Sitges 2010, Tag 3 und 4

Dem Vernehmen nach (und wenn man, wie ich, @karatekueken glaubt) ist La Casa Muda aka The Silent House (selbst hatte ich leider noch nicht das Vergnügen) der bisher schreckenerregendste Film des Festivals. Aber immerhin ist er offenbar nicht so brechreizerregend wie für manche der zugegebenermaßen ganz neue Körperöffnungen bietende und an Kunstblut wie Ekligkeiten nicht arme (aber dabei doch seine Künstlichkeit nie verbergende) Hell Driver von Yoshihiro Nishimura.

Während der Nachmitternachtsvorstellung dieses Films erbrach sich nämlich der junge Mann rechts von mir in eine Plastiktüte – ob aufgrund des Films, aufgrund verdorbener Nahrungsmittel oder wegen einer Erkrankung, weiß ich nicht zu sagen. Schlimm scheint es jedenfalls nicht gewesen zu sein, denn er blieb anschließend, nachdem er die Tüte ordentlich zugeknotet und weggestellt hatte, bis zum Ende des Films auf seinem Platz sitzen.

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Nishimura selbst erschien ebenfalls, um seinen Film vorzustellen, und entledigte sich dann nach einer für mich leider unverständlichen (da nur in Japanisch und Katalan servierten) Einleitung seiner Kleider und nahm ein Requisit aus dem Film zur Hand. Was folgte, kann man gar nicht richtig beschreiben, da muß man diesen Film sprechen lassen:

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Die Warteschlangen vor dem großen Kino sind nicht nur gewunden, sondern zusätzlich in mehrere Teile gestückelt, damit dazwischen Platz für den roten Teppich, für den Zugang zum Kaffeezelt und zu den Ticketschaltern bleibt. Die Bereiche zum Anstellen sind auch überdacht, was insofern hilfreich ist als es seit gestern abend nun einigermaßen durchgängig nieselt (nachdem gestern abend, wohl während der Vorstellung von Insidious, wohl ein rechter Gewittersturm über Sitges hergefallen war). Es empfiehlt sich gleichwohl dennoch, möglichst rechtzeitig am Spielort zu sein, da die Überdachung für maximal zwei Drittel der Menschen ausreicht, die auch in den gigantischen Kinosaal passen.

Akkreditierte Pressevertreter freilich, diese wetterempfindlichen Schäfchen und verwöhnten Schnorrer, haben hier eine eigene Warteschlange, die meist deutlich kürzer ist.

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Durch das trotz Regen übrigens immer noch recht warme Wetter sieht man mir jetzt immerhin nicht immer gleich auf der Straße schon an, daß ich nicht ausreichend mit Kleidung versehen bin, die dem Dresscode: Black Tee entspricht. Heute ist mein T-Shirt sogar weiß. Für das Festival in Gérardmer (im Januar, in den Vogesen) hatte ich immerhin meine schwarze Daunenjacke dabei, das war ganz und gar du jour.

Und hier kann ich – kreative oder zumindest geek-ige Aufdrucke sind ja sehr, sehr wichtig – modisch mit einem Wonder Woman-Shirt punkten.

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Den offiziellen Spot des Festivals zur Würdigung von The Shining (dessen dreißigstes Jubiläum damit hier vor fast jedem Film gewürdigt wird) ist übrigens auch online, sehenswerte Sekunden:

Videos: Sitges Film Festival

Sitges 2010, Tag 3: die Filme


Hier in aller Eile und Kürze – meine erste Vorführung des Tages beginnt gleich – ein kurzer Blick auf die Filme vom gestrigen Sonntag.

Secuestrados

Dieser großartige spanische Schocker war am frühen Morgen vielleicht nicht das Richtige, aber was kann ich schon gegen den Zeitplan des Festivals tun? Eine Kleinfamilie (Mama, Papa, Teenagertochter) wird von drei Männern in ihrem frisch bezogenen Haus überfallen. Der Film ist unglaublich dicht und mit vergleichsweise wenigen Schnitten gemacht – die meisten Sequenzen sind offenbar mit einer Steadycam und minutenlang ohne Cut entstanden. Das saugt in die Story hinein, und das macht alles nur noch schlimmer. Ausführliche Betrachtung demnächst.

Amphibious 3D

Brian Yuzna ist wieder da, und er hat einen Trashfilm mitgebracht, in allen drei Dimensionen! Nach fünf Jahren, in denen er vor allem als Produzent gearbeitet hat, bringt Yuzna einen Film mit, der jetzt nur noch wie ein billiger Nachäffer von Piranha 3D wirken kann – weniger glatt, weniger blutig, weniger sexistisch, aber eben doch: unbestreitbar auch preiswerter gemacht. Mit Michael Paré und Janna Fassaert in hochgradig konstruierten Hauptrollen, die einem geheimnisvollen Wesen aus der Tiefsee in die Quere kommen. Mit giftspritzendem, wahlweise auch Menschen durchstechenden Skorpionstachel. Es war die Weltpremiere, und ich bin vor Ende des Filmes gegangen, weil ich lieber sehen wollte, was John Carpenter der Welt Neues zu bieten hat.

The Ward

Das ist nämlich in der Tat nicht ohne. Die Geschichte einer jungen Frau, die in den 1960er Jahren in eine Nervenheilanstalt eingeliefert wird und dort den unheimlichen Vorgängen um ein verschwundenes Mädchen nachgeht, wirkt zunächst nicht besonders originell – zu generisch und zu bekannt wirken die ganzen Ansätze. Aber Carpenter weiß daraus durchaus erkleklichen Schrecken zu ziehen, und auch wenn bis zu den finalen Schlußtwists nichts, was er macht, wirklich neu ist – es schüttelt doch ganz schön durch. Mehr dazu bald bei blairwitch.de.

Fase 7

Als „apokalyptische Komödie“ wurde der Film vom Festival angepriesen, wobei sich das Komödiantische mir nicht wirklich erschließen wollte. Natürlich waren auch ein paar Szenen wirklich lustig, und einige andere sollten es – zum Teil unter Einsatz spritzender Gehirnmasse – wohl sein, aber so richtig wollte der Funke nicht überspringen. So blieb eine stellenweise groteske Endzeitgeschichte, die leichte Anklänge an [REC] und Carriers hatte, aber nie so recht herauszufinden schien, was sie eigentlich sein soll und warum. Genauer schreibe ich das noch habe ich das für kino-zeit.de auf aufgeschrieben.

Hell Driver

Yoshihiro Nishimura konnte hier gleich zwei Filme hintereinander zeigen, die unter seiner Mitarbeit entstanden sind: Mutant Girls Squad und eben diesen leider zu langen, hochgradig bizarren und alle Tiefen körperlicher Groteske auslostenden Zombiefilm. Der Trashfaktor ist so hoch wie der internationale Verleihtitel unmotiviert, hier fliegt ein Raketenflugzeug aus Untoten durch die Gegend, kämpft ein vorne mit Klingen versehenes Auto auf den Hinterrädern mit einem Monster. Und, wie man es von Sushi Typhoon kennt, das Blut spritzt stets in Fontänen. Für Fans.

Fotos: Sitges Film Festival