Moby Dick (1956)

John Hustons Moby Dick ist sicher keine Verfilmung, die einfach die literarische Vorlage abfilmt – glücklicherweise, so bleiben uns lange Abschnitte voll wissenswerter Details über den Walfang erspart (das aktuelle Mediabook liefert da ein wenig Stoff nach). Huston nahm dafür das Publikum des Jahres 1956 mit in Details des Lebens auf einem Walfänger, dafür nimmt sich der Film dann schon Zeit. Langweilig wird das aus zwei Gründen nie: Die Spannung bleibt trotz allem weit oben, denn neben der Jagd auf den weißen Wal liegt auch immer Meuterei als Möglichkeit in der Luft. Und es ist alles so atemberaubend schön anzusehen, man möchte jedes einzelne Bild dieses Films gerne als Gemälde in einer Galerie betrachten. Allein die Anfangsszene in der Walfängerkapelle, in der Orson Welles als Priester von einer schiffsförmigen Kanzel predigt, ist so wunderschön und beglückend, man weiß gar nicht wohin mit seiner Ehrfurcht.

Und dann Gregory Peck als Ahab, den man in der ersten halben Stunde gar nicht zu Gesicht bekommt, und der jede Szene nur durch In-die-Ferne-Starren dominieren kann. Das ist großes Abenteuerkino, mit atemberaubenden Spezialeffekten von der Waljagd, vor allem aber natürlich ein Kino des inneren Konflikts, der moralischen Selbstüberhöhung und Bestrafung durch das gottähnliche Titeltier.

Diese Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.