À bout portant (2010)

Wer Paris ein wenig kennt, dem öffnet vielleicht wie mir dieser Film die Augen dafür, wie zwingend sich die Topologie dieses Raumes für die Verfolgungsjagd im Film eignet. Wie sehr die engen Gassen es vorstellbar machen, daß selbst durchschnittliche Menschen sich vom Balkon einer Straßenseite ins Fenster gegenüber werfen, wie die Dichte und Enge der ganzen Stadt es unnötig machen, eine Jagd als großes Abenteuer zu inszenieren, sondern es schon mit Jäger_innen und Gejagten zu Fuß, die Kamera stets dicht dabei, zu unglaublich aufregenden Situationen kommen kann.

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À bout portant entwickelt so in den Verfolgungsjagden seine Spannung schon aus der mise-en-scène, aus der Kameraführung und schlichtweg: Aus der zwingenden Notwendigkeit der Räume. Vor allem aber verfügt der Film über eine clever organisierte, immer weiterdrehende Handlung, mithin: ein wunderbares Skript von Regisseur Fred Cavayé und Guillaume Lemans, die bereits bei Pour Elle zusammengearbeitet hatten (der jetzt als The Next Three Days (Trailer) von Paul Haggis mit Russell Crowe und Elizabeth Banks neu verfilmt worden ist).

Ein unbekannter Mann (Roschdy Zem) wird nachts ins Krankenhaus eingeliefert, nachdem er auf der Flucht vor bewaffneten Verfolgern von einem Auto angefahren wurde. Später beobachtet der Krankenpfleger Samuel (Gilles Lellouche) einen Mann, der versucht, den Patienten umzubringen – kurz darauf wird Samuels hochschwangere Frau Nadia (Elena Anaya aus Hierro; meine Kritik) entführt: Er soll den noch immer Bewußtlosen aus der Klinik lotsen und zu einem Treffpunkt bringen, sonst werde Nadia sterben.

Es gibt dann in À bout portant noch einige Verwicklungen und Wendungen, das markante Gesicht Zems darf den Wandel vom Bösewicht zum keinesfalls unproblematischen Sympathieträger spiegeln, den seine Figur durchläuft, und natürlich ist bei der Polizei, das merkt man schon sehr früh, nicht alles so rosig, wie es scheinen mag. Die dortigen Verwicklungen lassen Cavayé dann reichlich Gelegenheit, Claire Perot in der Rolle als aufrechte, aber wütende Polizistin schön und herb zugleich in Szene zu setzen, als habe er noch Größeres mit ihr vor.

Am Schluß gibt es, da kommt die filmische Topologie wieder hervor, eine Katz- und Mausspiel durch eine große Polizeistation, eine fast typisch wirkende Pariser Behörde in einem Altbau, der nie zu diesem Zweck gedacht war, viel zu eng für die vielen Menschen und in diesen Filmmomenten noch gezielt überfüllt; ein großer Raum mit Kacheln auf dem Fußboden ist das Großraumbüro, in dem einfach viele Tische herumstehen. So geerdet und chaotisch geht es vielleicht wirklich zu, und mittendrin spielen sich unbemerkt in kleinen Zimmern Dramen und Kämpfe ab.

Kurz verlinkt, 16. Dezember 2010

Lesens- und Sehenswertes aus den vergangenen Tagen (25. November 2010 bis 16. Dezember 2010):

Kurzfilm: Cliché !

Es ist offensichtlich, oder, daß ich diesen Film hier vorstellen muß? Cédric Villain stellt hier mit großer, sehr französischer Gemütlichkeit (die in Paris übrigens nur wenig bekannt ist*) vor, was man im Ausland so über diese seltsamen Bewohner_innen Frankreichs denkt.

(Es gibt das Video natürlich auch auf Englisch, mit bezauberndem französischem Akzent, und überhaupt in besserer Qualität und zum Downloadvia.)

*Um das tendenziell wenig entspannte Wesen der Pariser_innen zu illustrieren: Kürzlich sah ich hier eine junge Dame mit einem T-Shirt, das sofort mein Herz gewann. Es trug die Aufschrift: „I ♥ RIEN. JE SUIS PARISIENNE.“ (zurück)

Französische Verlosungswoche!

Weil ich mich diese Woche ganz tief im Herzen Frankreichs in Filmdinge versenke, gibt es hier und jetzt, auch um das Jahr 2010 nachträglich noch einmal mit Schwung einzuläuten, drei DVDs mit französischen Filmen zu gewinnen. Die Scheiben stammen aus meinem Privatbesitz und sind daher, weil jeweils einmal angesehen, nicht mehr nagelneu und originalverpackt, aber in einwandfreiem Zustand. Nicht daß Ihr dem geschenkten Gaul ins Maul schauen solltet…

Das sind im Einzelnen und von links nach rechts:

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  1. Mes Amis, mes Amours von Lorraine Lévy (meine Kritik),
  2. Largo Winch von Jérôme Salle (meine Kritik) und
  3. De l’autre côté du lit von Pascale Pouzadoux (meine Kritik).

Aber Achtung! Des Französischen sollte man schon ein wenig wenigstens mächtig sein, denn es handelt sich um französische Originale. Die Largo Winch-DVD hat allerdings auch eine englische Tonspur.

Um zu gewinnen, müßt Ihr nur hier einen Kommentar hinterlassen, in dem Ihr mir Euren liebsten französischen Film verratet (es dürfen auch mehrere sein); Bonuspunkte gibt es für eine Begründung, warum Euch der Film so gut gefällt. Und dann gebt doch bitte kurz noch (zum Beispiel durch eine 1, 2 oder 3 in Klammern) kurz an, welche DVD Ihr am liebsten gewännet. Denkt daran, eine gültige E-Mail-Adresse anzugeben!

Teilnehmen dürfen alle Leser_innen aus EU-Ländern und der Schweiz. Das ist eine private Verlosung, aber der Rechtsweg ist sowieso ausgeschlossen. Die Verlosung endet am Mittwoch nächster Woche, am 3. Februar 2010, um 23.59 Uhr.

(Das Freischalten der Kommentare kann manchmal eine Weile dauern. Ich bin ja jetzt viel im Kino. Bitte habt Geduld!)

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