Knives Out – Mord ist Familiensache (2019)

War es Colonel Mustard im Arbeitszimmer mit dem Revolver? Oder doch Miss Scarlett mit dem Strick im Billardzimmer? Bei Knives Out – Mord ist Familiensache scheint die Sache wesentlich klarer zu sein als im heute leicht angestaubt wirkenden Gesellschaftsspiel Cluedo, sieht man doch schon in den ersten Minuten: Es war Harlan Thrombey selbst, mit dem Dolch, im Arbeitszimmer.

Aber nichts ist, wie es scheint. Rian Johnsons „Murder Mystery“ mag zunächst sehr altmodisch daherkommen, aber das ist elegante, sehr zugestellte Oberfläche – ähnlich wie das Haus, in dem Thrombey lebte, ein Haus, wie einer der anwesenden Polizisten bemerkt, gleich einem Cluedo-Spielbrett.

Knives Out ist ein Genuß, eine Feier vor allem des Ensembles, das offenbar wahnsinnig viel Spaß hatte. Die Kritik (eher dringende Empfehlung) gibt es auf kino-zeit.de.

Zimmer 108 – Beau Séjour (2016)

Kato ist tot. Zuerst ist sie sich da gar nicht so sicher, weil sie sich zwar tot in der Badewanne liegen sieht, aber sie läuft ja noch rum, kann durch Türen gehen, aber nicht durch Wände… Aber keiner ihrer Freunde kann sie mehr sehen – nur mit fünf Menschen kann sie noch sprechen: ihr Vater, Freunde, lose Bekannte. Es wird dadurch nicht weniger verwirrend.

Zimmer 108 ist ein Murder Mystery der eigenen Sorte. Kato kann immer noch mit ihrer Umwelt interagieren – Smartphones und Telefone bedienen, Akten durchschauen. So sitzt sie bei Verhören einfach dabei, folgt selbst den Spuren, die sie findet. Und nach und nach, durch Katos Suche und die Ermittlungen der zwei Polizistinnen, die den Mord an Kato aufklären wollen, pellt sich Halbwahrheit für Halbwahrheit wie bei einer Zwiebel heraus. Das belgische Dorf mit Schützenfest und Motocross-Rennen wird mehr und mehr zu einem Abgrund an Geheimnissen, Lügen und Heimlichkeiten – oder doch nicht?

Der Trick der Serie ist, dass sie irgendwie als Kriminalgeschichte daherkommt, aber eigentlich ein düsteres Psychogramm zeichnet, das Bild einer kleinen, lokal begrenzten Gemeinschaft; und dabei lange nicht alle böse sind, die so erscheinen. Aber alle tragen Schuld in irgendeiner Form mit sich herum, und das zeigt sich schon in den dominierenden Farbtönen von schmutzbraun und stahlblau bis grau. Lebensfreude jedenfalls ist nicht das Grundthema von Zimmer 108. (Und der Originaltitel Beau Séjour, nach dem Hotel in dem Kato anfangs erwacht, ist noch treffender ironisch.)

Kaat Beels und Nathalie Basteyns hätten auch eine Horrorstory daraus machen können, aber es scheint kaum jemanden zu gruseln, dass Kato noch da ist, nachdem sie über die erste Überraschung hinweggekommen sind. Stattdessen schauen sie auf das Unheimliche, das wir uns durch viele kleine Lügen selbst und gegenseitig antun – und am Ende, als alles offenliegt, das Große wie das Kleine, ist fast so etwas wie Hoffnung, wie ein Sonnenaufgang zu spüren.

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Beau Séjour - Trailer - English Subtitles
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Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.