In Kürze: Whiteout, The Tournament, Get Smart

Ich habe ja auch nicht immer Zeit, Gelegenheit oder Interesse, etwas Längeres zu schreiben…

Whiteout (2009)

Diese Comicverfilmung ist insgesamt wenig aufregend, mitreißend oder auch nur bemerkenswert, obwohl man vielleicht aus der Idee – der erste Mordfall in der Antarktis! – noch etwas mehr hätte machen können. Wirklich schön ist eine Kampfszene mitten in einem winterlichen Antarktisschneesturm. Ohne allzu großes Aufhebens wurde vorher eingeführt, daß man sich auf der Forschungsstation bei schlechtem Wetter nur von einem Gebäude zum anderen fortbewegen darf, wenn man sich vorher an einer der über das Gelände gespannten Sicherheitsleinen eingeklinkt hat, weil man sonst bei Sturm schnell vom Weg abkommt, wo man („Whiteout„) außer Schnee nichts mehr sieht.

Für einen Kampf mit Pistolen und dann schließlich Fäusten, Füßen und Eispickeln führt das zu inszenatorisch durchaus interessanten Einschränkungen, auch wenn Dominic Sena daraus womöglich noch mehr hätte machen können. Warum sich Ms Beckinsale zu Anfang des Films allerdings fast ganz ausziehen muß, ist mir allerdings nicht so ganz klar. (Natürlich, eine warme Dusche hat man immer gern in der Antarktis, und ihre Verletzlichkeit und so – aber ehrlich, das ist nur Schaulustbefriedigungswillen. Oder sagen wir: Sexismus?)

The Tournament (2009)

Schon die Handlungsprämisse von The Tournament hat mehr Löcher in ihrer logischen Struktur als ein durchschnittliches Opfer des titelgebenden Wettbewerbs in seinem Körper, aber ohne suspension of disbelief kommt man durch diesen Film sowieso nur kopfschüttelnd hindurch, oder man mag ihn gar nicht erst ansehen. Warum sollten sich dreißig hochbezahlte Auftragsmörder schon auf einen Wettbewerb einlassen, bei dem sie von ihresgleichen gejagt werden, und nur der Sieger überlebt und bekommt mickrige zehn Millionen Dollar? Nunja.

Auch sonst darf man nicht allzu großes Interesse an Logik und Sinn mitbringen, dafür ist The Tournament nicht so bemüht-komisch (und damit unwitzig) wie Smokin‘ Aces (meine Kritik), mit dem der Film sonst eine ganze Menge gemein hat – etwa die Ansammlung schlechtgelaunter Auftragskiller-Typen. Eher ist es selbstbewußtes, mit ernster Miene Schrott versprühendes Trashkino à la Doomsday (meine Kritik), und das ist ja zunächst gar nicht unbedingt etwas Schlechtes.

Get Smart (2008)

Eine ganz unterhaltsame James-Bond- und Agenten-Parodie ist das, sicherlich nicht brillant, aber allemal witziger als der gerade-so-okaye Johnny English. Ich kenne freilich die Originalserie nicht, die, wie mir zuverlässige Quellen berichten, noch um Längen besser sei.

Gut gefallen hat mir dabei vor allem natürlich die Tanzszene (bemerkenswert dazu die Position in Alas, a blog), die jeden Tanz in allen James-Bond-Filmen aufs präziseste persifliert, und der Wettstreit zwischen Maxwell und Agent 99 darum, wer die besseren Gadgets mitgebracht hat. Beides ist allerschönster Agenten-Schwanzvergleich.

FFF 2009: Kurzkritiken (3)

Alle Beiträge zum Fantasy Filmfest 2009 unter dem Tag FFF2009

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Pontypool: Bruce McDonalds im Anschluß an den ambitionierten The Tracey Fragments (meine Kritik) gedrehter Horrorfilm wird meist als Zombiefilm angekündigt, so recht will diese Beschreibung und Zuschreibung aber nicht passen, zu unklar bleibt das Geschehen, zu wenig wird es visuell wahrnehmbar oder gar ausgewalzt.

Pontypool ist vor allem eins: Talk Cinema. Ein Radiomoderator spricht, und wir sehen ihm dabei zu, sehen noch sein Umfeld und seine Kolleginnen, aber es ist vor allem seine Stimme, also die von Stephen McHattie, die die Wahrnehmung bestimmt. Im Keller einer Kirche hat sich die kleine Radiostation des kanadischen Pontypool eingerichtet, und der neue Moderator hat seinen ersten Tag, während es draußen offenbar zu seltsamen Ereignissen und Unruhen kommt.

Sprache ist das Thema dieses Films, und während das im Filmverlauf zu einigen fürs gewöhnliche Horrorkino zu bizarren Wendungen führt, hat sich hier jemand Gedanken gemacht über die Kraft, die in Wörtern, in Schrift und vor allem in Sprache steckt. Unbedingt sehenswert.

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The Killing Room: Eine junge Militärpsychologin muß an ihrem ersten Tag an ihrer neuen Top-Secret-Arbeitsstelle in hochgradig illegales Menschenexperiment beaufsichtigen, dessen Ziel ihr zunächst immerhin ein bißchen weniger unklar ist als den Proband_innen. The Killing Room hat im Grunde ein typisches Reality-Show-Szenario (in dieser Hinsicht Prime Time nicht unähnlich): Einer wird rausgewählt. Freilich sind hier die Methoden wenig zimperlich.

Trotz allem kann der Film weder so recht Spannung oder Betroffenheit aufkommen lassen, noch bewegt er sich ästhetisch auf aufregendem Terrain; es gibt Wechsel zwischen Beobachtungsposten, Überwachungskameras und dicht an den Personen geführten Handkameraeinstellungen, das hat man alles schon einmal gesehen. Leider enttäuschte auch der Auftritt einer meiner Lieblingsschauspielerinnen, Clea DuVall, was aber nicht an DuVall liegt, sondern an ihrer Rolle. Das näher zu erläutern hieße schon viel von der Handlung zu verraten.

Fotos: Fantasy Filmfest

FFF 2009: Kurzkritiken (2)

Alle Beiträge zum Fantasy Filmfest 2009 unter dem Tag FFF2009

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Prime Time: Eine etwas offensichtliche Mediensatire zwischen Big Brother, Untraceable und Das Millionenspiel. Ein Schwung Kandidat_innen werden für eine im Internet ausgestrahlte Fernsehsendung (der Titel ist da recht irreführend, weil: falsch) gekidnappt und in einem schicken Plastik- und Stahlgefängnis unter ständiger Kamerabeobachtung festgehalten. Alle paar Tage werden zwei ausgewählt, die sich für dunkle Stellen in ihrer Vergangenheit öffentlich rechtfertigen müssen und von den Zuschauer_innen dann zur Bestrafung ausgewählt werden. Obwohl das ganze nicht schlecht gemacht ist, hatte ich am Ende des Festivaltages Mühe, mich an den Film überhaupt zu erinnern. Denn ähnliches ist ja Dutzendware in den letzten Jahren geworden, man denke nur an Death Race (meine Kritik) oder The Condemned – weitere Beispiele nennt Stefan Höltgen bei Telepolis.

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Coffin Rock legt von Beginn an ein ganz anderes, sehr ruhiges Tempo vor, das eine sehr stimmungsvolle Atmosphäre heraufzubeschwören vermag, leider aber schon nach dem ersten Drittel eher spannungshemmend wirkt. Ein wenig mehr Geschwindigkeit hätte dem Werk sehr gut getan. Denn eigentlich geht es um essentiell Dramatisches: Eine nicht mehr ganz junge Frau, die verzweifelt mit ihrem Mann ein Kind zu zeugen versucht, lacht sich einen Stalker an, der unbedingt ihr ganzes Leben will. Die Situation eskaliert natürlich zusehends, das geht wie nach dem Drehbuchlehrbuch. Trotz eingängiger Charaktere und vieler Pluspunkte mehr ist der Film am Ende schlicht zu lang.

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Infestation: Freund_innen des humorvollen Splatters kommen hier auf ihre Kosten, und das Festivalpublikum reagierte auf entsprechend beglückte Weise. Riesenkäfer aus dem All (apparently) überfallen die Welt oder zumindest den Teil von ihr, den wir hier zu Gesicht bekommen; es gibt viel in Kokons eingesponnene Menschen, einige bizarre Mutanten und natürlich ein knospendes Liebespaar zu sehen. Ohne daß der Film große künstlerische Ansprüche stellen würde, ist das großes Gagakino, unterhaltsam und mit leidlich überzeugenden Käferdarstellern versehen.

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A Film With Me In It wird im Programmheft als ganz, ganz große schwarze Komödie angekündigt und man darf die damit geweckten Erwartungen getrost und ohne schlechtes Gewissen als zu hoch gehängt bezeichnen. Gewiß, schwarz und lustig ist das schon, aber die Unglücksfälle, die das Leben des arbeitslosen Schauspielers Mark mit Leichen füllen, sind weder so haarsträubend komisch noch so dicht gesäht, daß man deshalb aus dem Lachen nicht mehr herauskäme. Im Gegenteil, dazwischen zieht sich die Handlung wie zähes Kaugummi, zumal nur allzu offensichtlich wird, auf welch hanebüchenen Prämissen die Handlungen der Protagonisten beruhen. Das ist dann weniger lustig als vor allem recht traurig. Erst ganz am Schluß wird, unter Aufnahme des im Titel anklingenden Themas, noch einmal der Kontrast des im Film durchaus etwas grauer ausgestellten vermeintlich realistischeren Kinobildes zu Hollywood ausgestellt. Was vorher passiert, ist aber oft schlichtweg Quatsch.

Fotos: Fantasy Filmfest

FFF 2009: Kurzkritiken

Alle Beiträge zum Fantasy Filmfest 2009 unter dem Tag FFF2009

Weil ich in den nächsten Tagen auch keine Zeit haben werde und voraussichtlich morgen dann endlich auch persönlich auf dem Fantasy Filmfest in Köln sein werde, gibt es hier noch rasch Kürzestkritiken zu zwei Filmen, die ich vorab habe sehen können.

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Largo Winch: Ich mag es ja, wenn Filme, wie jetzt auch Tarantinos im übrigen phantastischer Inglourious Basterds, die durch die Filmhandlung logischerweise zu erwartende Mehrsprachigkeit dann auch im Film erhalten und umsetzen. Bei Largo Winch ist das die logische Folge des internationalen Settings, in dem Französisch, Englisch und Serbisch gesprochen werden – neben Russisch, Deutsch und einigen anderen Sprachen, die auch noch auftauchen.

Largo Winch ist Erbe eines riesigen Firmenimperiums, bis zum Tod seines Adoptivvaters wußte aber nahezu niemand von seiner Existenz; plötzlich trachten aber nur allzu viele dem jungen Mann, der seine letzten Jahre vor allem als Abenteurer verbracht hat, nach dem Leben. Kann Largo herausfinden, wer die Intrige gesponnen hat?

Largo Winch hat ein bißchen Sex, viel Action und reichlich Verschwörungsgeschehen; das ist eine massentaugliche, ohne Fehler, aber auch ohne bemerkenswerte Ideen und etwas vorhersehbar umgesetzte Abenteuergeschichte, deren Geschichte sich nicht allzu eng an den Largo-Winch-Comics von Jean Van Hamme und Philippe Francq orientiert.

Genrefans treffen mit diesem Film keine schlechte Wahl, alle anderen verpassen hier womöglich: nichts.

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The Children: Für Eltern ist ja schon die Vorstellung ein Alptraum, die eigenen Kinder könnten sich nur emotional von einem abwenden; daß sie gar Messer, Scheren und Hacken gegen uns erheben, läßt sich nicht einmal denken. So kommt die zögerliche Reaktion der Erwachsenen hier nicht unerwartet, als ihre kleinen Kinder, kaum im Schulalter, auf einmal zu blutdurstigen Monstren werden.

Monstren, wohlgemerkt, nur im moralischen Sinne, denn eine echte Erklärung für die Mordlust der Kinder gibt The Children nicht, auch wenn er hanebüchen auf eventuelle medizinische Gründe verweist. Das sind dann auch die allerschwächsten Momente in diesem Film, der ansonsten zwar wenig revolutionär ist (gerade wenn man ihn mit Filmen vergleicht, die sich an ähnlichen Szenarien abarbeiten), aber bis zum würdig apokalyptischen Ende doch einigermaßen das Fürchten lehren kann.

Foto: Fantasy Filmfest