Hoodwinked! (2005)

Das Grundkonzept von Hoodwinked! hat einen gewissen Charme: mit Rotkäppchen ein bekanntes Märchen zu nehmen und dann eine Kriminalgeschichte darum herum zu stricken, die völlig die Grenzen der althergebrachten Geschichte verläßt und stattdessen vor Spielereien mit anderen Märchen und popkulturellen Referenzen nur so strotzt. (Jasper Fforde macht ähnliches, womöglich noch besser in der Literatur zum Beispiel in Big Over Easy und The 4th Bear auf ziemlich beeindruckende Weise.)

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Daß das Ganze dann in eine Kriminalgeschichte eingebettet wird (der postmodernen Erzählform par excellence) gibt dem Pastichespiel eine schöne Struktur, in der zunächst alles zusammengreift, bis dann allerdings der ganze Film rasch in ein Actionabenteuer zerfällt. Zugleich konzentriert sich die Handlung zunehmend auf eine eher schlichte Gut-Böse-Konstellation, während viele der vorher recht schön eingeführten Figuren stark in den Hintergrund treten.

Hoodwinked bleibt dann immer noch ziemlich harmlos-unterhaltsam (und wahrscheinlich brauchbar für Kinder so ab ca. 6 Jahren aufwärts), aber ohne das Verwirrspiel à la The Usual Suspects, das am Anfang eingeführt wird, gerät das letzte Drittel des Films zur eher flachen, vorhersehbaren Standardware. Die jüngst angekündigte Fortsetzung sieht nicht unbedingt vielversprechender aus.

Tangled (2010)

Wir hatten viel Spaß in Disneys neuem Märchenfilm Tangled, dessen deutscher Verleihtitel präzise passend beginnt („Rapunzel“) und auf dem Niveau deutscher Fernsehcomedy verendet („Neu verföhnt“, WTF?). Denn der Film, wie auch in meiner ausführlichen Besprechung nachzulesen ist, ist flott, witzig, ein wenig schmalzig, wie es sich für Disney-Streifen zu Weihnachten gehört, also vor allem: erfolgreich unterhaltsam.

Daß die Geschlechterverhältnisse immer noch nicht wirklich als modern gelten dürfen, habe ich in meiner Kritik angedeutet, ausführlich und komplexer hat das Natalie Wilson bei Women & Hollywood diskutiert. Denn obwohl Rapunzel in der Disney-Version schon ganz schön frech, selbstbewußt und eigen ist, sie braucht doch immer noch den Mann, um errettet und befreit zu werden – sexuelle Untertöne (die Kinder werden sie übersehen, die Erwachsenen nicht übersehen können) eingeschlossen.

Aber der Abend war einfach vergnüglich (ein Sonntagabend ohne Kinder…) und das lag auch daran, daß wir bei der Vorpremiere im Grand Rex, das schon allein seines außergewöhnlichen Innenraums wegen einen Besuch wert ist (Größe und Dekor kann man auf den Fotos hier immerhin erahnen) nicht wußten, was uns erwarten würde. Das Kino war schon im Vorraum ganz auf den Film ausgerichtet (siehe Foto oben, meins), und als Vorprogramm war „La Féérie des Eaux“ angekündigt – wir Ahnungslose dachten an eine kleine Vorführung, eher noch einen Kurzfilm… weit gefehlt.

Das Grand Rex verfügt, weil es nicht nur Kino ist, über eine richtige Bühne, und diese läßt sich offenbar wasserfest machen, so daß für eine Show mit Springbrunnen, Laserstrahlen und Musik Platz und Möglichkeiten bereitstehen. Zumal in diesem Raum, der für 2650 Personen Platz bietet, eine fast surreale Erfahrung, die das ausschließlich erwachsene Publikum von vielleicht fünfzig Zuschauer_innen (es war die englischsprachige Abendvorstellung) mit großem Amüsemang aufsaugte.

Dieses Video (nicht meins) gibt einen Eindruck von dem „Spectacle“:

Und hier gibt es noch (via) einen Clip, der wohl einen frühen Entwurf des Rapunzel-Films widerspiegelt, wie ihn Glen Keane überlegt hatte:

Das wäre wohl ein gänzlich anderer Film geworden.