Moby Dick (1956)

John Hustons Moby Dick ist sicher keine Verfilmung, die einfach die literarische Vorlage abfilmt – glücklicherweise, so bleiben uns lange Abschnitte voll wissenswerter Details über den Walfang erspart (das aktuelle Mediabook liefert da ein wenig Stoff nach). Huston nahm dafür das Publikum des Jahres 1956 mit in Details des Lebens auf einem Walfänger, dafür nimmt sich der Film dann schon Zeit. Langweilig wird das aus zwei Gründen nie: Die Spannung bleibt trotz allem weit oben, denn neben der Jagd auf den weißen Wal liegt auch immer Meuterei als Möglichkeit in der Luft. Und es ist alles so atemberaubend schön anzusehen, man möchte jedes einzelne Bild dieses Films gerne als Gemälde in einer Galerie betrachten. Allein die Anfangsszene in der Walfängerkapelle, in der Orson Welles als Priester von einer schiffsförmigen Kanzel predigt, ist so wunderschön und beglückend, man weiß gar nicht wohin mit seiner Ehrfurcht.

Und dann Gregory Peck als Ahab, den man in der ersten halben Stunde gar nicht zu Gesicht bekommt, und der jede Szene nur durch In-die-Ferne-Starren dominieren kann. Das ist großes Abenteuerkino, mit atemberaubenden Spezialeffekten von der Waljagd, vor allem aber natürlich ein Kino des inneren Konflikts, der moralischen Selbstüberhöhung und Bestrafung durch das gottähnliche Titeltier.

Diese Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.

Der Untergang des Römischen Reiches (1963)

Alles an diesem Film ist aufwändig, alles mächtig: Die Kostüme, die Kulissen, die Gesten und natürlich der geschichtliche Zugriff. Der Untergang des Römischen Reiches trägt das Monumentale gewissermaßen schon in seinem Titel, auch wenn er zu den Filmen gehört, mit denen das Subgenre des Sandalenfilms in den 1960er Jahren seinen Höhepunkt erreichte und eigentlich schon überschritt. Kaiser Mark Aurel will nicht seinen Sohn Commodus zu seinem Nachfolger machen, sondern dessen besten Freund Livius. Bevor es dazu kommt, wird er jedoch ermordet, und der größenwahnsinnige Commodus übernimmt die Macht und führt so, Stück für Stück, den Untergang des Imperiums herbei. Livius dient ihm weiter, auch wenn er seine große Liebe, Commodus‘ Schwester Lucilla, nicht heiraten konnte… Um historische Akkuratesse geht es dabei, wen wundert’s, schon wesentlich weniger, weder bei Kostüm und Kulisse noch bei überhaupt den Figuren (außer den ganz zentralen) und Ereignissen. Aber natürlich ist der Film eine Pracht, strahlend durch Goldbeschläge und u.a. die Juwelen Sophia Loren, Alec Guiness, Stephen Boyd, James Mason und Omar Sharif – auch wenn die über dreistündige Geschichte für heutige Augen oft langatmig und fast behäbig erscheinen mag. Eleganter als Gladiator ist das aber immer noch.

Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.

Dr. Zyklop (1940)

Man kennt und nennt den Namen von Ernest B. Schoedsack viel zu wenig. Dabei hat der Regisseur mit King Kong und die weiße Frau Filmgeschichte geschrieben und auch danach aber noch sechszehn Jahre lang fleißig Filme gedreht. Im April 1940 startete sein vorletzter Film, Dr. Zyklop, in den amerikanischen Kinos – eine wilde Science-Fiction-Abenteuergeschichte aus dem dunkelsten Peru. Dort stößt ein kleines Team von Wissenschaftlern auf den exzentrischen Dr. Thorkel, der ihre Hilfe benötigt – aber nur für ein kleines Detail seiner eigenen Forschungen. Dass er sie alsbald rüde wieder fortschicken will, weckt das Misstrauen seiner Kollegen – und bald finden sie heraus, dass Thorkel Lebewesen mit radioaktiver Strahlung auf Miniaturgröße verkleinert. Das Drama entwickelt sich von dort aus in relativ vorhersehbarer, genre-typischer Art und Weise; allerdings nicht ohne einen beglückenden, spürbar selbstironischen Unterton. Damit, vor allem aber mit der Qualität seiner Spezialeffekte, die sich problemlos mit den Tricksequenzen aus dem 17 Jahre jüngeren Die unglaubliche Geschichte des Mr. C messen können, ragt Dr. Zyklop aus der Masse ähnlicher Produktionen heraus – und ist seiner Zeit deutlich voraus.

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Dr. Cyclops Official Trailer #1 - Charles Halton Movie (1940) HD
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Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.