Filmstarts dieser Woche (6. September 2012)

Der kleine Rabe Socke

Von den schönen Filmen, die in dieser Woche starten, kann ich zu dreien mehr oder minder kurze Empfehlungen aussprechen:

Schon auf der Berlinale habe ich Herr Wichmann aus der dritten Reihe sehen können, und möchte den Dokumentarfilm nach wie vor gerne allen ans Herz legen, die ein Herz für seltsame Momente haben oder mal wissen möchten, wie Politik eigentlich so im Alltag der Niederungen passiert. Hier meine Kritik auf kino-zeit.de.

Der kleine Rabe Socke ist, wie ich auf Facebook schon geschrieben habe, ein durchaus sehr schöner deutscher Trickfilm für Kinder:

Deutsche Zeichentrickfilme als Spin-Offs etablierter Figuren (und damit: Marken) sind mir ja eigentlich ein Graus. Aber DER KLEINE RABE SOCKE ist erstaunlich gut und vor allem gut zu seinen kleinen Zuschauer_innen: Zärtlich, ambivalent, spannend, immer auf Augenhöhe, aber nie herablassend. Es gibt weder furchtbaren Schrecken noch einen bösen Antagonisten, aber deshalb ist das noch lange kein süßlicher Kitsch, vor allem nicht mit diesem Protagonisten, der sich um alle Konflikte herumlügt, so lange es geht. Großes Kino, ich würde sagen: ab vier Jahren.

Last but not least: The Cabin in the Woods (produziert vom großartigen Joss Whedon) ist der womöglich großartigste Meta-Horrorfilm der letzten Jahre. In der ersten Hälfte folgt er in dem einen Handlungsstrang den genretypischen Vorhersagbarkeiten, um auf der anderen Seite schon ganz, ganz eigentümlich zu werden; und wir dann derartig gaga-großartig, dass ich vor Lachen mich im Kinosessel kugelte und im Übrigen hocherfreut aus dem Saal kam.

(Foto: Universum Film)

Berlinale 2012: Tag 4

Ein Festivaltag, der wie ein Wirbelwind in der Mitte des Tages hereinbrach, um dann vorbeizuschießen wie nichts. Manchmal stimmen die eigenen Zeitwahrnehmungen ja nicht mit dem fragilen Gewebe „Realität“ überein. Es begann jedenfalls mit einer kleinen Verspätung. Die Macher von Kid-Thing, David und Nathan Zellner, hatten noch Q&A nach ihrer zweiten Berlinale-Vorführung und kamen deshalb etwas verspätet zum Interview. Erste Erkenntnis daraus: Susan Tyrrell hat sich, wenn ich sie da richtig verstanden habe, wirklich in dieses Erdloch gesetzt und von dort aus gesprochen. Oha. Viel schauspielerischer Einsatz für eine reine Sprechrolle.

***

Danach zur politischen Prominenz geeilt: Herr Wichmann war natürlich da, aber auch der Ministerpräsident selbst. Andreas Dresen und sein Team sowieso. Herr Wichmann aus der dritten Reihe ist gewissermaßen das Follow-Up zu Herr Wichmann von der CDU und ist eher noch launiger, sicher aber: ziemlich, ziemlich gut. Das Publikum lachte viel, am Ende gab’s Topfpflanzen, und der Protagonist zeigte sich abgeklärt und völlig unzynisch. Grundsympathisch, auch wenn ich seine politischen Ansichten sehr, sehr oft nicht teile. (Update: ausführliche Kritik jetzt hier.)

***

Bestiaire: Tiere sehen Dich an. Und wenn Du sie anguckst, blickst Du auf Dich zurück. Vielleicht. Jedenfalls ist das ein toller Dokumentarfilm, der fast nur Tiere zeigt, und dezidiert von ganz anderem handelt. Hochartifiziell, seine Künstlichkeit verbergend, aufregend. Vermutlich das einzige Mal in der Geschichte war er heute abend auf richtig großer – Imax – Leinwand zu sehen. Der Regisseur war schwerst glücklich.

***

Whitney Houston ist verstorben, und wer’s noch nicht wußte, war vermutlich davon irritiert, als gegen elf Uhr abends in der „Lounge“ einer Berlinale-Sektion einige der Staff-Mitglieder lautstark „One Moment In Time“ mitsangen. Ich bin dann sicherheitshalber mal gegangen, bevor es noch schlimmer werden konnte. Draußen begann es dann zu schneien.