Die Störkanal-Edition: Interview mit Nando Rohner

Die Störkanal-Edition von I-On New Media ist eine DVD-Reihe von mittlerweile vierzehn zum Teil sehr aufregenden Filmen, zu denen sich ab heute der hervorragende griechische Streifen Dogtooth/Kynodontas (meine Kurzkritik) hinzugesellt. Zu den bisherigen Highlights gehörten auch schon 5150 Elm’s Way (meine Kritik) aus Kanada sowie der bestürzend intensive südkoreanische Bedevilled (Trailer). Für Ende April ist zudem Red White & Blue angekündigt, den ich nur mit Nachdruck empfehlen kann.

Ich habe Nando Rohner, der für I-On New Media als Pressesprecher und journalistischer Betreuer der Störkanal-Reihe arbeitet, per E-Mail eine Handvoll Fragen zum Projekt gestellt.

Wie ist das Projekt Störkanal-Edition entstanden und welches Konzept steht dahinter?

Nando Rohner: Die Idee zu der Störkanal-Edition kam Michael Kraetzer, seines Zeichens Chef und Initiator von I-On New Media und ANIMAZE, im Jahr 2009.

Die Störkanal-Reihe soll anspruchsvollen, außergewöhnlichen und preisgekrönten Filmen abseits des Mainstreams einen würdigen Rahmen bieten, den solche Filme unserer Meinung nach auch verdienen. Neben unserem bekanntem Themen-Schwerpunkt bestehend aus Horrorfilmen und Filmen aus Asien, hatten wir bei I-On New Media schon immer auch Filme im Angebot, die aufgrund ihrer anspruchsvollen und unkonventionellen Machart nur schwer einem Genre zuzuordnen waren. Mit Störkanal tragen wir diesem Umstand nun Rechnung, weswegen wir uns dazu entschlossen haben, neben vielen exclusiven Titeln, auch ein paar ausgewählte Titel aus der Vergangenheit innerhalb der Störkanal-Reihe nochmals neu aufzulegen. Unserer Meinung nach ist die heutige Filmlandschaft zu stark vom anspruchslosen Mainstream-Kino beherrscht. Die kleineren Filme, die nicht mit einem großen Werbebudget beworben werden, haben es deswegen sehr schwer ihr Publikum zu finden. Dies ist ums so bedauerlicher, weil gerade diese Filme dem Zuschauer oftmals eine besondere Art von Unterhaltung bieten. Sie nehmen den Zuschauer noch ernst, erlauben es sich ihn intellektuell und emotional zu fordern, anstatt ihn nur als seelenlosen Konsumenten zu betrachten. Genau dieser Art von Filmen soll die Störkanal-Reihe ein zu Hause bieten. Dabei war es uns von Anfang an wichtig, dass die Störkanal-Reihe auch mit einem optisch ansprechenden Gesamtkonzept versehen wird. Störkanal soll nicht nur ein Name sein, sondern für den Film-Sammler auch ein Garant auf ein optisch einheitliches Erscheinungsbild darstellen. Alle Filme erscheinen in einem Slim-Digi inkl. einem 12 Seiten dicken Booklet. Zusätzlich sind alle Filme durchnummeriert und verfügen über ein Störkanal-typisches Cover-Motiv, welches in seiner Gestaltung einen hohen Wiedererkennungswert besitzt. Wir von I-On New Media sind im Endeffekt auch nur Filmsammler und haben die Störkanal-Reihe so gestaltet, wie wir sie gerne in unserer Filmsammlung sehen würden.

Wie muss man sich den Entscheidungsprozess vorstellen, welche Filme veröffentlicht werden sollen? Wie sucht Ihr also die Filme aus?

Als langjähriger Label-Chef verfügt Michael Kraetzer über die entsprechenden Kontakte und bekommt auch viele Filme zur Ansicht zugeschickt. Auch ist er stetig auf der Suche nach neuen Filmen, die ins Störkanal-Konzept passen könnten. Wenn er auf einen Film gestoßen ist, der seiner Meinung nach ein Störkanal-Film werden könnte, wird dieser vom Team angesehen und darüber diskutiert, bevor Michael Kraetzer die finale Entscheidung trifft.

Inhaltlich gibt es nur im weitesten Sinne einen Referenz-Parameter, welchem die Filme gerecht werden müssen, um als Störkanal-Film in Betracht gezogen zu werden. Natürlich hat ein reiner Action- oder Horrorfilm, oder auch eine Komödie keine Chance in die Reihe aufgenommen zu werden, aber ansonsten lassen wir uns von irgendwelchen Genre-Grenzen nicht einschränken. Wenn ein Film unserer Meinung nach unbequem ist, zum Nachdenken anregt, in seiner Art den Zuschauer intellektuell anspricht, oder emotional herausfordert, dann hat er eine gute Chance darauf, ein Teil der Reihe zu werden. Neben den inhaltlichen Qualitäten entscheidet natürlich auch die Gesamtumsetzung darüber, ob ein Film ins Störkanal-Konzept passt oder nicht. Billige Dutzendware hat in der Reihe nichts zu suchen. Störkanal repräsentiert für uns Qualität in jeglicher Hinsicht. In diesem Zusammenhang sind wir besonders Stolz darauf, mit Dogtooth einen Film im Programm zu haben, der bei der letzten Oscar-Verleihung für einen Oscar als bester nicht englischsprachiger Film nominiert war.

Wie ist die Resonanz auf die Edition bisher ausgefallen? Immerhin sind die Filme ja alles andere als leichte Kost.

Wir haben bisher nur gute Resonanzen auf die Edition erhalten, sei es von der Presse oder den Kunden. Dies hat uns auch darin bestärkt, die Störkanal-Edition weiterzuführen, da unserer Meinung nach definitiv ein Bedürfnis nach anspruchsvollen Filmen besteht, die entsprechend aufgemacht die heimische Filmsammlung veredeln.

Wie sind Eure bisherigen Erfahrungen in Bezug auf die Freigabe der Filme durch die FSK? Habt Ihr stark schneiden müssen, um Freigaben zu bekommen?

Bis jetzt hatten wir keine nennenswerten Probleme. Es muss aber auch ganz klar gesagt werden, dass kein Störkanal-Film in irgendeiner Form auf reißerische Gewaltdarstellungen setzt. Wenn Gewalt in den Filmen vorkommt, dann resultiert diese stets aus der Geschichte heraus und ist auch psychologisch nachvollziehbar. Viele Störkanal-Filme zeichnen ein Bild der menschlichen Seele oder vom Tun und Handeln von Menschen in Extremsituationen, da gehört auch Gewalt dazu. Die FSK hat in diesem Zusammenhang jedoch ganz klar erkannt, dass die Gewalt innerhalb der Störkanal-Reihe immer in einem entsprechenden Kontext stattfindet und auch nie zum Selbstzweck verkommt.