FFF 2011: L’assaut (2010)

L’assaut von Julien Leclercq (Chrysalis) versucht sich an einer dramatischen Rekonstruktion eines Ereignisses, das seinerzeit für Frankreich eine recht traumatische Erfahrung war: Die Entführung des Air-France-Flugs 8969 am 24. Dezember 1994 durch ein Kommando der Groupe islamique armé (GIA) und die Anstrengungen bis zur gewaltsamen Beendigung der Geiselnahme zwei Tage später auf dem Flughafen von Marseille.

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Der Film konzentriert sich im Wesentlichen auf drei Personen: den Anführer der Terroristen (Aymen Saïdi), ein Mitglied der Spezialeinheit Groupe d’intervention de la Gendarmerie nationale (GIGN) (Vincent Elbaz) und eine aufstrebende Mitarbeiterin (Mélanie Bernier) der an der Befreiung beteiligten französischen Ministerien.

Die drei stehen in keiner persönlichen Beziehung zueinander, und das macht womöglich schon ein dramaturgisches Problem des Filmes aus: Daß nämlich für Persönliches, für subjektive Motivationen und Interessen, kaum Platz bleibt. Stattdessen gibt es, außerhalb der durchaus spannenden Actionsequenzen und anderen Standardmomenten, die das Entführungs-/Terrorismusgenre so bringt, vor allem fast schon stereotype Handlungsmuster zu sehen.

Die Terroristen sind von ihrer Sache überzeugt (auch wenn nie so recht klar wird, was diese Sache genau ist), die Passagiere sind ängstlich, die Polizisten mutig (und haben natürlich Familie). Der Film ist fast durchgehend in blauschwarzen Tönen gehalten – eine Wahl, die für die mechanistischen Momente des Ablaufs sehr passend erscheint – also die Vorbereitungen der Spezialeinheit, die Spielereien der Politik -, aber immer dann stört, wenn der Film versucht, doch so etwas wie Emotionen zu beschwören.

In der französischen Presse ist der Film öfters mit United 93 von Paul Greengrass verglichen worden – allerdings meist nicht unbedingt zugunsten von L’assaut.

http://www.youtube.com/watch?v=wGhUfK688MI

Foto: Fantasy Filmfest