Dr. Jekyll & Mr. Hyde (1920)

John S. Robertsons Dr. Jekyll & Mr. Hyde, bei weitem nicht die erste Verfilmung von Robert Louis Stevensons berühmter Erzählung, gehört zu den frühesten Exemplaren des Horrorfilms avant la lettre: Die Kritiker warnten davor, Makeup und Grimassen des Hauptdarstellers John Barrymore, seine Verwandlung in den bösartigen Mr. Hyde könne auf Kinder verstörend wirken. Das liegt auch daran, dass Barrymore an diesem Stummfilm aus dem Jahr 1920 das ist, was noch lange im Gedächtnis bleibt. Sein Dr. Jekyll ist ein Altruist, ein wohlhabender Arzt, der von seinem eigenen Geld eine Art Hospital für die Ärmsten finanziert und sich hier aufopferungsvoll um Kinder, Alte und Schwache kümmert. Von seinem Schwiegervater in spe ein wenig angestachelt, entwickelt er ein Elixier, dass seine bösen Charaktereigenschaften von seinen guten abspaltet – so entsteht Mr. Hyde, der nachts sündhaft durch die Straßen der Stadt zieht. Bis hin zum zwingend tragischen Ende ist das ein aufregender Film, stilistisch nicht so entschieden wie die expressionistischen Meisterwerke (z.B. Nosferatu), die bald darauf folgen sollten. Aber Robertsons Film war ein Wahnsinnserfolg seinerzeit, und wird bis heute in Jekyll/Hyde-Filmen referenziert – am schönsten vielleicht in Stan Laurels Parodie Dr. Pyckle and Mr. Pride.

Diese Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.