, nackt, mit schwarzer Körperfarbe bemalt und einer Melone à la Magritte auf dem Kopf sich als der große Verbrechenskünstler stilisiert, der er zu sein glaubt, dann fehlt unten nur noch der Schriftzug: „Dies ist kein Künstler.“

Aber wir alle machen uns ein Bild von ihm.

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