Loft (2008)

loft_dvdDas ist ein hübscher kleiner Thriller, fast ein Kammerspiel auch in seiner räumlichen Beschränkung: ein Loft, ganz oben in einem schicken neuen Haus, vom Architekten des Gebäudes für sich selbst und vier seiner Freunde eingerichtet. Hier spielt sich das Geschehen hauptsächlich ab, und hier hat auch der Mord stattgefunden, der uns kurz nach Beginn präsentiert wird: Eine Frauenleiche, mit einer Hand am Bettgestell festgekettet, liegt da, Blut durchtränkt das Laken und irgendwo liegt auch noch ein Messer herum.

Mit der Aufklärung dieses Verbrechens schlagen sich die Freunde dann herum, denn das Loft ist ein pikanter Ort: Rückzugsraum für die fünf Freunde, die allesamt verheiratet sind, um sich mit Prostituierten und Geliebten zu treffen. Und zugleich ist klar, daß die Polizei irgendwann, obwohl die Freunde darüber streiten, ob und wie sie sie heraushalten können, auch vorbeikommen wird, denn parallel dazu sehen wir immer schon die Verhöre, die Fragen, die Anlaß geben für Rückblenden, Erinnerungen – Loft springt, 118 Minuten lang, fröhlich durch die Zeitebenen, und nach und nach wird eine mögliche Spur, ein Verdacht nach dem anderen gelegt. Das macht der Film höchst effektiv: Die Männer, die er zunächst gründlich als sehr unterschiedlich sympathisch einführt, haben alle auf irgendeine Art und Weise Dreck am Stecken, neben den Frauen sind vielleicht auch noch andere Leute von ihnen verletzt worden, oder ist die Freundschaft zwichen ihnen womöglich doch nicht so eng?

Klammheimlich ist der Film, mit dem Architekten als Patriarch unter angeblich Gleichen, natürlich auch ein Architekturfilm: Immer wieder sehen wir die Protagonisten in modern-kühlen Räumen, seien es Bars, ein Hotelschwimmbad oder schließlich das Loft: moralfreie Räume für Männer mit Geld. Wer das Geld hat, hat den Raum; wer den Raum hat, nimmt sich die Freiheit. Was man brauche, prahlt einer der Männer einmal, um ein Verhältnis effektiv zu führen? Einen Rückzugsraum, das allein mache es aus.

Im Laufe des Films wechseln die Konstellationen von Macht und Zusammenhalt ständig, während nach und nach mehr und mehr Umstände offengelegt werden; und für den Schluß hebt sich Loft trotzdem noch einige schöne Wendungen auf. Und auch wenn es bis zum Schluß spannend bleibt, hat man am Ende dennoch das Gefühl, daß eine Kürzung um vielleicht zwanzig Minuten dem Film gut getan hätte.

(Der Film ist von Koch Media auf DVD veröffentlicht worden und z.B. bei amazon.de wohlfeil erhältlich.)

weiterlesen