Trash am Mittwoch: Death Race 2 (2010)

Ich mochte ja das Remake des Trashklassikers Death Race 2000 von 1975 eigentlich ganz gerne (meine Kritik); als weitgehend hirnlose Unterhaltung der Kategorie „Blut, Männerschweiß und Frauenkörper“ kam das Ganze zwar vielleicht etwas glatter und berechnender daher als das Original (das freilich im Vergleich vom Charme der Vergangenheit profitiert), aber ich bin ja für solche guilty pleasures durchaus gelegentlich zu haben.

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Nun gibt es mit Death Race 2 eine Direct-to-Video-Fortsetzung des Spektakels, das freilich in der Logik der Filmhandlung ein Prequel darstellt, also die Vorgeschichte zum Death Race mit Jason Statham erzählen soll. Paul W.S. Anderson, zuletzt mit Resident Evil: Afterlife und jetzt mit den drei Musketieren beschäftigt (alles gemeinsam mit Ehefrau Milla Jovovich), übergab den Regiestab vermutlich ganz gerne an Roel Reiné, der schon so einiges B-Material beaufsichtigt hat und als nächstes die Scorpion King-Saga (überflüssigerweise) um einen weiteren Film erweitern darf. Anderson produzierte allerdings mit, und mit Roger Corman als ausführendem Produzent sind hier durchaus Leute am Werk, die ihr B-Handwerk verstehen.

Und so ist Death Race 2 auch ein Werk durchaus polierter Oberflächen, ausgestellter Blutigkeit (allerdings viel zahmer als sein Vorgänger) und straffer Dramaturgie. Daß innerhalb dieses Gerüsts allerdings viel Quark geredet und gemacht wird, muß man es extra ausbuchstabieren? Ving Rhames, der in jedem dieser Filme aufzutauchen scheint, wenn auch diesmal in etwas feineren Zwirn gewandet als sonst, ist ebenso dabei wie Sean Bean in einigen wenigen Szenen, Danny Trejo wirkt nach Machete hier schon ziemlich unterfordert, und Luke Goss gibt den Protagonisten ohne großes Federlesen oder Mienenspiel.

Das Frauenbild hat sich schließlich seit dem letzten Death Race noch verschlimmert (oder müßte das nach der diegetischen Chronologie langsame Hoffnung auf Verbesserungen bedeuten?) – hier sind sie nurmehr (wortwörtlich) Nummerngirls, namenlose Beifahrerinnen und „Collateral Damage“ – schlimmer noch, Tanit Phoenix darf hier mit Goss nicht nur anbandeln, sie wird ihm dann auch noch, als Belohnung für ein gewonnenes Rennen, von Rhames‘ Oberbösewicht als sexuelle Belohnung kredenzt – und gibt sich natürlich gerne und freiwillig hin.

Das aber, liebe Leserinnen und Leser, muß man sich wirklich nicht unbedingt ansehen.

Pandorum (2009)

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Ich kann das ruhig gleich zu Anfang sagen: Man muß Pandorum nicht unbedingt gesehen haben, man kann unter Umständen auch gar nicht so einfach – hier in Paris läuft er in seiner zweiten Woche nur noch in zwei Kinos, in einem in Originalversion. Und Paris ist glücklicherweise keine an Kinos arme Stadt. (Es folgen gelegentlich ein paar Spoiler.)

Gleichwohl gibt es sicherlich schlechteren Schrott als diesen in Babelsberg und mit viel deutschen Steuergeldern gedrehten Science-Fiction-Schocker, der alle möglichen Versatzstücke des Genres durcheinandermischt: Dunkle Gänge und Schleimspuren etwa aus Alien und seinen Nachfolgern, anderes dann aus Event Horizon (das ist nicht zufällig – produziert wurde Pandorum unter anderem von Paul W.S. Anderson, der bei Event Horizon Regie führte und auch bei Resident Evil, was man dem Film ebenfalls ansieht) und was an finsteren Endzeitgeschichten im All noch so herumfliegt. Nur die Komödien wurden ganz ausgelassen, Pandorum leistet sich nicht einmal einen ganz kleinen Comic Relief.

Ernsthaft ist das also, sehr klaustrophobisch – die Enge der Räume drückt bis auf die Leinwand durch. Aber ein guter Film eben leider doch nicht. Das liegt zum einen daran, daß der Film den Zuschauer_innen die Hintergrundstory gleich am Anfang präsentiert, während die Protagonist_innen eine ganze Weile brauchen, um sich diese aus den dunklen Stellen ihrer Hyperschlaf-induzierten Amnesie herauszukramen. Der Film wäre so noch düsterer geworden, aber das wollte man wohl wirklich nicht, wie auch das Ende zeigt: Da scheint der Film einen Moment lang den Mut aufzubringen zu großer, totaler, endloser Verzweiflung. Dann dreht er sich aber aus dem Geschehenen doch noch eine – immerhin einigermaßen originelle – Schleife zu einem knallkitschige inszenierten Happy-End hin.

Mit Tausenden von Menschen, so will es die Vorgeschichte, ist das Schiff „Elysium“ unterwegs von der überbevölkerten Erde zu einem möglicherweise für Menschen bewohnbaren Planeten; als zwei Mitglieder der Crew aus tiefem Hyperschlaf erwachen, ist jedoch das Schiff lahmgelegt, ohne daß sie herausfinden können, was geschehen ist. Nach und nach und mit Hilfe anderer an Bord herumlaufender Überlebender verstehen sie, was geschehen ist und woher die menschenfressenden Monster kommen, von denen sie durch die dunklen Gänge des Schiffes gejagt werden.

Für Pandorum haben Regisseur Christian Alvart und Drehbuchautor Travis Milloy zwei separate Grundhandlungen miteinander verknüpft – das funktioniert leider nur begrenzt gut, weil sich die beiden nur lose berühren und die an diesen Punkten hervorgerufene Spannung doch sehr bemüht wird. Zu guter Letzt wird auch noch das Fortbestehen der Menschheit an sich in die Wagschale geworfen, als ob das blanke Überleben nicht schon Motivation und Aufreger genug wäre.

Zwischendurch gerät Pandorum recht actionlastig, was aber nicht gut funktioniert; die hektischen, wild geschnittenen Kämpfe erwecken eher den Eindruck, daß für den Film kein guter Choreograph engagiert wurde, als daß durch die raschen Schnitte so etwas wie Geschwindigkeit und Aufregung transportiert würde. Ansonsten hat man es in der filmischen Umsetzung immerhin mit solidem Kunsthandwerk zu tun.

Die Löcher in Plot, Logik und Drehbuch sind allerdings so groß, daß man wohl Crew, Besatzung und „Elysium“ problemlos darin unterbringen könnte. So laufen, nur als Beispiel, die Überlebenden (Antje Traue und Cung Le, die wenig Sinnvolles zu tun haben und ihre Zeit dafür ganz ordentlich nutzen) mit in seltsamen Tribalstilen gehaltenen Messern und Schwertern durch die Gegend – was diese wenig an Praxistauglichkeit orientiert hergestellten Waffen an Bord eines Kolonisationsschiffes suchen, versucht erst gar niemand zu erklären. Dafür ist ja auch gar keine Zeit mehr, weil man sich dauernd der namenlosen Monster erwehren bzw. das Schiff retten muß. So ein Glück! Die sind angeblich aus einigen Mitreisenden durch evolutionsbeschleunigende Enzyme in der Nährlösung entstanden – die sich durch die lange Dauer der Reise allerdings nicht an den Zielplaneten, sondern, und das vermutet eine Figur wörtlich, an den Lebensraum des Schiffes angepaßt hätten.

Da hat wohl jemand seinen Biologie-Grundkurs geschwänzt.

(Oder fandet Ihr Pandorum viel besser? Ich bin ja mal gespannt.)

Foto: Constantin