Un monstre à Paris

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Selbst die Französen müssen noch bis Oktober warten, bevor sie dies hübsch animierte Monster zu sehen bekommen, das zusammen mit der Stimme von Vanessa Paradis (deren Figur auch im Film von allen angeschmachtet wird) die Straßen von Paris unsicher macht. Ach weh! Aber gut schaut’s aus. Ich freu mich schon…

(via)

Kurz verlinkt, 16. Februar 2011

Lesens- und Sehenswertes aus den vergangenen Tagen (29. Januar 2011 bis 16. Februar 2011):

  • Loving the Bad – An Interview with Frankie Latina and Sasha Grey on Modus Operandi
    "Any director who shoots a grindhouse film without exquisite, triumphant, dangerous, and naked women is doing a disservice to the genre and should move into a different field."
    by Matthew Sorrento
  • The Best Sex in Contemporary Hollywood – Utopia, Ecstasy, and the (Classical) Musical Number in The 40-Year-Old Virgin
    by Kelli Marshall
  • Something That Festers – The Silence of the Lambs, The Texas Chainsaw Massacre, and the Visual Pleasures of Horror
    "We're drawn to and fascinated by horror because the genre reminds us that we have both outsides and insides, skin and guts, eyes and gray matter, ideas and appetites."
    by Jesse Stommel
  • The Cinematic Islands of Dr. Moreau – Beasts, Monsters, and Mad Scientists
    Why the doctor endures
    by Richard A. Voeltz
  • Interview mit Denis Villeneuve – Regisseur von 'Incendies'
  • Girls on Film: Redefining Date Movies – The dating world is a hideous business. We're taught that to woo, to romance, to love; the man must cover his beloved in all manner of monetary adoration and personal torment. He must buy overpriced roses, grandoise gifts and wallet-burning meals every Valentine's Day. He must take his beloved, or hope-to-be-beloved, to romantic comedies and five-tissue romances. On the flip side, the woman is expected to groom, to woo (though all bets are off when the fish is caught) and to offer up sexual spoils to show her appreciation (though not required). If she's super-swell, she might give the guy a day off now and then to partake in his burly deeds and see his manly friends, but ultimately, she just has to keep him marginally entertained … and rule him with an iron fist of feminity.
    And it all starts with the "date movie."
  • 15 movie sex and bedroom scenes that might just put you off sex and bedrooms – The movies have some valuable lessons to teach us about bedroom shenanigans. For here are 15 films that might just put you off sex altogether…
  • Heteronormativitätskritische Filmbildung – Plädoyer für queere Perspektiven in der Medienpädagogik – Medienpädagogische Filmbildung hat es bislang gänzlich versäumt queer-theoretische Ansätze in der Filmbildungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen aufzugreifen. Darum schlage ich ein Konzept heteronormativitätskritischer Filmbildung vor, mit dem medienpädagogische Ansätze innerhalb der Filmbildungsarbeit für queer geöffnet werden, das sich insbesondere für subjektbezogene Konzepte von Filmbildung dringend empfiehlt. Heteronormativitätskritische Filmbildung stellt eine veränderte Möglichkeit der Herangehensweise an das Medium Film dar: Filmische Repräsentation wird als Ort der Reproduktion heteronormativer Strukturen fokussiert und gleichzeitig der Frage nachgegangen, inwiefern Interventionen in die symbolische Ordnung durch filmisch vermittelte Formen des Widerstandes aussehen können. (Feministisches Institut Hamburg / von Julia Bader)
  • Wieland Speck über Kinofestivals – Nachdem Wieland Speck in den siebziger Jahren für das Berliner TALI Kino verantwortlich war und als Darsteller unter anderem für Marlene Dietrich, Ulrike Ottinger und Robert van Ackereren vor der Kamera stand, wurde er im Jahr 1982 Assistent von Manfred Salzgeber bei der Berlinale. Gemeinsam mit ihm gründete er den schwulen Filmpreis TEDDY AWARD, der seit 1987 auf der Berlinale verliehen wird. Seit 1992 ist Wieland Speck Programmleiter der Sektion PANORAMA. Mit uns hat Speck darüber gesprochen, warum das Kino in Festivals zu Hause ist.

Gérardmer 2011: The Troll Hunter (2010)

The Troll Hunter (Trolljegeren) beginnt, wie so viele Found-Footage-Filmchen der letzten Jahre, mit der Behauptung von Authentizität: Das Filmmaterial sei anonym eingegangen, und natürlich habe man es geprüft und für authentisch befunden, aber man möge doch bitte selbst entscheiden. Was dann folgt, erinnert schon sehr an Cloverfield (oder auch Diary of the Dead): Ein kleines Filmteam von Studenten einer norwegischen Provinzhochschule will einen kleinen Dokumentarfilm darüber machen, wer ohne Genehmigung in ihrer Gegend Bären tötet.

Gérardmer 2011 - SchriftzugSie stoßen alsbald auf den verschlossenen Jäger Hans (Otto Jespersen), der aber gar nicht hinter Bären her zu sein scheint – und werden von ihm, nachdem er sie vergeblich abzuweisen versucht hat, schließlich leicht entnervt auf die Jagd mitgenommen, weil er möchte, daß die Welt verstehe, unter welchen katastrophalen Arbeitsbedingungen er seinen Pflichten nachkomme. Und die Norweger_innen davor beschütze, von wild umherstreifenden Trollen aufgefressen zu werden.

The Troll Hunter bleibt konsequent in der Perspektive der studentischen Filmkamera – und geht damit deutlich weiter als die genannten Vorbilder –, will aber gar nicht unbedingt ein Monsterfilm im klassischen Sinne sein. Denn was den kleinen (vielleicht einen Hauch zu langen) Streifen im Wesentlichen auszeichnet ist der Wille, hier ein magisch angehauchtes, unheimliches Paralleluniversum zu schaffen, das sich nur an den Rändern von unserem unterscheidet, aber von Hans‘ Erzählungen und durch die Erfahrungen der Student_innen immer weiter ausgeformt und präzisiert wird. Regisseur André Øvredal hat sich in seinem Drehbuch viel Mühe gegeben, eine stimmige, konsequente neue Welt vorzubereiten. Dadurch sieht man dann die ganz gewöhnliche (unsrige) Welt auf einmal mit anderen Augen, Hochspannungsleitungen, ausgewilderte Tiere, das alles bekommt neue Bedeutung, neue Zwecke.

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Mich erinnert das ein wenig an das Verfahren, das Philip Pullman in der His Dark Materials-Trilogie verwendet hat, in dem sich die Verschiebungen zu unserer realen Welt nur ganz unterschwellig einschleichen. Hier kommen sie zwar vergleichsweise deutlich dahergetrampelt (in Form riesenhafter, hungriger Trolle), aber die Methode ist nicht weniger bezaubernd. Da vergißt man gerne, daß die Figuren ein wenig blaß bleiben, weil sie zum Beispiel nicht allzu viele Konflikte untereinander auszutragen haben – stattdessen rückt eben hier die seltsame neue Welt in den Vordergrund.

In eigener Sache:
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Kurzfilm: Tous des monstres

Da Spreeblick den Film vorgestern schon gezeigt hat, sieht ihn wahrscheinlich kaum jemand hier zum ersten Mal; aber Tous des Monstres (Homepage), der Abschlußfilm von Nicolas Deprez, Laurent Jaffier, Pierre Lippens und Gabrielle Lissot, ist auch noch einen Blick leicht wert. Es gilt in der Tat die doppelte Warnung, den Film trotz seiner hübschen Verneigungen vor dem expressionistischen Film womöglich nicht am Arbeitsplatz (oder in anderen nicht-privaten Kontexten) anzusehen und von empfindsameren Naturen fernzuhalten.

Monster House (2006)

Vielleicht muß ich ja in die latent kulturkritische Klage einstimmen, daß die Jugend von heute schon so verroht sei, daß man ihr keine Angst mehr machen kann. Oder in das absurde Gejammer von Seiten der FASZ über die angeblich nicht zutreffenden Kennzeichnungen der FSK. Aber eigentlich halte ich das für Blödsinn, und sehe die Eltern (und damit meine ich jetzt, ganz ernst, zu allererst: mich) in der Verantwortung, sich bei Filmen vorher bewußt zu werden, was sie ihren Kindern zugänglich machen wollen und warum.

Und daher würde ich zum Beispiel einem sechsjährigen Kind den ab diesem Alter freigegebenen Film Monster House nicht zeigen – weniger, weil ich glaube, daß der Film seine Entwicklung beeinträchtigen, sondern vielmehr, weil er ihm wahrscheinlich einen ganzen Wurf an ziemlich beeindruckenden Ängsten in den Kopf setzen würde. Denn Monster House, der ostentativ als Kinderfilm positioniert wird, ist vor allem ein Grusel-, wenn nicht gar ein Horrorfilm, auch wenn natürlich nie ein Tropfen Blut fließt. Erst ganz am Schluß, wenn im Abspann alle vermeintlichen Opfer nur mit leichten Kratzern wieder auftauchen, wird dem ganzen Budenzauber ein wenig die Bösartigkeit wieder ausgetrieben, die der Film vorher vor allem visuell mit viel Einsatz hergestellt und gehalten hat.

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Das Nachbarhaus des frisch pubertierenden DJ, so geht die Geschichte, ist offenbar verhext, besessen gar, und als dessen feindseliger Bewohner Mr. Nebbercracker nach einem Unfall wie tot weggebracht wird, verschwinden erste Leute darin. Schließlich machen sich DJ, sein Freund Chowder und die junge Jenny, die dem Tod durch Haushunger nur knapp entronnen ist, daran, den Spuk zu beenden.

Die Animation der Figuren schwankt zwischen recht gelungen (vor allem der genervte Gang von Babysitterin Zee ist überzeugend, und das Haus bewegt und verändert sich auf gar schröckliche Weise – diese Mimik!) und tief im Uncanny Valley der Animation – ein wenig soll das irgendwie, Robert Zemeckis läßt als ausführender Produzent schön grüßen, in Richtung Photorealismus gehen, und das geht gnadenlos schief.

Immerhin ist die Handlung mit ein, zwei Ausnahmen recht straff organisiert, gelegentlich finden sich sogar witzige Stellen („What is your problem?“ – „Ahm. Puberty. I’m having lots of puberty!“) und es bleibt sogar Platz für anderthalb interessante weibliche Figuren (die aber gleichwohl nicht den Raum bekommen, den sie verdienten. Ach, nie endende Klage).

Nachdem der Film seine richtig angstmachenden Momente hinter sich gelassen, den Verdauungstrakt des Hauses thematisiert und das Rätsel um das Gebäude aufgeklärt hat, wandelt sich die Story noch schnell zu einer klassischen Abenteuergeschichte, samt Verfolgungsjagd, Sprengstoff und großen Maschinen. Hinter allem aber lauert ein fast schon an Braindead gemahnendes Konstrukt mit einer übermächtigen Frauenfigur (die zwar als Liebespartnerin beschrieben wird, m.E. ob ihrer Physis aber als Mutterfigur erscheint) ohne Maß. Und diese finde ich, ehrlich gesagt, schon wieder so problematisch und so unterkomplex, daß ich allein wegen ihr diesen Film meinen Kindern nicht zeigen würde. Oder sonst jemandem zur Ansicht empfehlen.

Kurzfilm: United Monster Talent Agency

Dieser Kurzfilm von Greg Nicotero, der auch auf dem Festival in Sitges zu sehen war, zeigt uns, wo die klassischen (und einiger der postklassischen) Hollywoodmonstren wirklich herkommen. Wenn das eingebettete Video nicht funktioniert: Hier sollte man den Film sehen können.

Und ein paar Cameos gibt es auch…

Interview with Vincenzo Natali on ‚Splice‘

During this year’s Festival Internationnal du Film Fantastique de Gérardmer I had the opportunity to talk in some length with Vincenzo Natali, director of films such as Cube, Cypher, and most recently Splice (my different texts about that film are collected here, in German).

It was a very interesting conversation, ranging from nerd culture to posthumanist thoughts – Natali seems to think that genetic modification really is the next logical step in (human) evolution, and his film is as much a warning of its dangers as it is, actually, a celebration of its possibilities.

Before you listen to the interview, be well aware that it is uncut and unedited (you can read the edited and translated German version here at Telepolis) – it does contain some minor spoilers and at least one major one that gives away part of the ending.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

(Oh yeah, and sorry about the poor quality of the recording.)

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Pandorum (2009)

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Ich kann das ruhig gleich zu Anfang sagen: Man muß Pandorum nicht unbedingt gesehen haben, man kann unter Umständen auch gar nicht so einfach – hier in Paris läuft er in seiner zweiten Woche nur noch in zwei Kinos, in einem in Originalversion. Und Paris ist glücklicherweise keine an Kinos arme Stadt. (Es folgen gelegentlich ein paar Spoiler.)

Gleichwohl gibt es sicherlich schlechteren Schrott als diesen in Babelsberg und mit viel deutschen Steuergeldern gedrehten Science-Fiction-Schocker, der alle möglichen Versatzstücke des Genres durcheinandermischt: Dunkle Gänge und Schleimspuren etwa aus Alien und seinen Nachfolgern, anderes dann aus Event Horizon (das ist nicht zufällig – produziert wurde Pandorum unter anderem von Paul W.S. Anderson, der bei Event Horizon Regie führte und auch bei Resident Evil, was man dem Film ebenfalls ansieht) und was an finsteren Endzeitgeschichten im All noch so herumfliegt. Nur die Komödien wurden ganz ausgelassen, Pandorum leistet sich nicht einmal einen ganz kleinen Comic Relief.

Ernsthaft ist das also, sehr klaustrophobisch – die Enge der Räume drückt bis auf die Leinwand durch. Aber ein guter Film eben leider doch nicht. Das liegt zum einen daran, daß der Film den Zuschauer_innen die Hintergrundstory gleich am Anfang präsentiert, während die Protagonist_innen eine ganze Weile brauchen, um sich diese aus den dunklen Stellen ihrer Hyperschlaf-induzierten Amnesie herauszukramen. Der Film wäre so noch düsterer geworden, aber das wollte man wohl wirklich nicht, wie auch das Ende zeigt: Da scheint der Film einen Moment lang den Mut aufzubringen zu großer, totaler, endloser Verzweiflung. Dann dreht er sich aber aus dem Geschehenen doch noch eine – immerhin einigermaßen originelle – Schleife zu einem knallkitschige inszenierten Happy-End hin.

Mit Tausenden von Menschen, so will es die Vorgeschichte, ist das Schiff „Elysium“ unterwegs von der überbevölkerten Erde zu einem möglicherweise für Menschen bewohnbaren Planeten; als zwei Mitglieder der Crew aus tiefem Hyperschlaf erwachen, ist jedoch das Schiff lahmgelegt, ohne daß sie herausfinden können, was geschehen ist. Nach und nach und mit Hilfe anderer an Bord herumlaufender Überlebender verstehen sie, was geschehen ist und woher die menschenfressenden Monster kommen, von denen sie durch die dunklen Gänge des Schiffes gejagt werden.

Für Pandorum haben Regisseur Christian Alvart und Drehbuchautor Travis Milloy zwei separate Grundhandlungen miteinander verknüpft – das funktioniert leider nur begrenzt gut, weil sich die beiden nur lose berühren und die an diesen Punkten hervorgerufene Spannung doch sehr bemüht wird. Zu guter Letzt wird auch noch das Fortbestehen der Menschheit an sich in die Wagschale geworfen, als ob das blanke Überleben nicht schon Motivation und Aufreger genug wäre.

Zwischendurch gerät Pandorum recht actionlastig, was aber nicht gut funktioniert; die hektischen, wild geschnittenen Kämpfe erwecken eher den Eindruck, daß für den Film kein guter Choreograph engagiert wurde, als daß durch die raschen Schnitte so etwas wie Geschwindigkeit und Aufregung transportiert würde. Ansonsten hat man es in der filmischen Umsetzung immerhin mit solidem Kunsthandwerk zu tun.

Die Löcher in Plot, Logik und Drehbuch sind allerdings so groß, daß man wohl Crew, Besatzung und „Elysium“ problemlos darin unterbringen könnte. So laufen, nur als Beispiel, die Überlebenden (Antje Traue und Cung Le, die wenig Sinnvolles zu tun haben und ihre Zeit dafür ganz ordentlich nutzen) mit in seltsamen Tribalstilen gehaltenen Messern und Schwertern durch die Gegend – was diese wenig an Praxistauglichkeit orientiert hergestellten Waffen an Bord eines Kolonisationsschiffes suchen, versucht erst gar niemand zu erklären. Dafür ist ja auch gar keine Zeit mehr, weil man sich dauernd der namenlosen Monster erwehren bzw. das Schiff retten muß. So ein Glück! Die sind angeblich aus einigen Mitreisenden durch evolutionsbeschleunigende Enzyme in der Nährlösung entstanden – die sich durch die lange Dauer der Reise allerdings nicht an den Zielplaneten, sondern, und das vermutet eine Figur wörtlich, an den Lebensraum des Schiffes angepaßt hätten.

Da hat wohl jemand seinen Biologie-Grundkurs geschwänzt.

(Oder fandet Ihr Pandorum viel besser? Ich bin ja mal gespannt.)

Foto: Constantin