Hansel & Gretel: Witch Hunters (2013)

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Es gibt, wenn man ehrlich ist, nur wenige Möglichkeiten, das Märchen „Hänsel & Gretel“ wirklich einigermaßen authentisch zu verfilmen. Denn um ein weichgespültes Märchen, das sich problemlos in disneyfiziertes Wohlbefinden übertragen ließe, handelt es sich dabei eigentlich nicht. Dem Geist der Quelle getreu können eigentlich nur zwei Varianten sein: als düsterer Horrorfilm oder als einigermaßen entfesselter Splatterfilm – wahlweise den Schrecken betonend oder den Sieg über die Hexe.

Für die erstere Variante gibt es inzwischen einige Versuche, die zweite wird – in konsequenter Fortsetzung des in den ersten zehn Minuten stark reduziert und leicht abgewandelt erzählten Märchens – in Hansel & Gretel: Witch Hunters bis zur Kenntlichkeit entstellt. Denn der Film, inszeniert von Død snø-Regisseur Tommy Wirkola, ist ein B-Movie mit A-Budget, das keine Gefangenen nimmt und sich für guten Geschmack nur so lange interessiert, wie er cool aussieht.

Gemma Arterton und Jeremy Renner spielen das erwachsen gewordene Geschwisterpaar, das aus ihrem Zufallserfolg in Kindertagen eine Karriere gemacht haben, self-made Witch Hunters gewissermaßen, und so natürlich durch pittoreske „deutsche“ Lande ziehen – die Handlung verschlägt sie nach Augsburg, wo die Kinder gleich en gros verschwunden sind und weder Bürgermeister noch Polizeichef so recht wissen, wie man dem Hexenfluch begegnen soll.

Dann spritzen Flüche, Blut, Eingeweide und Maden („The curse of hunger for crawling things… I fucking hate that one.“) en gros und en detail – die Extended Version für’s Heimkino wirft noch einige Szenen obendrauf –, die Hexenjäger_innen schwingen allerlei Waffen, die (klarer Pluspunkt für den Film) ihre Herkunft aus dem Steampunk nicht verleugnen können – das ist alles historisch inakkurat, dramaturgisch eher vage aneinandergefügt, aber sehr unterhaltsam.

Die Hexerei als weibliche Angelegenheit wird hier ohne großes Federlesens und ohne große Kümmerei um Gender-Sensibilitäten einfach behauptet und durchgezogen, und wo mich das meistens nerven würde, scheint es hier recht: zum einen, weil dem ganzen Unterfangen soviel Camp und Albernheit innewohnt, dass man nichts ernst nehmen muss, und zum anderen, weil daraus eben kein Geschlechterkampf wird, allenfalls so herum: Sieht man von Hänsel ab, haben die Männer hier allesamt überhaupt keinen Schimmer, und nur die wenigsten meinen es wenigstens gut.

Es ist dann nur leider inkonsequent, dass Artertons Gretel nicht etwas mehr im Fokus ist – aber das hier ist eh kein Charakterdrama. Aber auch kein Exploitation: Es bleibt, das ist vielleicht der einzige Kritikpunkt, den man aufbringen könnte, alles schön brav im Rahmen des heute akzeptablen Schmodders; dies ist kein Film, der Lanzen brechen oder Grenzen aufweichen will, sondern knallige Unterhaltung mit viel Blut und viel Drive.

Hansel and Gretel: Witch Hunters

Seit dem letzten Trailer, den ich hier gepostet hatte, hat sich doch noch einiges getan. Mehr Blut und Bumm, auch etwas mehr nackte Haut gibt es jetzt in diesem neuen Red Band Trailer, gefunden bei Digitale Leinwand. Das wird ein Trashfest!

Unfinished Song

Kevin Jagernauth fand den Film zwar nicht so großartig, aber wenn Gemma Arterton und Vanessa Redgrave zusammen auf der Leinwand zu sehen sind, könnten sie meiner persönlichen Meinung nach ja auch Telefonbücher vorsingen. Und letzten Endes wirkt dieses Filmchen zwar betulich-vorhersehbar, aber potentiell amüsant.

Hansel and Gretel: Witch Hunters

Hansel and Gretel: Witch Hunters

Meine Güte, was habe ich auf diesen Trailer gewartet. Der Film wurde ja anscheinend nicht zuletzt deshalb weit, weit nach hinten geschoben, auf dass er von Jeremy Renners post-Avengers, post-Bourne-4 zu erwartender Popularität profitieren möchte; man wird sehen, ob das gelingt.

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Das Problem von Setting und Ton jedenfalls ist für mich, dass dieses Action-Märchen-Grusel-Zeugs mit den Schrotthaufen Brothers Grimm und (leider, leider) Van Helsing so belastet ist, dass ich mir kaum vorstellen mag, wie Hansel and Gretel: Witch Hunters das anders und besser machen können sollte. Der Trailer jedenfalls versteckt nicht, dass sein Sujet eher ein wenig albern ist; vielleicht schafft Tommy Wirkola (Dead Snow) ja das kleine Wunder großer Leichtfüßigkeit. Auf Ms Arterton an der Armbrust freue ich mich jedenfalls auf jeden Fall.

(Foto: Paramount)

Text zu Filmstart (30. Dezember 2010): Tamara Drewe

Morgen startet Stephen Frears‘ neuer Film Tamara Drewe, der für den deutschen Verleih den milde hirnerweichenden, pseudostabreimenden Titel Immer Drama um Tamara bekommen hat. Ich würde den Film schon allein wegen der hinreißenden Gemma Arterton empfehlen, die die Titelrolle spielt – wer die Dame noch nicht öfter gesehen hat, möge sich dringend und je nach Filmgeschmack St. Trinian’s ansehen (meine Kritik; zu den Cartoons und Verfilmungen mehr hier), Prince of Persia: The Sands of Time (meine Kritik) oder The Disappearence of Alice Creed (meine Kritik). Er ist aber auch eine interessante Umsetzung der gleichnamigen Graphic Novel von Posy Simmonds (Amazon-Link), die es inzwischen auch in einer deutschen Übersetzung von Uli Pröfrock gibt (Amazon-Link).

Jedenfalls habe ich mir Tamara Drewe für kino-zeit.de ein bißchen genauer angesehen und fand ihn recht unterhaltsam.

Foto: Prokino

Prince of Persia: The Sands of Time (2010)

Ganz ehrlich, so ganz ist mir nicht klargeworden, worüber sich Rüdiger Suchsland bei Telepolis so im Angesicht von Prince of Persia: The Sands of Time aufgeregt hat. Gewiß, das ist kein besonders guter Film, aber im Hinsicht auf sonstige Abenteuerschmonzetten, die Hollywood so absondert, auch nicht besonders schlecht. Wenn das, wie er sich beschwert, „Aufmacher der Tageszeitungen“ wird, dann wohl vor allem, weil hier mit gewissem Aufwand und Erfolg schick aussehende Bilder zusammengepixelt wurden, mit denen man seine Bleiwüsten gut schmücken kann; daß nicht der gleiche Aufwand und Erfolg auf Drehbuch, Charaktere, Stringenz und Logik verwendet wurden: geschenkt.

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Prince of Persia ist ein wahrer Sandsturm des Eklektizismus, in dem moderne Kriegsführung und Geheimdienstdenken in eine exotistischer kaum ausstaffierbarere Antike verfrachtet werden, und ein bißchen Parkour gibt’s gleich noch obendrein. Das Ergebnis ist ein Film, der seine völlige Ahistorizität nicht einmal im Ansatz zu kaschieren versucht („Straußenrennen immer dienstags und donnerstags“) und stattdessen wohlfeile, aber keineswegs völlig beliebige politische Gegenwartsbezüge herstellt (die Suche nach Waffen in der eingenommenen Stadt, deren Existenz immer nur eine Lüge, ein Vorwand zur Invasion war). Und natürlich wird das Labor von James Bonds „Q“ aufgerufen, wenn Prinz Nizam im Trainigslager der „Hassansinen“ vorbeischaut, die dann, ganz in Schwarz, zur Mordtat schreiten wie moderne Filmsoldaten in verdeckten Operationen („Black-Ops“).

Und dann kann man natürlich in den Film sehr viel Selbstreflektion hineininterpretieren (es aber auch trefflich lassen), wenn man den „Sand der Zeit“ (oder auch nur den Sand, der in jeder zweiten Einstellung den Schauspielern in die Unterwäsche und zwischen die Zähne geweht sein müßte, wäre er denn echt gewesen) als grobe Metapher für den Entstehungsprozeß des Films lesen möchte: Jedes Sandkorn ein Pixel, jede zurückgedrehte Sekunde eine entfernte Hautunreinheit. Wann immer sich die Zeit umkehrt, kann man das sogar sehen: Dann verwandeln sich Gesicht und Körper der gerade zeitreisenden Person in einen Zombie aus dem Uncanny Valley, einen Besucher aus The Polar Express oder vielleicht auch aus dem Spiel, aus dem der Film offenbar seine Story gewann.

In diesen Momenten, in denen die Figuren leblos wirken und die Technik sich, obwohl sie das doch verschleiern soll, zum Vorschein kommt, schreit Prince of Persia mit Donnerhall: Alles gar nicht echt! Und ist damit tausendmal sympathischer als, nur so zum Beispiel, Avatar.

Außerdem mag ich Gemma Arterton.

Foto: Disney