Galaxina (1980)

An Bord des Polizeikreuzers Nr. 308 „Infinity“ ist die Arbeitsmotivation nicht eben besonders hoch. Hinter einem Felsbrocken versteckt lauert man auf vorbeizischende Raumschiffe wie Polizeiautos auf Raser in amerikanischen Highway-Komödien. Alles ist Parodie und atmet die stets leicht sexistische Humoristik seiner Zeit: Galaxina kommt, ein billigst produziertes Kleinod, direkt aus dem Jahr 1980 zu uns, nimmt alles aufs Korn, was das Sci-Fi-Kino der vorhergehenden Jahrzehnte so zu bieten hatte und einiges vorweg, das noch kommen sollte. Kapitän Cornelius Butt(!) spricht dauernd in sein Logbuch oder zwingt seine Offiziere zu elaborierten Abendessensimulationen (es gibt Nährpillen), die Form des Raumschiffs, die dem Vernehmen nach an eine Topinambur erinnern soll, evoziert de facto allerdings einen Penis. Es werden Wortspiele en gros gedroppt, die eklektische Musikauswahl bringt ein ironisches Highlight nach dem anderen, es tauchen Anspielungen auf Star Trek, Alien (in direktem Bezug auf eine bestimmte Essensszene), 2001 und viele andere Filme auf, von Barbarella zu schweigen: Die Titelfigur Galaxina ist eine Androidin, die von der rein männlichen Besatzung stets wolllüstig begafft wird – die erste Hauptrolle für Dorothy Stratten, die mehr wollte als Playboy-Model sein und mit 20 Jahren von ihrem Ehemann ermordet wurde.

Zwischendurch besucht die Crew ein in Sachen Lebensformen sehr diverses intergalaktisches Bordell, das Wild-West-Feeling ausstrahlt – man drehte in Kulissen, die für ein Western-Filmprojekt bereits bezahlt und aufgebaut waren. So gibt es als „Cantina“-Szene für die Star Wars-Enthusiast_innen das Interieur eines Western-Saloons, in dem es Menschenteile zu essen gibt und sich ein Setdesigner mit großer Freude an Wortspielen austoben durfte (inkl. „Tasty Tastebuds“ und „Knuckle Sandwich“). Wahrhaft mehrdimensionaler Quatsch höherer Ordnung.

Diese Kritik ist in kürzerer Form zuerst in der Deadline erschienen.

Kurz verlinkt, 16. April 2011

Lesens- und Sehenswertes aus den vergangenen Tagen (8. März 2011 bis 16. April 2011):

  • Culture Warrior: 3 Rules of Child Assassin Movies – Child assassins are quite different from the overall category of child killers. And while two recent films in two subsequent spring movie seasons that feature child assassins, Kick-Ass and Hanna, hardly constitute a trope as far-reaching as child killers in horror films, they do seem to be rising with their own rules of representation that constitute a possible emerging trend of their own.
  • An exegesis of sexual subtext in “Predator.” – An excerpt from Sir J. Thurgood Snorpington-Pittwickett’s classic “Sexual Tyrannosaurus: ‘Predator’ and the masculine struggle with homosexual self-identity,” first published in the 1988 Journal of Psychosexuality and Cinematical Hermeneutics 6, p. 122-254. (via)
  • Deutsche Filmakademie: Genug ist nicht genug – Ein Round-Table-Gespräch in der Deutschen Filmakademie zur aktuellen Lage in den deutschen Kinos. Am Nachmittag des 8. März 2011 trafen sich Manuela Stehr (Produzentin/Verleiherin), Herbert Schwering (Produzent), Jan Schütte (Regisseur/ Direktor der dffb) und Rüdiger Suchsland (Filmjournalist) zu einem Gespräch über den Zustand und Ideen für die Zukunft des deutschen Kinos. Die Gesprächsleitung hatten Alfred Holighaus (GF der Deutschen Filmakademie) und Linda Söffker (Leiterin der Perspektive Deutsches Kino, Berlinale).

28 Drinks Later

Bevor ich mir heute abend mit La Horde frisches Zombiefleisch zu Gemüte führe, gibt es hier noch eine hübsche Zombiefilmtrailerparodie (falls das ein Genre ist), die sich an 28 Days/Weeks Later abarbeitet:

(via)