After Midnight (2019)

Irgendwann in der Mitte des Films laufen da zwei bärtige Amerikaner, beide in Jeans, Hemd aus der Hose, Baseballcap auf dem Kopf, durch von Dornengestrüpp gesäumtes hohes Gras: Der eine trägt eine Schrotflinte, der andere eine Axt. Beide suchen sie ein geheimnisvolles Monster, das sich jedoch nur nachts zeigt – und deshalb weiß man auch eigentlich nicht sicher, ob sich Hank das Viech nicht nur einbildet, das seine Haustür zerkratzt und immer verschwindet, sobald er es sehen könnte.

Durch eben dieses Gras sieht man in der ersten Szene des Films Abby auf die Kamera zugehen. Sie und Hank sind gerade frisch verliebt und irgendwie kann er sie tatsächlich überzeugen, mit ihm hier auf das Gras-und-Gestrüpp-Grundstück zu ziehen, in das langsam vor sich hin verfallende Haus seiner Familie. Da gibt es noch kein Monster; es taucht erst auf, als Abby, Jahre später, ohne nähere Erklärung für einige Wochen verschwindet, nur eine dürre Notiz und Liebeserklärung lässt sie am Küchenschrank zurück.

Liebesgeschichte und creature feature: After Midnight versucht, Drama und Horrorfilm miteinander zu verschränken, und natürlich kennen die Genres in der beschriebenen Gemengelage eine offensichtliche Erklärung: Das Monster ist ausschließlich in Hanks Kopf, steht für nicht ausgetragene Konflikte… falls es nicht doch Abby ist, die als Monstrum ihren Weg zurück nach Hause sucht?

Meine ausführliche Besprechung von After Midnight ist bei kino-zeit.de erschienen.

Buchkritik: Radikale Erschütterungen

Die Filme des „New French Extremism“ (oder Französischen Terrorkinos) im ersten Jahrzehnt der 2000er, von High Tension bis The Divide sind zwar Lieblingsfilme unter Genrefreunden sowohl im Publikum wie im Feuilleton, es mangelt aber bislang noch an gründlicher wissenschaftlicher Auseinandersetzung. Immerhin löst man sich inzwischen vom Begriff des „torture porn“ – vielleicht auch deshalb, weil man aus Frankreich eben doch Kino mit Hirn erwartet, und zwar nicht nur dem an der Wand. Die Berliner Filmwissenschaftlerin Susanne Kappesser hat sich in ihrer Doktorarbeit „Radikale Erschütterungen“ dieses Korpus’ nun einmal angenommen – und schaut natürlich genau hin: Was sind die Körperbilder, die in diesen Filmen thematisiert (und womöglich zerstückelt) werden – und welchen Effekt haben sie auf die kulturell geprägten Körpervorstellungen der Zuschauer? Was hat es zu bedeuten, dass in diesen Filmen (besonders hervorgehoben in High Tension und Inside) Frauen Hauptrollen sowohl als Opfer als auch als Täterinnen spielen? Und welche kulturellen, vielleicht auch politischen Effekte hat es, dass es in den Filmen nicht zuletzt auch um „Frauenthemen“ geht: Mutterschaft, heteronorme (oder deviante) Sexualität… Kappessers Arbeit (von Marcus Stiglegger betreut) verliert sich dabei nicht in wissenschaftlichen Jargon, sondern analysiert das Material und bleibt über weite Strecken sehr lesbar. Und ein Gewinn ist ihr Buch sowieso.

Susanne Kappesser: Radikale Erschütterungen. Körper- und Gender-Konzepte im neuen Horrorfilm. Berlin: Bertz+Fischer 2017 (Reihe: Medien/Kultur, Bd. 12). 208 S., 25,00 €.

Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.
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Puppet Master: Das tödlichste Reich (2018)

Die Puppet Master-Filmreihe umspannt seit David Schmoellers erstem Streifen von 1989 bereits zwölf Filme über den Puppenmacher André Toulon, dessen Kreaturen mittels eines Elixiers zum Leben erweckt werden konnten; weil er diese Kräfte nicht den Nazis in die Hände fallen lassen will, bringt er sich lieber selbst um. Aber natürlich erwecken seine Erfindungen gleichwohl böse Interessen und Gelüste, und so laufen schließlich mordende Puppen durch die Gegend. Das war eine Konstellation, die sich in immer leicht variierten Geschichten immer wieder neu erzählen ließ; wenn auch vielleicht nicht immer mit gleichermaßen interessanter Strahlkraft.

Für die zwölfte Fortsetzung Puppet Master: Das tödlichste Reich haben die schwedischen Regisseure Sonny Laguna und Tommy Wiklund (die zuletzt We Are Monsters gemeinsam gedreht haben) die Hintergrundgeschichte grundsätzlich neu geordnet. Sie erleichtern den Einstieg mit zwei Ikonen des Horrorkinos: zum einen Udo Kier, der mit viel Latex im Gesicht und Menschenverachtung in der Stimme eine neue Inkarnation von Toulon spielt. Dessen Puppen ermorden in einem kurzen Rückblick auf die späten 1980er Jahre ein lesbisches Liebespaar, er selbst selbst wird kurz darauf von der Polizei in seinem Haus erschossen.

Denn Toulon war in dieser Variation der Geschichte, so erzählt es zum anderen dann Barbara Crampton als Polizistin im Ruhestand ihrem Publikum anläßlich des dreißigsten Mord-Jubiläums, ein überzeugter Nazi, der wahrscheinlich auch seine Frau noch auf dem Schiff während der Überfahrt in die USA umgebracht hat. Seine Puppen sind inzwischen makabre Sammlerstücke, die nun auf einer Aktion verkauft werden sollen. Im Brass Buckle Hotel treffen sich die Sammler, aber dann erwachen die Puppen, wohl durch die Nähe zu Toulons Mausoleum, zu neuem, naja, Leben – und fangen gleich einmal an, ihre vermeintlichen Besitzer zu ermorden.

Puppet Master: Das tödlichste Reich splattert dann sehr exploitativ dahin, mit weitgehend nackten Frauen- wie Männerkörpern, mit abgetrennten Körperteilen oder weit aufgerissenen Wunden aus Latex und so viel Blut, so dass eine ganze Zeit lang die Freigabe durch die SPIO mit „Keine schwere Jugendgefährdung“ in der Schwebe hing. Empfindsam sollte man jedenfalls nicht sein, es geht schon recht brutal zu und auch ohne Rücksicht auf sonst übliche Grenzen. Die Effekte sind wohl vor allem Tate Steinsiek zu verdanken, wären aber auch eines Tom Savini würdig. Die technische Eloquenz wird noch ergänzt durch die Musik von Fabio Frizzi, der viel mit Lucio Fulci zusammengearbeitet hat, und Richard Band, der an der Puppet Master-Reihe schon länger mitgearbeitet hat.

Was Lagunas und Wiklunds Beitrag zur Reihe aber besonders heraushebt, sind die Darsteller, die Story und das fürs exploitative Splatter-Horrorkino außergewöhnliche Drehbuch von S. Craig Zahler (Brawl in Cell Block 99, Bone Tomahawk). Denn in diesem Film wird keine wahllos zusammengestellte Reihe von Hotelgästen ermordet, die Puppen metzeln sich vor allem durch Gruppen jener Menschen, die auch der Nazi Toulon gehasst hätte. Als erstes wird ein jüdisches Paar verbrannt, das eben noch darüber sprach, dass man mit dem Sammeln der Puppen den Nazis gewissermaßen den Stinkefinger hinhalte: Seht her, wir leben noch, aber eure Symbole sind jetzt unsere Sammlerstücke. Und dann sterben vor allem Schwarze, Homosexuelle… die Puppen haben es vor allem auf Außenseiter der Gesellschaft abgesehen, und das darf man durchaus als politischen Kommentar von Autor und Regisseuren verstehen.

Vor allem aber gelingt es dem Drehbuch, interessante Hauptfiguren zu entwickeln: Den leicht gescheiterten Comicautor Eddie Easton (Thomas Lennon), gerade geschieden und nun frisch verliebt in Ashley (Jenny Pellicer), die zusammen mit seinem Chef Markowitz (Nelson Franklin) mitten in dem Gemetzel stranden. Die Beziehungen dieser drei untereinander, ihre Dialoge und Dynamiken sind auch ohne das Morden sehenswert; um sie wird es uns wirklich Angst und Bange.

Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.
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Hell Fest (2018)

„Enter if you dare!“ Komm rein, wenn du dich traust! Hell Fest geht zumindest mit einem gesunden Selbstbewusstsein in seine ersten Minuten, die quasi als Flashback bereits das Grundthema etablieren: In einer Art Geisterbahn treibt ein fieser Mörder sein Unwesen, das Opfer wird Teil der Attraktionen – zumindest, wie wir später erfahren, bis es beginnt streng zu riechen.

Regisseur Gregory Plotkin hat sich nach dem eher faden Paranormal Activity 3: Ghost Dimension nun vorgenommen, seinen nächsten Genrefilm nun auf jeden Fall eins nicht werden zu lassen: langweilig. Zwischendurch hat er bei Get Out und Happy Deathday den Schnitt bewerkstelligt und offenbar einiges gelernt, auch wenn sein Eintrag in den zeitgenössischen Slasher das komödiantische allenfalls in der Übersteigerung sucht.

Dabei lässt es sich zunächst sehr typisch an: Drei sehr amerikanische Pärchen im frischen Collegealter verbringen den Halloween-Abend (ausgerechnet!) gemeinsam. Und wo könnte man sich schöner und kontinuierlicher Gruseln als auf dem „Hell Fest“, gewissermaßen ein Pop-Up-Vergnügungspark des Schreckens. Vermutlich schlecht bezahlte Monsterdarsteller schreien die Besucher in jedem zweiten Moment an, da wird aufgefahren, was die Populärkultur so hergibt: von Clowns und Zwergen über bärtige Damen bis hin zum Predator und selbst die Jeff Goldblum‘sche „Brundlefly“ ist dabei und spuckt nichtsahnenden Besucherinnen grünen Glibber aufs Leibchen. Es ist eine Freude.

Und es ist natürlich auch ein filmischer Trick: Die Jumpscares sind gewissermaßen schon Teil der diegetischen Erzählung, gehören automatisch zu dem, was in der Handlung ständig allen widerfährt. Das wertet ihr Schreckpotential auf Dauer zwar einerseits ab, da aber in eleganten Abständen immer wieder etwas Blutiges passiert (sprich: sich die Zahl der sechs Hauptfiguren langsam, aber kontinuierlich reduziert), halten die dauernden Schrecken andererseits zugleich die Spannung hoch. Anstregend ist das auf Dauer gleichwohl, zumal fast der gesamte Film im Halb- bis Ganzdunkel von Geisterbahnen, „Haunted Houses“ und ähnlichen Situationen spielt.

Dass Plotkin sich für seine Spezialeffekte weitgehend auf gute alte Handarbeit, auf Latex und Kunstblut verlässt (und überhaupt hier nicht zu sehr ins splattrige Detail geht) passt ebenfalls gut zum Hintergrund des Halloween-Themenparks – und sieht in der Tat einfach besser aus.

Die vagen Hintergrundstories zu den Personen sind nicht wirklich von Bedeutung – Studentin Natalie (Amy Forsyth) ist mal wieder zurück in der Stadt, und ihre ehemalige Mitbewohnerin Brooke (Reign Edwards) will sie mit dem hübschen Gavin (Roby Attal) verkuppeln. Natalie ist nicht einmal abgeneigt, hat aber eigentlich keine Lust auf Halloween und noch weniger auf die neue Mitbewohnerin Taylor, die sie von früher wohl kennt. Bex Taylor-Klaus, die sich vor allem mit der neuen Scream-Serie im Slasher-Genre eingeführt hat, bringt noch am meisten Leben in ihre Rolle als rotzfreche und vor allem sehr nervige Taylor; alle anderen Figuren sind nicht einmal Stereotypen, zu oberflächlich bleibt ihre Charakterisierung.

Es geht hier wirklich hauptsächlich um das Wie und das Wann des Slasher-Abzählreims, mit haufenweise falschen Fährten und kleinen, biestigen Wendungen. Beleuchtung, Musik, Basstöne, die permanente Überladung mit Gruseleffekten… das macht schon eine ganze Weile lang wirklich Spass. Hinzu kommt, dass „Candyman“ Tony Todd höchstselbst den Durchsagen auf dem „Hell Fest“ seine Stimme verleiht, auch selbst als Conférencier einer Scheinhinrichtung auftritt.

Mit seiner Person wird dann doch ein wenig sichtbarer, wie clever, aber wohldosiert Hell Fest die eine oder andere metafilmische Referenz unterbringt; ironische Distanz will und soll der Film daraus aber nicht ziehen, dafür ist er zu direkt, und klar. Und kann es sich dann auch erlauben, ein gänzlich ungewöhnliches Ende zu nehmen, das zugleich abgründiger und furchtbarer ist als jedes blutige es sein könnte.

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Draculas Rückkehr (1968)

Draculas Rückkehr braucht, schließlich ist der Graf eigentlich von uns gegangen, eine etwas bemühte Exposition: Monsignore Müller kommt in das kleine Dorf in den Karpaten, das von dem Vampirgrafen heimgesucht und anschließend befreit worden war; obwohl der Dorfpriester (wie sich zeigt, aus gutem Grund) skeptisch und ängstlich ist, gehen beide zu Draculas Schloss, wo alsbald das Versprechen des Filmtitels erfüllt wird. Bald jagt dann Christopher Lee (zum dritten Mal für die Hammer-Studios in dieser Rolle) die schöne Nichte des Monsignore (Veronica Carlson), während ihr Möchtegern-Bräutigam Paul vom Monsignore in die Kunst der Vampirabwehr eingeweiht wird. Allerdings erweist sich sein Atheismus als Hindernis auf dem Weg zur ordentlichen Vampir-Entsorgung… Freddie Francis hat vor allem in den 1960ern bei so einigen Horrorfilmen Regie geführt, bevor er sich wieder auf reine Kameraarbeit konzentrierte und dann mit David Lynch Der Elefantenmensch und Der Wüstenplanet drehte, mit Martin Scorsese auch Kap der Angst. Sein Talent für die gekonnte Inszenierung blitzt hier immer wieder auf, auch wenn die Handlung zuweilen etwas ziellos mäandert. Dafür sind die Studiokulissen so prächtig, dass die Außenaufnahmen in Feld, Wiese und vor allem Wald fast wie irreale Fremdkörper wirken.

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Dracula (1958)

Neben F.W. Murnaus Nosferatu und der klassischen Universal-Verfilmung von 1931 mit Bela Lugosi ist Terence Fishers Dracula die womöglich maßgebliche Verfilmung des gleichnamigen Romans von Bram Stoker. Mit Frankensteins Fluch hatte Fisher 1957 die Erfolgsgeschichte der klassischen Horrorfiguren für die Produktionsfirma Hammer eingeleitet, ein Jahr später blieb seine Vampir-Verfilmung recht nah an der literarischen Vorlage – bei den sechs weiteren Dracula-Filmen, ebenso mit Christopher Lee in der Titelrolle, nahm man sich dann größere Freiheiten. Anders als im Buch ist Jonathan Harker von Anfang auf Reisen, um den Grafen unschädlich zu machen; er kann aber nicht verhindern, dass Blut und Verderben seine Heimatstadt heimsuchen, die von London an einen unbestimmten Ort auf dem europäischen Festland verlegt wurde. In diesem Dracula wird die immer schon implizite Verbindung zwischen Vampirismus und Sexualität überdeutlich inszeniert, ohne dass es je ins explizit Erotische wechselt; aber das braucht es auch nicht. Fishers Inszenierung, die reichlich ausgestatteten Studiosets und die Ernsthaftigkeit der Schauspieler (mit Peter Cushing als großartigem Van Helsing) lassen den Film auch ohne große Effekte wirken, das sehr rote Blut brennt sich in die Netzhaut: Was für ein filmischer Hochgenuss!

Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.
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Why Don’t You Just Die! (2019)

Der erste Besuch beim Vater der neuen Freundin ist für junge Männer ja — patriarchale Erwartungen schwingen da viele mit — immer mit vielen Erwartungen und Sorgen überfrachtet. Da darf man schon mal nervös sein. Matvej allerdings ist vor allem deshalb nervös, weil er den Mann umbringen will – Olja hat ihn schließlich dringend darum gebeten.

Why Don’t You Just Die! von Kirill Sokolov beginnt mit diesem Warten vor der Wohnungstür, irgendwo in einem typischen, etwas runtergekommenen russischen Mietshaus mit knarzendem Aufzug und neugierigen Nachbar_innen. Matvej steht da mit dem Hammer hinterm Rücken, nervös, aber entschlossen. Es ist gerade genug Gangster in ihm, wird es später von ihm heißen, und da ist was dran: Der Junge wirkt eigentlich eher still und schmächtig, weiß aber trotzdem, wie man eine Handschelle mit einer Haarnadel öffnet.

Meine ausführliche Besprechung des so schwarz-lustigen wie blutigen Debüts von Sokolov ist auf kino-zeit.de erschienen.

Ready or Not – Auf die Plätze, fertig, tot (2019) – #horrorctober

„What a good-natured romp!“ fällt mir zu diesem Film als erstes ein, und dass ich ihn quasi aus Versehen mit @spinatmaedchen zusammen gesehen habe, was natürlich alles andere als negativ zu bewerten ist.

Samara Weaving (aus Netflix‘ The Babysitter, auch sehr unterhaltsam) steht als Grace nicht nur unmittelbar davor, endlich einmal eine eigene Familie zu haben, es ist auch noch eine äußerst wohlhabende. Ihr Bräutigam Alex Le Domas entstammt einer Gesellschaftsspiel-Dynastie, was schon an und für sich bekloppt genug klingt, vor allem ist die ganze Familie aber herzlich unsympathisch, außer vielleicht noch Alex‘ Mutter Becky, die Andie MacDowell mit so großer Hingabe hinlegt, es ist eine Freude. Um Mitternacht, so will es die unhintergehbare Familientradition, wird ein Spiel gespielt -- welches, das legt eine geheimnisvolle Box fest, aus der Grace eine Karte ziehen muss.

Als sie „Hide-and-seek“, also: Verstecken zieht, wird recht bald der wahre Charakter dieses Spiels offenbar: Die Braut muss sich verstecken -- und wird, sobald gefunden, in einem blutigen Ritual dem Teufel geopfert. Grace, die noch ahnungslos dem ersten Angriff durch Zufall entgeht, ist von diesen Spielregeln nicht so begeistert, aber aus dem ehrwürdigen Familienstammsitz gibt es auch kein leichtes Entkommen.

Tyler Gillett und Matt Bettinelli-Olpin haben schon ein wenig Genreerfahrung unter anderem in V/H/S gesammelt, hier dürfen sie sich so richtig austoben -- mit einem tollen Cast, einem fast noch besseren Setting und einem tollen Drehbuch von Guy Busick und Ryan Murphy. Sie steigern Tempo und Blutigkeit langsam, aber kontinuierlich und halten dies auch bis zum Schluss durch alle Wendungen und Windungen (es gibt viele) durch. Es geht stellenweise sehr splattrig zu, für Genrefans kostet der Film schwarze und weiße Humormöglichkeiten aus… und spielt fleißig mit den Erwartungen.

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Life (2017)

Fremde Lebensformen aus dem All, das weiß man nicht erst seit Alien, sollte man nicht zwingend als niedlich-friedlich betrachten. Und spätestens seit Jeff Goldblum in Jurassic Park konstatierte: „Life finds a way“, sollte man gleich doppelt, ach was, dreifach vorsichtig sein. Dem wissenschaftlich ausgebildeten Astronauten-Team in Life darf man zugestehen: Damit hatten sie durchaus gerechnet. Der Mikroorganismus, den sie aus einer Bodenprobe vom Mars isolieren können, wird deshalb ordentlich in einem isolierten Labor studiert, direkt in der ISS, weit von der Erde entfernt. Nur entwickelt „Calvin“, wie das Lebewesen getauft wird, sich ganz anders als bekannte Lebensformen – schneller, rabiater und, wir haben es schließlich mit einem Horrorfilm zu tun, tödlicher. Er schlenzt sehr schnell durch die vorgesehenen Schleusen hindurch und in andere Teile der Raumstation, sogar raus ins All und zwischendurch halt auch in Astronautenkörper hinein und wieder hinaus. Das tut ihm gut, den betroffenen Astronauten weniger.

Das Problem an Life sind nicht die erfreulich internationalen Darsteller – allerdings bleiben ihre Figuren insgesamt leblos, ihre Beziehungen kursorisch und behauptet. Das Problem sind auch nicht die etwas gedehnten 104 Minuten Laufzeit, sondern der Umstand, dass er halt bei aller technischen Eleganz und mit einem Hauch von Realitätsbezug dann doch vor allem schon gut Bekanntes mischt. Ein wenig, man ahnt es schnell, ALIEN, ein wenig Body Horror, etwas Drama außerhalb der Raumstation, gewürzt mit Explosionen, Luftschleusen und dergleichen. Bemerkenswert ist natürlich schon, wie überzeugend die Bewegungen in der Schwerelosigkeit wirken – das in Tröpfchen herumwabernde Blut hingegen hat jedoch eine ganz starke CGI- Aura. Das hätte alles was werden können, aber dafür braucht es doch etwas mehr Originalität und Figuren, mit denen man mitfiebert. Das Schicksal der Menschheit reicht da anscheinend nicht.

Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.